Gruenter, Undine

Sommergäste in Trouville

Sommergäste in Trouville
  • Verlag: Bvt Berliner Taschenbuch Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2005-06
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 222
  • ISBN: 383330085X
  • EAN: 9783833300851
  • Amazon.de Verkaufsrang: 457.472
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Beschreibung von buecher.de

Seltsame und faszinierende Menschen am Strand, in den Hotels und auf den Promenaden: Undine Gruenters Erzählungen zeichnen eine Welt, die zugleich faszinierend fremd ist und seltsam vertraut.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Heiko Bolick fanden 19 von 22 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen Krampfhafte Pointen

Die posthum verlegten Erzählungen sind alle an der Atlantikküste der Normandie angesiedelt, die wenigsten allerdings im Sommer, so dass das Buch besser mit "Nachsaison" betitelt worden wäre. Darauf hatte die im Oktober 2002 verstorbene Autorin allerdings keinen Einfluss mehr.

Den Erzählungen wohnt entweder ein leiser Voyeurismus inne (z.B. "Übungsstunde") oder sie kommen mit Introspektive daher (z.B. "Englische Quarantäne"). Die ausgesuchten Figuren reichen von ganz jungen Menschen bis hin zu Pensionären, von Pariser Neureichen bis zu japanischen Touristen. Trotz Voyeurismus und Introspektion bleiben die Protagonisten seltsam weit weg, man findet kaum einen Zugang zu ihnen, sie kommen erst recht nicht "französisch" daher. Das ganze Buch liest sich wie wenn man als Tourist auf der Terrasse eines Cafés in Trouville sitzt und die Welt um einen herum beobachtet. Um diesen Mangel auszugleichen, setzt die Autorin besondere Pointen am Schluss der Geschichten (z.B. Beziehung zwischen Stiefmutter-Stiefsohn in "Die Einfahrt von Bagattelle"). Manchmal gleiten diese Pointen auch ins Unheimliche (z.B. in "Alte Pralinen", wo ein in den Keller gespertes Pflegekind harrt). Alles in allem vermögen diese mitunter krampfhaft gesetzten Pointen die Erzählungen, in denen zu viel nur angedeutet wird, nicht nachträglich zu adeln. Ganz abgesehen davon hat es auch einfach schlechte Beispiele ohne roten Faden und Stringenz (z.B. "Unter einem Dach" oder "Das Haus mit dem Korridor"): Schade eigentlich, denn die Sprache von Undine Gruenter ist superb.

Diese Rezension fanden 23 von 29 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Grrrräßlich

Das Buch besteht zu 50% aus Sätzen wie dem folgenden: "...Papa, dessen geistige Durchdringung des Dixhuitieme so ohne Vergleich war, daß man ihm besser eine in Resedaduft konservierte Schleife vom Morgenrock einer Constance de Salm schenkte als ein Buch über die sozialgeschichtlichen Hintergründe der Prinzenerziehung am Duodez-Fürstenhof". Geheimnisvoll und melancholisch oder gar poetisch ist daran gar nichts, anstrengend und öde umso mehr. Durch sämtliche 20 Erzählungen tapern Snobs aus Paris und normannischer Altadel in ausführlich gepflegter Langeweile durch die Sommerfrische an der Küste, wenn zu zweit, dann über Kunstgeschichte schwafelnd, wenn allein, dann über Architektur oder Zimmereinrichtungen sinnierend. Die Atmosphäre bleibt in sämtlichen Erzählungen gleich, egal ob Ferienkind, Journalist oder Kunstprofessor die Hauptfiguren sind; jede Story endet mit einer Schlußpointe, die sich pünktlich eine halbe Seite vorher ankündigt. Die Frage bleibt, was Frau Gruenter dem Leser eigentlich sagen will. Fazit: Gequirlter versponnener Intellektuellen-Mist für Feuilleton-Leser, die sich ähnlich gehaben wie die Gestalten dieses Buches.

Diese Rezension von Mario Kaiser fanden 33 von 46 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Boese, wer es nicht liest

Dieses Buch gehört auf Platz 1!Nur wenige Autoren haben ein Buch wie dieses geschrieben, daß von Melancholie strotzt, daß man einfach nur da sitzt nach jeder Geschichte und über das Leben grübelt.15 Erzählungen, wo man das Gefühl hat, ein Zeitfenster zu erleben, daß Trouville ein Ort sein muss, der abseits der restlichen Welt und abseits jeglicher Zeit existieren muss, wie in einem Science-fiction-Film.Und wenn man bei jeder dieser Geschichten daran denkt, daß die Autorin im Oktober letzten Jahres gestorben ist, wird es gleich noch unheimlicher.Lesen Sie das Buch nie, wenn sie gute Laune haben wollen. Lesen Sie es an einem grauen Regen-Tag bei einer Tasse Tee.Ich möchte Undine Gruenter für mich auf eine Ebene mit Ingeborg Bachmann und Thomas Bernhard heben.

Diese Rezension von M. Bötig fanden 7 von 12 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Gepflegte Langeweile

Eloquenz und eine schöne Seele sind zweifelsfrei Eigenschaften, die das Schreiben erleichtern. Darüber sollten Autoren aber nicht vergessen, dass Bücher ihre Leser in erster Linie unterhalten (wahlweise bilden) sollten. Hier versagen die "Sommergäste" auf ganzer Linie. Kaum ist der letzte Satz einer Geschichte gelesen, hat man sowohl Inhalt als auch Protagonisten bereits vergessen. Vielmehr tut sich die alte Frage weniger feuilletonistisch angehauchter Leser auf: Was wollte uns die Autorin damit wohl sagen? Diese Frage bleibt bis zur letzten Seite unbeantwortet, denn in den Geschichten tummeln sich ausnahmslos Langweilige und Gelangweilte und öden den Leser mit ihren nicht erzählenswerten Erlebnissen an. Den Wettkampf zwischen Buch und Sandmännchen gewinnt bei jeder Geschichte auf's Neue Letzteres. So schätzenswert Elke Heidenreich als Autorin ist, aber ihre Empfehlungen scheinen eher für (selbst ernannte) Intellektuelle zu taugen.

Diese Rezension von Norbert Kraas fanden 7 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ruhig, dicht, verstörend � ein Genuß.

Undine Gruenter war mir bis zum Vorabdruck dieses Buches in der FAZ kein Begriff. Ich habe das Buch mit großem Vergnügen gelesen. Stimmung, Sprache, Stil und Themen der Geschichten haben mich von Anfang bis Ende fasziniert. Sie ist in der Lage, in wirklich ganz wenigen, wohl gesetzten Worten eine dichte Atmosphäre einzufangen, wozu viele der neuen, z.T. selbsternannten Popstars der Literatur mehrere, mit trendig-flapsigen Szeneworten vollgestopfte Seiten benötigen. Dieses Buch war für mich keineswegs deprimierend, sondern ein literarischer Genuss - wie ein gereifter Calva oder ein runder Bordeaux.


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