Eingerichtet v. Hans M. Enzensberger

Museum der modernen Poesie

Museum der modernen Poesie
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 2002-11
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 960
  • ISBN: 3518413805
  • EAN: 9783518413807
  • Amazon.de Verkaufsrang: 728.085
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Beschreibung von buecher.de

Als das Museum der modernen Poesie 1960 erstmals erschien, sprach die Kritik von einer 'literarischen Documenta', von einem 'Orbis pictus der modernen Poesie'. In der Tat hat sich Enzensbergers Sammlung als ein unwiederholbares Unternehmen erwiesen. Die beinahe hundert Dichter aus aller Welt mit ihren 351 Gedichten, die darin vorgestellt werden, waren seinerzeit in ihrer Mehrzahl kaum dem Namen nach bekannt. Heute, da die große Zeit des Modernismus (1910-1940) längst historisch geworden ist, wird deutlich, daß sie die Leitfiguren dieser Epoche waren und daß sie es geblieben sind.
Ihre Lyrik erscheint in Enzensbergers Museum in doppelter Gestalt: Neben der deutschen Übertragung steht das Original. Die Parallelität von 16 Sprachen macht diese Anthologie zu einer einzigartigen Lyriksammlung, die man immer wieder gern zur Hand nimmt.
Für diese besonders aufwendig ausgestattete bibliophile Neuausgabe wurde der bio-bibliographische Anhang auf den neuesten Stand gebracht und von Hans Mag

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Timon Jakli fanden 13 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Das Museum als Ort der Herausforderung

Die Neuauflage des „Museums der modernen Poesie", das erstmals 1960 von Hans Magnus Enzensberger herausgegeben worden war, lässt den Leser einen kaleidoskopartigen Blick auf die Dichtung der „klassischen Moderne" werfen.Die Anthologie stellt auf circa 860 Seiten 351 Gedichte von fast 100 Autoren aus aller Welt, die der Moderne zugerechnet werden, vor. Interessant dabei zu beobachten ist die Vielschichtigkeit dieser literarischen Strömung, die Heterogenität, die ihren Ausdruck in verschiedensten sprachlichen Formen findet. So liest man Gedichte von Brecht, direkt neben Kavafis, Breton, Benn und Ungaretti.Als eine der größten Stärken des Bandes lässt sich - ganz der Programmatik eines „Museums mit Gebrauchswert" folgend - wohl die Mehrsprachigkeit (16 Sprachen) anführen, da stets Original und Übersetzung eines Gedichtes parallel zu lesen sind. Dies ermöglicht dem Sprachkundigen sowohl einen direkten Vergleich der Gedichte, als auch den Genuss, Dichtung in der Originalsprache zu lesen.Enzensberger spricht im Nachwort davon, dass das Museum als ein „Ort der Herausforderung" zu sehen sei, als Impetus für kreative und dialektische Denkprozesse. Dementsprechend sind die einzelnen Texte frei angeordnet, gleich einem Puzzlespiel, d.h. es herrscht keinerlei normative Ordnung vor, es wurde lediglich eine lose Einteilung in 10 Kapitel, die auf den Inhalt bzw. die Hauptmotive bezogen sind, vorgenommen. Dies ermöglicht es dem Leser, Spannungen und Reibungsflächen zwischen Gedichten ausfindig zu machen, mit den Gedichten zu spielen und durch Blättern quasi selbst eine Einteilung vorzunehmen. Auch dieser kreative Ansatz ist eine der großen Stärken des Museums.Faszinierend und unterhaltsam zugleich ist das erste Nachwort Enzensbergers, in dem der junge Autor - noch ganz erfasst vom „Pathos und der Freude des Entdeckers" - die Dynamik der Moderne preist und (im Kontext des Formalismusstreits) jegliche normative Poetik der Moderne ablehnt. Dagegen spricht er im Nachwort zur Neuauflage, im Angesicht der Postmoderne, davon, dass er viele „Illusionen und Irrtümer" geteilt habe, wohl auch zu sehr an die „subversiven Kräfte der Literatur" geglaubt habe. Auch der Glaube an die „Weltsprache der Literatur" sei durch die Zeit eines Besseren belehrt worden (in der Tat spricht er von einem Eurozentrismus der Literatur, der auch der Grund für die unten angeführten Aussparungen sei).Bewusst verzichtet Enzensberger auf Anmerkungen oder Erläuterungen (angeschlossen sind nur Kurzbiographien der Autoren), da er die Reflexion über die Poesie dem Leser überlassen will. Doch gerade das mag für den „Neueinsteiger" eine gewisse Schwierigkeit bieten, da so sich so manches Gedicht - auch mangels der Informationen über das Schaffen der Autoren bzw. den literarischen Kontext - als schwer zugänglich erweist. Ausgespart bleiben leider auch Gedichte aus dem japanischen, hebräischen und arabischen Kulturkreis, was in der Anthologie eine bedauernswerte Lücke hinterlässt.Was aber bleibt ist eine hervorragende Anthologie moderner Poesie, die auch nach 40 Jahren nicht ihre Aktualität verloren hat, in einer vom Suhrkamp Verlag wunderschön gestalteten Ausgabe.

Diese Rezension von Obsidian Sky fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die klassische Avantgarde

In diesem Buch seien vor allem sachliche Zusammenhänge ausschlaggebend für die Auswahl gewesen, mehr als die Qualität, so Enzensberger. Doch findet man in diesem Buch eine der interessantesten und schönsten Lyriksammlungen überhaupt. Und man merkt, wie die Zeit vergeht: Was damals noch Avantgarde war, kann man heute schon ohne Gewissensbisse als "klassisch" bezeichnen.

Es ist klar, dass in einer solchen Fundgrube nicht alles gefallen kann, und bei manchen Lyrikern sollte man von dem schmalen Werk aus der hier wiedergegebenen Zeit nicht auf das Gesamtwerk schließen. Dafür aber stößt man hier auf Gedichte einiger Autoren, die man im Buchhandel sonst nur unter großen Schwierigkeiten wiederfinden würde.

Was die Poesie der Moderne bei aller Kritik interessant macht, ist der Bruch der sprachlichen und stilistischen Dämme, der es ermöglichte, aus dem vollen Werkzeugkasten der Poesie zu schöpfen. Dass sich dabei, wie Enzensberger es nennt, Anzeichen einer "Weltsprache der Poesie" zeigten, mag an bei aller Verschiedenheit ähnlichen Erfahrungen der Autoren dieser Zeit liegen. Wie die Gedichte in dieser Anthologie aufbereitet sind, ist nach wie vor vorbildlich und lädt stets aufs Neue zum Lesen ein.

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