Bude, Heinz

Die Ausgeschlossenen

Die Ausgeschlossenen
  • Verlag: Hanser Belletristik
  • Erscheinungsdatum: 2008-03-08
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 144
  • ISBN: 3446230114
  • EAN: 9783446230118
  • Amazon.de Verkaufsrang: 76.340
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Beschreibung von buecher.de

Unsere Gesellschaft steht vor einer tiefen Spaltung. Dieses Buch macht deutlich, warum wir uns vom Traum einer gerechten Gesellschaft verabschieden müssen. Immer mehr Menschen sind von den Segnungen des Wohlstands ausgeschlossen und haben keine Hoffnung, dass sich daran etwas ändert. Lebensläufe, die man für solide hielt, geraten ins Schlingern, weil Arbeitsplätze, die man sicher glaubte, wegbrechen. Ungelernte Aushilfskräfte kann es genauso treffen wie hochqualifizierte Wissenschaftler. Heinz Bude, einer der besten Kenner der deutschen Gesellschaft, entwirft zum ersten Mal ein umfassendes Bild jener zerklüfteten Verhältnisse, die in Zukunft immer stärker unsere Gesellschaft prägen werden. Jetzt ist es Zeit, darüber zu diskutieren, wie wir künftig leben wollen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Isabelle fanden 18 von 18 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Ungeschminkte Analyse der Zweidrittelgesellschaft!

Der Kasseler Soziologie-Professor Heinz Bude vermittelt in diesem schmalen Bändchen eine aktuelle Bestandsaufnahme des sog. "abgehängten" Drittels der bundesdeutschen Gesellschaft.

Als momentane Ausgestoßene macht er z.B. Alleinerziehende, Bildungsverlierer und Ostdeutsche (insbes. solche, die ehemals in der DDR in den LPGs beschäftigt waren, und sich nach der Wende mit dem abrupten Verschwinden ihrer Berufsbilder wie Melker, Traktorist etc. konfrontiert sahen) aus und schildert deren typische Realität und Perspektiven. Budes Buch verdeutlicht, wovor Sozialwissenschaftler übrigens schon in den 1980er Jahren gewarnt haben, dass sich die Tendenz zu einer sog. Zweidrittelgesellschaft immer mehr verfestigt.

Der Autor verzichtet bei seiner kritischen Analyse weitgehend auf den typischen Soziologenjargon und auf Theoriediskussionen, was das Buch gerade auch für Nichtakademiker und insbes. politisch Interessierte lesbar und geeignet macht. Der Anmerkungsapparat ist dementsprechend knapp gehalten.

Die Abhandlung trägt insgesamt einen einführenden Charakter. Der Autor will mit seinem Buch eine breite Öffentlichkeit für die genannten Problemgruppen in unserer Gesellschaft sensibilisieren, um dringend notwendige Gegensteuerungsmaßnahmen zu initiieren. Dies ist ihm meiner Ansicht nach gelungen.

Diese Rezension von S. Ebers fanden 16 von 19 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Exclusiv prekär

Durch eine Besprechung im Deutschlandfunk neugierig geworden sollte ich nicht enttäuscht werden, als ich das Werk von Heinz Bude las. Zusammengedrängt ein kurzer Abriss der gesellschaftlichen Entwicklung der letzten 10 - 15 Jahre. Deutlich wird dabei der Zerfall gesellschaftlicher Strukturen, die Wagenburgmentalität der nicht mehr solidarisch handelnden, sondern auf Rettung der eigenen Haut bedachten Interessengruppen. Die anschauliche Darstellung seiner Thesen fesselt den Leser, aber nimmt ihn nicht mit auf die Reise zu einer Alternative. Am Ende des Buches wird man zu dem beschriebenen jungen perspektivlosen Ostdeutschen an der Tankstelle, abgelegen vom nächsten Ort in einem fast unbebauten Gewerbegebiet. So kann die Gemütslage des Prekariates natürlich auch vermittelt werden.

Das Buch ist zu klug geschrieben, um unabsichtlich so zu enden. Heinz Bude analysiert, erklärt bestimmte Entwicklungen, ohne zu belehren. Der Leser muss seine Konsequenzen daraus ziehen und danach handeln. Dem politischen Kämpfer, der im Alltag gegen eine träge Masse agitieren muss, wird das Buch nicht revolutionär genug sein. Allenfalls findet er die Begründung dafür, warum die Masse so träge ist.

Mir hat das Wechselspiel zwischen einfühlsamer Beobachtung und kühler Distanz gefallen. Es lässt Spielraum eigene Gedanken zur Veränderung zu entwickeln. Als Schüler aus den 68ern finde ich es angenehm nicht so dogmatisch festgelegt zu werden, obwohl am Ende meine Gedanken sich durchaus in marxistischen Denkmodellen bewegen.

Dieses Buch ist absolut empfehlenswert und lässt sich gut mit dem kämpferischen Werk von Viviane Forrester "Der Terror der Ökonomie" kombinieren.

Diese Rezension von J. Hauck fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen der "traum" ist aus?

das buch ist gut lesbar, es ist kein akademisches werk, die anzahl der fußnoten ist überschaubar, es hat eher den charakter eines essays.

gut ist das buch immer dann, wenn es risikofaktoren differenziert darstellt. alleinerziehend ist z.b. so ein risikofaktor. aber die ärztin, die freiberufliche sozialpädagogin und die arbeitslose schulabbrecherin haben trotzdem nicht das selbe risiko, zu den "ausgeschlossenen" der bevölkerung zu gehören. der begriff der "ausgeschlossenen" gefällt mir übrigens ganz gut, es geht eben nicht nur um materielle armut, sondern um verschiedene teilhabemöglichkeiten, die einem teil der bevölkerung vorenthalten sind.

gelungen finde ich auch die passagen, in denen der autor das reale leben der sog. unterschicht skizziert. der tonfall ist hier angenehm frei von moralinsaurem "ihr müsst euch halt mal anstrengen".

nicht so gelungen finde ich das kapitel über bildung. jeder, der ein bisschen zeitung liest, weiß, dass das deutsche schulsystem soziale schichtungen eher noch verstärkt, arbeiterkinder haben es verdammt schwer. da fände ich eher interessant zu fragen, warum das weiterhin so ist, obwohl doch diese dinge via pisa-tests längst in den allgemeinen diskurs drin sind. in hamburg zeigt sich ja gerade unter der schwarz-grünen regierung, dass bestimmte kreise gar kein interesse daran haben, dass ihre kinder mit den schmuddelkindern zusammen die schule besuchen.

überhaupt, der autor möchte sich keinesfalls politisch vereinnahmen lassen. es bleibt beschreibend, der leser darf selbst denken, was er mit den informationen macht. und auch, ob der "traum von der gerechten gesellschaft" wirklich aus ist...? warum sollte das so sein und gab es diese gerechte gesellschaft schon oder gab es nur den traum? und wohin führt eine gesellschaft, die diesen traum wirklich aufgibt?

Diese Rezension von Thomas Holtbernd fanden 8 von 11 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Spannend wie ein Krimi

Dieses Buch habe ich wie einen Krimi gelesen. Heinz Bude kann anschaulich schreiben, obwohl er im universitären Rahmen lehrt und forscht. Seinen Ansatz einer öffentlichen Soziologie und damit dem Anspruch, persönliche Probleme zu öffentlichen Fragen zu machen, wird er gerecht. Dieser Professor nimmt den Leser mit in die bundesrepublikanische Wirklichkeit, man findet sich im Baumarkt oder in irgendeiner Kleinstadt wieder und bekommt dann erstens eine anschauliche Beschreibung der Wirklichkeit und anschließend eine vortreffliche Analyse dieser Beobachtungen. Die Analysen widersprechen häufig dem gängigen Interpretationsmuster, doch Heinz Bude bleibt ehrlich und konsequent. Die Hauptthese dieses Buches ist, dass ein großer Teil dieser Gesellschaft nicht mehr gehört wird und dass dies verheerender als jede Armut oder Benachteiligung ist. Diesen Umstand müssten sich Politiker verdeutlichen, die als Antwort auf diese Not nur vorschlagen, doch im Winter einen Pullover anzuziehen, damit man nicht friert oder den armen Menschen ein Almosen gegen die hohen Energiepreise zu geben. Das Fazit des Buches ist die katastrophale Entfernung derjenigen, die Macht haben, zu denen, die ausgeschlossen sind. Jeder Sozialarbeiter/-pädagoge, Lehrer, Pfarrer usw. sollte dieses Buch lesen, doch nicht nur diese Berufsgruppen. Wer dieses Buch nicht gelesen hat, sollte aus der SPD ausgeschlossen werden, denn es ist parteischädigend, es nicht zu tun. Fast wäre es auch Grund für eine Exkommunikation aus einer Kirche, dieses Buch nicht zu lesen.

1 von 5 Sternen Und ...?

..dieses Buch macht eben nicht deutlich warum wir uns vom Traum einer gerechten Gesellschaft verabschieden müssen!

In diesem Buch wird ein wildes Sammelsurium von Klischees der "Milieus" abgehandelt. Eine neue Schublade für Menschen wird ebenfalls geöffnet: ..."verwilderte Jungmänner" die neuen Mitglieder der Unterschicht. Dieses Buch scheint - über weite Strecken - in Gesellschaft schwerstens alkoholisierter Bierzeltbesucher (natürlich aus der "Oberschicht") verfasst worden zu sein.

Tatsächlich existieren Vertreter der genannten "Schichten". Mich störte die unterschwellige Arroganz der Abhandlung.

Die Ursachen und Verantwortlichen für die Spaltung unserer Gesellschaft werden nicht benannt. Keinerlei Analyse...keine Thesen zu Auswirkungen.

Dieses Machwerk ist sicherlich kein Anstoß zur Diskussion "wie wir künftig leben wollen".

Den Schreibstil als "sprachlich eindrucksvollen Miniaturen" zu bezeichnen ist, vorsichtig ausgedrückt, verwegen.

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