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Lungenkrebs und nur noch wenige Monate zu leben: Gottfried Sonder, sechzig Jahre, Pathologie-Assistent am Universitätsspital, kurz vor der Pensionierung, ist fassungslos. Er als Nichtraucher? Diese Krankheit muß für einen anderen bestimmt gewesen sein, und er weiß auch für wen. Ärzte und Freunde geben ihm gute Ratschläge, Nicht aufgeben!, sagen sie. Aufgeben ist Sonders Sache nicht, doch sein Kampf sieht anders aus, anders als man es von ihm erwartet hätte. Spitaldirektor Bäni findet eine Leiche in seinem Kofferraum, doch er erinnert sich an nichts. Mattscheibe, Filmriß. Ist er etwa ein Mörder? Die Leiche muß auf jeden Fall verschwinden. Keine Spuren, kein Risiko. Kommissar Häberli vertraut seinen Eingebungen mehr als der peniblen Suche nach Hinweisen. Auch, als er den Auftrag erhält, den Mord an einem Pathologen aufzuklären... Felix Mettlers erster Roman ist ein spannendes Ringen um Alibis, Tatmotive und Verdächtige abseits vom gewohnten Schema der Verbrecherjagd und abseits herrschender Moralvorstellungen. Hier darf ein Mordmotiv absurd sein, und muß doch nicht verwerflich erscheinen, darf der Leser der Verbrechensausführung genüßlich folgen und der Aufdeckung entgegenzittern - weil er sie fürchtet, nicht ersehnt. Feinsinnig und bestrickend zieht Der Keiler in seinen Bann und wirft Fragen von größter Tragweite auf. Ist ein Mord verzeihlich?
Herren über Leben und TodFelix Mettler (geb. 1945) ist Veterinärmediziner und verfasste bislang zwei Romane, einen Bestseller und einen Flop ("Made in Africa"). Ein dritter Kriminalroman soll 2007 erscheinen.
Mettlers Debütroman "Der Keiler" (1990) ist von der Gattung her ein Krimi, wenn auch die Mördersuche nicht wirklich im Zentrum steht. Der angepasste Pathologie-Helfer Sonder, der im Pathologischen Institut in Zürich kurz vor der Pensionierung steht, ist frustriert, weil er an Lungenkrebs erkrankt ist, obwohl er nie geraucht hat, im Gegensatz zu seinem Vorgesetzten Dr. Götze. Darum bringt er diesen um. Mettler kreiert ein absurdes und moralisch fragwürdiges Racheszenario, um über Schuld, Verantwortung, Gerechtigkeit, Leben, Sterben und Tod philosophieren zu können. So kommt es auch zu einer Vermischung zwischen Täter- und Opferrolle. Folglich ist unscharf, wer eigentlich Täter und wer eigentlich Opfer ist. Schliesslich erstaunt es auch nicht, dass selbst der Kommissar mit dem Täter sympathisiert.
Köstlich ist vor allem die bitterböse Abrechnung mit der Medizinerzunft (krankhaft ehrgeizige Chefärzte, senile Professoren, Gefälligkeitsgutachten). Die Herren über Leben und Tod sind arrogante, eitle, selbstgefällige und verfressene Egomanen. Ärzte, eigentlich dem hippokratischen Eid verpflichtet, als Zyniker.
2006 wurde das Buch von Urs Egger unter dem Titel "Tod eines Keilers" fürs Fernsehen Verfilmt. Trotz grossartiger Schauspieler (Joachim Król, Friedrich von Thun, Stefan Kurt) ist der Film leider - im Vergleich zum Buch - ziemlich enttäuschend.
Von medizinischen "Häuptlingen" und ihren "Indianern"..."Der Keiler" ist ein Arztroman; wer jetzt allerdings auf hormongeschwängerte zwischenmenschliche Schicksalsbeziehungen hofft, wird enttäuscht. Ort der Handlung: Die Pathologische Abteilung eines Krankenhauses, als Hauptfiguren agieren Professoren und Mitarbeiter des Teams. Der rote Faden des Romans: Ein hinterhältiger Mord an einem ehrgeizigen, unliebsamen Kollegen. Und dann ist da noch Herr Sonder, Pathologiehelfer und auf dem Sprung in die Rente, der aufgrund einer Lungenkrebs-Diagnose und erfolgreicher Operation scheinbar nichts mehr zu verlieren hat.
Obwohl der Roman von Felix Mettler den Leser von Anfang an in jeden Gedanken des Herrn Sonder einbezieht, ihn an den Ort des Verbrechens mitnimmt und kein Hehl aus der Kaltschnäuzigkeit macht, mit der die Tat ausgeführt wird, bleibt der Stoff spannend bis zur letzten Seite. Dabei bleiben die alles verändernden Paukenschläge aus. Statt dessen kreist der Leser zusammen mit den ermittelnden Beamten die Verdächtigen in ihrer scheinbar ausweglosen Situation immer weiter ein, gespannt, wann die Experten endlich die richtige Fährte wittern. Geschickt werden durch die Beschreibung der einzelnen Charaktere Sympathien und Antipathien geschürt, Verständnis geweckt und das feine Netz aus gegenseitigen Abhängigkeiten aufgedeckt. Ausschweifendes Leben wird durch die handelnden Personen in Relation zur Demut gegenüber der Natur gesetzt.
Welche Rolle der Namensgeber dieses Romans, der Keiler, spielt, sei hier schon verraten. Er ist ausschließlich für Herrn Sonder von Bedeutung und schildert dem Leser eindrucksvoll die Ansichten des Pathologiehelfers zu Leben und Tod im Zusammenspiel von Natur und Mensch.
Auf alle Fälle lesenswert!
Lesenswert!! Der Kriminalroman, mit dem Titel Der Keiler, von Felix Mettler beschreibt einen absurden Mord, der unlösbar scheint. Rache, Gerechtigkeit und das Ankämpfen gegen den Tod sind die zentralen Themen des Romans.
Der Pathologie- Helfer Sonder leidet an Lungenkrebs. Er sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben und fühlt sich von der Natur ungerecht behandelt. Nichtraucher und trotzdem Lungenkrebs? Sonder findet vorerst keine Erklärung für sein Schicksal, doch Kollegen im Krankenhaus bringen ihn zur Auffassung, er müsse stellvertretend für einen Raucher sein Leben opfern.
Die Protagonisten sind Ärzte und Mitarbeiter des Krankenhauses. Doktor Götze, Kettenraucher, unpopulär und egoistisch, wird von seinen Untergebenen gehasst und einige wünschen ihm sogar den Tod. Der Institutsleiter, Doktor Bäni, befindet sich schon in einem höheren Alter und leidet unter zeitweiligen Gedächtnisaussetzern.
Als jedoch ein skurriler Mord begangen wird ist für die zwei sympathischen Polizeibeamten, Manz und Häberli, ein vermeintlich simples Verbrechen zu lösen. Dieses jedoch wird immer verzwickter und es bleibt bis zum Schluss offen, ob der Täter tatsächlich gefangen genommen wird.
Obwohl der Leser bereits im ersten Teil des Romans den Mörder kennt, ist es spannend zu lesen, ob er nun wirklich gefasst wird. Felix Mettler hat mit diesem Werk eine völlig neue Sichtweise für mich erschaffen. Sind die Täter wirklich auch immer die Schuldigen, und ist es verzeihbar und berechtigt als Opfer einen Mord zu begehen nur um die Gerechtigkeit wiederherzustellen?
Meiner Meinung nach ist Der Keiler eine sehr lesenswerte Lektüre, weil man zum Nachdenken angeregt wird. Die Stelle, in welcher der Titel des Romans definiert wird, finde ich besonders gelungen, da sich der Mörder mit einem kämpfenden Keiler identifiziert. Der Kriminalroman hat mir besonders gut gefallen, weil wir als Leser über jede Person bescheid wissen, die Spannung jedoch nicht verloren geht.
Die Verfilmung mit dem Titel Tod eines Keilers, deckt sich nicht exakt mit dem Roman, ist aber auf jeden Fall sehenswert. Die Stellen, welche verändert wurden, um den Film spannender zu machen, finde ich eigentlich am brillantesten. Nur besteht die Möglichkeit sich beim Lesen in die verschiedenen Charaktere hineinzuversetzen, was mir bei der Verfilmung leider nicht möglich war.