Patritius, Franciscus

[529] Patritius (Patrizzi), Franciscus, geb. 1529 in Clissa (Dalmatien, damals unter Venetianischer Herrschaft), führte erst ein unstetes Leben, war 1576-93 Lehrer der platonischen Philosophie in Ferrara, seit 1593 in Rom, wo er 1597 starb.

P. bekämpft in schroffster Weise den Aristotelismus und verbindet neuplatonisch Anschauungen mit der Naturphilosophie des Telesius zu einer mystisch gehaltenen Emanationslehre mit dem »Lichte« als Prinzip. Das Licht ist Gottes Sinnbild, es erleuchtet alle Räume, ergießt sich überall hin erhält, formt und belebt alles und bleibt selbst eines und unwandelbar. Das göttliche Urprinzip ist das All-Eine (»un-omnia«), in dem der Potenz alles enthalten ist, das sich selbst zur Dreiheit von Vater, Sohn und heiliger Geist (Liebe) expliziert und aus dem alles Sein bis herab zum körperlichen hervorgeht.[529] Aus der Weltseele gehen die einzelnen Seelen hervor und zwar ist in der Natur alles voll Leben und Seele (Panpsychismus). Die Körper sind Verdichtungen der Flüssigkeit, welche den Weltraum erfüllt, und werden von der Wärme belebt. Im Universum besteht eine allgemeine Harmonie und Sympathie der Dinge.

SCHRIFTEN: Discussiones peripateticae, 1571-81, 1581. – Nova de universis philosophia, 1591, 1593, 1611 (I. Panaugia; II. Panarchia; III. Pampsychia; IV. Pankosmia). Auszug daraus bei Rixner und Siber, Leben und Meinungen berühmter Physiker im 16. u. 17. Jahrhundert, 1819 ff., IV. Heft.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin 1912, S. 529-530.
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