Fussboden

[249] Fussboden. In den Basiliken bestand der Fussboden meist aus einfachen, viereckigen Platten, oder dann aus Mosaik und bunten Steinen. Gegen die dabei vorkommende Darstellung von Heiligen, Kreuzen u. dgl. eiferte der heilige Bernhard, man solle das Heilige nicht mit Füssen treten. Im 11. Jahrh. kamen die Fliesenfussböden auf, in deren aus Thon gebrannte Platten oder Ziegel durch Aufdrücken eines geschnitzten Brettes Ornamente eingedrückt waren; auch wurden die Fliesen nach gewissen Figuren geformt, besonders bei den Cisterziensern. In der gotischen Zeit wurden die Muster reicher und zarter, die Verzierungen waren entweder vertieft und ausgegossen, oder vertieft und leer, oder erhöht, mit Schablonen erzeugt oder aus freier Hand mit verschiedenen Zeichnungen graviert und farbig glasiert. In ärmeren Kirchen, sowie in Privatbauten herrschte im frühen Mittelalter der Estrich, d.h. der aus Mörtel hergestellte Fussboden vor, der dann durch den glatten Ziegel-Fussboden, durch Fliesenboden und selbst durch Marmorpflaster und Mosaikboden ersetzt wurde. Die Dielung oder der Brettfussboden scheint erst im 11. Jahrh. für Parterreräume aufgekommen zu sein, nachdem er vorher lediglich auf Balken, also in Obergeschossen, verwendet worden war; in der Renaissancezeit entwickelte er sich als Friesfussboden und als Parquett. Müller und Mothes, arch. Wörterb.

Quelle:
Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 249.
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