Küng, Hans

Erkämpfte Freiheit

Erkämpfte Freiheit
  • Verlag: Piper
  • Erscheinungsdatum: 2008-05
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 620
  • ISBN: 3492241352
  • EAN: 9783492241359
  • Amazon.de Verkaufsrang: 149.690
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Beschreibung von buecher.de

Hans Küngs großer Lebensbericht: Seine Kindheit und Jugend in der Schweiz, seine Eliteausbildung am päpstlichen 'Collegium Germanicum', sein Weg zum jungen Theologen des Konzils. Küng schildert seinen unerbittlichen Kampf um die Freiheit des Denkens ebenso wie seine Begegnungen mit Päpsten, Präsidenten und Menschen in allen Erdteilen. Hans Küngs großer Lebensbericht über seine Ausbildung am päpstlichen Eliteinstitut 'Collegium Germanicum', seinen Weg zum jungen Theologen des Konzils und seine Begegnungen mit Päpsten, Präsidenten und mit Menschen in allen Erdteilen.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der breiten Öffentlichkeit ist Hans Küng wohl wegen seiner Auseinandersetzung mit der vatikanischen Glaubenskongregation über seine theologischen Thesen sowie schließlich dem Entzug seiner kirchlichen Lehrerlaubnis 1979 durch dieselbe bekannt. Wirklich verstanden, worum es in der Sache ging, werden es jedoch nur Theologen sowie interessierte und gebildete Laien haben. Wer nun aber glaubt, durch Erkämpfte Freiheit, die Autobiografie Hans Küngs, fiese Details über diesen Konflikt sowie hämische Schadenfreude oder triumphierende Arroganz des Autors zu erfahren, ist hier an der falschen Adresse. Denn dieser Band der Autobiografie reicht lediglich bis zu seinem 40. Lebensjahr (ein zweiter wird folgen). Er schildert somit zwar die ersten theologischen Konfrontationen und die Entwicklung Küngs zu einem unabhängigen wie unbestechlichen Geist und Kämpfer für seine argumentativ belegten Überzeugungen. Die Eskalation der konträren Auffassungen wird jedoch Gegenstand des späteren Lebensberichtes sein. Außerdem ist dieses Leben ein Paradebeispiel dafür, dass Kritik an Teilen der Institution katholische Kirche nicht gleichbedeutend ist mit Kampf gegen diese in ihrer Gesamtheit und schon gar nicht mit Negierung des Glaubens, sondern vielmehr etwas zu tun hat mit der Position des Einzelnen innerhalb des Ganzen. Was den Leser erwartet ist ein kluges Buch, sehr persönlich, offen, ironisch, spannend geschrieben, eine verständliche und präzise Darlegung theologischer Forschungen und Argumentationen. Ganz nebenbei ist es eine Kirchengeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Papstgeschichte, Geschichte und Scheitern des Zweiten Vatikanischen Konzils, Kirchenreform, biografische Skizze bedeutender Theologen und ihres Werkes wie das des protestantischen Theologen Karl Barth, dessen Rechtfertigungslehre Küng zu seinem Promotionsthema anregte, und ein Alltagsbericht zu Leben und Ausbildung eines Jesuitenschülers (des Collegium Germanicum). Kenntnisreich und souverän führt Hans Küng durch diffizile und komplexe Themen, aber auch durch die Personalpolitik der Kirche, universitätsinterne Strukturen, schildert Auslandsreisen und Begegnungen, erzählt liebevoll über seine Familie. Man spürt den Enthusiasmus, den Idealismus, die aufrichtige Empörung des jungen Küng über Missstände innerhalb der Kirche -- ebenso wie man später die Verteidigung seiner Thesen und die Entscheidung für die Auseinandersetzung um seiner Überzeugung willen, nicht aus Streitsucht, die Enttäuschung und Verbitterung verstehen kann. Man muss seine weltpolitischen Betrachtungen oder zuweilen naiv erscheinenden Urteile über seine Schweiz nicht teilen, doch das sind Marginalien. Trotz der etwas mehr als 600 Seiten ist keine zu viel -- und die Fortsetzung folgt hoffentlich bald. --Osseline Kind

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von der leser fanden 13 von 14 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen notizen aus einer fernen welt

das buch ist vom sprachstil her leicht zu lesen. einzig störend wirkt die doch auffällige egozentrik (selbstverliebtheit?) des autors, der dann seinen theologischen gegnern gegenüber seine überlegenheit demonstriert und mit diesen gelegentlich recht harsch ins gericht geht, ohne auch nur im ansatz deren theologischen gegenargumente zu nennen. vielleicht verständlich, wenn man berücksichtigt, wie unfair mit küng von offizieller seite umgegangen wurde - es ist dennoch nicht schön zu lesen. hier wäre weniger mehr gewesen.

ansonsten: wie erinnerungen aus einer unbekannten welt muten diese rückbesinnungen hans küngs an. der katholik von heute kann sich kaum noch vorstellen, wie die katholische welt vor nicht einmal 50 jahren aussah. und diese erinnerungen bezeugen, dass sich das 2. vatikanum trotz allem gelohnt hat. diesem konzil widmet küng nun auch einen großteil seiner gedanken und bringt diese in verbindung mit seinem eigenen theologischen werk. jeder der sich mit dem konzil zukünftig beschäftigen will, kommt an diesen erinnerungen nicht vorbei. wer das buch küngs mit gewinn lesen will, sollte sich jedoch mit seiner theologie ein wenig auskennen - nur so wird die geschichte lebendig. auch mit namen wie rahner, ratzinger, schillebeeckx, seckler, könig etc. sollte man etwas verbinden können. kein zweifel, küngs ekklesiologischer ansatz ist der bis heute hilfreichste für den weg der kirche in die moderne. einiges findet sich bereits heute im allgemeinen katholischen gedankengut. welche kämpfe es brauchte, um teile dieser idee ins heute umzusetzten, davon redet dieses buch, das trotz seiner rund 600 seiten schnell gelesen ist.

Diese Rezension von Klaus Grunenberg fanden 67 von 77 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Deo gratias !

Überhaupt ist es immer wieder gut (und hier ergötzlich), zu lesen, wie es einem ergeht, wenn man ziemlich ehrlich über Interna redet.

In diesem Fall ist es ein Phantom, das uns mehr oder weniger zu interessieren hat, das Dilemma mit der katholischen Kirche. Und der Phantomschmerz ist allenthalben noch zu spüren beim Autor Hans Küng.

Es gibt somit auch viele Fragen ("hätte ich, wäre ich",), was immer er aber heute empfindet, er sagt es rundweg heraus, und bedauert nichts.

Ehrlich bekundet er, wie gesagt, und doch sensibel.Köstlich die Erinnerungen aus dem Germanicum in Rom und auch der kleine Einwurf, als Pius XII. einen rotgewandeten Collegiaten aus der Mitte einer Pilgerschar im heiligen Jahr 1950 herauswinkt, der sich allem Anschein nach sichtlich wohl, auch und gerade unter Frauen aufhält.

Wie anders hätte schon hier ein verständiges Eingehen eine Wende im Gedankengut (und vor allem in der Willensbekundung) des summus ponifex bewirken können?

Daß aber ein heranwachsender Mensch im Laufe der Zeit die Diskrepanz in der Auffassung zwischen Philosophie und Theologie erkennt, das ist (hoffentlich!) nicht einmalig.Köstlich nachzuempfinden auch die Gedankengänge zurück zu den Machenschaften in der Hierarchie unserer katholischen, also allumfassenden Kirche, vor allem der in Rom, der römischen sozusagen. Und es hätte doch "nur eines Zeichens" bedurft, einfach zu schön! ---

Daß die Nachwehen einer verlorenen (noch durchschimmernden) Herrlichkeit des einstigen Kirchenstaates dann und wann noch zu spüren ist, wen wunderts ?

Das nämlich sollte wohl offiziell erhalten werden und d a s muß man verstehen im Hinblick auf kommende Entscheidungen hier auf dieser unserer Erde, wo Standfestigkeit (auch im Mythos !?)erhaltenswert erscheinen mag.

Die Volksfrömmigkeit also wird weiterhin im Mittelpunkt stehen und nicht die Forschung oder gar die zu fordernde Entscheidung daraus. Jedoch wird darüber zumindest zu reden sein. Gespannt sind wir deshalb gerade auf den zweiten Teil der Erinnerungen, dieser erste Teil geht ja nur bis zum 40. Geburtstag des Autors.Hans Küng hat mit diesem Rückblick manch einem eine vergnügliche Lesestunde bereitet, manch einem aber bestimmt etwas heim geleuchtet und das ist gut so, meine ich.

Diese Rezension von martinlieneke fanden 11 von 14 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wie das Leben, so das Buch

Wie das Leben, so das Buch: Kämpferisch, streitbar, geistreich, kritisch und zugleich mit viel Engagement für die Sache Jesu. Für mich, der die vorkonziliare Theologie (gottlob) und das Ringen um das Zweite Vatikanische Konzil und die Öffnung der katholischen Kirche (Gott sei es geklagt) nur aus Erzählungen und Büchern kennt, eine lebendiges Kapitel Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Etwas sattelfest in Sachen Theologie, Philosophie und (Kirchen-)Geschichte sollte der Leser allerdings sein, um die fundierten Ausführungen des Autors wirklich genießen zu können.Doch mehr als seine intellektuelle Lebensleistung fesselt in diesem Buch sein persönlicher Weg: Geradlinig trotz aller Versuchungen zur Macht, konsequent in seinen Auffassungen, erd- und evangelium-verbunden die Spiritualität. Wer Küng schon einmal bei seinen zahllosen Vorlesungen, Vorträgen oder Fernsehauftritten (wie zuletzt beim Ökumenischen Kirchentag in Berlin) erlebt hat, der nimmt ihm jedes Wort seiner Lebensbeschreibung ab, auch wenn manches allzu selbstgefällig wirkt.So macht diese Lebensgeschichte Mut, sich auch zu Beginn des 3. Jahrtausends für die Sache des Glaubens und der Freiheit zu engagieren, wo vieles (nicht nur) in der römisch-katholischen Kirche von der "erkämpften Freiheit" verloren zu gehen scheint.

Diese Rezension fanden 11 von 15 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Hans Küng der streitbare Theologe

Hans Küng hat den ersten Teil seiner hochinteressanten Autobiographie vorgelegt und man wartet bereits gespannt auf den - hoffentlich bald folgenden - zweiten Teil. Küng ermöglicht uns interessante Einblicke in die Politik des Vatikans und in das Wesen der Katholische Kirche insgesamt. Rücksichten auf Personen nimmt er dabei allerdings nicht. Verständlich schildert er komplizierte theologische Zusammenhänge und lässt uns ein wenig an seiner wissenschaftlichen Arbeit teilhaben. Das die Darstellung manchmal etwas eitel und selbstgefällig ist, mag man diesem streitbaren Theologen nachsehen. Auf den Leser warten rund 600 sehr informative Buchseiten.

Diese Rezension von paulmoellers fanden 12 von 20 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Hans Küngs schwer erkämpfte Freiheit

Küng berichtet über die ersten vierzig Jahre seines Lebens und Wirkens. Er wurde 1928 in Sursee nahe Luzern geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Schuhhändler; Sieben Kinder hatte die Familie, fünf Töchter und zwei Söhne. Schon vor dem Abitur bemühte sich Hans Küng um einen Platz im Germanikum in Rom, dem Internat für die deutschsprachigen und die ungarischen Theologiestudenten an der päpstlichen Universität „Gregoriana". Sieben Jahre verbrachte in Rom. Die erzählten kleinen Episoden vermitteln ein farbiges Bild einer glücklichen Studienzeit, wenngleich unter strengen, manchmal skurrilen Regeln. Papst Pius XII. rief während einer der großen Pilgeraudienzen im Heiligen Jahr 1950 einen vorschriftsmäßig in den roten Talar der Germaniker gekleideten Kommilitonen Küngs nach vorn, in die Gruppe der Kleriker. Er verdiente sich, wie alle Germaniker, ein kleines Taschengeld als Führer einer Pilgergruppe. Sie bestand aus jungen Mädchen mit dem auffällig gekleideten Theologiestudenten in ihrer Mitte, was PP XII. wohl als so anstößig empfand, daß er noch am selben Abend den Germanikern ihre Nebentätigkeit als Fremdenführer verbot. - Als Küng einmal seine Schwestern auf der Straße nach ihrem Besuch auf die Straße vorm Kollegium begleitet und sich herzlich von ihnen verabschiedet, weist ihn der Rektor empört mit dem Wort „unmöglich!" zurecht.

Küngs theologische Dissertation „Rechtfertigung" vergleicht die Lehre Karl Barths mit der des Trienter Konzils zu der für Luther und damit für die lutherischen Kirchen entscheidenden Frage, ob der Mensch durch seinen Glauben allein oder durch seine guten Werke vor Gott gerechtfertigt werde. Küng erkennt keine trennenden Unterschiede. Barth bestätigt ihm, daß seine Lehre voll zutreffend wiedergegeben wird und er sich bei den Vätern des Trienter Konzils mit den Worten „patres, peccavi" für seine bisherigen Mißverständnisse entschuldigen möchte. Barths Brief wird in Küngs Dissertation abgedruckt. 1957 wird Küng wird in Paris „summa cum laude" promoviert. Der stellvertretende Rektor der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom hatte Küng davon abgeraten, die Dissertation dort einzureichen.

Nach jeweils kurzer Tätigkeit als Kaplan in Luzern und als Assistent des Dogmatikers und späteren Bischofs von Mainz, Hermann Volk, erhält Küng 1960 den Ruf auf einen ordentlichen Lehrstuhl an der Universität Tübingen, ohne schon habilitiert zu sein. Dort wirkt er bis zu seiner Emeritierung 1996. Vor dem von Papst Johannes XXIII im Jahr 1960 verkündeten 2. Vatikanischen Konzil schreibt er sein Buch „Konzil und Wiedervereinigung" mit vielen Reformvorschlägen, die von den römischen Autoritäten als zu weit gehend verurteilt werden. Klugerweise hatte Küng sich vorher um ein freundliche Geleitwort eines Kardinals bemüht. Nach Absagen einiger deutscher Kardinäle schrieb der Wiener Kardinal König dieses Wort und gab seine kirchliche Druckerlaubnis (Imprimatur), womit er den Römern das weitere Vorgehen gegen das Buch zu schwer machte.

Küng wird zu einer Vortragsreise in die USA eingeladen, spricht dort in verschiedenen Universitäten zu diesen Thema. Bis zu 8500 Zuhörer kommen zu seinen Vorträgen in den großen Universitäten Amerikas. Während des Konzils, 1962 bis 1965, ist Küng „Peritus" mit der Aufgabe, die Bischöfe theologisch zu beraten. Er schreibt für verschiedene Bischöfe deren Reden, die sie in lateinischer Sprache vor dem Plenum aller über 2000 Bischöfe halten wollen. Noch intensiver wirkt er in Rom auf inoffizieller Ebene.

Bei allen großen Erfolgen als Lehrer, Forscher und Verfasser vieler, in viele Sprachen übersetzter und immer wieder neu aufgelegter Bücher bleiben ihm Enttäuschungen nicht erspart. Schon 1957 legt die römische Glaubenskongregation („Inquisition") eine Akte über ihn an. 1979 wird ihm die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen, sodaß er nicht mehr als katholischer Theologe, immerhin aber noch weiter als ordentlicher Professor in Tübingen wirken darf. 1999 wird in Augsburg feierlich die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von den höchsten Vertretern der römisch-katholischen Kirche einerseits, der lutherischen Kirchen andererseits unterschrieben. Letztere hatten oben auf die Liste der Einzuladenden Hans Küng geschrieben. Er durfte auf Betreiben der katholischen Seite nicht kommen.

Manchmal scheint das ausgeprägte Selbstbewußtsein des freien Schweizers, des Erfolgsautors und des international hoch angesehenen Ordentlichen Professors deutlich auf. Sein flüssiger Stil erfreut den Leser. Seine manchmal recht harten Urteile werden immer plausibel begründet. Sie beziehen sich auch auf die letzten vier Päpste, vor allem aber auf deren römische Mitarbeiter, ferner auf einige Bischöfe und etliche Theologen. „In beinahe blasphemischer Berufung auf den `Dominus Jesus` wird wieder für die eigene Kirche die absolute Wahrheit in Anspruch genommen und den protestantischen Kirchen gegen alle Intentionen des Vatikanums II sogar ihr Kirchesein abgesprochen." sagt Küng zu Kardinal Ratzingers Erklärung „Dominus Jesus", veröffentlicht zehn Monate nach der Augsburger Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Er bezeichnet dann Ratzingers Dokument als „eine Kombination aus mittelalterlicher Rückständigkeit und vatikanischem Größenwahn.." (S. 199).

Nach über 600 Seiten Lesegenuß freut man sich auf den zweiten Band seiner Autobiographie, die der nun 75jährige Küng uns verspricht.

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