Mosebach, Martin

Häresie der Formlosigkeit

Häresie der Formlosigkeit
  • Verlag: Hanser
  • Erscheinungsdatum: 2007-03-03
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 256
  • ISBN: 3446208690
  • EAN: 9783446208698
  • Amazon.de Verkaufsrang: 90.912
Bestellen Sie über obige Links! Sie fördern dadurch die Digitalisierung weiterer Bücher, da Zeno.org eine Provision von dem Sponsor erhält. Wann immer Sie etwas bestellen möchten - prüfen Sie vorher die Millionen von Angeboten, die im Zeno.org-Shop beschrieben sind. Bookmarken Sie die Einstiegsseite in den Zeno.org-Shop für spätere Gelegenheiten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Beschreibung von buecher.de

Das Zweite Vatikanische Konzil, das 1965 endete, hatte einen der revolutionären Kulturbrüche des 20. Jahrhunderts zur Folge. Papst Paul VI. ordnete das Ende der alten römischen Liturgie und die Schaffung einer neuen an. Doch der Optimismus, dass die Abschaffung des Lateinischen als Liturgiesprache der Kirche neue Kreise öffnen könne, ist längst vergangen. Martin Mosebachs provozierendes Buch stellt die Frage, ob die Kirche durch den Bruch mit ihrer großen Tradition sich nicht selbst ihrer Substanz beraubt hat, aber auch, ob über den alten Ritus bereits das letzte Wort gesprochen ist.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Dr. Dominik Burghardt fanden 66 von 74 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Glänzendes Plädoyer eines Literaten für MR1570

Es gibt Bücher, die kann man eigentlich gar nicht rezensieren - die muss man ganz lesen, schon allein wegen der köstlichen Sprache und der gedanklichen Dichte. Jeder Satz ist wichtig. Mosebach schreibt ein glänzendes Plädoyer für den alten, durch die Liturgiereform der 60er Jahre weitgehend "abgeschafften" Ordo der katholischen Messfeier, und dies aus der Perspektive des Literaten, des Ästheten, des Kulturphilosophen, und des Nicht-Fachtheologen. Zugleich rechnet er schonungslos mit dem ab, was er eben "Formlosigkeit" nennt - die weitverbreitete Meinung, es komme nur auf das Innere an, das Äußere sei egal. Wenngleich aus theologisch-fachlicher Sicht einige kleine Fragwürdigkeiten und Unpräzisheiten auftreten und man Mosebach nicht zwingend in allem zustimmen muss, so ist das Buch doch gerade in seiner Außenperspektive jedem fachlich Interessierten zu empfehlen, da es vor allem eines überdeutlich klarmacht: Mögen manche Beweggründe der Liturgiereformer noch so edel und rational begründet sein - was beim Gläubigen angekommen ist, ist vor allem der Eindruck, es sei heute alles nicht mehr so ernst gemeint...

Diese Rezension von Auletes fanden 36 von 45 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Vorbote einer Wende

Dieses Buch war notwendig. Bisher gabe es viele kritische Stellungnahmen zur sog. Liturgiereform, die vor allem folgende Themen berührten:

- die zahlreichen Abschwächungen, welche die katholische Glaubenslehre über das Meßopfer und das Priestertum im Missale Pauls VI. erfährt;

- den Abbau an Ehrfurchtsformen, der keinem wachen Beobachter entgehen kann;

- den gewaltigen Traditionsbruch, der sich von der Messe her, dem Zentrum katholischen Lebens, auf alle anderen Bereiche - von der Theologie und der Spiritualität bis zur Kirchenmusik und sakralen Kunst - auswirkte und noch immer auswirkt.

Martin Mosebach wählt für seine Kritik eine andere Perspektive. Nicht, daß er die anderen Aspekte außer Acht ließe - dafür ist er selbst viel zu sehr gläubiger Katholik, erstaunlicher Kenner der Theologie, des kirchlichen Lebens und natürlich auch der Künste. Aber sein Blickwinkel ist von anderer Art. Ich würde ihn als "primärästhetisch" bezeichnen: Mosebach schaut einfach mit den aufmerksamen Augen eines interessierten Menschen, eines gläubigen Christen und Künstlers hin, um dann zu beschreiben, was er sieht und welchen Eindruck das in ihm erweckt, ja erwecken muß.

Nicht also die einzelnen Hervorbringungen des angeblichen Reformwerkes werden unter die Lupe genommen, analysiert und seziert, vielmehr geht es um das, was Johann Michael Sailer die "Grund- und Muttersprache" der Kirche und ihrer Liturgie nannte; diese sei "weder lateinisch, noch deutsch, weder hebräisch noch griechisch", da sie überhaupt keine "Wortsprache" sei, sondern vielmehr der "Totalausdruck der Religion", das was den Menschen unmittelbar und wohl auch im Tiefsten anspricht.

Indem Mosebach in solcher Weise die Neuliturgie, ihre Erscheinungsformen und Begleitumstände betrachtet und beschreibt, wird das Ausmaß der angerichteten Zerstörung fast noch deutlicher als durch theologische Kritikpunkte, denen sich ja immer ein beschwichtigendes "Ja, aber schau` doch einmal, es gibt auch so viel Gutes..." entgegenhalten läßt. Mosebach dringt über die gottesdienstliche Krise zu Fragen vor, welche die Gesamthaltung des Menschen vor Gott und somit seine eigentliche Würde betreffen. Formlosigkeit ist nicht nur eine theologische, sondern auch eine anthropologische Häresie, wie die Entwicklungen seit den 68ern hinlänglich dokumentieren.

Es ist kein Zufall, daß Mosebachs Buch auch in Kreisen, die nicht im Zentrum der Catholica anzusiedeln sind, Aufsehen erregen konnte. Der wache Leser erkennt recht bald, daß hier nicht allein liturgisch-rubrizistische oder ästhetische Probleme behandelt werden, sondern daß es um viel mehr geht. "Häresie der Formlosigkeit" ist somit Vorbote einer Wende, eines im besten (davila`schen!) Sinne "reaktionären" Aufbegehrens gegen die Diktatur einer widergöttlichen Vergöttlichung des Menschen und einer unmenschlichen Vermenschlichung des Göttlichen.

Diese Rezension von Josef Christian fanden 25 von 35 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Reaktionäre Revolution

Wow! Es gehört wahrlich Mut dazu, mit Essays gegen den Mainstream anzuschreiben. Was Martin Mosebach hier macht, ist nichts anderes als der Versuch einer reaktionären Revolution in der katholischen Kirche. Und er argumentiert so unwiderstehlich, dass selbst der Kirche Fernstehende Lust darauf bekommen, einmal eine Messe im tridentinischen Ritus zu besuchen.

Mosebach nimmt die 'moderne' Kirche ins Visier und landet gleich mehrere Volltreffer. Er macht sich über die Priester lustig, die fröhlich singend dem Kirchenvolk gegenüberstehen und den wahren Charakter des Messopfers vergessen. Er kritisiert die Event-Gottesdienste, die nichts mehr mit dem ewigen Mysterium zu tun haben, das die Tür zwischen Himmel und Erde einen Spalt öffnet. Und er bricht eine Lanze für den Gregorianischen Gesang, der schon für die Priester zur Zeit Karls des Großen fremd geklungen hat.

Martin Mosebach ist ein großer Stilist, der sich in diesen Essays scharf, aber mit einer zwingenden Logik gegen die 68er-Revolution in der katholischen Kirche wendet. Dabei hat er auch viel Witz in seiner ganzen Ernsthaftigkeit. Natürlich sei er kein Priester, kein Theologe und eigentlich komplett unwissend, schreibt er. Doch der 'Laie' Mosebach diagnostiziert in seiner tiefen 'Unwissenheit' die schlimmen Krankheiten, unter der die Kirche heute leidet. Wird die 1500 Jahre alte Form der Liturgie verwässert, werden auch die Inhalte der Kirche verwässert. Ist die Liturgie nicht mehr die Form des Heiligen, ändert sich auch der Begriff der Heiligkeit innerhalb der Kirche.

Feiern wir im Gottesdienst nicht mehr das göttliche Opfer sondern uns selbst, dann hat sich der Sinn der Liturgie radikal verändert. Aus der von Jesus begründeten Kirche heraus hat sich die alte Liturgie nach und nach entwickelt und wurde nach dem zweiten Vaticanum von der Kirche amputiert wie ein fauliges Gliedmaß von einem Körper. Doch die katholischen Reformatoren haben einen schweren Fehler begangenen. Wenn der Mensch Husten hat, wird er nicht gesund, wenn man ihm das Herz herausschneidet. Er stirbt. 1968 wurde eine 'vormoderne' Kirche modernisiert, indem man die Liturgie verstümmelte. Die Reformatoren amputierten das Herz der Kirche und wundern sich jetzt, dass sie im Sterben liebt. Denn die Liturgie kann nie modern oder altmodisch sein. Die Liturgie ist Form, die sich entwickelt. Die Liturgie ist die Grammatik der Kirche. Neue Begriffe und Wörter mögen die zu vermittelnden Inhalte einer Sprache abrupt ändern können. Die gewachsene Grammatik modifiziert sich aber nur sehr, sehr langsam. Wenn wir eine Sprache erneuern wollen, passen wir die Rechtschreibung an die Gegebenheiten an, die Grammatik ändern wir nicht. Denn mit einer willkürliche geänderten Grammatik versteht der Mensch seine eigene Sprache nicht mehr.

Und das ist das eigentliche Problem in der Kirche. Durch die Amputation der alten Liturgie versteht der Gläubige seine Kirche, und was noch schlimmer ist, seinen Glauben nicht mehr.

Diese Rezension von Johannes von Patmos fanden 16 von 32 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen Das Kind mit dem Bade ausgeschüttet - oder: wie sich das Mysterium in die "reine Form" auflöst

Es ist ein zutiefst ideologischer Streit, in den sich Martin Mosebach eingemischt hat. Was ihn dazu berufen sein läßt, sind vor allem sein feines ästhetisches Gespür, seine stilistische Brillianz sowie seine gute Beobachtungsgabe. Prüft man aber einmal die argumentative Substanz, die hinter seinen virtuos alle Register der Polemik ziehenden Attacken steht, dann bleibt doch nicht allzu viel übrig. Das trockene Brot der theologischen Reflexion und der pastoralen Verantwortung will dem wortgewaltigen Ästheten eben weitaus weniger schmecken.

In der Feier der Liturgie kann es nun einmal nicht zuerst um das Erlebnis erhebender Sinnesfreuden gehen, sondern um Teilhabe an dem alles bestimmenden Mysterium der Verwandlung in den Leib Christi hinein. Gesten, Riten, Symbole und alles, was die ästhetische Dimension der Liturgie betrifft, hat allein dem zu dienen: uns hineinzunehmen in das gefeierte Geheimnis. Als Glaubender der Messe bloß "beizuwohnen" wie einem mehr oder weniger gut inszenierten Theaterstück, das kann doch nur ein grobes Mißverständnis des heiligen Geschehens sein!

Gewiss hat die letzte große Liturgiereform den Ritus verschlankt, aber dadurch auch klarer und aussagekräftiger hervortreten lassen. Und es überschreitet schon den guten Geschmack, wenn man Papst Paul VI. als "Tyrannen" bezeichnet, der den Geist der 68er seiner Kirche aufzwängen wollte. Vielmehr wurden altehrwürdige Traditionen dem Vergessen entrissen und durch die erneuerte Liturgie wiederbelebt. Gerade das, was Mosebach so sehr an der vorkonziliaren Form schätzt, hat nur zu oft den Blick auf das Mysterium verstellt und eher eine klerikale Selbstverliebtheit gespiegelt.

Mosebach Buch hat und wird auch weiterhin seine willigen Claqueure finden, denen es Auftrieb gibt für ihre reaktionären Ressentiments. Doch ändert das nichts daran, dass es weithin maßlos überschätzt wird! Zwei Sterne verdienen freilich seine Sprachbonmots trotz des fragwürdigen Inhalts. Schließlich bestätigt auch dieses Buch die alte Spruchweisheit: "Auf den Inhalt kommt es an!"

Diese Rezension von Josef Christian fanden 12 von 18 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Reaktionäre Revolution

Wow! Es gehört wahrlich Mut dazu, mit Essays gegen den Mainstream anzuschreiben. Was Martin Mosebach hier macht, ist nichts anderes als der Versuch einer reaktionären Revolution in der katholischen Kirche. Und er argumentiert so unwiderstehlich, dass selbst der Kirche Fernstehende Lust darauf bekommen, einmal eine Messe im tridentinischen Ritus zu besuchen.

Mosebach nimmt die 'moderne' Kirche ins Visier und landet gleich mehrere Volltreffer. Er macht sich über die Priester lustig, die fröhlich singend dem Kirchenvolk gegenüberstehen und den wahren Charakter des Messopfers vergessen. Er kritisiert die Event-Gottesdienste, die nichts mehr mit dem ewigen Mysterium zu tun haben, das die Tür zwischen Himmel und Erde einen Spalt öffnet. Und er bricht eine Lanze für den Gregorianischen Gesang, der schon für die Priester zur Zeit Karls des Großen fremd geklungen hat.

Martin Mosebach ist ein großer Stilist, der sich in diesen Essays scharf, aber mit einer zwingenden Logik gegen die 68er-Revolution in der katholischen Kirche wendet. Dabei hat er auch viel Witz in seiner ganzen Ernsthaftigkeit. Natürlich sei er kein Priester, kein Theologe und eigentlich komplett unwissend, schreibt er. Doch der 'Laie' Mosebach diagnostiziert in seiner tiefen 'Unwissenheit' die schlimmen Krankheiten, unter der die Kirche heute leidet. Wird die 1500 Jahre alte Form der Liturgie verwässert, werden auch die Inhalte der Kirche verwässert. Ist die Liturgie nicht mehr die Form des Heiligen, ändert sich auch der Begriff der Heiligkeit innerhalb der Kirche.

Feiern wir im Gottesdienst nicht mehr das göttliche Opfer sondern uns selbst, dann hat sich der Sinn der Liturgie radikal verändert. Aus der von Jesus begründeten Kirche heraus hat sich die alte Liturgie nach und nach entwickelt und wurde nach dem zweiten Vaticanum von der Kirche amputiert wie ein fauliges Gliedmaß von einem Körper. Doch die katholischen Reformatoren haben einen schweren Fehler begangenen. Wenn der Mensch Husten hat, wird er nicht gesund, wenn man ihm das Herz herausschneidet. Er stirbt. 1968 wurde eine 'vormoderne' Kirche modernisiert, indem man die Liturgie verstümmelte. Die Reformatoren amputierten das Herz der Kirche und wundern sich jetzt, dass sie im Sterben liebt. Denn die Liturgie kann nie modern oder altmodisch sein. Die Liturgie ist Form, die sich entwickelt. Die Liturgie ist die Grammatik der Kirche. Neue Begriffe und Wörter mögen die zu vermittelnden Inhalte einer Sprache abrupt ändern können. Die gewachsene Grammatik modifiziert sich aber nur sehr, sehr langsam. Wenn wir eine Sprache erneuern wollen, passen wir die Rechtschreibung an die Gegebenheiten an, die Grammatik ändern wir nicht. Denn mit einer willkürliche geänderten Grammatik versteht der Mensch seine eigene Sprache nicht mehr.

Und das ist das eigentliche Problem in der Kirche. Durch die Amputation der alten Liturgie versteht der Gläubige seine Kirche, und was noch schlimmer ist, seinen Glauben nicht mehr.

Häresie der Formlosigkeit

Lexikalische Einträge zum Thema


Empfehlungen
Mosebach, Martin
10,00 €

Mosebach, Martin
8,90 €

Mosebach, Martin
6,00 €

Mosebach, Martin
12,00 €

Mosebach, Martin, Ror Wolf und Eckhard Henscheid
17,90 €

Mosebach, Martin
24,95 €

Mosebach, Martin
14,95 €

Mosebach, Martin
11,80 €

Mosebach, Martin
5,00 €

Mosebach, Martin
16,90 €

Mosebach, Martin
19,90 €

Mosebach, Martin
12,00 €

Mosebach, Martin
15,00 €

Mosebach, Martin
9,00 €

Mosebach, Martin
9,50 €

Mosebach, Martin
24,90 €

Mosebach, Martin
24,90 €
Bookmarks
delicious wong linkarena google