I. Salomo Usque.

[538] Von demselben ist bisher nur bekannt, daß er Petrarcas Gedichte aus dem Italienischen ins Spanische gelungen übersetzt, daß er eine Canzone über die sechs Schöpfungstage gedichtet und sie dem Kardinal Borromeo gewidmet, und daß er gemeinschaftlich mit einem anderen (jüdischen) Dichter Lazaro Gracian ein Drama »Esther« ausgearbeitet hat (nicht gedruckt, von Leon di Modena ins Italienische übersetzt; vergl. Wolf, Bibliotheca III, p. 300, 1025 und de Rossi, Dizzionario s.v. Modena). Der portugiesische Bibliograph Barbosa Machado gibt mehr über ihn an (Bibliotheca Lusitana T. III, s.v. Salusque Lusitano), wodurch man auf die Spur geleitet wird, wie sein Name als Marrane gelautet hat. Salusque Lusitano nome affectado, com que encubrio o proprio, traduzeo da lingoa Italiana em a Castellhana com »sommarios e argumentos« que muito illustrão a tradução, sonetos, canciones, madrigales e sextinas do grande poeta.. Petrarcha, primeira parte Venetia 1567, dedicada a Alexandre Farnese, principe de Parma. Weiter teilt Barbosa Machado einen Passus des Alfonso de Ulloa mit, welcher Barros erste zwei Dekaden über die Entdeckungen der Portugiesen in Asien ins Italienische übersetzt hat, daß dieser Salusques Übersetzungskunst sehr gerühmt habe: Am schwierigsten seien Petrarcas Verse zu übersetzen; daher verdiene Salusque besonders Lob, daß er nicht bloß den Sinn, sondern auch Silbenmaß und alle Formenschönheit von Petrarcas Poesie wiederzugeben verstanden habe: El ingenoso Salusque Lusitano, que ha traduzido (la obra escrita en versos de Petrarcha), merece [538] mucho loor, por haver obligado no solo à la sentencia, mas aun a los mismos numeros de las sylabas de los versos etc. Endlich bemerkt derselbe Bibliograph, Alfonso de Ulloa habe seine übersetzten Dekaden dem Duarte Gomez gewidmet und auf Salusque ein Sonett gedichtet: Em aplauso de tradutor fez o sequinte Soneto o mismo Ulhoa o qual na dedicatoria que fez da tradução das Decadas.. a Duarte Gomes. In diesem Sonett preist de Ulloa Spanien glücklich, daß es jetzt in der eigenen Sprache Petrarcas Lieder besitze, »Dank dem guten Portugiesen Salusque«: merced del buen Salusque Lusitano. So weit der Bericht von Barbosa Machado. Nun, Salusque ist eine Abkürzung für Salomo Usque, das ist nicht zu verkennen. Weiterhin (p. 407 a) ist der Name bei Barbosa Machado in Seleuco Lusitano verstümmelt. Der unkritische Barbosa hat aber nicht erkannt, daß Salomo Usque, dessen Übersetzungskunst de Ulloa im Sonette feierte, und Duarte Gomez, dem derselbe die Dekaden gewidmet, eine und dieselbe Person war. Das erfahren wir aus den Zenturien des marranischen Arztes Amatus Lusitanus, des Zeit- und Leidensgenossen aller drei Usque.

Derselbe hat Duarte Gomez behandelt, und im Eingange zu dessen Krankheitsgeschichte (Centuria V curiatio 19) teilte er einige für uns interessante Biographica über ihn mit: Eduardus Gomez Lusitanus, vir gravis, doctus et poeta, ut qui Petrarcae numeros hendecasyllabos et cantiunculos hetrusca lingua scriptos in linguam Hispanicam vertat ita cordate, apposite et suis numeris consone, ut omnibus admirationi fuit, hoc anno aetatis suae quadragesimo quinto ex Venetiis, ubi varia et ingentia mercium negotia exercet, Anconam venit. Hier haben wir es deutlich, daß Duarte Gomez so kunstvoll Petrarcas Verse übersetzt hat. Niemand wird darauf fallen, anzunehmen, daß zwei verschiedene Personen zur selben Zeit dieses großen italienischen Dichters Poesien zur Bewunderung der Zeitgenossen ins Spanische übersetzt hätten. Also muß Salusque oder Salomo Usque und Duarte Gomez (oder portugiesisch Gomes) ein und dieselbe Person sein. Den letzten Namen führte er wohl als Scheinchrist. Vielfaches erfahren wir nun aus Amatus Lusitanus' Notiz, daß Salomo Usque oder Duarte Gomez zugleich Dichter und Kaufmann war und in Venedig bedeutende Geschäfte machte. Auch dessen Geburtsjahr ist dadurch bekannt. Die fünfte Zenturie sammelte Amatus zwischen August 1553, Zeit der Beendigung der vierten Zenturie, und während Albas Kriegsrüstung gegen Rom 1556 (vergl. Epilog zu derselben). Aber seine ärztliche Behandlung von Duarte Gomez fiel vor Frühjahr 1555, weil Amatus zu dieser Zeit wegen Paulus' IV. Grausamkeiten gegen die Marranen in Ancona sich nicht mehr in der römischen Hafenstadt befand, sondern nach Pesaro ausgewandert war (vgl. Zent. V. cur. 49). Also um 1553 bis 1555 war Duarte Gomez oder Salomo Usque 45 Jahre alt, also geb. um 1510. Er kann also im Druckjahre seiner übersetzten Poemata 1567 noch gelebt haben. Daraus ergibt sich auch, daß er keineswegs der Vater des Abraham Usque gewesen sein kann, der, wie sich weiter zeigen wird, ihm an Alter ziemlich gleich war. Wohl hieß Abraham Esques Vater Salomo, wie aus dem Titelblatte eines רוזחמ hervorgeht (bei Wolf III, p. 1201 רוזחמ, orden de Rosh Haschana y Kipur traslado en Español por.. Abraham Usque ben Schelomo Usque Portugues, gedruckt in Abraham Usques Haus in Ferrara, Elul 5313-1553. Dieser Salomo Usque, Abrahams Vater, war also älter; aber es folgt daraus, daß die Usques untereinander verwandt waren.

[539] Es läßt sich auch kombinieren, daß es derselbe Duarte Gomez oder Salomo Usque war, den Joseph Naßi zu seinem Agenten in der Schuldangelegenheit an den König von Frankreich gesandt hat. Dafür spricht nicht nur der Name, sondern auch der Umstand, daß er als »aus Venedig« bezeichnet wird. Der französische Gesandte Mr. de Petremol schrieb an Karl IX. vom 11. August 1564 (bei Charrière, Négociations II, p. 776), daß der Thronfolger Selim sich sehr für die Zahlung der Schuld an Joseph Naßi interessiere: En partie aussy que ladite debte prétendue n'avoit été encore veriffiée par devant les intendants de vos finances, commandement fut faict audit sieur Nazi de vous envoyer homme exprès ... Pour ceste cause ledit sieur Joseph Nazi envoy en vostre cour l'un de ses principauls facteurs demeurant à Venise, nommé Odouart de Gometz. Daraus läßt sich nun weiter folgern, daß es ebenfalls derselbe war, welchen Doña Gracia mehrere Jahre vorher zum Teilnehmer an einem Bankgeschäfte in Ferrara eingesetzt und ihm, sowie ihrem undankbaren Neffen Agostin Enriques zu diesem Geschäfte eine Summe vorgeschossen hat. Er besaß auch ihr Vertrauen, wie das ihres Schwiegersohnes Joseph Naßi; die Nachricht darüber hat Josua Soncin (Respp. Nr. 20) erhalten: הנוד) תרבגה תוצרב איציניומ העסנב (שיקירניא) ןיטשוגא תא ביטהלו ליעוהל (איסרג םיבוהז םיפלא ח"י ןיטשוגא דיב החינה הניטנטשוק הפ אבל שימוג יטראודו ןיטשוגא םע תופתושב ושענו. Als Agostin eine Ausflucht ersann, einen Vertrauensmann von Doña Gracia zu wünschen, dem er Rechenschaft über Summen, die er ihr schuldete, legen wollte, schrieb sie an ihn: יטראוד אלא ךלצא יוארו ןוגה םדא המש יתעדי אל ןובשחה לע ןתתו אשת ומע .שימוג. Weiter heißt es das.: הז ט"יש תנשמ לירבא 'חל 'ד םוי ןיטשגואל תרבגה החלש כתבה ריעב ןיטשוגאל תרגאה רסמ שימוג יטראוד שיאהו הריציל הראריפ.

Das Ergebnis dieser Untersuchung ist, daß Salomo Usque, früher als Marrane in Portugal Duarte Gomez genannt, zugleich ein gewandter Dichter und ein gewandter praktischer Geschäftsmann war, und mit den Schutzpatronen der Marranen, Gracia Mendes Naßi und ihrem Schwiegersohne, in Verbindung gestanden hat.


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1907, Band 9, S. 538-540.
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