Miggelbrink, Ralf

Der zornige Gott

Der zornige Gott
  • Verlag: Wissenschaftliche Buchgesellschaft
  • Erscheinungsdatum: 2002-01-01
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 168
  • ISBN: 3534155823
  • EAN: 9783534155828
  • Amazon.de Verkaufsrang: 809.736
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Beschreibung von buecher.de

Die Bibel ist voller Gewalttaten, und vom zornigen, wutschnaubenden Gott ist nicht nur am Rande die Rede. Die kirchliche Verkündigung dagegen stellt die Liebe und Menschenfreundlichkeit Gottes in den Vordergrund. Diesem ins Auge springenden Widerspruch ist Ralf Miggelbrink auf der Spur. Basierend auf den Ergebnissen der Bibelwissenschaften skizziert er eine Theologie, die herkömmliche Gottesbilder in Frage stellt.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Kann der liebe Gott auch zornig sein? Dieser spannenden Frage geht der Essener Theologe Dr. Ralf Miggelbrink nach. Als katholischer Professor für Systematische Theologie verfügt er dabei über das nötige dogmatische und exegetische Handwerkszeug -- was freilich die Lektüre seines Buches sehr erschwert, denn mit der Gabe des auch für Nichttheologen leicht verständlichen Schreibens ist er nicht gesegnet. Trotzdem lohnt es sich, sich durch die 150 Seiten hindurch zu arbeiten. Zunächst referiert Miggelbrink jene Stellen des Alten Testaments, in denen JHWH -- der hebräische Name Gottes -- das Volk und Land Israel heimsucht. Blutige Kriegsniederlagen, Katastrophen und Tod, verdörrte Länder und zerstörte Städte durchziehen den ersten Teil der Bibel, so dass viele Christen wie auch Religionskritiker unken: Wenn Gott Liebe ist, warum verhält er sich dann so rüde und hofft auf die Wirkung der schwarzen Pädagogik? Miggelbrink ist die Tragweite dieser Frage sowohl in theologischer als auch lebensgeschichtlicher Hinsicht bewusst. Die Botschaft des "unbedingt liebenden Gottes" wurde für viele Menschen gerade im letzten Jahrhundert zur "entscheidenden religiös-spirituellen Befreiungserfahrung ihres Lebens". Demgegenüber benutzten die Kirchen den Zorn Gottes zum "Drohinstrument bei der Indoktrination mit bigotter Frömmigkeit und skrupulanter Moralität". Diese beiden verkürzten Sichtweisen entsprechen jedoch nicht dem biblischen Befund, meint Miggelbrink und will genau den herausarbeiten. Dabei widersteht er der Versuchung, Jesus als Verkörperung der Liebe dem alttestamentlichen zornigen Gott gegenüber zu stellen. Denn Jesus überschüttete die Menschen nicht nur mit Liebe, sondern kündigte ihnen auch das Gericht an, gleichwohl bei ihm "der optimistische Aspekt der Heilsansage" überwogen habe. Der Apostel Paulus deutete dies nach Jesu Tod und Auferstehung erstmals theologisch: Wer sich dem Evangelium öffne, könne dem Gericht entgehen. Miggelbrink referiert die theologische Entwicklung von der Alten Kirche bis in die Moderne, sowohl auf katholischer wie evangelischer Seite. Und stellt am Ende seine Sicht gut begründet und nachvollziehbar dar: Das Gericht ist nicht in erster Linie eine Strafandrohung, sondern eine Befreiung von der Gewalt, die sich Menschen einander antun. --Uwe Birnstein

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von amminadab fanden 7 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine Fülle an Material zum Thema

Das Buch wendet sich einem heute leider zu wenig im Blickfeld liegenden ganz wichtigen Aspekt des biblischen Gottesbildes zu. In Predigt und Unterricht wird "der zornige Gott" eher nicht thematisiert und wenn oft als zeitbedingt, für heute nicht mehr aktuell abgetan.

Miggelbrink unterbreitet uns in ungeheuer dichter Form eine Fülle von Material aus Exegese, Kirchengeschichte und systematischen Theologie zu der heute anstößigen biblischen Tradition von Gottes Zorn. Er schreibt: "Im Kontext neu aufblühender Polytheismen und Synkretismen sowie deren soziobiologischer Legitimation gilt es, den Gott der Bibel als fordernden Gott ins Spiel zu bringen, der das Leben der Menschen nicht bestätigen, sondern mit dem Anspruch einer weltverändernden Ethik der Solidarität, der Mitmenschlichkeit, der Sorge füreinander verändern will." (S. 162)




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