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Nikolaus Lehnhoff ist mit dieser in Glyndebourne gefeierten Produktion von Tristan und Isolde eine äußerst intelligente Umsetzung gelungen. Ernsthaft schön, einnehmend und meditativ zugleich, ist sie eher reflektierend und tiefsinnig geraten. Unterstützt wird dieser Eindruck von Roland Aeschlimanns erstaunlich wirkungsvollem Bühnenbild, einem gebärmutterartigen Raum, durch den sich die Protagonisten wie Götter bewegen. Der Dirigent Jiri Belohlavek spiegelt Lehnhoffs Ansatz wider, indem er die Tiefe der Partitur intellektuell auslotet. Das LPO legt mit großer Inspiration jede der Schichten der Komposition frei und sorgt damit für ein hohes Maß an Transparenz.
Wenn ich das sage, stimmt das!Als vehementer Vertreter der naturalistischen Inszenierungstradition, weiß ich, was ich sage, wenn ich diese Inszenierung empfehle. "Tristan" eignet sich, wahrscheinlich am besten wenn nicht einzig, unter den Wagneropern am besten für eine Abstraktion, wie sie hier konsequent und weitestgehend umgesetzt worden ist. Der Wieland Wagner Schüler Lehnhoff schuf einen spiralartigen Einheitsbühnenraum, den er genial auszuleuchten versteht. Die innere Handlung wird so vollständig nach außen gekehrt, was zu einer fast schmerzhaften Unmittelbarkeit im Erleben des Zuschauers führt. Die sparsame und folgerichtige Personenführung unterstützt diesen Eindruck phänomenal. Dabei findet zu keiner Zeit eine Umdeutung oder Sinnentstellung des Werkes statt. In der Tat halte ich diese Inszenierung für werktreuer als die gepriesene Jean Pierre Ponnelle Version. Die Sängerinnen und Sänger sind in bester Form. Allen voran Nina Stemme, die man nur als erste Wahl für die Partie bezeichnen kann. Besonders hervorzuheben ist der hypnotisierende Orchesterklang, der durch den ausgezeichnet abgemischten DTS Sound unterstützt wird. Diese DVDs gehören in jede Wagnersammlung. Endlich findet man hier auch ein Beiprogramm vor, das den Namen verdient. BRAVO!
Bühnenbilder enttäuschend und Sänger mäßig!Wer Opernaufführungen mag, in denen man sich beim Bühnenbild nicht groß den Kopf zerbricht und wo leere Räume gern als "modern" oder aber vermeintliche ästhetische Notwendigkeit ausgegeben werden, der wird von dieser Inszenierung sicherlich begeistert sein.
Was die Leistungen der SängerInnen anbetrifft, so sind Robert Gambill und Nina Stemme sehr wohl zu den Besseren ihres Fachs zu rechnen, an die großen InterpretInnen dieser wohl schwierigsten Wagner-Rollen reichen sie allerdings bei weitem nicht heran.
Aufführungen mit Künstlerinnen wie Kirsten Flagstad oder auch Birgit Nilson sind auf DVD (natürlich) nicht erhältlich. Auf eine Aufnahme mit Siegfried Jerusalem und Waltraud Meier in den Hauptrollen, z. B. in der großartigen Bayreuther Inszenierung von Heiner Müller aus den Neunzigern, werden wir wohl noch eine Weile warten müssen. So bleibt als einzige empfehlenswerte Alternative der Bayreuther "Tristan" mit René Kollo und Johanna Meier in den Rollen des Liebespaars, erschienen bei der DGG in der überwältigend-romantischen Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle - ein Jahrhundert-"Tristan"!
Durch Liebe vergiftet?Sicherlich eine stimmige und in sich konsequente Deutung von Wagners Drama, wenn auch nicht wirklich aufregend. Dass Tristan durch den Trank Isoldes nicht nur ein Liebender, sondern auch ein (am Leben) Leidender wird, kommt vor allem im 3. Akt sehr gut rüber.
Auch das unterschwellig Homoerotische an der Beziehung Kurwenals zu seinem "Helden" wird durch Bo Skovhus glaubhaft dargestellt. Die Darsteller sind gut bis sehr gut, aber nicht wirklich sensationell. Und der Dirigent dehnt mir persönlich die Tempi vor allem im 3. Akt zu sehr.
Trotz 5.1 DTS ist die Klangdurchsichtigkeit verglichen etwa mit der Aufnahme aus Bayreuth (Barenboim) nur durchschnittlich (siehe vor allem den Liebestod).
Sehr lobenswert sind jedoch die Extra-Features, vor allem die 50minütige Erklärung der Oper durch Studienleiter Richard Trimborn, der uns in die abgründigen Geheimnisse dieses tiefsinnigsten Wagnerwerkes einführt.