Boetius, Henning

Die blaue Galeere

Die blaue Galeere
  • Verlag: btb Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2004-07
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 416
  • ISBN: 3442751004
  • EAN: 9783442751006
  • Amazon.de Verkaufsrang: 383.508
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Beschreibung von buecher.de

Von der Inquisition auf Lebenszeit aus seiner Heimatstadt Antwerpen verbannt, trifft der holländische Maler Jan Massys 1550 in der italienischen Hafenstadt Genua ein. Völlig verarmt und vereinsamt, sehnt er sich zurück zu seiner Frau Anna und seinen vier Kindern. Aber der Weg dorthin ist ihm versperrt; eine Rückkehr würde den sicheren Tod für ihn bedeuten.
In dieser Situation grenzt es fast an ein Wunder, dass Massys kurz nach seiner Ankunft den Auftrag erhält, ein Porträt des 'Principe', des berühmten Admirals Andrea Doria, zu malen. Unverzüglich macht sich Jan Massys an die Arbeit im Palazzo Doria hoch über der Stadt. In zahlreichen 'Sitzungen' lernt er den bereits über achtzigjährigen, aber immer noch mächtigen und machtbewussten Principe kennen; in intensiven Gesprächen enthüllt ihm Doria seine geheimsten Ideen und Erfahrungen, seine Maximen und Ziele, seine Hoffnungen und Visionen, aber auch seine Sorgen und Ängste.
Mehrere Jahre bleibt Massys im Banne des charismatischen Doria in der Stadt. Er begleitet den 'Principe' als dessen Schlachtenmaler auf seinem letzten Seezug gegen den türkischen Korsaren Dragut, der die christlichen Schiffe im Mittelmeer bedroht. Er lernt die Urgewalt des Meeres und die Grausamkeit des Krieges ebenso kennen wie - in der Begegnung mit der schönen Schauspielerin Flora Gelosi - die Verlockungen und das Leid der Liebe. Am Ende malt er ein grandioses Porträt des Admirals, für das ihm Doria zur ersehnten Rückkehr in seine Heimat verhilft.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der flämische Maler Jan Massys kennt das Meer genau. Oft genug hat er es gemalt, und als er jetzt in einer dunklen Mauernische im Hafen steht, kann der Geruch de Ozeans sogar den Gestank von Tier- und Menschenkot überdecken. Sein ganzes Besitztum hat Massys in einem Leinensäckchen mit ans Ufer gebracht. Denn Massys, einst geachtetes Mitglied der berühmten Antwerpener Lukasgilde, ist auf der Flucht vor der Inquisition. Frau und vier Kinder hat er zurückgelassen, und ob er sie und seine anderen holländischen Freunde und Bekannten wieder sieht, ist ungewiss. In der Fremde im italienischen Genua lernt der Maler einen Menschen kennen, der ihn das Heimweh zumindest etwas vergessen macht: den großen Admiral Andrea Doria. "Jeder Mensch braucht ein Vorbild, an dem er sich messen kann", sagt ihm Doria im Gespräch, und in gewisser Weise wird der charismatische Militär, den Massys als Schlachtenmaler begleitet, ein solches Vorbild des Künstlers. Und dann sitzt Doria dem Maler Modell. In stundenlangen Gesprächen während der Sitzungen kommen die beiden Männer sich näher. Bis es Massys in den Hafen von Genua zieht, wo man eine rätselhafte und unbemannte blaue Galeere gesichtet hat. Bis hin zum leisen Ende breitet der Berliner Autor Henning Boëtius ein faszinierendes Panorama vor dem Leser aus, dass ihm die von Stürmen erschütterte Zeit im Europa des 16. Jahrhunderts fast so farbig wie ein Gemälde vor Augen führt. Die blaue Galeere ist ein wundervoller historischer Roman über einen faszinierenden Admiral, einen sensiblen Künstler -- und eine aufregende Zeit. --Stefan Kellerer

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Tita Furst Koren fanden 5 von 6 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein Korsar und sein Maler

Es ist ein sehr guter Roman. Hinter historischen Fakten verbergen sich die Geschichten vom verbannten Maler und seinen "Meister" Andrea Doria. Fast im Greisesalter will der berühmte Korsar und Il Principe von Genua ein Bild von sich haben. Es soll die Macht, aber auch die Selle zeigen. Sehr schlau geht er dabei zu, verstrickt den Künstler in eine Liebesgeschichte (nur ein verliebter Künstler mit einigen anderen Problemen kann gut malen...), nimmt ihn mit in den Krieg. Dabei kennen wir die "zweite" blaue Galeere, die raue Art der Matrosen, das furchtbare Leid der Gallioten. Der Krieg währt immer, so wie die Inquisition, man fragt sich, wann der einfache Mensch überhaupt zur Ruhe kommt.

Europa im 16. Jahrhundert ist blutig, die Bilder können aber das teilweise retouschieren. Die Gespräche sind sehr gut, mir imponierten aber am meisten die minutiösen Beschreibungen der Bilder (entweder mit Augen des Malers oder der Schauplätze). Man lernt viel über die Technik der Malerei.

Und Andrea Doria? Ein Despot, ein Prinz, ein Suchender, ein Grausamer, trotzdem - man muss ihn bewundern. Er bleibt sich treu.

Lohnt sich zu lesen.

Diese Rezension von Minnhera fanden 0 von 1 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Schöne Bilder und viel Geschwätz

Ich muß diesem Buch 3 Sterne geben, weil ich einerseits die auf den Punkt gebrachte, ästhetisch sehr genaue Beschreibung von Sinneseindrücken und Gedankengängen sehr genossen habe, weil die Einzelheiten sich andererseits aber nicht zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Ich hatte den Eindruck, daß dem Leser hier lediglich Einzelszenen vorgeworfen werden, denen der innere Zusammenhalt fehlt. Es ist, als würde man sich durch eine Galerie bewegen, deren ausgestellte Kunstwerke nur peripher etwas miteinander zu tun haben. Bis zum Schluß sind mir die handelnden Figuren fremd und gleichgültig geblieben. Der Autor brachte es nicht fertig, echtes Interesse zu wecken, Handlungsstränge konsequent durchzuziehen oder auch nur einmal etwas auszudrücken, was mehr als losgelöst-philosophische Bedeutung gehabt hätte. Das ist keine GESCHICHTE, das sind Schnappschüsse, Momentaufnahmen - wie ein Fotoroman ohne Text. Dabei hat die Idee durchaus Potential und der Autor ist geschickt im Visualisieren. Leider verfällt er zu sehr auf Nebenschauplätze, tappt in die Exotik-Falle (ich sage nur: allwissender indianischer Medizinmann!) und scheint einfach nicht zu wissen, was er mit all den Szenchen eigentlich letztlich anfangen will. Darum hat dieses Buch mich geärgert: Es ist nicht schlecht - leider ist es aber auch nicht GUT, hätte es aber sein können!




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