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Das Cembalo-Stück 'Le Tic-Toc-Choc Ou Les Maillotins' des französischen Barockmeisters François Couperin inspirierte den Pianisten Alexandre Tharaud zu einem Album mit noch mehr Miniaturen von Couperin. Die 'Idee des Spielens' stand für Tharaud dabei im Mittelpunkt. Er spielt Couperin so versiert, dass die Stücke zeitlos und fast modern in einem neuen Licht erscheinen.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
TIC,TOC,CHOC
Pure LustWir haben Tharauds Couperin-Interpretation schon im Konzert gehört und waren begeistert. Die CD, klangtechnisch hervorragend, so wie man das von Harmonia Mundi gewöhnt ist, hat unsere hohen Erwartungen noch übertroffen. Wir finden, dass Tharaud hier eine Referenzaufnahme gelungen ist. Wer seinen Rameau schätzte, wird seinen Couperin lieben. Dass er auf dem modernen Flügel spielt, verzeiht man ihm gerne, auch wenn man sich ansonsten durchaus für das Originalklang-Konzept erwärmen mag. Präzision, Leichtigkeit, Anschlags- und Klangkultur machen dies zu einer CD, die an trübsten Wintertagen die Sonne aufgehen lässt.
TastentänzerAls filigraner französischer Tastentänzer wurde Alexandre Tharauf bezeichnet. Hört man die Piecen von Couperin wird dieses Urteil mehr als bestätigt. Zitat:"Ein betörendes Spiel mit Francois Couperin, ein Klavierspiel, dessen Raffinement schwer zu übertreffen sein dürfte. Tharaud versteht sich auf die Kunst der Auszierung, auf die Leichtigkeit im Schweren, auf eine Charakterschärfe, deren Pointierungslust schier grenzenlos scheint." Tharaud formuliert seine Heransgehensweise so:"Gerade das Wissen, daß diese Musik nicht für das Klavier geschrieben wurde, macht es interessant, sie auf dem Klavier zu spielen. Es geht nicht darum, das Cembalo zu ersetzen. Das wird man sowieso nie können. Es geht darum, etwas Schönes auf einem heutigen Klavier zu schaffen, indem man sich dem originalen Stil nähert." Ich würde weitergehen. Tharaud behandelt das Klavier so exquisit, wie er es beim Cembalo nie realisieren könnte. Im Prinzip sind die Werke recht unbekannt,obwohl im Mittelpunkt des Couperin'schen Schaffens über 240 an Verzierungen reiche Cembalostücke, die er zu 27 Suiten zusammenfasste. Die einzelnen Sätze dieser Suiten sind mit beziehungsreichen Überschriften versehen, die den Charakter des Stückes andeuten sollen. Die Wiedergabe von Tharaud könnte die Bekanntheit dieser köstlichen Stücke vermehren!
Schraeger TitelAlexandre Tharaud (war mir bisher unbekannt) spielt Couperin eigenwillig, aber nicht uninteressant. Die Auswahl der Stücke und die Kombination ist abwechslungsreich und passt. Dass Tharaud nicht (irgendwie) das Cembalo imitieren will, sondern bewusst den Klang des modernen Flügels virtuos ausnutzt, mit viel (manchmal vielleicht etwas zu viel) Pedal, macht Couperin fast zeitlos, so wie Tharauds Landsfrau spielte, die legendäre Pianistin Marcelle Meyer, die in den 50er-Jahren Jean-Philippe Rameau fast romantisch (die bekannte Courante klingt wie ein Chopin-Nocturne) interpretiert hat. Aber eins habe ich nicht ganz verstanden (ich habe das Booklet noch nicht gelesen): Was soll der Titel "Tic, Toc, Choc". Das klingt nach einer schrillen Girlie-Group, und diesen Vergleich hat Tharauds Couperin nicht verdient. Kann man Klassikplatten nur noch mit solchen Tricks verkaufen? Tzimon Bartos Rameau-Album (gefällt mir ebenfalls gut) hatte einen genauso schrägen (vekaufsfördernden?) Titel: "A basket of Strawberrys". Au weia.
Rolf Kauke-Möllers
Couperin auf dem modernen SteinwayStarkes Cover, merkwürdiger Titel, ungewöhnliche CD: Unter Kennern wird Alexandre Tharaud schon länger als Geheimtipp gehandelt, den meisten dürfte der Interpret, dessen Finger auf dem Cover einen akrobatischen Spagat wagen, jedoch wenig sagen. Um es gleich vorwegzunehmen: Nichts, aber auch gar nichts hat Tharauds Interpretation von wild gemischten Cembalokompositionen Couperins auf dem modernen Steinway mit einer historisch informierten Spielweise zu tun. Überraschenderweise überzeugt der französische Pianist bei seinem Couperin-Spiel dennoch auf ganzer Linie. Wunderbar filigran klingen die Miniaturen in seiner Interpretation, manchmal aber auch dunkler, schwerer und irgendwie nach Schumann. Eine tolle CD, die beim wiederholten Hören immer neue Details offenbart!
Träumerei in barocken TönenSchon die Ausstattung der CD lässt das Besondere ahnen. Mit viel Liebe zum Detail erhalten wir ein Booklet in Englisch, Französisch und Deutsch, dass fast alles enthält, was ein gutes Booklet enthalten sollte.
Doch was sind Äußerlichkeiten gegen die Musik, die der Pianist Tharaud vorträgt. Barocke Klaviermusik nicht auf dem Cembalo zu spielen, sondern auf dem modernen Flügel? Nichts für Puristen. Doch Couperin war ein "moderner Barocker."
Und so hatte mich schon nach wenigen Takten Mystische in Couperins Musik gefangen und ließ mich nicht mehr los. Man geht einfach auf eine Traumreise und die eigenen Gedanken können frei und unbeschwert fließen. Das soll nicht heißen, dass die Musik nur so trällert, nein ganz anders: Man träumt und gleitet mit ihr gemeinsam in das Universum, das man gerade besuchen möchte.
Wer sich auf die Schnelle eine Meinung bilden will, der höre in das erste und das elfte Stück hinein.
In "Les Baricades Misterieuses" fliegt die Musik zu einem, wie ein feiner Nebelschweif, ganz zart und verspielt. In der "Passacaille" wird man immer wieder - wie halt in einer Passacaglia üblich - auf das strenge Grundthema zurückgeführt. Das Netz der Zwischenstimmen verwebt sich mit dem Grundthema aber auf so betörende Art und Weise, das man sich wohlig in die Musik hineinkuscheln möchte.
Vielleicht klingt der folgende Vergleich etwas seltsam, aber der Traumfaktor ist bei dieser CD mindestens so hoch wie bei den Besten von George Winston.
Fazit: Unbedingt hören!