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bt es für das Betreten und unser Leben in der Intimlandschaft zwischen Mann und Frau Regeln? Es gibt die Gesetze jenes Mannes, der mit zwei Schrifttafeln beladen vom Berg Sinai zu seinem Volk herunterstieg, um ihm mit dem Imperativ Du sollst nicht ... die Regeln zu geben. Navid Kermani tritt in diese Landschaft ein, und er liefert mit seinen zehn Geschichten ein Stationenverzeichnis der Leidenschaften zwischen Mann und Frau.
Ein Buch wie eine AxtDas Einzige, was an dem Buch schlecht ist, ist der Klappentext. Denn Kermani schreibt keine anregende Lektüre für Liebende. Und für Nachttische ist "Du sollst" denkbar ungeeignet, weil es einen nicht besonders gut schlafen läßt. Ich habe selten einen Text gelesen, das mich so tief berührt hat - und so tief heißt eben auch, daß es in Abgründe führt. Obwohl es ausschließlich um Sex geht, ist das Buch alles, aber nicht Pornographie. Eher ist es antipornographisch: In einer atemberührend präzisen Sprache offenbart sich eine Welt zwischen Mann und Frau, der man besser nicht angehören möchte und in der man sich doch auf vielen Seiten wiedererkennt. Fast alles, was ich aus der deutschen Gegenwartsliteratur kenne, aber auch die französischen Modeautoren wirken daneben schal und oberflächlich. Hier geht es um die Existenz und damit auch um die Frage nach Gott. Eine Antwort gibt "Du sollst" nicht.
Übrigens habe ich das Buch mehr als einen Roman gelesen, nicht als einzelne Erzählungen, denn wie sich aus dem zweiten Teil, der Geschichte eines vom Sex besessenen Professors, doch recht deutlich ergibt, hängt alles mit allem zusammen.
HochinteressantZu diesem Buch habe ich mich entschlossen, nachdem ich Herrn Kermani einige Male in 3sat-Formaten gesehen und gehört habe. Als ich angefangen habe, "Du sollst" zu lesen, hätte ich es beinahe überstürzt wieder auf Eis gelegt, denn die Geschichten sind gewöhnungsbedürftig, da mit nichts, was ich vorher kennengelernt hatte, zu vergleichen. Ich habe mich allerdings durchgebissen und es fiel mir bald nicht mehr so schwer, jede Erzählung nachzuvollziehen. Man merkt vor allem an den ersten Geschichten, dass es sich ursprünglich um Szenen für das Theater handelte und dass Herr Kermani eben ein Philosoph und Theaterwissenschaftler ist, nicht in erster Linie Romancier, denn er beschreibt zunächst nur sehr wenig, dann immer mehr, so dass der Leser sich an einigen Stellen etwas zu viel selbst vorstellen muss. Die Sprache ist insofern faszinierend, als dass die Schwelle zur schmutzigen Pornografie angedeutet, aber nirgends eindeutig überschritten wird.
Vielleicht ist "Du sollst" nicht das passende, um in Kermanis bisheriges Gesamtwerk einzusteigen. Ich bin jedenfalls gespannt auf seine anderen Bücher.
Sex und GewaltIch kann nicht sagen, daß es ein Vergnügen war, das Buch zu lesen, oder daß es "schöne" Literatur sei, aber es ist unglaublich gut und läßt einen nicht mehr los, auch wenn mn die Buchdeckel schon lange zugeklapp hat. Das Erschütternde ist, daß man am Anfang denkt,: wieso sind die grausam und falsch zuenander, mann und Frau, und dann steigen langsam die Bilder in einem auf, und man merkt, daß man die Erfahrungen ganz ähnlich kennt, leider allzu gut kennt, wenn man ehrlich ist zu sich. Es geht im ersten Teil um das, was zwischen Mann und Frau geschieht, im bett, sonst nirgends. Im zweiten Teil geht es um einen alten Professor oder Theologen, der am Eros verzweifelt. Schwer zu sagen, ob das blasphemisch ist oder fromm, was Kermani schreibt, aber es geht jedenfalls ganz stark um Religion. Das Buch ist wahrscheinlich vielen zu explizit, ja pornographisch, aber gleich wie, es ist auf jeden Fall extrem gute Literatur, ob man es mag oder nicht. Mich würde interessieren, was religiöse Leute dazu sagen.
Ralph Herforthich finde die Stimme von Ralph Herforth toll, aber dieses Buch ist eigentlich leider nur langweilig. Also 5 Sterne für Ralph und 0 Sterne für
den Autor. Eigentlich Schade. Vielleicht liest er irgendwann mal ein besseres Buch. Ich würde micht sehr freuen.