Fußnoten

1 [Dr. folgt hier versehentlich den sich widersprechenden Angaben Arrians, vgl. u. S. 395; H. Berve, Alexanderr. II Nr. 105.]

2 So erzählt Nearch (in Arrians Ind.); die Zeit dieses Zusammentreffens läßt sich durch Nearchs Reise bestimmen, denn dieser war am 21. September abgesegelt und war nach Vincents Nachrechnung am achtzigsten Tage, d.h. dem 9. Dezember, am Anamisfluß gelandet; es mochte zwischen dem 15. und 20. Dezember sein, daß er den König wiedersah.

3 Die obenbezeichneten Festlichkeiten (Arrian. VII 28; Ind. 37) haben Veranlassung zu einer widerlichen Übertreibung gegeben: der König sei sieben Tage lang in dem wildesten Bakchanal durch Karmanien gezogen, er selbst auf einem riesigen, mit acht Rossen bespannten Wagen, Tag und Nacht mit seinen Freunden an einer goldenen Tafel schmausend, während auf unzähligen anderen, mit purpurnen Teppichen und bunten Kränzen geschmückten Wagen die übrigen Genossen nachfolgten, selbst schmausend und zechend; an den Wegen hätten Weinfässer und gedeckte Tafeln gestanden, und der Zug des übrigen Heeres habe sich taumelnd von Faß zu Faß fortgewälzt; lärmende Musik, unzüchtige Lieder, feile Dirnen, Phallusbilder, kurz alle erdenkliche Liederlichkeit und Verworfenheit hätte sich hier vereinigt. So Plutarch, Curtius, außerdem eine Menge von Hindeutungen darauf in den griechischen und römischen Autoren. Es genügt, dagegen Arrians Worte anzuführen: »Einige erzählen auch, was mir nicht wahrscheinlich erscheint, daß Alexander auf einem Doppelwagen, mit seinen Getreuen zu Tische sitzend und schwelgend, durch Karmanien gezogen und ihm das Heer gekränzt und jubelnd gefolgt sei, denn man habe wieder Lebensmittel im Überfluß gehabt, und alles, was zur üppigsten Lust gehört, sei von den Karmanen an die Wege gebracht worden; und das alles habe der König zur Nachahmung des Bakchanals getan, in dem Dionysos, nachdem er Indien unterworfen, zurückgekehrt sei. Doch erzählt dieses weder Ptolemaios noch Aristobul noch irgendein anderer glaubwürdiger Schriftsteller.« Daß die Feste in Karmanien mit aller Pracht gefeiert wurden, versteht sich von selbst.

4 Auch hier vielleicht ein Zug, der den Zustand dieser Armee bezeichnet; die wackeren Soldaten werden nicht jetzt erst ihre Asiatinnen gesucht und gefunden haben; ein Troß von Weibern und Kindern wird das Lagerleben geteilt haben.

5 Dieses Satyrspiel Agen wurde, sagt Athen. XVI, p. 575 e, »zur Feier der Dionysien am Hydaspes aufgeführt, nachdem Harpalos bereits ans Meer geflohen und abgefallen war«. Dies hätte nur im Jahre 326 entweder im April oder März, oder nach der Rückkehr vom Hyphasis im Oktober sein können; aber gerade da kamen Truppen zum Heer, die Harpalos gesandt hatte. Athenaios hat den Hydaspes statt des Choaspes bei Susa geschrieben; hierher gehört das Satyrspiel. Als Verfasser wurde Python von Byzanz oder von Katana, oder auch der König genannt.

[Nach Beloch. Gr. Gesch. IV 22 434f. gab es auch in Medien einen Fluß Hydaspes. Der Agen, wohl von Python von Katane verfaßt, wurde im Herbst 324 zu Ekbatana aufgeführt.]

Die zwei Fragmente aus dem Agen lauten folgendermaßen:

... Es steht bereits da, wo der Kalmuß wächst,

Das Kuppeldenkmal an dem großen Wege links,

Der Dirne schönes Heiligtum, nach dessen Bau

Sich Pallides selbst des Baues wegen zur Flucht verflucht.

Und als nun von den Barbaren einige Magier

Ihn dort darniederliegen sah'n erbärmiglich,

Da versprachen sie dem Betrübten, Pythionikens Geist

Emporzuzaubern.

Und weiterhin fragt einer:

... Hören möcht' ich wohl von dir,

Da ich von dort fern weile, wie es in Attika

Zugeht zur Zeit, und wie es sich dort jetzt leben läßt.

Der andere (das Jahr 326/5 hatte Athen schwere Teuerung gebracht):

Solange sie lärmten: »Ein Sklavenleben führen wir«,

Genug zu tafeln hatten sie da; jetzt kauen sie

An magren Erbsen und Bollen, die Kuchen sind zu End'.

Der erste:

Doch hör' ich, viele tausend Wispel Weizenmehl

Und mehr denn Agen habe ihnen Harpalos

Gesandt, und sei zum Bürger Athens dafür gemacht?

Der andere:

Das war der Glykera Weizen, mehr für Athen vielleicht

Ein Sterbeschmaus als Werbeschmaus für Glykera.

Die Bezeichnung Pallides für Harpalos ist eine ebenso krasse Zweideutigkeit wie das Kuppeldenkmal (ἀέτωμα λορδόν) im zweiten Verse; die Erklärung des einzelnen ergibt sich aus dem Text.

6 Diese Zahl ist auffallend, da es um die Zeit der Schlacht am Hydaspes acht Hipparchien außer dem Agema gab. Ob der Zug durch die Wüste so große Verluste brachte, daß nur noch Mannschaft zu vier Hipparchien übrig war? In diesen Zusammenhang gehört wohl, was Arrian. VII 29, 4 angibt, Alexander habe in die Taxeis der Makedonen die alten persischen Melophoren (die 10000 »Unsterblichen mit goldenen und silbernen Granaten am Lanzenschaft«) (Herod. VII 40, 83; Arrian. III 11, 5) eingemischt und die ὁμότιμοι (wohl die ἔντιμοι Arrian. II 11, 8), die »Verwandten«, wohl auch die »Tischgenossen« des Großkönigs in die Agemen aufgenommen.

7 Den Namen der Silberschildner (καὶ ἀργυρασπίδων τάξις περσικὴ Arrian. VII 11, 3) nennt Arrian hier zuerst; es müssen die Hypaspisten – falls hier τάξις von den Hypaspisten in anderem Sinn als im Anfang der Feldzüge gebraucht wird – schon früher silberne Schilde erhalten haben; Diodor. XVII 56 nennt schon in der Schlacht von Gaugamela τὸ τῶν ἀργυρασπίδων πεζῶν τάγμα, und daß die gesamten Hypaspisten damit gemeint sind, ergibt sich aus Curt. IV 13, 27, obschon erst VIII 5, 4 scutis argenteas laminas addidit.

8 Alexander forderte ihn auf, sich mit einer eigenen Leibwache zu umgeben, um vor den Nachstellungen seiner Feinde sicher zu sein (Plut. Alex. 39).

9 Demades war allerdings im Harpalischen Prozeß verurteilt, Dinarch. 2, 15; derselbe sagt 1, 104, Demades habe offen erklärt, daß er Geld genommen habe und künftig nehmen werde, aber zugleich nicht gewagt, sich persönlich vor Gericht zu stellen (αὐτοῖς δεῖξαι τὸ πρόσωπον), noch der Anzeige des Areiopags gegenüber sich weiter zu verteidigen. Er hatte der Untersuchung gemäß sechstausend Stateren (zwanzig Talente) empfangen; mochte er so reich sein, daß er einst gegen das Gesetz hundert fremde Tänzer auf die Bühne führen und für jeden das gesetzliche Strafgeld von tausend Drachmen gleich mitbringen konnte, so mußte ihn doch die für Bestechungen gesetzliche Strafe des Fünf- oder gar Zehnfachen zugrunde richten; er hätte, wenn er nicht zahlen konnte, flüchten oder ins Gefängnis gehen müssen. Statt dessen findet man ihn sechs Monate später bei der Nachricht vom Tode Alexanders auf der Rednerbühne (Plut. Phoc. 22); vielleicht daß ihm, aus Rücksicht auf Alexander und auf dessen Verwendung, vom Volke, etwa wie dem Laches, dem Sohn des Melanopos, (Demosth. ep. III, p. 642) die Strafe erlassen worden; erst nach Alexanders Tod bricht sein Ansehen zusammen; wegen drei oder gar sieben Paranomien (Diod. XVIII 18; Plut. Phoc. 26) wurde er verurteilt und, da er nicht zahlen konnte, ἄτιμος. Unter diesen Paranomien wird wohl die zur Vergötterung Alexanders eine Hauptstelle eingenommen haben; zehn Talente dafür, wie Athenaios angibt, wären ihm zu zahlen leicht geworden; die hundert Talente bei Aelian kommen der Wahrscheinlichkeit näher. Lykurg war bereits vor den Harpalischen Prozessen gestorben (Plut. X. Orat. Hyperid., vgl. Böckhs Staatshaushalt II, S. 244). Nicht der unbesonnene und doktrinäre Hypereides trat in den Vordergrund, sondern der junge Pytheas, der sich als Makedonist entpuppte, Stratokles, Mnesaichmos, Prokles, Leute schlimmster Art.

10 Arist. Pol. IV 1, 4 und 11, 1:τοιαύτην τάξιν, ἣν ῥᾳδίως ἐκ τῶν ὑπαρχουσῶν καί πεισϑήσονται καὶ δυνήσονται κοινωνεῖν.

11 Man vergleiche die treffende Kritik des Eratosthenes (bei Strabo I, p. 66) über Aristoteles' Mahnung an Alexander: τοῖς μὲν Ἕλλησιν ὡς φίλοις χρῆσϑαι, τοῖς δὲ βαρβάροις ὡς πολεμίοις, Eratosthenes darauf: βελτίον εἶναι ἀρετῇ καὶ κακίᾳ διαιρεῖν ταῦτα, und demgemäß habe Alexander gehandelt.

12 So in Susa 5000 Talente Purpurstoffe, die seit 120 Jahren dort angesammelt und noch vollkommen frisch und schön gewesen seien (Plut. Alex. 36).

13 Etwa wie Athen, dessen Stapelrecht für das Getreide schon früher von Byzanz (Dem. 5, 25) und von Rhodos (Lycurg. Leocr., 18) bestritten wurde, jetzt durch die großen Getreidespekulationen des Kleomenes in Ägypten zugunsten von Rhodos benachteiligt wurde ([Dem] 56, 7 – 10). Daß die Rede um 322/1 geschrieben ist, hat A. Schäfer mit Recht aus dem Κλεομένους τοῦ ἐν τῇ Αἰγύπτῳ ἄρξαντος geschlossen.

14 Absichtlich ist hier das Münzsystem Alexanders, die gleiche Währung, die er in seinem Reiche einführte, die höchst denkwürdige Fülle von Münztypen usw. übergangen worden. Die vortreffliche Zusammenstellung von L. Müller (Numismatique d'Alexandre le Grand 1855) hat Gesichtspunkte erschlossen, die, selbst wenn sie nicht überall stichhaltig sind, für die geschichtliche Forschung ihre Bedeutung haben.

15 [Plut.] de fort. Alex. 1, 6.

16 Zu dem, was oben (S. 207 in betreff des Ammonions gesagt ist, mag nachträglich bemerkt werden, was Plutarch (Alex. 27) darüber sagt:λέγεται δὲ καὶ Ψάμμωνος ἐν Αἰγύπτῳ τοῦ φιλοσόφου διακούσας ἀποδέξασϑαι μάλιστα τῶν λεχϑέντων ὅτι πάντες οἱ ἄνϑρωποι βασιλεύονται ὑπὸ ϑεοῦ τὸ γὰρ ἄρχον ἐν ἑκάστῳ καὶ κρατοῦν ϑεῖόν ἐστιν κτλ.

17 »Tant de campagnes laborieuses, qui avaient usé mon tempérament et mon âge avancé qui commençait à me faire ressentir les infirmités qui en sont la suite nécessaire, me faisaient entrevoir comme prochaine la fin de ma carrière.« (Oeuvres de Frédéric le Grand VI, p. 2).

18 Noch heute heißt der an Skulpturen und Inschriften reiche Westeingang der Pässe von Bisitun (oder, wie Mordtmann für richtiger hält, Behistun) Tauk-i-bostan, Bogen des Gartens, und Diod. II 13 erzählt, daß Semiramis bei dem Berge Bagistanos einen Garten von zwölf Stadien im Umkreis anlegen und den Berg mit Bildhauerarbeit schmücken ließ.

19 Weder Ptolemaios noch Aristobul erzählte davon (Arrian. VII 13). Die Übertreibungen stammen von Kleitarch her (Strabo IX, p. 420; cf. Plut. Alex. 41). Den Mythos von den Amazonen suchte die aufgeklärte Zeit historisch bestätigt zu finden, und es ist denkbar, daß der medische Satrap auf vielfache Nachfrage etwas den Amazonen Ähnliches, was er in seiner Satrapie fand, dem König vorführte. Denn die Frauen in den sogenannten wandernden Stämmen der Berge sind freier, kühner und kräftiger als sonst die Asiatinnen, sie nehmen an allen Wagnissen und Gefahren der Horden tätigen Anteil; und Malcolm (II, S. 446 der Übersetzung) erzählt als Augenzeuge ein interessantes Beispiel von der Kühnheit und Gewandtheit, mit der ein kurdisches Mädchen ein Roß tummelte. Plutarch nennt die Autoritäten für und wider die Amazonengeschichte; Onesikrit, der zu den ärgsten Lügnern gehört, las einst dem König Lysimachos die betreffende Stelle aus dem vierten Buch seiner »Denkwürdigkeiten« vor, worauf Lysimachos sagte: »Wo muß ich denn damals gewesen sein!«

20 Plut. Eum. 2; wieviel in dieser Erzählung aus Duris und damit unzuverlässig ist, muß dahingestellt bleiben. Im höchsten Maß verdächtig wird, die Geschichte durch die angeführte Summe, zumal wenn man erwägt, daß es 33 Trierarchen waren, die damals in Funktion traten. Auch daß des Königs Kasse so erschöpft gewesen sein sollte (χρήματα, οὐ γὰρ ἦν ἐν τῷ βασιλείῳ, Plut.), ist inmitten der großen Erfolge in Indien sehr seltsam.

21 Plut. Alex. 39.

22 Diod. XVII 110; 114. Arrian sagt in seiner verständigen und würdigen Weise (VII 14): »Vielerlei wird über die Trauer Alexanders berichtet, aber alle stimmen überein, daß sie sehr groß gewesen; was er aber getan, erzählt jeder anders, je nachdem er Vorliebe für Hephaistion oder Neid gegen ihn und den König selbst hegt. Die nun Übermäßiges berichten, von denen haben, wie es mir scheint, die einen den König zu erheben gemeint, wenn sie ihn in Worten und Handlungen übermäßig trauernd zeigen bei dem Leichnam dieses ihm vor allen teueren Mannes, die anderen aber ihn zu verkleinern, als ob er sich weder seiner noch der Majestät des Königtums würdig in der Trauer gezeigt habe; die einen sagen, er habe sich den ganzen Tag hindurch über der Leiche gewälzt und gejammert, und die Freunde hätten ihn mit Gewalt hinwegreißen müssen, – andere, er habe den Arzt an das ›Kreuz heften lassen, weil er schlechte Arzneien gegeben‹ (so Plutarch), er habe es nicht sehen wollen, daß Hephaistion vom Übermaß des Weines gestorben sei; daß Alexander wegen des Gestorbenen sein Haar abschnitt, scheint überhaupt und besonders als Nachahmung dessen, was Achill an Patroklos' Grabe tat, wahrscheinlich; daß er aber selbst den Trauerwagen gefahren, ist unwahrscheinlich. Andere erzählen, er habe das Heiligtum des Asklepios in Ekbatana zerstören lassen; das wäre barbarisch und nicht nach Alexander, sondern nach Xerxes gewesen. Wahrscheinlicher ist mir die Erzählung, daß, als auf dem Wege gen Babylon viele Gesandtschaften aus Hellas zu Alexander kamen, und unter diesen auch die von Epidauros, wo das berühmte Heiligtum des Asklepios, so habe er ihnen gewährt, was sie wünschten, außerdem ein Weihegeschenk für ihren Gott gegeben und gesagt: hat auch der Gott nicht freundlich an mir getan, daß er mir den Freund, nicht errettet, den ich wie mein eigen Haupt liebte, so will ich ihn doch ehren! Ferner schreiben die meisten, daß er den Hephaistion als Heroen zu verehren befahl; andere fügen hinzu, er habe an das Ammonion gesandt, um anzufragen, ob es gestatte, dem Hephaistion als einem Gott zu opfern; und das sei nicht erlaubt worden.« So weit Arrian. Anders Plutarch; er sagt (Plut. Pelop. 34), nach welchen Autoritäten, kann man aus Arrians Kritik abnehmen: »Vor Trauer verlor Alexander fast seinen Verstand, er ließ allen Pferden und Maultieren zum Zeichen der Trauer Schweif und Mähne scheren, und in den Städten des Landes die Zinnen von den Mauern brechen; – und um sich zu zerstreuen, ging er gegen die Kossaier gleichsam zu einer Menschenjagd, ließ die ganze Völkerschaft niedermachen und nannte das ein Totenfest für Hephaistion.«

23 Nach Strabo XV, p. 382 lag Tylos oder Tyros eine Tagereise von dem Vorgebirge Maketa, zehn von Teredon (Diridotis) und der Euphratmündung; freilich findet sich dort keine Insel, die man groß nennen könnte.

24 Daß Alexander von der römischen Legion Kenntnis gehabt hat, wird man wohl annehmen dürfen; seit dem Spartaner Archidamos und dem Molosser Alexandros waren die militärischen Verhältnisse Italiens den Kriegskundigen der hellenischen Welt bedeutsam genug, um von ihnen genau erkundet zu werden.

25 So nach Arrian. VII 23, 8; dagegen sagt Diod. XVII 115, daß das Ammonion göttliche Ehre zu weihen und ihn als πάρεδρος (emendiert aus Lucian. de cal. non cred. 17) anzuflehen geboten habe; für das erste spricht auch die Angabe, daß Kleomenes von Ägypten dem Verstorbenen ein Heroon in Alexandrien und ein anderes auf der Insel Pharos errichtete; die Nachricht hiervon und von anderen Ehrenbezeugungen, die der Satrap für Hephaistion erfunden, sandte er an den König, dessen Zorn er wegen mehrerer Bedrückungen fürchtete, und erhielt ein Dankschreiben von seiten Alexanders, in dem es unter anderem hieß: »Wenn ich höre, daß du die Heiligtümer Ägyptens gut besorgst und namentlich für das Heroon des Hephaistion sorgst, so will ich das frühere Unrecht vergessen und wegen dessen, was du noch künftig verfehlst, sollst du von mir nichts Leides erfahren.« Selbst Arrian fällt über diese Antwort des Königs ein hartes Urteil; mit Recht, wenn Alexander durch nichts als das Wohlgefallen an jenen Ehren des Hephaistion bestimmt worden wäre. Jedenfalls war Kleomenes ein ausgezeichneter Finanzier und ein höchst brauchbarer Verwaltungsbeamter; seine Satrapie war für die zunächst bevorstehenden Feldzüge von der höchsten Wichtigkeit, und er, im ägyptischen Lande geboren, kannte das Land wie kein anderer; vielleicht machten es die Verhältnisse unmöglich, ihn schon jetzt aus der Ferne zur Rechenschaft zu ziehen, vielleicht hätte ein Zeichen königlicher Ungnade genügt, ihn zur Flucht zu veranlassen, und die großen Schätze, die er gesammelt, wären der Satrapie und dem Königtum entrissen gewesen. Diese Dinge liegen auf der Oberfläche; wie viele geheimere und eigentümlichere Verhältnisse können noch obgewaltet haben, das Schreiben des Königs notwendig zu machen; und man hat nach allem, was man sonst von ihm weiß, wohl Anlaß, ihn nicht sofort auf das niedrigste Maß zu taxieren.

26 Plut. Alex. 75. Athen. X, p. 432. Arrian. VII 24. Ich erwähne nur die unsinnige Mutmaßung, daß Alexander bei Medios Gift, das Aristoteles angegeben und Kassandros gebracht, erhalten habe.

Quelle:
Johann Gustav Droysen: Geschichte des Hellenismus. Tübingen 1952/1953, Band 1.
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