Danaë

[861] DANĂË, es, Gr. Δανάη, ης, ( Tab. XVIII.) des Akrisius und der Eurydice, Apollod. lib. II. c. 2. §. 1. oder, nach andern, [861] der Aganippe Tochter. Hygin Fab. 63. Sie sollte, nach des Orakels Ausspruche, einen Sohn gebähren, welcher seinen Großvater, den Akrisius, ums Leben bringen werde. Dieses zu verhüten, ließ er ein ehernes Zimmer unter der Erde bauen, und die Danae dahinein stecken, auch noch eine Wache davor stellen, damit sie ja mit keinem Mannsvolke zusammen kommen möchte. Apollod. l. c. c. 4. §. 1. Es war solches noch lange Zeit zu Argos zu sehen, bis es endlich der Tyrann Perilaus soll zerstöret haben. Pausan. Corinth. c. 23. p. 128. Andere reden von einem ehernen Thurme, mit starken Thüren, vor welchen schlaflose Hunde Wache gehalten, Horat. lib. III. Od. 16. v. 1. und noch andere wenigstens von einer steinernen Mauer, worinn er sie verschlossen; Hygin. l. c. So sehr sie aber Akrisius immer verwahrete, so fand doch Jupiter Gelegenheit, zu ihr zu kommen, als er sich einmal ihre Schönheit gefallen lassen. Denn da der Danae Behältniß oben offen war, so verwandelte er sich in einen goldenen Regen und fiel also dadurch. Danae, welche meynete, daß es wahrhaftiges Gold wäre, fieng es in ihrem Schooße auf, wobey sie, wie es auf einem geschnittenen Steine vorgestellet wird, auf dem Bette lag. Lipperts Dactyl. I Taus. n. 28. Dieser Regen fiel auch so reichlich, daß er aus ihrem Schooße von dem Bette herunter floß. Nonn. Dion. L. VIII. p. 238. l. 25. 26. Jupiter nahm darauf wieder seine Gestalt an, und da er sich entdeckete wer er sey, so erhielt er, was er wollte, und Danae bekam einen jungen Sohn von ihm. Wie aber Akrisius solches erfuhr und keinesweges glaubete, daß Jupiter solches bewirket hätte, so ließ er die Danae nebst ihrem Sohne, dem Perseus, in einen hölzernen Kasten stecken und also in das Meer werfen. Apollod. & Hygin. ll. cc. Lucian. Dial. select. 21. Einige wollen, Akrisius sey sogleich hinter die Sache gekommen, als Danae noch schwanger gewesen, habe aber doch mit der Strafe gewartet, bis sie nieder gekommen; ap. Natal. Com. l. c. Andere hingegen geben vor, [862] daß Perseus bereits drey Jahre alt gewesen, als Akrisius erst die Dinge erfahren; da er denn die Danae zwar zu des Herceischen Jupiters Altare geführet, und daselbst schwören lassen, von wem sie den Perseus bekommen, habe ihr aber doch nicht geglaubet, sondern, nachdem er erst ihre Amme hingerichtet, obbenannte Strafe an ihr vollzogen. Apollon. ap. eumd. l. c. Indessen erhielt sie doch Jupiter hierbey und ließ sie unbeschädigt in ihrem Kasten an die Insel Seriphus anschwimmen, woselbst Diktps den Kasten ans Land brachte, und sie beyderseits wieder heraus ließ, auch den Perseus auferzog. Sein Bruder, Polydektes, König besagter Insel, aber ließ sich der Danae Schönheit anstehen, und wollte sie durchaus zur Gemahlinn haben. Apollod. l. c. Allein, weil sie dazu keine Luft hatte, und sich daher endlich, nebst dem Diktys, zu einem Altare flüchtete, so verwandelte Perseus den Polydektes durch der Medusa Kopf in einen Stein. Id. ibid. §. 3. & Strabo lib. X. pag. 487. Einige wollen, Polydektes habe sie wirklich zur Gemahlinn genommen, und den Perseus in der Minerva Tempel auferziehen lassen, nachdem er sie beyde von dem Diktys, einem Fischer, bekommen; auch hernach den Aktisins befriediget, der beyde, Mutter und Sohn, von ihm wieder ausgehändiget haben wollte. Hygin. loc. cit. Wie es aber ein offenbar fabelhaftes Vorgeben ist, was von dem in einen Goldregen verwandelten Jupiter gesaget wird: also ist es allerdings glaublich, daß ein Liebhaber der Danae die Wache mit Gelde bestochen, daß sie ihn zu der versperreten Prinzessinn hinein, gelassen. Man läßt es aber dahin gestellet seyn, ob solches eben der Proetus, des Akrisius eigener Bruder, gewesen. Apollod. l. c. cf. Banier Entret. III. ou P. II. p. 48. Dess. Götterl. IV B. 324 S. Jedoch zeiget diese Fabel, daß dem Golde und Gelde nichts zu fest sey, und wider das Schicksal keine menschliche Vorsichtigkeit helfe. Omeis Mythol. in Danae s. pag. 88. Die Tragödie, welche Sophokles von ihr verfertiget, [863] ist verlohren gegangen, Fabric. Biblioth. Gr. lib. II. c. 17. §. 3. wie auch des Euripides seinebis auf etwas weniges. Idem ibid. c. 18. §. 3.

Quelle:
Hederich, Benjamin: Gründliches mythologisches Lexikon. Leipzig 1770., Sp. 861-864.
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