Fossum, Karin

Schwarze Sekunden

Schwarze Sekunden
  • Verlag: Piper
  • Erscheinungsdatum: 2004-12
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 299
  • ISBN: 349224288X
  • EAN: 9783492242882
  • Amazon.de Verkaufsrang: 80.532
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Beschreibung von buecher.de

Aufmerksam gleiten seine Augen über die Felder. Kommissar Konrad Sejer will nichts übersehen. Dieses Mädchen kommt wieder nach Hause, sagt er sich. Doch er soll sich irren: Ida Joner kommt nicht mehr zurück. Die schwarze Septembernacht vergeht und dann wird ihre Leiche gefunden - gehüllt in ein Seidennachthemd, von weißen Federn bedeckt. Die Fahndung nach dem Mörder bleibt erfolglos. Einzig der stumme autistische Emil Johansson, der Sonderling des kleinen Ortes, scheint als Täter in Frage zu kommen. Sejer aber ist unsicher - bis Emils Mutter in dessen Wohnung eine unheilvolle Entdeckung macht ...

Aus der Amazon.de-Redaktion

Einmal läuft Karin Fossums weltberühmter Ermittler Kommissar Konrad Sejer im Roman Schwarze Sekunden durch die Straßen und freut sich über die rote Feder, die er gefunden hat. "Kinder sammeln alles", denkt Sejer: "sie sind bodennäher, und sie sehen mehr als wir." Durchblick und Weitsicht braucht auch der Kommissar in seinem jüngsten Fall, bei dem ein Mädchen spurlos verschwunden ist. Als Sejer durch die Straßen zieht, hat dessen Mutter Helga Joner bereits einen Albtraum von zehn Tagen Warten und Bangen hinter sich. Kurz darauf hat das Warten ein Ende, und das Bangen schlägt in schiere Verzweiflung um. Denn die verschwundene Ida wird in einen Teppich eingewickelt tot aufgefunden. Sofort wirft die Leiche für Sejer Fragen auf. Warum zum Beispiel ist die kleine Ida nicht mit ihrem Trainingsanzug und ihren Schuhen bekleidet, mit denen sie das Haus verließ, sondern trägt ein weißes Nachthemd? Ist wirklich der in sich gekehrte Sonderling Emil Johannes für das Verbrechen verantwortlich, wie alle glauben? Aus diesem spannenden Plot hat die norwegische Bestseller-Autorin Karin Fossum wieder einen Krimi gebastelt, der an Spannung kaum noch zu überbieten ist. Es ist schon erstaunlich, wie es der Autorin gelingt, ihr Spannungsniveau nach Dunkler Schlaf oder Stumme Schreie noch einmal zu steigern. Schwarze Sekunden jedenfalls wird seine Leser über mehrere Stunden fesseln und auch danach noch eine Weile beschäftigen. Beste Krimi-Unterhaltung, die ein sensibles Thema angemessen fasst. --Stefan Kellerer

Audiobook-Rezensionen

300 Minuten lang führt Nina Petri durch eine tragische Geschichte, in der der Mordfall eigentlich von Anfang an ziemlich klar und deutlich vor uns liegt. Trotzdem verliert ihre Lesung von Schwarze Sekunden, in der das Umfeld des Mordopfers psychologisch äußerst genau und glaubwürdig gezeichnet wird, keine Sekunde an Spannung. Die Leistung der Sprecherin liegt in ihrer atemberaubenden Fähigkeit, das Innenleben von extrem angespannten bzw. an sich schon „schwierigen“ Menschen eindringlich, nahezu plastisch wiedergeben zu können. Großartig! Schon am Anfang der Geschichte stellt sie dieses Können unter Beweis. Die unendliche Angst einer allein stehenden Mutter, dem nicht nach Hause gekommenen Kind könnte etwas zugestoßen sein, vermittelt die Sprecherin so intensiv, dass man meint, die Angst selbst zu spüren. Auch die anderen Menschen, die im Umfeld der verschwundenen, kleinen hübschen Ida, eine Rolle spielen, werden eindringlich psychologisch porträtiert: Tomme, der Cousin, der exakt an dem Abend, an dem Ida verschwunden ist, einen Unfall hatte, ist eigentlich nur an Computerspielen und an seinem Opel interessiert. Und da ist auch noch der irgendwie behinderte Emil, der mit seinen 52 Jahren nicht spricht und auf seinem Dreiradmoped durch die Gegend fährt. Seine Mutter, die auf ihn „aufpasst“ und bei ihm sauber macht, hat sich im Laufe des Lebens mit ihrem Schicksal abgefunden. Schließlich noch Kommissar Sejer; der auf eine seltsame Art in dieses düstere Leben passt. Sein bedächtiges, an sich selbst häufig zweifelndes Wesen schenkt ihm sozusagen als Kehrseite der Medaille eine ganz besondere Begabung: Sejer sieht deutlicher und mehr, und er findet in seinen Ermittlungen oft einen Zugang zu verschlossenen Menschen, der anderen verwehrt bleibt. Unvergesslich ist, wie er den autistischen Emil dazu bringt, mit Bauklötzchen seine Geschichte zu erzählen. Seit 1995 schreibt die Norwegerin Karin Fossum Kriminalromane mit der unauffälligen Figur des Kommissar Sejer. Ihre Romane Evas Auge, Fremde Blicke und Wer hat Angst vorm bösen Wolf wurden große Erfolge. Karin Fossums Markenzeichen ist das exakte Zeichnen von psychologischen Hintergründen. Erfahrungen hierfür sammelte sie u.a. auch bei ihren Jobs als Taxifahrerin oder Verkäuferin, bei ihrer Arbeit in Heimen und Krankenhäusern. Nina Petri ist eine einfühlsame Interpretin dieses Stoffs. Die Schauspielerin ist aus zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen bekannt. Sie besuchte die Westfälische Schauspielschule in Bochum und spielte in so bekannten deutschen Filmen wie Happy Birthday, Türke, Lola rennt und Bin ich schön. Nina Petri wurde mit dem Deutschen und dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet. Sie liest den Psycho-Krimi mit Empathie und schlüpft in die Rollen regelrecht hinein. Die psychologischen Motive der einzelnen Personen vermittelt sie überzeugend und glaubwürdig. In ihrer erstklassigen Interpretation stellt sie die Perspektiven der Figuren in den Vordergrund und sich selbst angenehm in den Hintergrund. Fazit: Ein raffinierter Krimi mit viel psychologischem Gespür und differenzierter Spannung. Und eine professionelle, spannungsreiche Krimi-Lesung, die zeigt: Es muss nicht immer das Hörspiel sein. Lesung, Spieldauer: ca. 309 Minuten. Auch als MC erhältlich (3899403630). -- culture.text

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von gigunelsa fanden 12 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein sehr menschlicher u. sanfter Kommissar Sejer.

Karin Fossum ist eine Autorin mit sehr grossem Einfühlungsvermögen. Man merkt, dass sie früher in verschiedenen psychiatrischen Anstalten gearbeitet hat- die Charaktere ihres Romanes sind so gut ausgearbeitet, dass man die Menschen direkt vor sich sieht und mit ihnen fühlt und leidet. Besonders ihr Kommissar Sejer ist einem auf Anhieb sehr sympathisch- wie er Schritt für Schritt in die Seele seiner Verdächtigen eindringt, und sogar dabei noch Rücksicht nimmt- eine seltene Mischung. Obwohl man schon ziemlich bald die Zusammenhänge erkennt und durchschaut, ist das Buch doch in seiner ruhigen Art sehr spannend.

Diese Rezension von flours2 fanden 15 von 17 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Vielleicht die beste Fossum

Kann es etwas schlimmeres für eine Mutter geben, als dass ihr Kind von jetzt auf nachher spurlos verschwindet? Die kleine Ida Joner, ein besonders süßes Kind, ist der Augapfel ihrer Mutter, die stets mit allen Katastrophen rechnet. Und nun ist Ida wie vom Erdboden verschluckt. Tagelang geht die Suche, das ganze Dorf beteiligt sich und mit Kommissar Sejer ist der Fall wohl in den besten Händen. Aber müssen wir uns auf das Unfassbare einstellen? Wer hat ein Interesse daran, ein kleines unschuldiges Mädchen zu entführen und es gar zu töten?

So gut wie selten zuvor jemand gelingt es Karin Fossum der Angst ein Gesicht zu geben und den Leser in die " Schwarzen Sekunden " zu tauchen, vor denen wohl jeder verschont bleiben will. Die Befindlichkeit der Mutter wird bis zur Schmerzgrenze des Lesers dargestellt, aber auch die Nebenfiguren haben soviel Konturen, daß man sich gleich mit ihnen und ihrer Geschichte identifizieren kann. Ein Krimi und ein Psychogramm der menschlichen Seele auf aller höchstem Niveau!

Diese Rezension von Pilar fanden 15 von 17 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Beachtlich

Beachtlich, wie Karin Fossum auch in ihrem neuen Roman ihr Niveau zu halten vermag: da ist kein Wort zuviel, keine scheinbare Nebenhandlung unwichtig. Die sympathischen Ermittler Sejer und Skarre gehen unspektakulär vor und trauen keiner vorschnellen Lösung des Falles. Alle Personen sind mit kompliziertem Innenleben ausgestattet und werden so geschildert, dass die Leserin ihre Handlungen nachvollziehen kann und seien sie auch noch so ungewöhnlich. Genial gelingt es Fossum, auch Gestalten, die anders sind, am Rande der Gesellschaft und "Normalität", glaubwürdig und menschlich darzustellen.

Spannend bleibt, wie die Kommissare zum wahren Hergang des Falles finden. Wer allerdings schon mehrere Romane von Fossum gelesen hat, wird diesmal in seinen Spekulationen über die Tatvorgänge kaum fehlgegangen sein, für mich war's (als einziges kleines Manko) schon vorhersehbar. Das kann von der Autorin auch beabsichtigt gewesen sein. Und dies schmälert die Freude an der Sprache, an der kunstvoll komponierten Handlung und an den exakten Personenbeschreibungen nicht.

Diese Rezension von marielan fanden 8 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Schwarze Stunden, schwarze Tage

Die 10jährige Ida ist verschwunden. Trotz groß angelegter Suchaktion wird ihre Leiche erst 10 Tage später gefunden, hübsch gekleidet und zurecht gemacht. Sehr schnell gehen Konrad Sejers Ermittlungen in eine Richtung.

Man fängt an zu lesen und taucht sofort in das Buch ab, in die zunächst irrationale Furcht von Idas Mutter Helga, und wenig später in ihre realen Ängste. Genau das macht das Buch so anziehend und lebendig: Dass Karin Fossum ganz nah an den Gefühlen ihrer Personen schreibt, egal, ob es sich um Idas Familie und Verwandte, ihre Tante Ruth und den Cousin Tomm, handelt, um die Ermittler oder den autistischen Emil und seine kämpferische Mutter Elsa. Es geschieht nichts Spektakuläres in diesem Roman, sondern nur solche Dinge, die jedem passieren könnten und die dadurch umso schmerzlicher sind. Dass man als Leser selbst nach und nach hinter die Lösung kommt, tut der Qualität des Buches keinen Abbruch, weil es nicht in ein herkömmliches Krimi-Schema passt.

Einen "normalen" Täter gibt es nicht; es gibt nur Menschen, die aus Unwissen, Dummheit, Angst oder sogar gutem Willen anderen, v.a. Ida und Helga (und nicht zuletzt sich selbst) Schaden zufügen und damit eine Tragödie herauf beschwören, die Elemente griechischer Tragödien in sich trägt.

Diese Rezension von Ingo Luther fanden 6 von 7 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Norwegischer Charakter-Krimi mit Gefühl

Beurteilt man einen Roman mit einer kriminalistischen Handlung nur nach seinem Spannungsfaktor, verfehlt man die Intention dieses Werkes von Karin Fossum. Die Autorin setzt nicht auf oberflächliche Effekthascherei, sondern schildert den Tod eines Mädchens und seine Begleitumstände in allen Facetten menschlicher Gefühle. In gewissen Passagen gelingt hier eine ernstzunehmende, bewegende Darstellung von psychologischen Feinheiten, welche die eigentliche "Krimihandlung" in den Hintergrund verschiebt.Interessant und gleichzeitig faszinierend ist die sprachliche Aufbereitung der Geschichte - die Wortwahl nordisch karg, ohne ausschmückende, lebendige Attribute; ständig jedoch präzise, von brillianter Klarheit und unglaublicher Intensität. Da wird das alleinige Lesen bereits ohne die Wertung des eigentlichen Inhalts zum Hochgenuss! Hier ist jemand am Werk, der bewußt auf Oberflächlichkeiten und Sensationsdarstellungen verzichtet, sondern allein durch Wortgewalt und die enorme Schlagkraft der einfachen, sprachlichen Darstellung den Leser begeistern kann.Insgesamt ein Buch, das sich seine vier Sterne vor allem durch sein schriftstellerisches Niveau und die unspektakuläre, aber doch gekonnte Verarbeitung des Inhaltes "Tod eines kleinen Mädchens" verdient. Auffällig, das man solch anspruchsvolle, sprachliche Darstellung häufig bei schriftstellerischen Erzeugnissen aus dem skandinavischen Raum antrifft. Ein Buch, von dem der "Sensations-Leser" die Finger lassen sollte, welches dem Freund des kunstvoll und ausdrucksstark geschrieben Wortes allerdings gefallen wird.

Schwarze Sekunden

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