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Es ist das Jahr 1997, Indien feiert den 50. Jahrestag seiner Unabhängigkeit. Kishor Babu, zweiundsiebzig, hat es in seinem Leben zum wohlhabenden Geschäftsmann gebracht und wohnt mit seiner Familie in einem der besten Viertel von Kalkutta. Da ereilt ihn ein Unfall: Ihn trifft ein Schlag auf den Kopf, und von da an geht eine seltsame Veränderung mit Kishor Babu vor. Seine Geschäfte, denen er fünfzig Jahre seines Lebens nachgejagt ist, interessieren ihn auf einmal nicht mehr. Statt dessen vertieft er sich in alte Tagebücher, studiert Artikel aus vergilbten Zeitungen, streift ziellos als Beobachter durch die Armenviertel Kalkuttas und taucht immer tiefer ein in Erinnerungen an sein vergangenes Leben. Auch seine Jugendfreunde, Amolak, der Gandhi-Anhänger, und Shantanu, der revolutionäre Kämpfer im Befreiungskampf des Landes, kommen ihm wieder in den Sinn. Durch seine täglichen Spaziergänge verwandelt sich der gestrenge Patriarch in einen unerbittlichen Kritiker der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, selbst das Kastenwesen und die ungleiche Rollenverteilung der Geschlechter stellt er in Frage - und ausgerechnet seine Ehefrau ist es, die, beunruhigt durch seinen Sinneswandel, Ärzte und Wunderheiler zu Rate zieht, in größter Sorge, das Familienoberhaupt könne den Verstand verloren haben. Ironisch- humorvoll erzählt Alka Saraogi vom Leben eines Mannes, der alles hinter sich läßt, um einen neuen Anfang zu wagen. Von der Kritik gefeiert und mit Arundhati Roy (Der Gott der kleinen Dinge) verglichen, läßt Saraogi die Geschichte Kalkuttas und Indiens zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Traum und Wirklichkeit, Tradition und Moderne lebendig werden.
Empfehlung mit VorbehaltSie interessieren sich für Indien, speziell seine politischen Vorgänge und geistigen Strömungen im 20. Jahrhundert? Wenn dies der Fall sein sollte und wenn Sie darüber hinaus schon ein paar dem besseren Verständnis dienliche Vorkenntnisse über Indien besitzen, könnte "Umweg nach Kalkutta" genau die richtige Wahl sein -- vorausgesetzt, Sie sind nicht auf der Suche nach einem spannenden, gradlinig erzählten Handlungsroman. In diesem Fall könnte es nämlich passieren, dass Sie sich genau dieselbe Frage stellen wie der Erzähler selbst: "Weshalb wollte Kishor Babu seine Geschichte eigentlich aufschreiben lassen? [...] Was sollte da schon Ungewöhnliches daran sein?" Mit einem packenden äußeren Geschehen kann der Roman nicht gerade aufwarten. Im Mittelpunkt steht ein mäßig sympathischer Geschäftsmann, der eine langweilige Ehe mit einer langweiligen Frau führt. Nach einem Unfall blickt er zurück -- auf das Leben seiner aus Rajasthan stammenden Vorfahren, die politischen Ereignisse Indiens und speziell Kalkuttas Mitte des 20. Jahrhunderts, Begegnungen mit unterschiedlichen Mitmenschen, seine eigene Jugend ... Auch das Indien der 90er Jahre und das Leben seiner Familienmitglieder werden zum Objekt seiner Reflexionen, in die er bzw. in die Alka Saraogi einige Prisen Humor, Ironie und Zynismus streut. Die Mischung aus Andeutungen, feinsinnigen Beobachtungen und lakonisch geäußerter Kritik, das Pendeln zwischen Realem und Surrealem (oder 22 Karat reinem Gold und zwei Karat beigemischten Substanzen, wie es die Autorin ausdrückt) machen "Umweg nach Kalkutta" zu einem vielschichtigen Werk, das auf seine eigene Art besticht und doch nicht durchgängig fesselt.
Adelung-1793: Umweg, der · Nach-treten · Nach-treiben · Nach-Trieb, der · Nach-Trupp, der · Nach-trillern · Nach-traben · Nach-Trab, der · Nach · Nach-tragen · Nach-Trag, der · Nach-trachten
Brockhaus-1911: Kalkutta · Nach Sicht · Nach uns die Sintflut · Eulen nach Athen tragen · Nach Kanossa gehen wir nicht
Meyers-1905: Kalkutta · Nach uns die Sündflut! · Zug nach dem Westen · Eulen nach Athen tragen · Nach Canossa gehen wir nicht
Pierer-1857: Nach Sicht · Nach Wechselrecht · Reise nach Jerusalem · Fortdauer nach dem Tode · Gestalter Sachen nach · Nach dato