Hrsg. v. Wolfgang Krieger

Und keine Schlacht bei Marathon

Und keine Schlacht bei Marathon
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Erscheinungsdatum: 2005-08
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 361
  • ISBN: 3608940790
  • EAN: 9783608940794
  • Amazon.de Verkaufsrang: 269.758
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Beschreibung von buecher.de

Bedeutende Ereignisse der Geschichte bewegen uns und prägen unser Geschichtsbild bis heute. Die Autoren dieses Bandes stellen unsere Geschichtsbilder auf den Prüfstand und kommen zu überraschenden Ergebnissen. Einige der bekanntesten 'dramatischen Ereignisse' haben schlichtweg nicht stattgefunden, allzu oft wurden sie zu Legenden und Wunschbildern von Geschichte umgedeutet. Aber wie kam es zu derlei Erfindungen?

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Mike Nyx fanden 5 von 14 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Und keine Schlacht bei Marathon

Wie immer bei solchen Büchern, die von diversen Autoren bestückt werden,

gibt es auch bei "Marathon", das auch "kleine Schlacht" heißen könnte, qualitativ unterschiedliche Beiträge.

Akzeptabel sind sie alle, aber mal mehr und mal weniger spannend geschrieben.

Beispiel : Die Befreiung von Orléans, Jeanne d`Arc von Heribert Müller:

Johanna von Orléans, die Heroin Frankreichs, die von Gott gesandte, die glühende Royalistin, der Karl VII die Krone und den Zusammenhalt der Nation zu danken hat ?

Wer war Sie ? "La Pucelle", ein Bauernmädchen aus Lothringen, die "Stimmen" hört, die ihr den Auftrag von Gott direkt erteilen, Frankreich von den Engländern zu befreien. Durch ihre Stärke und Begeisterungsfähigkeit für ihre Sache zog sie Bewunderer an, die schwach waren, denn die Franzosen waren im 100jährigen Krieg mit England ausgelaugt und verunsichert.

Rational erklärte später Voltaire ihre Persönlichkeit als eine bedauernswerte Geistesgestörte und kranke Ekstatikerin, die an Halluzinationen bis zum Wahnsinn litt

(heute Krankheit des schizophrenen Formenkreises). Geschichtlich war die Situation für England bereits ein overstretch, denn dem bevölkerungsarmen England stand ein bevölkerungs- und ressourcenreicheres Frankreich gegenüber. Weiterhin hatte sich der in Chinon im Abseits sitzende Karl VII mit klugen Diplomaten, Wissenschaftlern und Klerikern umgeben und unter diesen und ihren Kollegen in den von England besetzten Städten gab es mannigfache Verflechtungen (Studienfreunde, Verwandtschaften usw.) Frankreich war eigentlich schon auf einem guten Weg. Jeanne d`Arc war sozusagen der emotionale und heroische Kristallisationspunkt, ein aboutissement, d.h. Ergebnis und Endpunkt einer Entwicklung.

Natürlich : Heldentum, Mystik und ein grausamer früher Tod auf dem Scheiterhaufen sind der Stoff für Heldinnen und Helden und Idole. Die Wirklichkeit ist wohl komplexer und weniger heroisch. Ein emotionales Symbol für die Einheit der französischen Nation wird sie trotzdem bleiben.

Leider recht trocken geschrieben. Auch Historiker sollten in der Lage sein, ihren Stoff in ansprechender und (sorry) unterhaltsamer Form an den interessierten Leser zu bringen.

Das historische Fazit ist altbekannt: Die Geschichte schreiben die Sieger und die überhöhen sich nun mal seit eh und je.

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