Wallfahrten

1. Man muss dahin wallfahrten, wo man Ablass und Gnaden erhalten kann.Wirth, I, 538.


2. Wallfahrten geschehen mehr aus Wollust, denn aus Andacht.

Frz.: Aux pélerinages des environs on depense beaucoup de vin, et peu de cire. (Kritzinger, 146a.)


3. Wallfart gehen zu stummen aussländischen Bildern gibt daheim Brodheischen der lebendigen Bilder.Zinkgref, IV, 75.

In Bezug auf die sittlichen Gefahren sagt man in Böhmen: Auf Wallfahrten kauft sich mancher Jüngling eine dreiellige Jungfrau und manche Junfrau ein lebendiges Bildchen. (Čelakovsky, 16.)


4. Wer oft wallfahrten thut, wird selten gut.

Mit Zwiebeln, sagt man in Böhmen, geht der Wallfahrer aus, und mit Knoblauch kommt er nach Haus.

Böhm.: Po nemoci, po pouti, darmo dobrým slouti. (Čelakovsky, 16.)

Holl.: Die veel pel grimaadjen doen, worden zelden heilig. (Harrebomée, I, 297.)

5. Wer viel wallfahrtet, kommt selten heiliger nach Haus.Körte, 6432; Braun, I, 4897; Masson, 105.

Nach der Aussage des Medicinalraths Dr. Wittner kommen z.B. in Baiern die meisten Fälle von Nothzucht Kindesmord, Körperverletzung u.s.w. gerade auf Altötting, den berühmten Wallfahrtsort, wohin nach einem münchener Blatte 156315 »fromme Pilger und Pilgerinnen« gewallfahrtet. (Vgl. W. Müller, Bezahlte Federn, 1859, S. 32.)

Frz.: Femme folle à la messe, molle à la fesse. – Mangeur de crucifix. (Masson, 106.)

Holl.: Reist vrouw of maagd in bedevaart, zij krijgt al ligt een' kwaden aard. – Van ziekte of bedevaart werdt niemand beter. (Harrebomée, I, 37.)

Span.: Cara de beato, y uñas de gato. (Masson, 106.)


*6. Ich sah dich wallfahrten, als die andern von der Wallfahrt zurückkamen.Burckhardt, 295.

Von Saumseligen.

Quelle:
Karl Friedrich Wilhelm Wander (Hrsg.): Deutsches Sprichwörter-Lexikon, Band 4. Leipzig 1876, Sp. 1773.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: