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Die unterhaltsamen wissenschaftlichen Anthologien von Manfred Spitzer haben Kultstatus erlangt. Diesmal stellt er unter anderem neue faszinierende Experimente mit denkenden Fischen und lehrenden Erdmännchen vor, und er gibt frisch Verliebten neurowissenschaftliche Empfehlungen für die Haltbarkeit ihrer Beziehung. Mit Witz und Elan behandelt er knifflige Fragen wie:
- Wo liegt das Einkaufs-Zentrum im Gehirn?
- Sind Menschen, die dauernd ans Geld denken, weniger hilfsbereit?
- Was ist wirklich am Handlesen dran?
Waren zu Beginn der funktionellen Bildgebung Anfang der 90er Jahre simple Phänomene wie Fingerklopfen und Flackerlicht Gegenstand der Untersuchungen, so sind es heute komplexe Handlungen wie Einkaufen und Meditieren. Die moderne Neurowissenschaft ist kreativ: Mit Beiträgen aus Molekularbiologie, Verhaltensneurobiologie, Neuroökonomie und -soziologie reicht sie in alle Lebensbereiche hinein und liefert interessante und erstaunliche Erkenntnisse.
Spitzers neunter StreichIm Vorwort dankt Manfred Spitzer unermüdlichen Mitarbeitern und Kollegen für Unterstützung sowie Anregungen. Und betrachtet man den publizistischen Ausstoss, den der populäre Mediziner, Psychologe und Philosoph nebst seinen zahlreichen Tätigkeiten schafft, ist der Dank bestimmt mehr als verdient. Acht Sammlungen mit Aufsätzen aus der von Spitzer mitherausgegebenen Zeitschrift für Nervenheilkunde liegen bereits in Buchform vor. Das kleinere Format der neunten Folge kommt der Titelgeschichte entgegen. War das Layout der früheren Bände noch wissenschaftlich gehalten, sieht die neue Version nun wie ein schmuckes Geschenkbüchlein aus. Statt Blumen oder Wein kann man also auch den neuen Spitzer mitbringen. Geschrieben wurde er allerdings für Ärzte, die auch dann noch grösseres Vorwissen mitbringen, wenn sie sich nicht auf neurologische Gebiete spezialisieren. Doch es gehört ohne Zweifel zu den Stärken von Manfred Spitzer, anschaulich und verständlich zu schreiben. Das macht ihn zwar nicht bei allen Fachkollegen beliebt, erklärt jedoch seine Popularität.
Diese neue Aufsatzsammlung versöhnte mich wieder wie Manfred Spitzer, nachdem mich sein verbaler Rundschlag gegen elektronische Medien ärgerte. Schreibt er als Fachmann für Fachkollegen, verzichtet er meist auf moralische Abriebe. Und das tut dem Inhalt gut. Die 22 Artikel in diesem Band decken eine grosse Spannbreite neurologischer Erkenntnisse ab. Mit der Methode des Storytelling zeichnet der Autor einzelne Puzzlesteine und überlässt es dann dem Leser, daraus ein Gesamtbild zu formen. Ganz nach dem System, das er auch in seinem Buch "Lernen" propagiert.
Mein Fazit: Mir gefallen die Aufsatzsammlungen von Manfred Spitzer. Auch die neunte Folge bringt unterhaltsame und erhellende Beiträge aus der Welt, wie sie von Neurowissenschaftlern betrachtet werden kann. Wer zu den Sammlern oder Fans gehört und schon Band 1 bis 8 gelesen hat, wird auf Wiederholungen stossen. Aber das macht nichts, denn Einmallektionen bringen in der Regel keine monumentalen Erkenntnisschübe. Den Abzug eines Sterns haben Preis, Druckqualität und Gestaltung zu verantworten.
Von starken, weiblichen Gehirnen bis logisch denkenden Buntbarschen Die Bandbreite der Aufsätze von Prof. Manfred Spitzer reicht von Studien zum "starken Gehirn des schwachen Geschlechts" , dem Nachweis der Wirksamkeit von langjährigen Meditationsübungen oder expressiven Schreibens bis zur Basis moralischen Verhaltens. Er erklärt daneben Studien zum logischen Denkvermögen afrikanischer Buntbarsche oder unbewussten Bahnungseffekten . Spitzer verfasst aber auch Aufsätze zu Alltagserfahrungen wie den Wartezeiten beim Arzt.
Nachdenklich obwohl nicht unerwartet können Studienergebnisse zur Auswirkung unbewussten Denkens an Geld stimmen. Dieser erfrischende Sammelband ist verständlich geschrieben, was Manfred Spitzer nach eigenem Bekunden häufig sogar zum Vorwurf gemacht wird.