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Krieg und Frieden in Kiew: Michail Bulgakows erster, autobiografisch gefärbter Roman.Dezember 1918: In Russland herrscht Bürgerkrieg. Die Truppen des kaiserlichen Deutschland haben weite Teile der Ukraine besetzt. Kiew wird zum Sammelbecken für die 'Weißen': Bankiers, Adlige, Halbweltdamen auf der Flucht vor der 'roten Gefahr'.
Keine Zeit für Helden"Die weiße Garde" nimmt in gewisser Weise eine Sonderstellung in Bulgakows Gesamtwerk ein: Man liest hier keine Groteske, keine irrwitzige Satire auf den real existierenden Sozialismus, blickt nicht in die schwindelerregenden Abgründe der menschlichen Seele, sondern man liest einen historischen Roman -- aber keinen gewöhnlichen historischen Roman. Bulgakow kann auch hier nicht verleugnen, dass er ein Meister des Phantastischen ist.
Die Handlung der "Weißen Garde" ist auf jenen kurzen Zeitraum des Jahres im Winter 1918/19 begrenzt, in dem sich das Schicksal kiews und der Ukraine entscheiden sollte: Der Roman beginnt mit dem Abzug Skoropadskis, des Hetmans von deutschen Gnaden, am 12. Dezember 1918; es folgt das Regiment Petljuras. Dessen Soldateska, die ukrainische Rada, wird schließlich Anfang Februar 1919 von der Roten Armee aus Kiew verjagt (dies nur die historischen Eckpunkte). Außerdem mischen immer wieder deutsche und polnische Militärverbände mit, und obendrein ist Kiew ein Zentrum der "Weißen": Adlige, Bankiers, Lebedamen, ehrenhafte und weniger ehrenhafte "Bürger" harren hier aus und fürchten die "Roten" -- ein wahrer Hexenkessel an Temperamenten und Weltanschauungen brodelt vor sich hin. Eine Lage also, wie sie unübersichtlicher kaum sein könnte.
Ins Zentrum der Ereignisse versetzt Bulgakow die zarentreuen Geschwister Turbin, die zunächst in geradezu grotesker Verkennung der Situation den Geist von Borodino aufrechterhalten wollen und die erst allmählich, jeder für sich und jeder auf seine Art, die Lage neu beurteilen. Und auch sonst betont Bulgakow den Unterschied zum sieg- und glorreichen Jahr 1812: Diesmal gibt es kein einiges Russland, sondern ein Russland, in dem sich stündlich die Machtverhältnisse ändern können, in dem Überläufer zum Regelfall werden, in der unerfahrene junge Kadetten verheizt werden, in dem eine Partei die andere niedermetzelt, auch wenn man tags zuvor noch verbündet war. Keine Zeit für Helden diesmal.
Wie bereits erwähnt, ist "Die weiße Garde" kein historischer Roman im üblichen Sinne, und schon gar nicht ein Historienschinken. Die Geschichte der Turbins und mit ihnen die Geschichte Kiews wird aus allen möglichen Perspektiven präsentiert. Bulgakow versteht es meisterhaft, den verschiedenen Figuren Leben einzuhauchen, keine einzige wird als Sprachrohr einer typisierten Ideologie missbraucht. Stattdessen taucht man ein in die Erlebnisse und Weltanschauungen der Träumer, der resignierten Denker, der heillosen Idealisten, der Fanatiker und Zyniker... Jede Figur ist unverwechselbar und prägt sich dem Gedächtnis des Lesers ein.
"Die weiße Garde" hat mit dem "Meister und Margarita" nicht viel gemeinsam -- aber eine Gemeinsamkeit gibt es bestimmt: Beide Romane gehören zum Besten, was jemals in den betreffenden Genres geschrieben worden ist.
Keine Zeit für Helden"Die weiße Garde" nimmt in gewisser Weise eine Sonderstellung in Bulgakows Gesamtwerk ein: Man liest hier keine Groteske, keine irrwitzige Satire auf den real existierenden Sozialismus, sondern einen historischen Roman -- aber keinen gewöhnlichen historischen Roman. Bulgakow kann auch hier nicht verleugnen, dass er ein Meister des Phantastischen ist.
Die Handlung der "Weißen Garde" ist auf jenen kurzen Zeitraum begrenzt, in dem sich das Schicksal Kiews und der Ukraine entscheiden sollte: Die Handlung beginnt mit dem Abzug Skoropadskis, des Hetmans von deutschen Gnaden, am 12. Dezember 1918; es folgt das Regiment Petljuras. Dessen Soldateska, die ukrainische Rada, wird schließlich Anfang Februar 1919 von der Roten Armee aus Kiew verjagt (dies nur die historischen Eckpunkte). Außerdem mischen immer wieder deutsche und polnische Militärverbände mit; eine Lage also, wie sie unübersichtlicher kaum sein könnte.
Zudem ist Kiew zu diesem Zeitpunkt ein Zentrum der "Weißen": Adlige, Bankiers, Lebedamen, ehrenhafte und weniger ehrenhafte "Bürger" harren hier aus und fürchten die "Roten" -- ein wahrer Hexenkessel an Temperamenten und Weltanschauungen brodelt da vor sich hin.
Ins Zentrum der Ereignisse versetzt Bulgakow die zarentreuen Geschwister Turbin, die zunächst in geradezu grotesker Verkennung der Situation den Geist von Borodino aufrechterhalten wollen und die erst allmählich, jeder für sich und jeder auf seine Art, die Lage neu beurteilen. Und auch sonst betont Bulgakow den Unterschied zum siegreichen Jahr 1812: Diesmal gibt es kein einiges Russland, sondern ein Russland, in dem sich stündlich die Machtverhältnisse ändern können, in dem Überläufer zum Regelfall werden, in der unerfahrene junge Kadetten verheizt werden, in dem eine Partei die andere niedermetzelt. Keine Zeit für Helden diesmal.
Wie bereits erwähnt, ist "Die weiße Garde" kein historischer Roman im üblichen Sinne, und schon gar nicht ein Historienschinken. Die Geschichte der Turbins und mit ihnen die Geschichte Kiews wird aus allen möglichen Perspektiven präsentiert. Bulgakow versteht es meisterhaft, den verschiedenen Figuren Leben einzuhauchen, keine einzige wird als Sprachrohr einer typisierten Ideologie missbraucht. Stattdessen taucht man ein in die Erlebnisse und Weltanschauungen der Träumer, der resignierten Denker, der heillosen Idealisten, der Fanatiker und Zyniker... Jede Figur ist unverwechselbar und prägt sich dem Gedächtnis des Lesers ein. Dass diese Feststellung auch für die deutsche Übersetzung gilt, ist das Verdienst der Übersetzerin Larissa Robiné.
"Die weiße Garde" hat mit dem "Meister und Margarita" nicht viel gemeinsam -- aber eine Gemeinsamkeit gibt es bestimmt: Beide Romane gehören zum Besten, was jemals in den betreffenden Genres geschrieben worden ist.
Ein Zeitdokument in höchster literarischer QualitätNeben seinem unerreichten Hauptwerk "Der Meister und Margarita" ist dies wohl das gelungenste Werk von Michael Bulgakow. Die autobiographisch angehauchte Geschichte um die Geschwister Turbin spielt zur Zeit des russischen Bürgerkrieges in der Ukraine. Der Authentizität des Romanes kommt es dabei sehr zugute, daß der Autor selbst aus Kiew stammt. Die Handlung spielt im Winter 1918/19 und ist eine Chronik der Ereignisse des Bürgerkrieges zwischen den sog. "Weißen" und den Roten, den Kommunisten. Zwar siegt am Ende der Kommunismus und die Geschwister Turbin finden sich auch damit ab - aber froh sind sie weniger über den Sieg der Roten, als über das Ende des schrecklichen Bürgerkrieges. Die Kritik am kommunistischen Regime kommt in vielen kleinen Spitzen zum Ausdruck, war jedoch nicht so plump, daß sie Bulgakow das Leben hätte kosten können. Zwar wurde erst 1966 in der UdSSR eine vollständige Fassung veröffentlicht, aber dies ist angesichts der doch deutlich zutage tretenden Kritik eigentlich kein Wunder.Zwar reicht die sprachliche Brillianz und der Witz dieses Buches nicht an "Der Meister und Margarita" heran, der Stil ist jedoch sehr ähnlich und wem das genannte Buch gefallen hat, der sollte auf jeden Fall auch diesen Roman lesen. Kurzatmig und immer wieder überraschend, wie man es eben von Bulgakow gewöhnt ist und erwartet, wird man von der ersten bis zur letzten Seite in den Strudel der Ereignisse hineingezogen. Besonders für den auch an den Ereignisse dieser Zeit interessierten Leser ein unverzichtbare Zeitdokument, aber auch für alle anderen ein köstliches Lesevergnügen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Magischer RealismusDie Weiße Garde ist mit Der Meister und Margarita nicht zu vergleichen - keineswegs wird derjenige, der das eine mag, notwendigerweise auch das andere mögen. Die Weiße Garde ist ein wunderbares Buch, aber ganz anders. Die erzählte Geschichte, das Zeitbild von Kiew 1918/19, das beschrieben wird, ist faszinierend genug. Das eine großartige Markmal aber, das dieses Buch so außergewöhnlich macht, ist der Megische Realismus des Werks. Die fiebrige Atmosphäre des Tanzes auf dem Vulkan in Kiew kreiert Personen und Begebnisse, die viel eher an Geschichten von García Marquez erinnern. Nicht so sumpfig vielleicht - insofern wird nicht jeder, der Die Liebe in Zeiten der Cholera mochte, unbedingt auch Die Weiße Garde verschlingen. Und doch... Ein großes Werk. Erinnert einen daran, daß das Talent und das Genie der Großen Klassischen Autoren neben dem Einen Klassiker, für den sie weltbekannt wurden (in diesem Fall Der Meister und Margarita), auch noch für andere umwerfende Bücher gereicht hat.
Ein historischer RomanDer Roman erzählt am Beispiel der Familie Turbin das Schicksal Kiews und der Ukraine zur Zeit des Kampfes der Weißen gegen die Rote Garde im Winter 1918/19. Die Kriegssituation ist gekennzeichnet durch Unsicherheit, durch Unübersichtlichkeit der beteiligten Kriegsparteien, durch entsetzliche Grausamkeiten und die Erfahrung, dass sich in solchen Bürgerkriegssituationen die niedersten menschlichen Instinkte offenbaren. Bulgakov beschreibt alles so realistisch, wie einen erlebten Tatsachenbericht. Ich habe das Buch auch deswegen gelesen, weil mir die Geschichte der Ukraine in den Jahren 1918/19 weitgehend unbekannt war.
Adelung-1793: Garde, die · Weise, der · Weise, die · Weiße, die · -Weise · Weise · Weiße, das
Brockhaus-1809: Die Salve-Garde · Die Arriere-Garde · Die weiße und rothe Rose · Die rothe und weiße Rose
Brockhaus-1911: La garde meurt, mais elle ne se rend pas · Garde · Weiße Rübe · Weiße Substanz · Weiße Rose · Weiße Nächte · Weiße Neger · Weise [2] · Weiße [2] · Weiße Woche · Weiße Tinktur · Weiße Väter · Weiße · Weiße Ameisen · Weise · Sieben Weise · Sieben weise Meister · Weiße Kanoniker · Weiße Linie · Weiße Gelenkgeschwulst · Weiße Berge · Weiße Frau
Goetzinger-1885: Meister, sieben weise
Heiligenlexikon-1858: Johannes la Garde (726)
Herder-1854: Garde · Weiße Berge · Weiße Frau · Weiße · Sieben Weise · Weise
Meyers-1905: Garde-Freinet, La · Garde-feu · Potsdamer Garde · La garde meurt et ne se rend pas · Garde nationale · Alte Garde · Garde · Garde mobile · Weiße Frau [1] · Weiße Ameisen · Weiße Elster · Weiße Gelenkgeschwulst · Weiße Karpathen · Weiße Frau [2] · Weiße Koralle · Kniegeschwulst, weiße · Gildas der Weise · Ameisen, weiße · Linie, weiße · Weiße · Sämund der Weise · Pappel, weiße
Pierer-1857: Bulgakow · Pont du Garde · Grande garde du corps · Preobraschenskische Garde · Wallonische Garde · Republikanische Garde · Garde des sceaux de France · Garde · Garde du corps · Garde-menagerie · Garde meuble