Bestellen bei Buecher.de! Preis: 16,90 €
Bestellen bei Amazon.de! Neu ab 8,89 €, gebraucht ab 6,34 €.
Neue Bücher bestellen bei: Buch.de.de, Buch24.de, Bol.de, Libri.de, Thalia.de
Gebrauchte und neue Bücher bestellen bei: AbeBooks.de, Booklooker.de
Die Ich-Erzählerin reist mit ihrem Vater in ein südeuropäisches Land. Ziel der Reise ist eine Pension in einer verlorenen Gegend, wo ihre Halbschwester lebt. Sie hat die uneheliche Tochter des Vaters noch nie gesehen.Um seine Ehe nicht zu gefährden, hatte der Vater keinen Kontakt zu Maries Mutter. In der abgeschiedenen Pension, die Maries Mutter betreibt, und in der noch Maries Halbbruder Fabian, eine Frau und ein Mann wohnen, geraten die Neuankömmlinge in ein Machtspiel, das durch ihre Ankunft aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Eine Vereinigung der Familienhälften scheint unmöglich, die Atmosphäre feindlich. Die Isoliertheit, in die sich Vater und Tochter auf diesem Grundstück begeben haben, wird zur Falle. Die Erzählerin fürchtet, ihren über die Grenzen des Familiären hinaus geliebten Vater an Marie zu verlieren. Die emotionale Bedrohlichkeit der Situation spiegelt sich in der bis zur Unheimlichkeit gesteigerten Wahrnehmung der Ich-Erzählerin. Am Schluß verläßt sie die Gegend, allein. Ob ihr die Ablösung vom Vater geglückt ist, bleibt offen.
Gekonnt nichts erzähltVater und Tochter fahren in ein Dorf, dort wollen sie in einer Pension übernachten. Doch schon die Adresse, die sie mitgebracht haben, scheint niemand zu kennen. Als sie das Haus endlich finden, gibt es dort nur einen Jungen, der ihnen mitteilt, dass die Tochter mit einer Marie in einem Zimmer schläft, der Vater ein eigenes Gästezimmer hat. So habe die Mutter es angeordnet. Doch die ist nicht da. Stattdessen taucht eine geheimnisvolle Frau namens Lo auf, die zwar nicht im obersten Stockwerk wohnt, dort aber zum Leidwesen des Jungen die Toilette benutzt.
Bald stellt sich heraus, dass in dem Haus außer dem Jungen und der Frau noch das Mädchen Marie lebt, die eine Halbschwester ist und ein geheimnisvoller Jakob. Keiner der Personen kann das Grundstück verlassen, dafür reagieren sie so geheimnisvoll unvorhersehbar wie sie reden. Und schließlich verschwindet erst Lo und dann der Vater.
Zweifellos kann die Autorin schreiben, so wie man heute schreiben sollte, will man literarische Preise einheimsen: lakonisch, sparsam. Sämtliche ungeschriebenen literarischen Schreibregeln werden beachtet. Leider ist das auch alles. Die versprochenen Spannung bleibt genauso aus wie das Grauen und die versprochene Geschichte; die Figuren wirken blass, eindimensional, selbst drittklassige Thriller können das besser. Ebenso beliebig wie die Figuren ist die ganze Handlung. Wenn man die Seiten schütteln und neu ordnen würde, würde das keinem auffallen. Zu willkürlich ist das alles, da gibt es weder eine Geschichte noch erzählerische Tiefe, da entstehen keine Bilder, das einzige, was hervorsticht, ist Beliebigkeit.
Als Leser gewinne ich den Eindruck, hier habe ich es nicht mit einem Roman, sondern mit einer Fingerübung zu tun, wie sie tausendfach in Schreibgruppen und Zirkeln produziert werden. Nur haben die anderen Produzenten das Glück, dass kein Verlag ihre Etüden druckt. Erst am Schluss, nach über 80 Seiten entwickelt sich auf einzelnen Seiten so etwas wie eine Geschichte, weckt der Text Bilder. So wirkt das alles wie ein erster Entwurf, als hätte die eigentliche Geschichte erst nach dieser Vorübung geschrieben werden sollen.
Buchumschläge übertreiben, das ist nichts ungewöhnliches. Doch dieser Buchumschlag, diese Verlagsankündigung übertreibt nicht, er ist eine einzige Mogelpackung. Eindringliche Portraits eines beunruhigenden Kammerspiels kündigt der Verlag an, geraten die Neuankömmlinge in ein Machtspiel, das durch ihre Ankunft aus dem Gleichgewicht zu geraten droht. Eine Vereinigung der Familienhälften scheint unmöglich, die Atmosphäre feindlich. Die Isoliertheit, in die sich Vater und Tochter auf diesem Grundstück begeben haben, wird zur Falle. Die Erzählerin fürchtet, ihren über die Grenzen des Familiären hinaus geliebten Vater an Marie zu verlieren.. Mit Poe und Bram Stoker wird das Buch verglichen und verspricht ein sich steigerndes Grauen, ein ganz eigenes Lesevergnügen.
Doch nichts davon findet sich im Buch. Und wenn die Autorin schon nicht ihre Geschichte, ihre Personen gefunden und niedergeschrieben hat, hätte wenigstens das Lektorat darauf dringen können.
So beweist dieser Roman einmal mehr, dass es Literatur gibt und ein Literaturgenre. Wie im Fantasygenre immer neue Herr der Ringe-Klone produziert werden, in denen immer schlechtere Möchtegern-Tolkiens immer mehr Orks umbringen, ohne etwas zu erzählen, werden im Literaturgenre immer neue schön formulierte Texte geschrieben, die garantiert nichts erzählen. Mit Literatur hat das wenig zu tun. Der Wunsch, literarisch zu schreiben, garantiert eben keine guten Texte, dazu gehört eine Geschichte, lebendige Figuren und der Mut, sie zu erzählen.
„Da draußen gibt es keine Menschen.“Auf intelligente Weise nutzt und variiert Nora Bossong Topoi der Schauerliteratur um ihre Protagonisten und schließlich den Leser in eine Gegend zu locken, die beherrscht wird von archaisch anmutenden Gesetzen und der Erbarmungslosigkeit des Verdrängten. Der Roman schildert die Angst einer Tochter um ihren Vater, vielleicht auch um ihren Verstand. „Gegend“ bietet Proben wahnhafter, wahnhaft genauer Wahrnehmung und das anarchische Soziogramm gesellschaftlich Gestrandeter; die Hölle der anderen. Nora Bossong ist ein vielschichtiges Debüt gelungen, dass sich Einordnungsversuchen wirksamer widersetzt, als manch einer es wohl gern hätte.
Die Stimme aus dem Abgrund!Ich habe Nora Bossong zuerst durch ihre Gedichte in der Anthologie: "Wat los, Parzen?" kennengelernt. Von Beginn an haben mich die Texte fasziniert. Besonders ein Gedicht: "Reglose Jagd". Warum das und warum schreibe ich davon in dieser Rezension? Ganz einfach - das, was der Autorin in "Reglose Jagd" gelingt, nämlich einen merkwürdig dynamisch und zugleich statischen Ton zu erzeugen, das gelingt ihr auch, mit den Mitteln der Prosa in ihrem Erstlingsroman: Gegend.
Ungeschwätzig und fesselnd zugleich erzählt sie die Geschichte eines Verhältnisses von Tochter und Vater, das über die bloße familiäre Zuneigung hinausgeht. Ihr Stil ist dabei dicht und osmotisch.
Hier schreibt jemand über die Grenzen des Erlernten und Verinnerlichten einer Schreibschülerin aus Leipzig hinaus, hier schreibt jemand Literatur. Literatur, die ihre Vergleichsebene nicht in den Fräuleinwundern der letzten Jahre sucht, oder zu suchen hätte, sondern in den Klassikern der (Schauer)Literatur: Edgar Allen Poe oder die Geschichten des Alten Testaments - das sind die literarischen Urahnen dieses Buches.
Absolute Empfehlung!