Thelen, Albert V.

Die Insel des zweiten Gesichts

Die Insel des zweiten Gesichts
  • Verlag: List Tb.
  • Erscheinungsdatum: 2005-03
  • Bindung: Broschiert
  • Seitenzahl: 943
  • ISBN: 3548605141
  • EAN: 9783548605142
  • Amazon.de Verkaufsrang: 186.757
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Beschreibung von buecher.de

Das deutschschweizerische Schriftstellerehepaar Vigoleis und Beatrice folgt 1931 dem Ruf von Beatrices Bruder Zwingli nach Palma. Sie erwarten, Zwingli als todkranken Mann vorzufinden, müssen aber entdecken, dass er einzig an der fast an Hörigkeit grenzenden Liebe zu der schönen Mallorcesin Maria del Pilar erkrankt ist, über deren Beruf sich Vigoleis - auch er für ihre Reize nicht ganz unempfänglich - nur allzubald klar wird: Sie ist Prostituierte. Um sie herum beginnen sich merkwürdige, teils strahlende, teils undurchsichtige Gestalten auf der Insel zu sammeln, die immer mehr zum Abbild einer zerrissenen Welt wird.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 15 von 17 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein autobiographischer Schelmenroman

Ganz untypisch für einen deutschen Schriftsteller beschreibt A.V.Thelen in der Tradition des Schelmenromanes sein Exil auf Mallorca. Mit seiner Lebensgefährtin Beatrice kommt er, auf einen Hilferuf von deren Bruder, Anfang der 30er Jahre auf Mallorca an. Nach vielen tragisch-komischen Abenteuern mit Huren und Schmugglern, Schriftstellern und dem örtlichen Adel werden sie von den Briten evakuiert und landen in Portugal. Neben diesen Abenteuern findet A.V. Thelen "seinen Meister", den portugisischen Mystiker Pascoaes, dessen Übersetzer ins Deutsche er wird. Thelen kommt Hundertsten ins Tausendste, findet aber immer den Bogen an den Anfang zurück. Es ist, als säße er in einem Sessel vor dem Kamin und erzählt seine Abenteuer mit einem leisem Schmunzeln und einer gehörigen Portion Selbstironie.

Diese Rezension von Dieter Wunderlich fanden 15 von 17 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen "Kaktusstil"

Scheinbar ungezwungen fabulierend und weitschweifig plaudernd, brennt Albert Vigoleis Thelen in diesem aberwitzigen Schelmenroman ein barockes Feuerwerk komödiantischer Einfälle ab. Grenzen zwischen authentischen und fiktiven Darstellungen sind nicht erkennbar. Thelen verspottet die katholische Kirche und wendet sich zornig gegen Hitler und Franco. Für Leser(innen) mit langem Atem ist das eine trotz der Hoffnungslosigkeit des Autors höchst vergnügliche Lektüre weitab vom Gewohnten. Seine Art zu schreiben, bezeichnet Albert Vigoleis Thelen als "Kaktusstil": "Es bilden sich Ableger, ins Wilde hinein, wie beim Kaktus, der gerade da Augen setzt, wo man es nicht erwartet."Dieter Wunderlich, Autor

Diese Rezension von Dieter Wunderlich fanden 5 von 9 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Edel und genial

Genialer Stil, wundervolle Wortschöpfungen, feiner Humor deutschester Art im positiven kritischsten und tiefsten Sinn - ein Hochgenuss!! Für Feinschmecker!!

Diese Rezension von H. J. Klaus fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die farbigen Merkwürdigkeiten des Don Vigo

Ein niederrheinischer Troubadour beutet in diesem Buch in unnachahmlicher Weise seine Erlebnisse im Spanien der 30er-Jahre aus. Der Text ist von einer schwer beschreibbaren Witzigkeit, in der sanfte Spuren von Zynik, Ironie und Polemik vorkommen, in dem Skurriles ausgebreitet und Urteilsfreudigkeit sprudelt. Mit einer bewussten und gepflegten Sprache und einer stabilen Ausrichtung legt der Autor eine gewisse Distanz zwischen sich und die Geschehnisse.Und es geschieht viel, Geschichte reiht sich an Geschichte, immer wieder betreten neue, interessante Figuren sein Kabinett. Nebenbei spielen die Tagesaktualität und die Geistesgeschichte eine Rolle, denn Don Vigo ist enorm belesen und informiert. Deutsche Erfahrungen fliessen ein und die Zeit in der Schweiz. In der reichen Sprache schwimmen neben wunderlichen Neologismen reizvoll einige Helvetismen mit, nicht zuletzt, weil Don Vigos Frau Beatrice, auch Bé genannt, aus Basel kommt. (Später hat Thelen auch im Tessin gelebt, in Auressio.)Der Text ist getragen von einem scharfen Verstand, einem breiten Wissen, einer stupenden Wahrnehmungsfähigkeit und nicht zuletzt einer oft abgedeckten, zugeneigten Menschenfreundlichkeit.Ich gebe zu, dass ich das Buch schwer beschreiben kann. Aber es ist eine hoch vergnügliche, reizvolle und spannende Lektüre.Ich besitze die teure, aber sehr solide und gepflegte Ausgabe von Claassen. Für die über 900 Seiten empfiehlt sich eine gebundene Ausgabe unbedingt.

Diese Rezension von Laurent Piechaczek fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein vergessener Leseschatz!

Wie soll man ein Buch rezensieren, beschreiben oder auch kritisieren, welches einen so einmaligen Stellenwert in der deutschen Literatur hat?

Wie soll man eine derartig kraftvolle Sprache darstellen und einordnen?

Wie beschreibt man die vielen skurrilen Einfälle, Ideen und Wortschöpfungen, die sich dieser Mann hat einfallen lassen? Nebenbei darf der historische Aspekt des Buches nicht übersehen werden!

Eigentlich ist es unmöglich und man ist geneigt doch einfach die Empfehlung zu geben: Lest einfach dieses Buch! Und tatsächlich, dieses reicht. Der Leser bekommt ein Werk vorgesetzt, welches wohl einmalig in der deutschen Literatur ist. Vergleiche braucht es nicht zuscheuen, es ist ein Werk, das einen unvergleichlichen Stellenwert hat!

Eine barocke Sprache trifft zusammen mit skurilen Charakteren, die wie erfunden erscheinen, aber es teilweise wohl nicht sind!

Der Schrecken des Faschismus schleicht sich in ein Leben, das weit entfernt von Deutschland auf Mallorca gelebt wird! Dennoch läßt sich der Vigoleis, das Alter Ego des Schriftstellers Thelen, die Lust am Leben nicht nehmen. Die Armut und der Kampf um das nackte Überleben hat auch immer heitere Seiten, auch wenn der Leser den Eindruck hat, nun kann es im Leben des Vigoleis und seiner Beatrice einfach nicht mehr weiter gehen. Aber es geht weiter! Betracht man nur die, tragischkomische Tätigkeit des Vigoleis als Reiseführer für die Volksdeutschen, die mit Kraft durch Freude-Schiffen in Mallorca vor Anker gehen und dort von dem bekennenden Nazigegner Vigoleis über die Insel zu den Sehenswürdigkeiten geführt werden. Wie herrlich ist es, diese Gespräche zu lesen, in denen Vigoleis die deutschen Touristen an der Nase herumführt!

Für einen kleinen Augenblick wird dieser fürchterliche Faschismus ad adsurdum geführt und der Leser ist tatsächlich geneigt zu lachen.

Und warum auch nicht, der Vigoleis erzählt uns schließlich die Geschichte so und nicht anders! Er will uns teilhaben lassen an seinem Leben und verschont uns dabei nicht!

Dieses macht das Buch so wertvoll, ohne aber moralisch daherzukommen!

So bleibt nur, dieses Buch absolut zu empfehlen mit der Maxime Thelens: In Zweifelsfällen entscheidet die Wahrheit.

Die Insel des zweiten Gesichts



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