Übermut

[657] Übermut (lat. superbia, gr. hybris) heißt das vermessene Vertrauen eines Menschen auf seine eigenen Kräfte. Der Übermütige übernimmt in unüberlegtem Selbstvertrauen mehr, als er vermag, verachtet Feinde und Hindernisse, verschmäht fremden Rat und Beistand und handelt so, als ob ihm alles erlaubt wäre. Gegen diesen Übermut, dem mächtige, physisch oder intellektuell ausgezeichnete Menschen am meisten ausgesetzt sind, eifern die griechischen Tragiker. So schließt Sophokles (497 bis 406), der besonders im Aias die Folgen des Übermutes gezeigt hat, seine Antigone: »Es tut uns zumeist Besonnenheit not, um glücklich zu sein. Drum sündiget nie am Göttergebot. Die Vermessenheit büßt ihr prahlendes Wort mit schwerem Gericht und muß dann zuletzt noch im Alter Besonnenheit lernen.« (pollô to phronein eudaimonias prôton hyparchei; chrê de ta g' eis theous mêden aseptein; megaloi de logoi megalas plêgas tôn hyperauchôn apotisantes gêra to phronein edidaxan).

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 657.
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