Beiser, Frederick

Hegel

Hegel
  • Verlag: Taylor & Francis
  • Erscheinungsdatum: 2005-05-09
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 364
  • ISBN: 0415312078
  • EAN: 9780415312073
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Beschreibung von buecher.de

Hegel (1770-1831) is one of the major philosophers of the nineteenth century. Many of the major philosophical movements of the twentieth century - from existentialism to analytic philosophy - grew out of reactions against Hegel. He is also one of the hardest philosophers to understand and his complex ideas, though rewarding, are often misunderstood. In this magisterial and lucid introduction, Frederick Beiser covers every major aspect of Hegel's thought. He places Hegel in the historical context of nineteenth-century Germany whilst clarifying the deep insights and originality of Hegel's philosophy. A masterpiece of clarity and scholarship, 'Hegel' is both the ideal starting point for those coming to Hegel for the first time and essential reading for any student or scholar of nineteenth century philosophy. Additional features: * glossary * chapter summaries * chronology * annotated further reading.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Valer Ambrus fanden 2 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Glänzende Einführung

Hegel ist der schwierigste Philosoph überhaupt. Sein Denken fundiert und zugleich verständlich darzustellen, es zu erhellen, aber nicht zu verfälschen, seine Aktualität herauszuarbeiten ohne den historischen Hintergrund zu vernachlässigen, ist eine der größten Herausforderungen der Philosophiegeschichtsschreibung. Wie nur wenig andere hat Frederick Beiser es verstanden, ihr gerecht zu werden. Auf knapp 300 Seiten behandelt er in seinem neuen Buch alle wichtigen Themen der Hegelschen Philosophie mit einer Gründlichkeit und Klarheit, die ihresgleichen suchen. Kaum zu glauben: In dieser Arbeit - und es handelt sich um ein Buch über HEGEL - ist nicht ein einziger unverständlicher oder schlecht formulierter Satz zu finden.

Beiser beginnt mit einer überzeugenden Einordnung Hegels in den geistigen Kontext des ausgehenden 18. Jh., wobei er weit über das in vergleichbaren Darstellungen Übliche hinausgeht. Entscheidend für das Verständnis des großen Dialektikers sei ein Bewußtsein von der tiefen Krise der Aufklärung im damaligen Deutschland. Angesichts der Pantheismuskontroverse, der nihilistischen Schriften Obereits, der Jenaer "Grundsatzkritik" und der Theorie-Praxis-Kontroverse zwischen Kant, Möser, Gentz und Rehberg sahen sich die Aufklärer Angriffen ausgesetzt, die viele Parallelen mit der Vernunftkritik der Postmoderne aufweisen. Hegels Anliegen, so Beiser, habe darin bestanden, diese Angriffe abzuwehren und die dabei geretteten aufklärerischen Überzeugungen mit den Idealen der Frühromantik (harmonische Einheit des politischen, privaten und religiösen Lebens; volle persönliche Entfaltung des Individuums) zu einer geschlossenen philosophischen Position zu verbinden.

In zehn weiteren Kapiteln geht Beiser auf alle wichtigen Teilbereiche des Hegelschen Systems ein, von der Metaphysik und Dialektik bis hin zu den Schlußfolgerungen für Religion, Politik, Recht, Geschichte und Ästhetik. Der Leser kann nur über die Souveränität staunen, mit der auf knappem Raum so unterschiedliche Themen wie Hegels Gottesverständnis, sein Freiheitsbegriff, sein Verfassungsideal, seine These vom Ende der Kunst und vieles andere abgehandelt werden.

Bei aller Aufgeschlossenheit für den empirischen Reichtum dieses Systems wird Beiser allerdings nicht müde, auf die Bedeutung der Metaphysik als des zentralen Theoriebausteins hinzuweisen. Weder Hegels Rechtsphilosophie, noch seine Ästhetik ließen sich ohne deren Berücksichtigung angemessen würdigen. Die Analyse von Hegels Metaphysik wird damit zum Herzstück des Buches.

Obwohl die Bezeichnung Hegels als eines "Idealisten" den Vergleich mit Platon nahelegt, trägt sein Denken Beiser zufolge eher aristotelische Züge. Wie bei Aristoteles sei Hegels ideales Prinzip (das "Absolute" bzw. der "Geist") durchgehend immanenter Natur, wie Aristoteles habe er ein organistisches Weltbild und wie Aristoteles sei er von der teleologischen Struktur der Wirklichkeit überzeugt. Von Aristoteles unterschieden ihn jedoch sein Monismus und der Entwicklungsgedanke, die Überzeugung also, daß das "Absolute" nicht unveränderlich gegeben sei, sondern sich erst in einem Prozeß der Entfaltung verwirklichen müsse. Da diese Verwirklichung sich nicht zuletzt in der menschlichen Geschichte und Kultur ereigne, sei Hegel zwar Pantheist, aber nicht im gleichen Sinne wie Spinoza, der Gott nur in der Natur zu finden glaubte.

Beiser schließt mit einem glänzenden Epilog über das Schicksal des Hegelianismus. Als wichtigster philosophischer Verbündeter der preußischen Reformer habe Hegel ihr Schicksal geteilt. Mit der Hoffnung auf eine konstitutionelle Monarchie wurde 1840 durch den Regierungsantritt des reaktionären Friedrich Wilhelm IV. auch die geistige Ausstrahlungskraft des Deutschen Idealismus untergraben. Der Glaube an die Vernunft in der Geschichte, auf dem Hegels gesamtes System beruhte, hatte sich als falsch erwiesen.

An diesem Buch enttäuscht lediglich sein einführender Charakter. Von einem Autor, der Sachkenntnis in so eindrucksvoller Weise mit Klarheit zu verbinden versteht, hätte man sich gern eine viel umfangreichere Abhandlung gefallen lassen. Die doppelte oder - warum nicht? - auch dreifache Seitenzahl wäre vielen Themen zugute gekommen, deren Behandlung Beiser nach eigenen Angaben mit Bedauern einschränken mußte, etwa der Erkenntnistheorie Hegels, seiner Naturphilosophie oder seiner Reaktion auf die "Grundsatzkritik". Andere vom Leser schmerzlich empfundene Lücken, wie die Frage des Einflusses von Hölderlin und Schelling auf Hegels geistige Entwicklung, hätten ebenfalls geschlossen werden können.

Bedauerlicherweise hat Frederick Beiser also nur eine Einführung in Hegels Philosophie geschrieben. Erfreulicherweise ist diese Einführung aber die beste, die ich kenne.

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