Raymund von Sabunde

[582] Raymund von Sabunde, geb. in Barcelona, Arzt und Theolog, Lehrer der Theologie in Toulouse (um 1430), gest. daselbst 1437.

R. nimmt eine Mittelstellung zwischen Scholastik und Mystik ein. Die religiöse Offenbarung und die Offenbarung Gottes in der Natur stehen miteinander in Einklang (»Duo videlicet sunt libri nobis dati a Deo, liber universitatis creaturarum sive liber naturae et alius liber S. cripturae«). Jedes Geschöpf ist gleichsam ein von Gott geschriebener Buchstabe (»quaedam littera digito Dei scripta«). Es gibt nach B. vier Stufen von Wesen: die bloß seienden, die lebenden, die empfindenden und die vernünftigen und frei wollenden Wesen. Die sicherste Erkenntnis, die Wurzel aller ändern ist die Selbsterkenntnis. Die Existenz Gottes sucht B. auf verschiedene Weise zu beweisen, auch durch ein moralisches Argument, dem zufolge Gott als höchster Richter und Vergelter existieren muß. Gott, der uns liebt und von uns erkannt werden will, zu lieben, in Gott »hineinzuwachsen«, ist das Höchste. Gott ist allmächtig, kann aber nichts anderes wollen, als was ihm ziemt (»nisi quae ipsum deceant«).

SCHRIFTEN: Theologia naturalis, 1487, 1496 u. ö.; von Montaigne ins Französische übersetzt, 1569; 1852. – De natura et obligatione hominis dialogi, 1501, 1568 (Auszug aus dem Vorigen). – Vgl. MONTAIGNE, Essais II, 12. – M. HUTTLER, Die Religionsphilosophie des R. v. S., 1851. – J. SCHENDERLEIN, Die philos. Ansichten des R. v. S., 1898.

Quelle:
Eisler, Rudolf: Philosophen-Lexikon. Berlin 1912, S. 582.
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