Ein buntes und vielgestaltiges ethnisches Spektrum von Roland Topchischwili und Michail Kurdiani...............................................2 Zur nationalen Bewegung im 19. Jahrhundert von David Paitschadse....................................................................................8 Chronologie................................................................................................9 Georgien - Europa oder Asien. Eine Betrachtung von Lascha Bakradse.....................................................................................12 Wunder der Freskenmalerei im Mittelalter von Zaza Schirtladse.....................................................................................14 Eine Reise zu den Kirchen und Klöstern Georgiens von Irine Elisbaraschwili...............................................................................19 Zur Restauration der mittelalterlichen Baudenkmäler von Mariam Didebulidse................................................................................27 Religiöses Leben und Kirche im modernen Georgien von Nodar Ladaria.........................................................................................30 Ein kurzer Besuch im Kloster Bodbe von Ina Tkatsch.............................................................................................34 Das 'Kaukasische Haus' - für einen friedlichen Kaukasus von Michail Beroschwili................................................................................36 Wissenswertes von A bis Z...................................................................37 Die georgische Polyphonie - ein Leben mit Gesang von Britta Wollenweber................................................................................46 Ein kachetischer Mann ohne Traube ist kein Mann von Britta Wollenweber................................................................................49 Tafel und Tamada - Diktatur der Tradition? von Tamar Nikuladse.....................................................................................52 Swanetien - geheimnisvoll und voller Legenden von Ina Kiladse.............................................................................................56 Tbilissi - niemand würde sagen, es sei aus einem Guß von Britta Wollenweber................................................................................60 Ans Meer! Der Vergangenheit nachspüren in Batumi von Ina Tkatsch.............................................................................................64 Notizen zur georgischen Folklore und Volkskunst von Ninu Minsadse........................................................................................67 Auf der Suche nach dem verlorenen Karneval von Dato Buchrikidse....................................................................................69 Georgien mit den Augen Niko Pirosmanis betrachtet von Tamar Nikuladse.....................................................................................73 Facetten des georgischen Tanzes von Nino Begiaschwili...................................................................................76. Auszug. Ein buntes und vielgestaltiges ethnisches Spektrum. Roland Topchischwili, Michail Kurdiani. Sakartwelo, so nennen die Georgier ihre Heimat. Sie selbst bezeichnen sich als Kartweli. Die Ethnogenese Georgiens hat sich auf dem heutigen Territorium des Landes und in seinem historischen südwestlichen Teil vollzogen. Es gab zwei große georgische Staaten vor unserer Zeit: Kolchis (im 6. Jahrhundert) und Iberien (4. bis 3. Jahrhundert). Nach georgischen Quellen vereinigten sich im 3. Jahrhundert die Westgeorgier freiwillig mit dem ostgeorgischen Königreich (Iberien oder Kartli). Es gibt einige Fragen hinsichtlich der Ethnogenese Georgiens, die noch der Klärung bedürfen. Kompliziert ist das Ganze auch, weil die georgische Sprache keine gesicherte verwandte ethnisch-sprachliche Einheit kennt. Sicher ist, daß im Laufe der Herausbildung des georgischen Ethnos die in Vorderasien lebenden Stämme der Urartäer eine bedeutende Rolle spielten. Heute sprechen die Georgier drei eng miteinander verwandte Sprachen: Georgisch, Mengrelisch und Swanisch. In der langen Geschichte des Landes war Georgisch, mit Ausnahme kurzer historischer Epochen, immer Staats-, Kirchen- und Literatursprache. Die mengrelische und die swanische Sprache sind in soziolinguistischer Hinsicht georgischen Dialekten gleichgestellt. Die Überlieferung verbindet die Schaffung der georgischen Schrift mit dem Namen des georgischen Königs Parnawas. Dieser war im 3. Jahrhundert König Westgeorgiens. Ihm gelang, Ostgeorgien und die Gebiete Süd- und Westgeorgiens zu einem Reich zu vereinen. Er führte Georgisch als Staatssprache ein und verbreitete die georgische Schrift im ganzen Reich. Das Georgische wird mit einem eigenen Alphabet geschrieben. Es gibt drei Schriftarten der georgischen Sprache: Mrgwlowani (Rundschrift), Kutchowani (eckige Schrift) und Mchedruli (Kriegs- oder Ritterschrift). Mchedruli wird bis heute benutzt. Das älteste erhalten gebliebene Literaturwerk - 'Martyrium der heiligen Schuschaniki' von Jakob Zurtaweli - stammt aus dem 5. Jahrhundert. Das Werk erzählt die tragische Geschichte einer georgischen Familie im religiösen Kampf. Das georgische Volk ist eine der ersten christlichen Nationen der Welt. Das Christentum verbreitete sich hier ab dem 1. Jahrhundert. Als Staatsreligion wurde es bereits im 4. Jahrhundert anerkannt. Den Georgiern ist es gelungen, das Christentum trotz des gewaltigen Widerstandes von Zoroastrismus und Islam zu bewahren. Die Georgier sind orthodoxe Christen, doch gab es stets eine kleinere Zahl Katholiken, Moslems und gregorianischer Monophysiten. Die Motivation der Bolschewiki, dem Gebiet Adscharien den Autonomiestatus zu verleihen, war allein der Tatsache geschuldet, daß die dortige Bevölkerung seit dem 16. Jahrhundert moslemischen Glaubens war. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren sind viele in Adscharien lebende Georgier zum Christentum konvertiert. Das Christentum verbreitete sich in den ostgeorgischen Gebirgsregionen sehr langsam, da sich die dort ansässige Bevölkerung lange Zeit hartnäckig gegen die Zentralregierung wehrte. Nach außen hin war die Gebirgsbevölkerung christlichen Glaubens, und die meisten dortigen Klöster waren nach georgischen Heiligen benannt. Seinem Wesen und Inhalt nach aber war der Glaube der Bergbevölkerung synkretistisch, also eine Mischung von christlichen und heidnischen Sitten und Bräuchen. Anders war es in den westgeorgischen Gebirgsregionen, in Swanetien beispielsweise. Hier war das Christentum seit dem frühen Mittelalter verbreitet, wurde anerkannt und akzeptiert. Die schönen Kirchen in Swanetien mit ihren wunderbaren Fresken und Inschriften legen davon Zeugnis ab. Harmonisch fügen sie sich in das Landschaftsbild ein. Wie die großen Länder Europas - darunter Deutschland, Italien, Spanien und Ungarn - ist auch Georgien in historisch-ethnographische Gebiete unterteilt. Jede Region zeichnet sich durch ihre ethnographischen Besonderheiten aus. Gesprochen werden Dialekte der georgischen Sprache. Die historisch-ethnographischen Gebiete Georgiens sind: Kartli, Kachetien, Erzo-Tianeti, Tuscheti, Chewsureti, Pschawi, Mtiuleti, Gudamakari, Chewi, Tori, Trialeti, Mengrelien, Ratscha, Gurien, Letschchumi, Adscharien, Swanetien, Samzche und Dschawacheti. Einige der georgischen historisch-ethnographischen Gebiete liegen heute außerhalb der Staatsgrenzen Georgiens: dazu zählen Saingilo in Aserbaidschan, Dwaleti in Rußland sowie Schawscheti, Eruscheti, Kola-Artaani, Klardscheti und Tao in der Türkei. Untrennbarer Teil Georgiens ist Abchasien. In Abchasien haben Georgier (Mengrelen und Swanen) und Abchasen immer gemeinsam gelebt. Ab dem 16 Jahrhundert aber entfremdeten sich die Abchasen von der georgischen Kultur und ethnischen Welt. Erst seit dem 16. Jahrhundert bildeten sich die Abchasen als einzelne Ethnie heraus. Bedingt war dies durch die Einwanderung nordkaukasisch-adygeischer Stämme. Das heutige abchasische Ethnos ist eine Mischung aus Angehörigen adygeischer Stämme und Mengrelen (eine georgische ethnologische Gruppe).
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