Heine, Heinrich

Atta Troll, Ein Sommernachtstraum\Deutschland, Ein Wintermärchen

Atta Troll, Ein Sommernachtstraum\Deutschland, Ein Wintermärchen
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2005-04
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 205
  • ISBN: 3596509122
  • EAN: 9783596509126
  • Amazon.de Verkaufsrang: 356.425
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Beschreibung von buecher.de

Heinrich Heine (bis zur protestantischen Taufe 1825: Harry Heine) wurde am 13. Dezember 1797 als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Düsseldorf geboren. Nach dem Scheitern seiner kaufmännischen Laufbahn studierte er Jura und promovierte. Ab 1826 lebte Heine als freier Schriftsteller und ging 1831 nach Paris, wo er am 17. Februar 1856 starb - erlöst von einer schweren Krankheit, die ihn fast ein Jahrzehnt an die 'Matratzengruft' fesselte.
Heines Anliegen war es insbesondere, zwischen Deutschland und Frankreich zu vermitteln. So berichtete er einerseits für ein deutsches Publikum über französische Politik und Kultur, und andererseits schrieb er für ein französisches Publikum über die neuere deutsche Literatur. Wegen seiner kritischen Haltung gegenüber den politischen Verhältnissen in Deutschland und wegen seiner angeblichen Frivolität und seines verletzenden Witzes war Heine bereits zu Lebzeiten umstritten. Trotzdem waren einige Texte Heines auch damals schon ungemein populär. Eine Renaissance erfuhr das Gesamtwerk Heines aber erst seit Mitte des letzten Jahrhunderts.
Anlaß zu dem humoristisch-satirischen 'Deutschland'-Epos (1844) war Heines Deutschlandreise 1843, die erste, seit er ins 'freiwillige Exil' nach Paris gegangen war. Das satirische Versepos 'Atta Troll' ist 1841 erschienen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Klaus Grunenberg fanden 22 von 30 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Genialer Spaß

Heinrich Heine erlaubt sich mit diesem herrlichen Werk in Versmaß einen genialen Spaß.Ersteinmal setzt es gegenüber seinem Dichterkollegen Freiligrath einige Spotthiebe ab, und zwar gegen dessen "Mohrenfürst" (im Anhang als Gedicht enhalten). Dann versucht Heine, wie sollte er auch anders, dieses Werk als Allegorie "konträrer, sozialutopischer und konservativer Vorstellungen" zu bringen.Alles in allem aber handelt es sich um einen unglaublich genialen Spaß, diesen Atta Troll, den Bärenhelden gleichsam als "Dichtersymbol" seiner Zeit zu charakterisieren.Und alles, wie gesagt im Versmaß der Romanze, wobei es scheint, als reime sich alles mehr oder weniger. Es ist aber beileibe nicht immer so - und das ist die große vergnügliche Kunst des Dichters.Atta Troll, der Tanzbär, entkommt seinem Peiniger (seine Frau schafft es leider nicht) und erzählt seinen Kindern herrliche Geschichten. Gleichzeitig aber hat er natürlich Sehnsucht nach seiner Frau, der geliebten Mumma und macht sich auf die Suche zu ihr

.

Natürlich ist das alles köstlich geschildert (mit gelegentlichen Seitenhieben auf den "Mohrenfürsten", dessen unglaublich banalen Stil er imitiert, aber wie!) und es kommt zu einem gar fürchterlichen Ende.Mehr soll nicht verraten werden.Heine hat wahrscheinlich die Idee zu diesem Werk aus den "Scenes" mit Zeichnungen Grandvilles gezogen und das ganze großartige Gedicht bis Caput XXVII ist eine einzige Verspottung des sklavischen Verhaltens der Menschen und der gelegentlich bewußten Unterordnung unter die Mächtigen, wenn nur genug Brot, Sicherheit oder das Vortäuschen derselben vorhanden ist.Aber auch fast prophetisches Ahnen erfasst ihn, wenn er z.B.

schreibt: "Welch ein Summsen, welterschütternd!

Das sind ja des Völkerfrühlings

Kolossale Maienkäfer,

Von Berserkerwut ergriffen!"Jeder Vers von Anfang bis Ende ist genüsslich zu lesen und das Ganze enthält soviele Seitenhiebe auf unser tägliches Leben, daß man verwundert innehalten möchte und sagen: So ähnlich geht es auch heute noch zu bei uns.Gelegentlich wurde dieses fabelhafte Werk auch als eine Parodie auf Deutschland bezogen, aber das überlasse ich lieber den Lesern zu entscheiden.Politische Dichtung wie diese hat wohl immer wieder ihre Berechtigung ( siehe:"Animal Farm").

Übrigens, genau wie "Deutschland-Ein Wintermärchen" ist "Atta Troll" auch gleichzitig eine Reisebeschreibung, hier vor allem Spaniens.

Diese Rezension von Klaus Grunenberg fanden 6 von 6 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Geniale Satire auf deutsche Zustände

Heines "Deutschland. Ein Wintermärchen" (nicht zu verwechseln mit dem Versepos "Atta Troll") ist eine - 1844 gedruckte - Satire auf deutsche Zustände um 1840. Das Werk, das nach Heines Deutschland-Reise 1843 entstanden ist (er lebte seit 1831 im Pariser Exil), ist in Form einer Reisebeschreibung organisiert; die wichtigsten Stationen sind Aachen, Köln, Teutoburger Wald, Minden, Hannover und Hamburg. Jeder Ort wird von Heine mit einem speziellen Thema verknüpft, mit einem spezifischen Aspekt seiner Deutschland-Kritik, z.B. Aachen mit dem stocksteifen preußischen Militär, Köln mit der Kritik am Katholizismus etc. Im Zentrum stehen vier Barbarossa-Kapitel, die im Kyffhäuser (Thüringen) angesiedelt sind. In diesen Kapiteln geißelt Heine die politische Instrumentalisierung der Barbarossa-Sage, wie sie von zeitgenössischen Autoren vorgenommen wurde (z.B. Geibel). Für ihn ist Barbarossa ein anachronistisches Idol, und deshalb wird er als vertrottelter Antiquar, als "altes Fabelwesen" karikiert. Eigentlich treffen aber will er mit seiner Satire Friedrich Wilhelm IV., den reaktionären König von Preußen (seit 1840), den er im Schlusscaput direkt attackiert. Das Reiseepos ist überaus witzig, aber es trifft unerbittlich Heines Gegner mit beißendem satirischem Spott (neben dem preußischen König u.a. Ernst August, den König von Hannover). Sehr witzig! Sehr amüsant! Sehr polemisch! Deutschtümelnde Kritiker sprachen von einem schlimmen Pamphlet, das "alles Deutsche höhnend in den Schmutz" trete.

Die "Erläuterungen und Dokumente" zum "Wintermärchen", die von Reclam vorgelegt werden, enthalten einen ausführlichen Kommentar, der viele heute nicht mehr verständliche Anspielungen erklärt, des weiteren detaillierte Informationen zur Entstehung und zur zeitgenössischen Rezeption der Verssatire, Dokumente zur Rezeption im 20. Jahrhundert, Dokumente zur Diskussion und ausführliche Literaturhinweise (nachgewiesen werden u.a. zahlreiche Interpretationen). Im Juli 2005 wurde dieser Erläuterungsband überarbeitet: Er enthält jetzt aktuelle Dokumente und Hinweise auf neueste Forschungsliteratur; auch der Kommentar wurde an vielen Stellen erweitert und aktualisiert.




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