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Im Vorstadthaus der Familie Lisbon leben fünf schöne Töchter: die gescheite Therese, die pingelige Mary, die asketische Bonnie, die scharfe Lux und die blasse, lammfromme Cecilia. Als sich die jüngste von ihnen aus dem Fenster stürzt, beginnt das 'Jahr der Selbstmorde', das alle Beteiligten und Beobachter für immer verändern wird. Schaurig-ironisch und zärtlich zugleich zeichnet der Pulitzer-Preisträger das Porträt einer Jugend, die ihre Unschuld verloren hat.
VERSTÖREND UND GENIALDurch Zufall habe ich den Film "Virgin Suicides" gesehen. Dieser ließ mich verstört und nachdenklich vor dem Fernseher zurück.
Und als im Abspann das Buch erwähnt wurde machte ich mich sofort auf, mir dieses zu besorgen, da ich mir mehr Antworten erhoffte...Daraus wurde nichts. Das Buch verstört den Leser nämlich mindestens genauso:
Was geschah hinter den verschlossenen Türen und Fensterläden des Lisbon Hauses?
Was trieb sie letztendlich in den Tod und wie ist die Machtlosigkeit/Gleichgültigkeit der Eltern zu erklären?
Und immer mehr und mehr Fragen steigen aus den Abgründen dieses Buches hervor.Aber letztendlich geht es nur um fünf Mädchen, deren Faszination auch nach ihrem Tod, vor allem für die beobachtenden Jungen der Nachbarschaft, ungebrochen bleibt.Ich fand das Buch an keiner Stelle langatmig. Es hat eine sehr stimmige Erzählweise, welche den Leser tief in die Geschichte bringt, jedoch nie weit genug ins Lisbon Haus um mehr als nur ein hilfloser Beobachter zu sein.
Auch das "Ende", welches ja schon am Beginn preisgegeben wird, spornte mich nur noch mehr an, in diesem Buch dem Schicksal der Mädchen auf den Grund zu gehen und mit den Nachbarsjungen Stück für Stück die Vorkommnisse noch einmal zu durchleben."DIE LEERE EINES GESCHÖPFS, DAS EINE RASIERKLINGE AN SEIN HANDGELENK LEGTE UND SICH DIE ADERN ÖFFNETE,
DIE LEERE UND DIE INNERE STILLE, DAS KONNTEN WIR UNS NICHT VORSTELLEN."
(J.Eugenides - Die Selbstmord Schwestern)
Man muss genauer hinschauen, um die atmosphärische Dichte der Worte zu spüren...Auf dem Buchklappentext von "Die Selbstmord-Schwestern" steht zu lesen:
"Jeffrey Eugenides schreibt Sätze, die sich wie Sonden ins Bewusstsein seiner Figuren senken."
Ich glaube mit diesem Satz ist viel gesagt. Dieses Buch muss man wirken lassen, man muss es verdauen. Der etwas reißerische Titel und die kurze Inhaltsbeschreibung lassen vielleicht die "falschen" Leute danach greifen. Diese Lektüre ist jedoch alles andere als der sonstige Unterhaltungsliteratur-Einheitsbrei. Sie hat ungeheuren Tiefgang, trotz augenscheinlicher Oberflächlichkeit der handelnden Personen oder einem "vermisstem" Spannungsbogen - was andere Leser berichtet haben.
Eugenides gewährt uns keinen direkten Einblick in die Gefühle und Gedanken von Cecilia, Lux, Bonnie, Mary und Therese - den fünf Schwestern - kurz vor ihrem bzw. im Moment ihres Todes. Dennoch sorgen die meisterhaften Sätze dafür, dass uns all das schrecklich realistisch vorkommt. Er schafft eine unglaubliche Atmosphäre.
Dieses gepflegte amerikanische Vorstadtviertel ist beim Lesen zum Greifen nah, man sieht quasi die Regenwürmer in den bepflanzten Blumenbeeten, man spürt den Hauch von beiseite geschobenen Gardinen. Man lernt so viele wahnwitzige Details aus dem Leben der Lisbon-Mädchen kennen, dass man meint, ein Teil von ihnen zu sein. Eine irritierende Erfahrung beim Lesen und dennoch interessant. Denn von diesen Details lebt dieses Buch. Es erzeugt fast so etwas wie eine voyeuristische Neigung. Man möchte mehr wissen über all die Kleinigkeiten. Man sehnt sich, noch tiefer einzusteigen. Eugenides hat das Kunststück fertig gebracht, den Leser auf einer schonenden Distanz zum Geschehen zu halten, ohne ihn dabei aus dem Dunstkreis des Grauens zu entlassen.
An diesem Roman stimmt einfach alles, angefangen bei der überzeugenden Story, über wunderbare Motive, die den permanenten schleichenden Verfall illustrieren (die Schwärme von Eintagsfliegen, deren tote Leiber als klebrige schwarze Schicht Straßen, Wege, Häuser und Autos überziehen / die unaufhaltsame Erkrankung der Ulmen / der lang anhaltende Totengräberstreik), bis hin zu einer wirklich glaubhaften Sprache: poetisch, aber einfach, nicht ohne Sinn für Humor, mit viel Einfühlungsvermögen in die Psyche Heranwachsender.
Richard Powers, Jonathan Franzen und ganz oben Jeffrey Eugenides - die drei ganz großen Gegenwartsschriftsteller der USA!
Eine unbedingte Empfehlung für all diejenigen, die literarischen Tiefgang lieben!
Eigentlich 6 Sterne wert, für ein besonders herausragendes Buch.
verwirrend realistisch"Die Selbstmord-Schwestern" ist einer dieser Romane, in denen man die Hauptcharaktere nie ganz erfassen und verstehen kann und sich konstant fragt, was da eigentlich gerade passiert. Obwohl die Lisbons eine seltsame Familie sind, erscheinen sie doch nach außen hin harmlos. Und obwohl die Lisbon-Töchter zum Teil reichlich durchgeknallt sind, sind sie eigentlich auch nicht anders als jeder pubertierende weibliche Teenager sein könnte. Trotzdem entwickeln sich die Schwestern zu Selbstmörderinnen, und man fragt sich was da eigentlich hinter der harmlos-skurrilen Fassade des Vorstadtlebens lauert. Eugenides bietet keine einfachen Antworten, schafft es aber den Leser so in der Schwebe zwischen distanziertem Kopfschütteln und mitfühlender Umarmung zu halten, dass die Geschichte einen nie ganz los lässt. Sehr gelungen!
Ein ungewöhliches Buch!Klappentext und Titel haben mich sehr neugierig auf das Buch gemacht und auch eine gewisse Erwartung geweckt. Der erste Selbstmord passiert dann ja auch schnell, der Nächste lässt dann schon recht lange auf sich warten. Trotzdem kommt keine Langeweile auf, da der Autor es meiner Meinung nach perfekt versteht, die Gedanken und Träume der Jugendlichen von "damals" auszudrücken. Auch die gewählte Erzähl-Form ist ungewöhlich und interessant. Das Buch ist ganz anders, als ich es erwartet habe, aber das hat mein Lesevergnügen höchstens noch gesteigert!
Kann man Lachen über die Qualen der Pubertät?Wenn es jemanden gäbe, der sagen könnte, worum es in diesem Buch „eigentlich" geht, wäre es kein besonders interessantes Buch. Ich will also nicht behaupten, ich wüsste es.
Mir geht es anders als vielen Rezensentinnen und Rezensenten: Ich finde das Buch zum großen Teil sehr komisch, ja: lustig! So manches Mal habe ich bei der Lektüre laut prusten müssen. Warum?
Aus meiner Sicht ist der Roman von Eugenides ein Text über die verlorene Zeit der Jugend und Pubertät aus der Sicht einer Gruppe von Jungen aus einer amerikanischen Stadt, die viele Züge der Autostadt Detroit trägt. Diese Stadt hat in den letzten Jahrzehnten durch die Umwälzungen bei der Autoproduktion mehr und mehr Arbeitsplätze/Einwohner verloren. Für dieses Sterben einer Stadt gibt es viele Bilder (die Eintagsfliegen und der Tod der Schwestern sind hier besonders augenfällig).
Die männlichen Wir-Erzähler erinnern sich rückblickend mit dem tastenden Staunen 15-, 16-Jähriger an die fünf Lisbon-Schwestern, die für sie der Inbegriff der unheimlich-unbekannten Welt der Weiblichkeit waren. Durch ihre unerklärlichen Selbstmorde haben sie schließlich etwas ewig Rätselhaftes bekommen, das die Zeit überdauert, und dazu führt, dass sie ein Ar-senal von „Beweisstücken" ihrer Existenz und ihres Lebens gesammelt haben: „Wir waren inzwischen so gewachsen, daß wir uns kaum [in unser Baumhaus ...] zwängen konnten. [... Dort] hingen, mit rostigen Reißzwecken befestigt, fünf fleckige Fotos der Lisbon-Mädchen. Wir erinnerten uns nicht, sie aufgehängt zu haben, aber da waren sie: von Zeit und Wetter getrübt, so daß wir nur noch die phosphoreszierenden Konturen der Mädchenkörper ausma-chen konnten, jeder ein anderer leuchtender Buchstabe eines unbekannten Alphabets."
Die Schwestern wachsen in einer freudlos-puritanischen Familie auf. Die Nachbarn sind sich einig, dass die Eltern den Mädchen mehr Freiheiten lassen sollten. Gleichwohl werden sie aus Sicht der Zeit (frühe 70er-Jahre) nicht übermäßig drangsaliert: Sie dürfen keine figurbetonten Kleider tragen, sich nicht schminken und schließlich keine Rockmusik mehr hören - eine Kindheit, die sicher viele über sich ergehen lassen mussten. Komisch, dass die Schwestern niemals wirklich auszubrechen versuchen; sie sind schließlich nicht eingesperrt. Kaum einmal suchen sie den Kontakt zu anderen Mädchen (soweit die Erzähler das mitbekommen haben) und nur höchst verquer zu anderen Jungen.
Das Komische steckt nun in der Sprache und der Perspektive der Jungs-Erzähler. Das Lachen ist vielleicht vergleichbar mit dem, dass einen überkommt, wenn man Fotos von Eltern, Geschwistern oder sich selbst aus dieser Zeit sieht; das Erstaunen und die Beklemmung, dass das einmal (das eigene oder verwandte) Leben war.
Aber es gibt auch eine direktere Komik, wie z.B. in Sätzen wie diesen: „Das Bild war schon einige Zeit da, [...] denn Feuchtigkeit hatte die Glanzfolie der Oberfläche durchdrungen, so daß das Gesicht der Heiligen Jungfrau eine Spur gangränös [= brandig] wirkte. [...] Auf dem Kopf trug sie eine Imperial-Margarine-Krone [...], und wie immer trug die Heilige Mutter diesen seligen Gesichtsausdruck von jemandem, der regelmäßig Lithium nimmt."
Erst am Schluss des Romans verließ mich das Schmunzeln - hier drängt sich die Verzweiflung über das nicht gelebte Leben und das Sterben der Hoffnung auf Zukunft Bahn.
Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch, das sogar noch gewinnt, wenn man es in einem Rutsch lesen kann!
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