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Im Bonner HexenkesselDas Treibhaus ist die Verfilmung (1987) des gleichnamigen Romans von Wolfgang Koeppen. Die eigentliche Story dreht sich um den Journalisten Felix Keetenheuve, der nach dem Krieg und Verfolgung in der NS-Zeit nach Deutschland zurückkehrt und jetzt als Abgeordneter im Bonner Bundestag sitzt. Es ist das Jahr 1953, die Zeit Adenauers, Schumachers, Heuss`, die auch in Einblendungen von historischem Filmmaterial zu sehen sind. Zu dieser Zeit besonders aktuell natürlich der Gedanke an Wiedervereinigung, aber v.a. auch Wiederbewaffnung. Keetenheuve erlebt, wie sich alte Funktionäre wieder an die Macht begeben, nationalsozialistisches Gedankengut immer noch ziemlich unverblümt zum Ausdruck kommt und wie sich die Politik allmählich vom Menschen wegbewegt, etwa als eine Sitzung unter Polizeischutz stattfindet oder in der Ausschussarbeit, wo nur Floskeln hin und her geschoben werden. Keetenheuve hat allerdings auch private Probleme, die das ganze neben einer politischen Intrige für ihn tragisch ausgehen lassen. Der Film zeigt dies im Rahmen eines Interviews mit Romanautor Koeppen und Bildern aus dem 1987 aktuellen Bonn. Eine ungewöhnliche aber sehr stimmige Verbindung für eine Romanverfilmung. Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, den Film halte ich für sehr gelungen. Schwarz-weiß mit vielen Originalaufnahmen, wirkt er eher wie eine Dokumentation. Keetenheuve ist nicht unbedingt ein Sympathieträger, Mitgefühl hat er allerdings verdient im Haufischbecken Bonn, das der heutige Zuschauer hier vielleicht aus einer anderen Perspektive kennenlernt. Eher ein Film der leisen Töne, der Stimmungen, die auch durch Architektur vermittelt werden, aufgreift. Trotzdem von besonderer Dramatik mit einer gewissen Faszination des Echten. Unbedingt empfehlenswert und auch interessant, wenn man die Meinung und Absicht des Autors zum Buch mit seiner Wirkung vergleicht.