Druckempfindung

[155] Druckempfindung ist eine Art der Empfindung des allgemeinen Sinnes, welche nicht an einen bestimmten Nerv gebunden, sondern allen Teilen der Begrenzung des Körpers eigen ist. Die Druckempfindung bildet ein System für sich. Man kann zwischen Tast- und eigentlicher Druckempfindung unterscheiden. Jene bringt uns den aktiv gegen das Objekt gerichteten, diese den vom Objekt gegen die Hautfläche ausgebenden passiv empfundenen Druck zum Bewußtsein. Der Hautsinn ist überwiegend als Ganzes tätig, während der Tastsinn in einzelnen Gliedern besonders zur Funktion kommt. Bei der eigentlichen Druckempfindung werden die leise Berührung mit Hartem und die kräftige Berührung mit Weichem gleich wahrgenommen; bei gleicher Druckgröße entspringt aus der Beschaffenheit der Erregungsstelle eine spezifische Lokalfärbung der Empfindung. Das Schema der Qualitäten bei Druckempfindungen ist also die Folge der Härtegrade, illustriert durch die Lokalfarben der Erregungsstellen. – Für unser Seelenleben haben die Druckempfindungen große Bedeutung. Zunächst geht aus ihnen in Verbindung mit Bewegungsempfindungen die Raumvorstellung hervor; hierin wirken sie den Gesichtsempfindungen analog; ferner vergewissern sie uns über die Existenz der Außenwelt. Sodann kann der Hautsinn sich selbst zum Objekt werden, er gehört also zu den rekurrenten Sinnen. Druckempfindungen begleiten uns vom ersten bis zum letzten Moment des Daseins; plötzliche Störungen darin versetzen uns daher in Unruhe, ja Schrecken. (Vgl. Wundt, Grundriß d. Psychol. § 6A S. 56. Grundzüge d. physiol. Psych. I S. 367.)

Quelle:
Kirchner, Friedrich / Michaëlis, Carl: Wörterbuch der Philosophischen Grundbegriffe. Leipzig 51907, S. 155.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien: