Scholz, Dieter D.

Richard Wagner

Richard Wagner
  • Verlag: Parthas
  • Erscheinungsdatum: 2006-07-31
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 428
  • ISBN: 3866017901
  • EAN: 9783866017900
  • Amazon.de Verkaufsrang: 256.701
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Beschreibung von buecher.de

Am 10. Juni 1834 veröffentlichte der 21-jährige Richard Wagner in Heinrich Laubes 'Zeitung für die elegante Welt' seinen Aufsatz 'Die deutsche Oper'. Darin forderte er, der deutsche Künstler müsse endlich europäisch werden. Ein Jahr später bekannte er seinem Freund Theodor Apel: 'Hinweg aus Deutschland gehöre ich!'.
Karl Marx etikettierte Wagner als einen 'deutschen Staatsmusikanten'. Wagners rastlose Vita beweist das Gegenteil.
Eher hatte Friedrich Nietzsche recht mit seiner Beobachtung, 'dass er nirgendwo weniger hingehört als nach Deutschland', denn Wagner verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens jenseits deutscher Grenzen. Sein Radius reichte von London bis Moskau, von Sizilien bis zur Atlantikküste.
Wagner war ein 'Fliegender Holländer', getrieben von Neugier, Produktionszwang und 'Kunstmission'. Er träumte zwar immer fort von seiner 'Heimat', sein Begriff von Deutschland und 'dem Deutschen' hatte allerdings mit der Realität nicht viel zu tun. Die patriotischsten Passagen
seines essayistischen Werks und die meisten seiner musikdramatischen Werke konzipierte er im Ausland.
Als Wagner amnestiert wurde und nach Deutschland zuräckkehrte, ertrug er Deutschland und die Deutschen nicht lange, dachte zeitweise sogar an Auswanderung in die USA. In seinem letzten Lebensjahrzehnt floh er aus Bayreuth, so oft er konnte, nach Italien. Wagner starb am 13. Februar 1883 in Venedig, ein Europäer par exemple. Nietzsche hatte recht: 'Wagner ist das Gegengift gegen alles Deutsche'.
Das Buch will dieses 'Deutsche Missverständnis' ausräumen. Es fokussiert biografische Momentaufnahmen, um Anstoß zu geben für eine Neubewertung Wagners.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Bookjockey fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Richard Wagner als Europäer

Obwohl eine klassische Biografie, von der Wiege bis zur Bahre, soll die Perspektive eine europäische sein. Bei der Menge an Quellen und biografischem Materiel zu Person und Werk Richard Wagners lässt sich eine national getönte Figur ebenso rekonstruieren wie eine in europäischen Dimensionen denkender und arbeitender Künstler, und so erscheint Wagner dem Leser in der Biografie von Scholz als einer, der sich an den Erfordernissen seiner künstlerischen Entwicklung orientiert und dem dabei die nationalen Begrenzungen und Denkschemata bald nicht mehr genügten.

Das Buch hält sich quellenmäßig an die große Wagner-Biografie von Glasenapp, bewegt sich chronologisch unter Heranziehung des brieflichen Nachlasses und der Aufzeichnungen Wagners und seiner zweiten Frau Cosima voran.

Wagner als Kind, als der stürmische und national begeisterte Jüngling und als der junge Mann, der schon als ein Genießer und lustbetonter Mensch zu leben versteht. Bürgerliche Moral und Beschränkung oder gar Anwandlungen von Askese sind ihm fremd. Ihn zieht es dahin, wo ihm Bilder, Empfindungen und Kraft für seine Kunst zuströmen, und er lebt eine radikal ästhetische Existenz als ein disziplinierter und strenger Arbeiter und als Erforscher der eigenen Tiefen, als einer der weiß, dass er hinabsteigen muss auf seinem Weg. um etwas hervorzubringen. Man erfährt viel über den Menschen Wagner. Erfreulicherweise wird dabei kein Standbild errichtet oder beflissen an irgendeiner Art von Mythos gebastelt. So wie man in diesem Buch den Spuren von Wagners Leben nachliest, erscheint er auch keineswegs als Übermensch oder dergleichen, sondern als eine radikale Künstlerexistenz auf der Suche nach einer Art von Erlösung in der Kunst, wenn sie schon nicht in der Liebe zu finden ist.




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