Regie: Jacques Rivette. Mit Emmanuelle Beart u. a.

Die Geschichte von Marie und Julien, 1 DVD-Video, deutsche u. französische Version

Die Geschichte von Marie und Julien, 1 DVD-Video, deutsche u. französische Version
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung GmbH
  • Erscheinungsdatum: 2008-02-23
  • Produktionsjahr: 2003
  • Format: DVD
  • Bildseitenformat: 16:9 - 1.77:1
  • FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
  • ISBN: 3866155980
  • EAN: 9783866155985
  • Amazon.de Verkaufsrang: 12.506
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Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Helga König fanden 28 von 34 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine ausdrucksstarke, traurige Schöne !

Der niemals lächelnde Julien( Jerzy Radziwilowicz) ist ein Uhrmacher. Er lebt mit seiner Katze und seinen vielen Uhren alleine in einem düsteren Haus, in welchem es außer Uhren und Büchern kaum etwas zu geben scheint. Juliens Frau hat ihn verlassen, doch dies scheint ihn nicht weiter zu tangieren. Er repariert Standuhren und andere alte Zeitmesser, die aus dem Takt geraten sind. Irritierend, dass dieser introvertierte Mann als Erpresser auftritt.

Er erpresst die geheimnisvolle, ebenfalls nie lächelnde Madame X, die antike Stoffe produziert und sie mit gefälschten Zertifikaten als Produkte vergangener Zeiten überteuert verkauft. Woher die finanziellen Begehrlichkeiten des zurückhaltenden Uhrmachers kommen bleibt ungeklärt. Sie passen vordergründig nicht zu ihm, erscheinen insofern als nicht näher definierter Abgrund seines Wesens.

Fast verhält es sich so als wolle er Madame X dafür bestrafen, dass sie mit dem Zeitfaktor ihr pekuniäres Spiel treibt. Julien und Madame X wirken auf den Betrachter beinahe wie Komplizen, jedenfalls nicht wie Erpresser und Opfer.

Julien begegnet seiner Idealfrau Marie( Emmanuelle Beart), einer ausdrucksstarken, traurigen Schönen, die alsbald zu ihm ins Haus zieht.

Die beiden lieben sich unendlich und haben pausenloses Verlangen nacheinander. Während sie sich in Bettszenen völlig unspektakulär lieben, erzählen sie sich bizarre Geschichten, die eine leicht masochistische Seite Maries offenlegen. Sie will sich augenscheinlich für ihr intensives Liebesgefühl bestrafen.

Wer ist diese Marie? Wie sich herausstellt, hat sie sich wegen übergroßer Liebe zu einem jungen Mann einst erhängt und findet ähnlich wie die Schwester von Madame X, die ins Wasser gegangen ist, weil sie sich von ihrer Schwester ungeliebt fühlte, keine Totenruhe.

Beide Frauen sind offenbar Widergängerinnen. Ihre Seelen wurden aufgrund ihres erlittenen Schmerzes nicht erlöst. Marie liebt Julien und fühlt sich so sehr von ihm geliebt, dass ihr Herz es kaum erträgt und sie durch einen erneuten Selbstmord endlich die Totenruhe finden möchte, die sie durch den ersten Suizid nicht bekam. Die Schwester von Madame X findet diesen Frieden, nachdem sie sich mit ihr ausgesöhnt hat.

Wird die Seele der unsterblichen Marie auch ihre Ruhe finden?

Ein beeindruckender Film, mit hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Beklemmend ist die Tatsache, dass keiner der Schauspieler lächelt. Dies soll offenbar die Leblosigkeit der Handelnden zum Ausdruck bringen. Selbst in den Bettszenen ist man ernst. Liebe und Tod werden durch diesen Ernst geradezu unerträglich und als lebensbedrohende Zustände dargestellt. Das scheint die Absicht des Regisseurs Jacques Rivette zu sein.

Empfehlenswert!

Diese Rezension von Galileo fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine Ode an die Liebe

Helga König beschreibt die Handlung dieses Films sehr genau. Ich werde also keine Eulen nach Athen tragen und mit einer Wiederholung langweilen.

Die besten Filme sind die, über die man noch lange nachdenkt und/oder diskutiert. Wie bei diesem hier. Marie ist eine Widergängerin, die keine Ruhe findet, weil sie mit ihrer bedingungslosen Liebe zu einem Mann nicht mehr leben konnte. Die Beziehung war an einem Tiefpunkt angelangt; Gewalt war an der Tagesordung (die muss ja nicht nur physisch sein). Marie konnte ihn nicht verlassen, weil sie ihn liebte; sie konnte nicht leben, wenn er sie verliess; sie konnte so nicht weiterleben. Dann traf sie als Widergängerin Julien.

Dieser Film ist eine Hommage an die Liebe. Im Leben ist nichts, das die Liebe nicht überwinden könnte. Man muss sie nur annehmen, sich selbst verzeihen. Marie nimmt ihre Chance wahr, indem sie dies erkennt. Sie liebt wieder, und diese Liebe lässt sie auferstehen: Sie leidet mit Julien, nachdem sie sich zum zweiten Mal erhängt hatte (für ihn das erste Mal). Sie nimmt das Risiko auf sich, nicht erkannt zu werden, wenn sie noch einmal ganz von vorn beginnt. Sie nimmt Julien die Erinnerung - und findet ihre Seele wieder. Sie blutet wieder aus Wunden, was sie als Widergängerin nicht konnte. Sie kann wieder weinen, was sie als Widergängerin nicht konnte. Sie kann sich vergeben.

Dieser Film ist sehr still, traurig und doch froh. Es ist sicher ein Film, den nicht jeder verträgt, aber ich sehe darin nur Liebe, unser wahres Sein und dass wir alles können, wenn wir uns so akzeptieren wie wir sind: bestehend aus Liebe.

Die Geschichte von Marie und Julien, 1 DVD-Video, deutsche u. französische Version



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