Scheiden aus dem Elternhaus.

Bald nach meiner Einsegnung, die am Gründonnerstag, den 19. April 1832 stattfand, nötigten Familienzerwürfnisse und Vermögensverhältnisse, die sich von Tag zu Tag verschlechterten, meinen Vater zu dem schweren Schritt, Schönhausen zu verkaufen. Bald waren wir in soviel Not und Elend verstrickt, daß meine Eltern sich trennten; meine Mutter zog nach Friesack, in dessen Nähe ihre Verwandten lebten.

Als ich erwachsen war, und die Gestaltung unserer Verhältnisse mir klar wurde, empfand ich den lebhaften Wunsch, etwas zu verdienen, um meiner Mutter die Erziehung der jüngeren Geschwister zu ermöglichen. So nahm ich dankbaren Herzens die Vermittlung meiner Freundin Betty Erxleben, späteren Frau von Brand, an und kam durch sie als Erzieherin in das Haus des Herrn von Langenn-Steinkeller nach Birkholz.

Es war ein schwerer Weg für die kaum Zwanzigjährige, welche mit allen Vorurteilen damaliger Zeit gegen den Erwerb durch Arbeit, und verwöhnt bis in das äußerste aufgewachsen war. Erzählten sich doch die Leute, meine Eltern hätten uns nur mit silbernem Spielzeug spielen lassen.

Aber Gott hat diesen Weg gesegnet und mich dadurch zu glücklichem Alter geführt. Was ich, die ich so ganz unvorbereitet zu einem schweren, verantwortungsvollen Beruf kam, versehen[73] habe, hat Gottes Güte gnädig bedeckt. Lob sei Ihm, Dank den Menschen, die mich in Liebe getragen haben!

Die Familie in Birkholz bestand aus den Eltern und 6 Kindern. Die zwei älteren Söhne wurden außerhalb erzogen; meiner Obhut waren die drei Schwestern und der jüngste Sohn anvertraut.

Heute würden die Leute staunen, daß es mir möglich war, gänzlich unvorbereitet, nur mit den gewöhnlichsten Schulkenntnissen ausgerüstet, eine derartige Stelle zu bekleiden, und doch bin ich 10 Jahre dort gewesen, von 1836–1846.

Der Vater meiner Zöglinge war und ist noch heute für mich das Bild eines unbeschreiblich liebenswürdigen Mannes. Klarer Verstand und unbegrenzte Herzensgüte waren die Grundzüge seines Wesens. Was positive Kenntnisse anbelangt, war seine Bildung den Anforderungen seiner Jugendzeit entsprechend, gering. Kaum erwachsen war er ja in die Freiheitskriege gezogen und kehrte, mit dem eisernen Kreuz geschmückt, heim; später ließ ihm die Bewirtschaftung seines Gutes keine Zeit zu wissenschaftlichem Studium. Dessen ungeachtet ist mir oft, als müßte ich seine Enkel und Urenkel bedauern, daß sie diesen Mann nicht gekannt haben.

Er betrieb die Landwirtschaft seines großen Grundbesitzes sehr gewissenhaft, aber die Jagd war seine besondere Freude, und es verdarb oft die Laune der nicht immer »gnädigen« Frau, wenn er über der Verfolgung eines angeschossenen Wildes die Mittagsstunde vergaß.

Frau von Langenn-Steinkeller, eine geborene Köller, Tochter des Präsidenten von Köller, der während der Kriegszeit in Posen die Regierung vertrat, hatte im Elternhause wohl nie[74] den Geist fröhlicher Familiengemeinschaft kennen gelernt. Über ihrem elterlichen Hause lagerte ein pedantischer Ernst, der jede freie Äußerung individuellen Lebens erstickte. Aus dieser eingeengten Kindheit und Jugend war der dritten Tochter, Friederike, oder Fritze, wie sie genannt wurde, ein Wesen eigen geblieben, das auch in ihrem Hause keine rechte Gemütlichkeit aufkommen ließ.

Eine vorzügliche Hausfrau, streng in ihrem ganzen Wesen, überall auf Ordnung haltend und fleißig schaffend, war sie nicht frei von einer gewissen Launenhaftigkeit, die das Beisammensein nicht eben immer behaglich machte.

Störungen, wie verspätetes Heimkehren der heranwachsenden Söhne von der Jagd, konnten Gewitterwolken schwerster Art am häuslichen Himmel auftürmen. Infolgedessen hingen die Kinder mehr an dem immer liebenswürdigen, nachgiebigen Vater, als an der zwar sorgsamen, aber strengen und durch ihre Launen nicht immer gerechten Mutter.

So konnte es vorkommen, daß der Vater den Kindern, wenn diese sich bei einer, nicht allen Anforderungen der Etikette entsprechenden Belustigung tummelten, im gegebenen Augenblick warnend zurief: »Looft man ab, Muttern kommt!«

In mancher Beziehung war sie wunderbar nachgiebig, trug auch dem freundschaftlichen Verhältnis der ältesten Tochter zu mir voll Rechnung. Ich habe oft bewundert, daß sie so gar nicht empfindlich war, wenn Clara dem mütterlichen Geschmack in Toilettenangelegenheiten nicht traute und bei allem, was die Mutter vorschlug, erklärte, erst meine Meinung einholen zu wollen, um dieser meist unbedingt zu folgen. Dann lachte Muttern und sagte: »Es freut mich, daß Ihr Euch so gut steht!«[75]

Das Birkholzer Haus zeichnete sich durch Gastfreiheit aus, und namentlich Verwandte, die in bescheidenen Verhältnissen lebten, wußten viel von der hilfsbereiten Güte der Hausfrau zu sagen. Und doch konnte es vorkommen, daß diese sich einfach ins Bett legte und krank melden ließ, wenn unerwarteter Besuch zur Mittagszeit vorfuhr, und sie fürchtete, ihre Hausfrauenehre preiszugeben, weil sie keinen Braten hatte. Freilich nützte diese Kriegslist nicht viel, denn der gute Hausherr nötigte die zuerst abgewiesenen Gäste mit freundlicher Liebenswürdigkeit, dennoch an dem einfachen Mittagsmahl teilzunehmen, wobei dann die vergnügteste Stimmung herrschte – allerdings in gedämpftem Ton, um die schmollende Hausfrau nicht zu stören.

Eines Silvesterabends hatte sie sich mit der abwehrenden Bemerkung: »Nein Kinder, wir gehen zu Bett!« früh in ihr Schlafzimmer zurückgezogen, als ein listiges Augenplinken und verstohlenes Winken des Vaters die zurückgebliebene Gesellschaft in einen Seitenflügel des alten, geräumigen Hauses beschied, wo man bei einem prächtigen Pünschchen gründlich Silvester feierte und das am anderen Morgen hereinbrechende Donnerwetter willig ertrug.


Im Hause ihres Schwiegersohnes verlebte die greise Präsidentin von Köller ihre letzten Lebensjahre. Sie erzählte gern und viel von den schweren Jahren der Franzosenzeit, war aber nicht mehr ganz zuverlässig mit Jahreszahlen. Zum allgemeinen Ergötzen sagte sie z.B.: »Meine Tochter, die Platen, ist Anno 800 geboren«, also, wie wir ergänzten, Zeitgenossin Karls des Großen.

Mich fragte sie, ob meine Mutter mir erlaubt habe, 1809 mit den Franzosen zu tanzen; dies wäre mir nun wirklich sauer[76] geworden, da ich erst 6 Jahre später das Licht der Welt erblickte.

Eine kleine Episode aus dem Köllerschen Hause gibt einen Beweis der damaligen Stimmung. Napoleon hatte sich im Hause des Präsidenten von Köller einquartiert, und dieser seiner Familie auf das Strengste verboten, sich vor den Franzosen sehen zu lassen oder in irgendwelche Berührung mit ihnen zu treten. Plötzlich befahl der Kaiser, dem das völlige Verschwinden der Damen aufgefallen sein mochte, daß eine der Töchter des Hauses ihm persönlich das Frühstück bringen solle. Herr von Köller, sehr ergrimmt über diese Zumutung, musterte seine Töchter und befahl peremptorisch: »Fritze, du bist die Garstigste, dann tu du's!« Und so geschah es.

Es muß auch zugegeben werden, daß Frau von Langenns Züge zwar eine große Energie ausdrückten, aber nicht gerade schön und verführerisch waren. Sie gehörte unter keinen Umständen zu den wunderbar schönen Großmüttern, über die jede Familie mit Stolz zu verfügen pflegt.


Die Anmut, die der Mutter fehlte, besaß ihre älteste Tochter, Clara, in hohem Maße. Sie war der Liebling des Vaters und glich ihm auch in ihrem ganzen Wesen.

Mit 20 Jahren wurde sie von Ludwig von Wedemeyer heimgeführt, dessen Vater das Nachbargut Schönrade besaß, und ihre Kinder lernten es bald, daß der Großvater das Verziehen verstand.

Die älteste Enkelin sollte als 4 jähriges Kind mit dem um ein Jahr jüngeren Bruder nach Birkholz übersiedeln, während die Großmutter zur Pflege eines soeben einpassierten Brüderchen[77] in Schönrade weilte. Der kleine, etwas bequeme Mann war nicht für die Fahrt aufgelegt, und die Schwester bewog ihn erst dazu, indem sie sagte: »Max, so sei doch nicht so dumm, Großmutter ist ja nicht zu Haus, und da tut Großpapa alles, was wir wollen; mittags giebt er uns Wein, und abends fährt er mit uns spazieren.« Dies leuchtete dem sich Sträubenden ein; sie gingen hin – und es war so!

Großmutter aber, die alles durch die offene Tür mit angehört hatte, war liebenswürdig genug, darüber zu lachen, wie sie ja überhaupt, wenn es ihr nicht ganz wider den Strich ging, sehr gemütlich sein konnte.


Unter den Bediensteten des Hauses Birkholz spielte der alte Kutscher Karras eine hervorragende Rolle. Kaum hat es einen originelleren Menschen als ihn gegeben. Karras – er ist uns schon auf einer der ersten Seiten begegnet – war, ich glaube, er wußte selbst kaum wie lange, in Herrn v. Langenns Dienst. Er teilte die Jagdpassion seines Herrn, und ohne Karras konnte eigentlich kaum etwas im Haus und Hof geschehen. Er war sehr sorgsam für alle Pferde, besonders für seine stolzen 4 Kutschpferde, verlangte aber auch viel von seinem Gehilfen im Stall. Mit seiner wunderlichen Redeform: »denn dernachen denn«, mit der er fast jeden Satz langsam und bedächtig einleitete, sagte er von einem Stalljungen: »Denn dernachen denn, wenn der Bengel nicht in seiner Dummheit hätte laufen lernen, der ließe sich heute noch tragen« und ein anderes mal: »Wenn Dummheit weh täte, schrie er den ganzen Tag.«

Einen jungen Diener, der große Abneigung gegen Wasser[78] und Seife zeigte, erklärte er, bei Erörterung über einen der damals noch seltenen Maskenbälle in Friedeberg: »Denn dernachen denn, wenn du auf'n Maskenball gehst, du brauchst dir bloß die Hände zu waschen dann kennt dir keiner.«

Als einst Großmutter Langenn, obgleich hohe Fünfzigerin, noch mit kühnem Mut ein Roß bestieg, und der Ritt an einigem Widerstand des Gauls scheiterte, ließ sich Karras vernehmen: »Denn dernachen denn, wenn zwei so'ne Alten zusammenkommen, dann geht's nicht gut, denn die sind beide neewedderig.«

Frau von Langenn war beim Fahren sehr ängstlich; einmal klagte sie, nach einer Fahrt bei unergründlichen Wegen dem Gatten, sein Karras habe sie durch unvernünftiges Fahren in große Angst versetzt; als Herr v. Langenn den Alten zur Rede stellte, erwiderte er lakonisch: »Wir haben ihr wohl quietschen hören.«

Karras durfte so etwas sagen, was einem anderen wohl schwerlich erlaubt gewesen wäre. Auf einer Reise nach Teplitz, die damals mit eigenen Pferden gemacht wurde, hatte er Großpapa Langenn begleitet. Der alte Herr war einige Tage krank, und da fanden ihn Freunde im Bett und Karras im Schlafrock mit der langen Pfeife daneben sitzend, zu gemütlicher Unterhaltung. Dennoch kam das Verhältnis nie aus dem Gleichgewicht. Herr v. Langenn blieb der Gebieter, Karras der Kutscher, der seine Stellung nie vergaß.

Eine Figur wie die seine, würde jedem Lustspiel zum Erfolge verhelfen: ungelehrte Klugheit, strengste Redlichkeit und ein trockener Humor streiften bei allen seinen höchst komischen Eigenschaften doch nie an Karikatur.[79]

Zu den Hausgenossen in Birkholz zählte noch der alte Götsch, ein von dem Nebengute Wildenow übernommener alter Inspektor. Seine Dienste bestanden jetzt nur noch im Füttern der Schwäne und derartigen Beschäftigungen. Als ständiger Tischgenosse der Familie hatte er nicht nur das Privilegium, sein Mittagessen mit seinem gewohnten Schnäpschen zu würzen, sondern auch bisweilen, nach dem Essen, alte Geschichten auszukramen.

Unter diesen erinnere ich mich besonders derjenigen, die von dem viel berüchtigten Besitzer von Großbeeren, dem sog. Geist von Beeren handelten.

Da kamen schnurrige Erlebnisse zutage, die ich aus den Erzählungen meiner Mutter als wahr bestätigen konnte.

Der Vater des alten Götsch stand im Dienste dieses mehr als wunderlichen Herren, und so mußte der Sohn, nach den damaligen Begriffen der Zugehörigkeit, auch dort eintreten. Er ward also Reitknecht. Der alte, gottlose Herr, der allem, was heilig war, Hohn sprach und mit dem Pfarrer des Orts immer im offenen Kampfe stand, zwang den Knaben, während des Gottesdienstes nach seinen lauten Kommandorufen vor der Kirche Schule zu reiten. Ward also, durch Lärm und Schreien, der Gottesdienst zu verfrühtem Schluß gebracht, so verhöhnte der alte Geist den heraustretenden Pfarrer, und es spielte sich eine sehr unliebsame Szene zwischen diesen beiden vor der Kirchtüre ab.

Ein anderesmal war Herr von Geist weder durch wiederholte Anordnungen des Landrates, noch durch Verurteilung des Kammergerichtes zu bewegen, eine schadhafte Brücke auszubessern. Einmal entschuldigte er sich mit folgendem klassischen[80] Ausspruch: »Gestern habe ich sechzig Ochsen über die Brücke treiben lassen, da wird der Herr Landrat wohl auch unbeschadet darüber gehen können.«

Als Geist dann, trotz dieser sachlichen Begründung, zur Instandsetzung der bewußten Brücke verurteilt worden war, ließ er diese abbrechen und die ganze abgebrochene Brücke auf den Hof des Kammergerichts in Berlin bringen – Götsch hat selber bei diesem Transport geholfen –, mit einem Anschreiben, das besagte: dem hochlöblichen »Jammer« Gericht (wie Geist es zu titulieren pflegte), welches sein Urteil ohne Besichtigung des Gegenstandes gefällt, wolle er nun, aus besonderer Rücksicht und Gefälligkeit zur klaren Einsicht verhelfen, und schicke anbei die Brücke, damit man sich überzeugen könne, daß das Material noch vollständig wohl erhalten sei.

Natürlich wurde Geist in Ordnungsstrafe genommen, und es entspann sich eine lange Korrespondenz darüber. In seinen Schreiben ließ er den, in solchen Schriften üblichen, sogenannten Submissionshaken, der Anrede und Text verband, aus. Dies brachte ihm wieder eine Rüge ein. Als Erwiderung schickte er einen großen Bogen, von oben bis unten mit Submissionshaken versehen groß und klein, lang und kurz, nach rechts und nach links gebogen, und fügte die Bitte bei Ein hochlöbliches Kammergericht möchte bezeichnen, welchen der Haken er fortan in seinen Schreiben anwenden solle.

Noch ärger war es, daß er dem Präsidenten des Kammergerichts einst die Zeichnung einer Schlafmütze übersandte, mit der Überschrift: »Du bist und bleibst eine«.

Natürlich neue Strafverfügung. In derartigen kindischen Streitigkeiten verschwendete Geist v. Beeren den größten Teil[81] seines Vermögens; der Besitz ging bald nach seinem Tode in andere Hände über.

Vor dem Gefängnis hat ihn nur die Nachsicht des Königs gerettet, der bestimmte, den Alten »als verkehrt und deshalb unzurechnungsfähig anzusehen«.

Nur selten gelang ihm ein wirklich guter Witz; so damals, als zu einer Zeit starker Raupenplage eine Verfügung ergangen war, die langatmig und vom grünen Tisch aus Vorschriften für das Vertilgen von Raupen gab. Geist schrieb der Behörde kurz zurück: »Ich habe die hochlöbliche Verfügung den Raupen vorgelesen, und sie haben sich alle tot gelacht!«


10 Jahre lang war ich im Birkholzer Hause, habe aber diese ganze lange Zeit nicht etwa ausschließlich in Einsamkeit auf dem Lande verbracht, sondern mit der Familie Langenn manche Reise nach Berlin unternommen und manche interessante Erinnerung aus der dortigen Welt sammeln können.

Meine erste Erinnerung an König Friedrich Wilhelm III. liegt freilich noch weiter zurück. Sie steht in Verbindung mit einer Ohrfeige, die ich als Kind erhielt und hat sich durch diese Beigabe vielleicht besonders lebhaft in meiner Erinnerung eingeprägt. Der König hatte ein Bein gebrochen; in der allgemeinen Teilnahme dafür teilte unsere Erzieherin mir dies mit: »le roi a cassé une jambe!« Flüchtig, wie meist, erwiderte ich: »plait-il, une oie?« und wurde prompt durch schlagenden Beweis auf mein unpatriotisches Mißverständnis zurückgeführt.

Der König hatte in Teplitz, wo er zur Kur weilte, die Gräfin Auguste Harrach kennen gelernt und sich mit ihr vermählt. Unter dem Namen einer Fürstin Lignitz führte er sie nach Berlin.[82]

Ihr Hofstaat wurde eingerichtet, und eine Verwandte von uns, Fräulein von Heister, wurde zu ihrer Hofdame ernannt, einigermaßen zum Mißbehagen der Familie, die diesen Gnadenbeweis nicht zu würdigen wußte und sich über die unebenbürtige Heirat des Königs aufhielt.

Mir erschien das Los der Fürstin, wenn ich sie später, als wir in Berlin wohnten, mit vier Füchsen und Vorreiter, dazu zwei Diener auf dem Trittbrett des Wagens einherfahren sah, sehr beneidenswert. Es ist aber, glaube ich, nicht gar glänzend gewesen, namentlich in den ersten Jahren nicht.

Bevor sie eine angenehme Stellung im Königshause und in den Hofkreisen erlangte, hat sie durch manche Demütigung gehen und manche schwere Erfahrung in den Kauf nehmen müssen. Doch hat ihre persönliche Liebenswürdigkeit, ihr anspruchsloses Zurücktreten und das freundliche Entgegenkommen des Kronprinzen schließlich ihren Weg geebnet.

Die Fürstin hätte gern nur der Pflege und dem Umgang mit dem König gelebt. Das aber wollte dieser nicht; sie sollte bei den Hoffesten erscheinen. Jedoch die Stellung seiner ebenbürtigen Gemahlin konnte er ihr nicht geben, das verboten die Regeln der Etikette. Bei Anwesenheit der Töchter des Königs, anderer Prinzessinnen und fremder Fürstlichkeiten, fand sie stets am äußersten Ende der Tafel ihren Platz. Da erzählte man, der Kronprinz sei einmal, als sie recht still dort gesessen habe, von seinem Platz aufgestanden und habe sich zu ihr gesetzt, mit der Äußerung: »Wo ich sitze, ist immer obenan.«

Ein andermal habe er sie, ohne nach Etikette zu fragen, durch die staunende Menge zu Tisch geführt.

So änderte sich die Stellung der Fürstin sichtlich, besonders,[83] je mehr man einsah, wieviel sie dem König war, und wie sehr ihre nächste Umgebung sie hochschätzte.

War der König in Berlin, so besuchte er jeden Abend das Theater, saß aber fast versteckt in der kleinen Loge. Repräsentation bei besonderen Gelegenheiten, auch im Theater, überließ er dem kronprinzlichen Paare. Bei gutem Wetter ging er allein vom Palais aus ins Opernhaus. Ich selbst sah ihn einst diesen Weg nehmen. Er kam aus dem Garten des Prinzessinnen-Palais, schloß hinter sich die Tür zu, ging über die kleine Brücke, dann über die Straße zum Seiteneingang hinein.

Das Interesse des Königs erstreckte sich auch auf hervorragende Persönlichkeiten vom Theater.

Außer dem königlichen Opern- und Schauspielhaus gab es nur noch das Königstädtische Theater auf dem Alexanderplatz. Der Stern dieser Bühne war die berühmte Sängerin Henriette Sonntag, die später, als Gräfin Rossi, auch im Opernhause sang.

Auf sie dichtete Heinrich Heine sein berühmtes: »Du bist wie eine Blume, so schön, so hold, so rein,« und reichte es ihr mit Bleistift auf einen Papierzettel geworfen, in den Wagen, nachdem er ihren hinreißenden Gesang gehört.

Wie sie selbst diesen ausgesprochenen Realisten begeisterte, so rechtfertigte die ganze Persönlichkeit der großen Künstlerin die Vertraulichkeit, mit der sie bei Hofe aufgenommen wurde, und es erregte durchaus keinen Anstoß, wenn die liebenswürdige Henriette Sonntag beim König sang und dann länger bei ihm und der Fürstin zur Unterhaltung blieb.

Sehr gern sah der König auch die beiden Schwestern Bertha und Clara Stich bei sich, Töchter erster Ehe der berühmten[84] Schauspielerin Crelinger. Beide liebenswürdige, sein gebildete Mädchen und Künstlerinnen im Schauspielfach. Diese fanden immer, wenn sie von dem Besuch im Palais zurückkamen, irgendeine Überraschung, in Gestalt eines Geschenkes vom König vor, gewöhnlich schönes, damals noch seltenes Obst, einmal aber, etwas ganz Außerordentliches, Hüte aus Paris. Der König hatte einen solchen für die Fürstin kommen lassen und diese ihn den bewundernden Schwestern gezeigt, die dann mit ähnlichen erfreut wurden.

Besondere Vorliebe hatte der König auch für das Ballett; die Tänzerinnen wurden zwar nicht in Verkehr gezogen, doch ging Se. Majestät gern in den Zwischenakten hinter die Kulissen und auf die Bühne. Man wollte wissen, daß einmal der Vorhang voreilig aufgezogen und der König dem Publikum noch sichtbar gewesen sei.

Auch erzählte man sich, der Kronprinz, welcher mit seinem, nie bösartigem Spott die kleinen Schwächen des Vaters geißelte, habe, als die Kronprinzessin ihn auf eine Krähe aufmerksam machte, die wunderbare Bewegungen mit Kopf, Flügeln und Beinen ausführte, gesagt: »Sei nur still, daß Papa es nicht hört, sonst engagiert er sie fürs Ballett!«

Der tanzenden Jugend sah der König, auch bis in seine spätesten Lebensjahre, gern zu. Da er früh zur Ruhe gehen sollte, wurden im Palais dejeuners dansants gegeben. Ein nach jetzigen Begriffen recht einfaches Mahl eröffnete, vielleicht um 1 Uhr, das Fest, und dann wurde bis 6 oder 7 Uhr getanzt.

Der König, in dem unkleidsamen, spitzschößigen Uniformfrack, um den Hals die steife, schwarze Binde, die nur durch eingelegte[85] Sprungfedern dem Halse Bewegung gestattete, den dreieckigen Hut mit den Generalskordons und dem kleinen schwarzen Federbusch in der Hand, stand während des ganzen Tanzes an der Tür des Saales. Er unterhielt sich gern mit hübschen jungen Mädchen, die trotz seiner Wortkargheit für ihn schwärmten. Eine, die damals jung war, hat bis in ihr spätes Alter ein Armband getragen, in das eine schwarze Feder, die der König vom Hut verlor, eingelegt war.

Das Leben verlief damals so ruhig, so ohne ein größeres Interesse, daß dergleichen kleine Ereignisse aus den Hofkreisen überall besprochen wurden. Und wie eng waren die Grenzen der Hofgesellschaft gezogen. Nur der Adel hatte Zutritt, und auch der bürgerlich geborenen Frau eines Adligen blieben die geheiligten Pforten verschlossen. So konnte auch die Mutter des Fürsten Bismarck nicht zu Hofe gehen, denn, um mit Frau Dutiter, von der später noch erzählt werden soll, zu reden, fehlte ihr beides: das f. o. n = von – vor dem Namen und das von derselben noch wichtiger erklärte argent in der poche.

Freilich ahnte niemand damals, welch eine Rolle ihr Sohn einst am Berliner Hofe spielen würde.

Dem so überaus einfachen Sinn des Königs widersprach jedes Fest, das ihn in den Vordergrund stellte. So entzog er sich immer der Feier seines Geburtstages und ging mit der Fürstin und seiner allernächsten Umgebung nach der Pfaueninsel. Das kleine Schlößchen dort war sein Lieblingsaufenthalt. Er hat es, soviel ich weiß, bauen lassen, jedenfalls sind die Gartenanlagen unter seiner Leitung gemacht. Es war freilich damals ein noch ziemlich entlegener, aber doch schon oft besuchter Ausflugsort der Berliner.[86]

Tiere, die man sonst nur ausgestopft und von Motten benagt in naturhistorischen Museen sah. wurden dort gehalten; sie siedelten bei Anlage des zoologischen Gartens als Stamm der dortigen Tierwelt später nach Berlin über. Besonders Staunen erregte die Bärengrube, denn sonst sah man den guten Petz nur als ungeschickten, jedenfalls mißmutigen Tänzer seine Künste auf Straßen und Plätzen zeigen, wenn Jahrmarkt oder andere Volksfeste die Gelegenheit dazu boten.

Das Gefühl eines, ich möchte sagen, heiligen Schauers ist mir unvergeßlich, wie ich als Kind die einfach gehaltenen Räume des Inselschlößchens zum erstenmal betrat. Der Gedanke, daß dort der König wohne, der über die Geschicke so vieler Menschen, ja über Leben und Tod zu entscheiden habe, bewegte das kindliche Gemüt so mächtig, daß der Eindruck noch lange in mir nachklang.

Der alte König lebte in jetzt kaum verständlicher Einfachheit. Er war jedem Luxus abgeneigt.

In einem zitronengelben Wagen mit halbem Verdeck, den zu besteigen jetzt kaum ein kleinstädtischer Fuhrmann seinen Kunden zumuten würde, fuhr er durch die Stadt, sowie nach Potsdam und Charlottenburg. Die Eisenbahn nach Potsdam wurde zwar im letzten Jahre vor dem Tode des Königs erbaut, von ihm aber, als halsbrecherische Neuerung, nie benutzt. Auf dem Bock des Wagens, der nur zu weiteren Fahrten mit 4 Pferden bespannt wurde, saßen der Kutscher und der Diener, beide in einfachen, dunkelblauen Röcken mit roten Kragen und Aufschlägen. Als Kopfbedeckung trugen sie die geschmacklosen dreieckigen Hüte, die auch die Galakopfbedeckung der Offiziere zu meiner Jugendzeit waren.[87]

Nur daß diese Federbüsche hatten, jene lediglich silberne Schnüre in den Spitzen. Der König saß allein im Wagen, kaum sichtbar, hinter dem gegen Regen und Wind schützenden Ledervorhang, und doch ging es wie ein elektrischer Schlag durch die Vorübergehenden, wenn sie den gelben Wagen sahen. Es war ja der König, der darinnen saß, das vergaß niemand. Zwar gab es auch damals Unzufriedene, es wurde von versagter Konstitution gesprochen, von diesem und jenem, was anders sein sollte, aber daß bei Lebzeiten des alten Herren etwas geändert werden könnte oder sollte, daran dachte im Ernst niemand. Der König war eine geheiligte Person, sich gegen ihn auflehnen, schien eine unfaßbare Idee.

So ging denn auch im Jahre 1830 die Erregung, welche von dem revolutionären Paris ausstrahlte, bald vorüber, aber in das friedliche Berlin klang es freilich schon Entsetzen erregend hinein, daß Unter den Linden und im Lustgarten einige wildtobende Rotten zusammengetreten waren und schreiend und johlend weiterziehen wollten. Wohin und weshalb? – Das wußten sie selbst nicht, und da gelang es der Polizei bald, ohne blutige Eingriffe die lärmenden Haufen zu zerstreuen.

Ich erinnere mich aus jener Zeit, die allerdings vor meinem Eintritt in die Familie Langenn-Steinkeller liegt, daß ich als 15 jähriges Mädchen vom Fenster unserer Wohnung in der Friedrichstraße vis-à-vis der Kaserne des 2. Garderegiments nicht ohne Herzklopfen die Bataillone unter dumpfem Trommelwirbel ausrücken sah; sie kehrten aber nach wenigen Stunden mit klingendem Spiel zurück.

An drei Tagen wiederholten sich die Aufruhrszenen, dann[88] waren die Rädelsführer verhaftet und alles atmete wie vorher Ruhe und Stille.

Die Polizeisergeanten trugen dunkelblaue Röcke mit karmoisinroten Kragen und gelben, Adler-geschmückten Knöpfen. Über die Uniform kam ein großer Wachstaffetmantel, wenn sie den Transport eines Cholerakranken oder -Toten zu leiten hatten. Die Cholera erregte damals die ganze Bevölkerung von Berlin in einem Maße, daß schon dadurch jede revolutionäre Idee erstickt wurde. Man holte die Kranken, gleichviel ob reich oder arm, aus ihren Häusern ab. In mit Wachstuch bezogenen Körben wurden sie durch die Straßen getragen. Die Träger waren ebenfalls in Wachstuch gekleidet, von dem Gedanken geleitet, daß hierdurch die Ansteckungsgefahr vermindert würde. Voran ging der Polizeisergeant, der, mächtig klingelnd, alle Passanten mahnte, fern zu bleiben.


Im Herbst des Jahres 1831 kam die Kunde, Frankreichs vertriebene Königsfamilie würde bei ihrer Übersiedelung von Frankreich nach Frohsdorf, bei Wien, die Nacht in Spandau zubringen. Es waren Karl X.; sein Sohn, der Herzog von Angoulême und sein Enkel, der letzte der königlichen Bourbonen, Heinrich, Herzog von Bordeaux, der spätere Graf Chambord.

Da Preußen Louis Philipp anerkannt hatte, konnten diese vertriebenen Fürsten nicht in Berlin aufgenommen werden, und so war Spandau als Aufenthalt gewählt.

Halb Berlin machte sich dahin auf.

Da wir mit vielen Offizieren der Artillerie befreundet waren, durften wir vielleicht hoffen, die Reisenden zu sehen,[89] und fuhren, eine heitere Gesellschaft, unter militärischem Schutz nach Spandau.

Die Straße vor dem Gasthof stand dicht gedrängt voll Menschen, denen aber nur vergönnt war, die erleuchteten Fenster und vielleicht den Schatten eines Vorübergehenden zu erblicken.

Uns führte unsere militärische Begleitung wenigstens in das Gasthaus hinein, das nach jetzigen Begriffen wohl kein Hotel genannt werden konnte.

Wir sahen im Hof die schweren Reisewagen und kamen an ihnen vorüber eine Hintertreppe hinauf und in den Flur vor dem Zimmer, in dem die Herrschaften speisten. Vor der Tür stand unter anderen, durch Dienst herbeigezogenen Herren, auch der Landrat des Osthavelländischen Kreises, Herr von Hobe. Er kannte meine Mutter und richtete es ein, daß wir, durch eine Seitentür eintretend, durch eine andere wieder hinausgehend, so – im Gänsemarsch vorbei defilierend, die Herrschaften sehen konnten, die am anderen Ende des Saales speisten. Sie saßen an einem durch Wachskerzen erhellten Tisch. So waren sie für uns beleuchtet, indes wir in dem dunklen Hintergrunde des Saales kaum gesehen wurden.

Karl X., ein magerer, blasser Mann, mit gepudertem weißen Haar, saß mit dem Gesicht zu uns hingekehrt. Er trug einen roten Samtrock mit Stickerei. Ebenso gekleidet war der Herzog von Angoulême; dieser und der 11 jährige Herzog von Bordeaux, standen zu beiden Seiten des Königs und wir konnten sie genau sehen. Sie unterhielten sich ruhig, und man bemerkte an ihrem Wesen nichts von dem, was wohl ihre Herzen bewegte.[90]

Karl X., der als Graf von Artois noch die glänzenden Zeiten unter Ludwig XV. gesehen, die fröhlichen Feste mit Marie Antoinette gefeiert hatte, – nun vertrieben in dem dürftigen Gasthaus des kleinen Städtchens, unsern der Residenzstadt des Königs von Preußen, die ihm ihre Tore ungastlich verschließen mußte.

Ebenso der Herzog von Angoulême, der, wie sein Vater, die Freudenfeste vor der Revolution und dann die Schrecknisse derselben gesehen hatte.

Was mochte durch diese Herzen ziehen!

Und der junge Herzog! Dachte er noch an Thron und Krone, die er einst erben sollte, oder sagten ihm dunkle Ahnungen, daß sein Leben tatenlos am österreichischen Kaiserhof verfließen würde?

Wir gingen, ernster gestimmt durch den Blick auf die so schwer heimgesuchten Fürsten, fort und traten, beneidet von der draußen stehenden Menge den Rückweg aus dem Gasthaus und von da nach Berlin an.

Doch zurück zu König Friedrich Wilhelm III.

Das verschlossene Wesen, man kann wohl sagen, eine ungelenke Schüchternheit, die ihm eigen war, und durch die selbst der Geschäftsgang bisweilen erschwert wurde, hatten ihren Grund in seiner traurigen Kindheit und Jugend, die ihm ohne elterliche Liebe, unter der Leitung unfähiger Lehrer und Erzieher, trübe verflossen waren.

Die Ehe- und Liebesverhältnisse Friedrich Wilhelms II. sind bekannt, doch trug er an der Scheidung von seiner ersten Gemahlin, Prinzessin Elisabeth von Braunschweig, nicht die Schuld.[91] Sie wurde nach Stettin verbannt und starb daselbst erst in den 30er Jahren.

Der spätere Generallandschaftsdirektor von Köller, ein Bruder der Frau v. Langenn-Steinkeller, verkehrte häufig bei ihr und erzählte von ihrem originellen, oft recht drastischen Wesen folgenden Zug. Er und seine sehr hübsche Frau, eine geborene von Wedel, wurden von der Prinzeß öfters zur Tafel geladen. Frau von Köller erschien, wie bei Hofe üblich, im ausgeschnittenem Kleide. Die Prinzeß, die selbst hübsch gewesen, aber immer einen häßlichen Hals gehabt hatte, sah noch im Alter mit Neid auf den schönen Hals einer Jüngeren. Alle Leute duzend, sagte sie zu Herrn v. Köller: »Du hast eine hübsche Frau, aber so nackig ließe ich sie nicht gehen!«

Beim Diner saßen hinter dem Stuhl der Prinzeß immer 2 Hunde. Sie warf diesen über die Schulter weg Bratenstücke und andere Leckerbissen zu, weder zur Freude ihrer Nachbarinnen, noch zum Vorteil für deren Toiletten.

Fürst Putbus, der ebenfalls öfter bei ihr zur Tafel befohlen war, erhielt einst im Anschluß an eine Einladung, einige Briefe von ihr zur Besorgung – eine Gefälligkeit, die wegen des langwierigen Ganges der Posten öfters erbeten wurde. Unter diesen Briefen befand sich auch einer an den König Friedrich Wilhelm III.

Am Tage, nachdem der Fürst dieses Schreiben abgegeben hatte, fragte der Kronprinz den Überbringer lachend, ob er wohl wüßte, was seine »verfehlte Großmutter«, wie er die alte Prinzessin zu nennen pflegte, geschrieben habe.

Auf Putbus' Verneinung eröffnete ihm der Kronprinz mit vielem Vergnügen, der Brief habe gelautet: »Putbus hat so[92] viel Austern bei mir gefressen und so viel Champagner gesoffen, daß ich um Zulage bitten muß.«


Die bekannte Gräfin Lichtenau geb. Enke, Frau des Kämmerers Ritz und Maitresse des Königs, erhielt von diesem als Geschenk das Gut Lichtenow, in der Nachbarschaft von Birkholz gelegen. Dort wohnte nach ihrem Tode ihr Sohn Ritz; er führte den geistlich klingenden Namen »Kanonikus«, war aber ein düstrer, verschlossener Mann und nichts weniger als geistlich gesonnen. Seine drei Töchter habe ich gekannt – diese hatten die Schönheit der Großmutter geerbt, vor allem die zweite, Alexe, eine junonische Gestalt, deren blaue Augen, wundervolle Farben und ebenmäßige Züge es begreiflich machten, daß viele Herren unserer Bekanntschaft ihr zu Füßen lagen. Sie verlobte sich in Karlsbad mit einem, soit disant, sehr reichen Wiener Kaufmann, kehrte aber bald als geschiedene Frau in das Haus ihres Bruders zurück. Dieser hatte Lichtenow geerbt und wurde vom König Friedrich Wilhelm IV. unter dem Namen »Ritz-Lichtenow« in den Adelstand erhoben.

Sympathischer als diese Schönheit war die ältere Schwester Helene, kleiner und schlanker als Alexe, mit dunklem Haar und dunklen Augen; ihr ganzes Wesen atmete, neben großer, äußerer Lieblichkeit, eine tiefe Herzenswärme. In ihrer Jugend nicht frei von der überspannten Schwärmerei jener Zeit, klärte sich ihr Wesen später zu aufrichtiger Frömmigkeit ab; sie hat hierin auf die ganze Gegend einen wohltätigen Einfluß gehabt. Sie verheiratete sich nacheinander an zwei Brüder von Knobelsdorff-Brenkenhoff, und ihre Nachkommen leben noch heute auf dem väterlichen Gute Mansfelde.[93]

Abgesehen von der vortrefflichen Frau hat kein Segen über der Familie Ritz gewaltet. Auch der Sohn des Königs und der Gräfin Lichtenau, der junge Graf Friedrich Wilhelm von der Mark, starb im blühenden Alter. Unter den vielen Kunstschätzen in Lichtenow wird eine schöne Marmorkopie seines in der Dorotheenstädtischen Kirche in Berlin befindlichen Grabdenkmals aufbewahrt.

Auch viele Bilder der Gräfin sind dort, aber das schönste, sie in üppiger Schönheit im Jagdkostüm darstellend, sah ich bei ihrer ehemaligen Gesellschafterin, einem alten Fräulein von Treuenfels in Köpenick.

Das andere Kind des Königs und der Gräfin Lichtenau, Gräfin Marianne von der Mark, hat ein wechselvolles, unglückliches Leben geführt. Zuerst mit Graf Stolberg-Stolberg vermählt, heiratete sie in zweiter Ehe einen Polen, von Miaskowski, ließ sich aber bald scheiden und schloß eine dritte Ehe mit einem Franzosen, de Thierry; im Jahre 1814 ist sie in Paris gestorben.


Das sittenlose Treiben seines königlichen Vaters wirkte für Friedrich Wilhelm III. als abschreckendes Beispiel. Er erhielt sein Leben rein und seine beiden glücklichen Ehen waren dem Volke ein leuchtendes Beispiel.

Welch verworrene Ansichten herrschten damals in der Allgemeinheit über die Ehe! Selbst noch in der weiteren königlichen Familie. Die ganze rationalistische Richtung jener Zeit war solcher laxen Auffassung günstig, und so erregte auch unter Friedrich Wilhelm III. Regierung dessen Vetter, Prinz August, der zur linken Hand mit zwei Frauen öffentlich getraut war, kein Ärgernis.[94]

Nach den Gesetzen des königlichen Hauses durfte dieser Prinz keine ebenbürtige Ehe schließen, um dem Lande nicht den Aufwand so vieler Hofhaltungen aufzubürden. Die erste Frau, unter dem Namen Frau von Waldenburg, geb. Wichmann, bekannt, hatte jenes Haus am Pariser Platz inne, wo später der Feldmarschall Wrangel wohnte; die andre, Frau von Prillwitz, geb. Arndt, das Eckhaus der Leipzigerstraße mit dem Leipziger Platz, jetzt »Wertheim«. Die letztere war Jüdin, aber dabei eine vollendet schöne Blondine.

Meine Eltern hatten die Parterrewohnung in demselben Hause gemietet, als der Prinz es kaufte. Ich habe ihn mit dieser Gemahlin und deren ältesten Tochter in unserem Garten gesehen. Wir hatten dort, wie damals allgemein üblich, Wäsche aufgehängt, und ich spielte dabei umher.

Es war der erste wirkliche Prinz, den ich sah, und seine stattliche Erscheinung erregte mein lebhaftes kindliches Interesse, ebenso die schöne Frau, die er führte. Noch heute steht mir das Bild vor Augen ihr blauer Sammetpelz, mit dem breiten Zobelbesatz, und der rote Mantel des mir gleichaltrigen Kindes mochten wohl den Nimbus der Erscheinung noch erhöhen. War doch bis dahin mein Tuchüberrock mir ein imponierender Luxusartikel gewesen, und nun trug dies Kind roten Sammet!


Einige originelle Gestalten aus dem damaligen Berliner Leben sind mir noch lebhaft in Erinnerung geblieben. Da ist zuerst ein alter Oberstleutnant von Tresckow, der sich als Garde du Corps durch eine obskure Heirat mit einer Choristin unmöglich gemacht hatte; in seinem blauen Frack und sandfarbenen Hosen war er zu allen Tages- und Jahreszeiten in Berlin auf[95] der Straße zu sehen. Ein hoher, weißer Filzzylinder, graues, struppiges Haar und ein rotes Gesicht vervollständigten das Eigentümliche der Erscheinung und niemand war im Zweifel, welche Farbe der König im Sinn hatte, als er einst bestimmte, daß sein Palais »wie Tresckows Hosen« angestrichen werden solle.

Vielfach auf Bildern seiner Zeit dargestellt, befindet sich das Porträt dieses braven alten Herren auf dem bekannten Krügerschen Gemälde der großen Parade vor Kaiser Nikolaus, ganz im Vordergrunde, und zwar auf besonderen Wunsch des Königs.

Auch die oben erwähnten Pariser Hüte der beiden Fräulein Stich, samt ihren Trägerinnen befinden sich in der Zuschauermenge und sind so der Nachwelt auf bewahrt, desgleichen die Mutter, die Schauspielerin Frau Crelinger.

Eine andere, sehr bekannte Persönlichkeit, die auch der Aufmerksamkeit des Königs nicht entging, war die bereits erwähnte Madame Dutiter, eine höchst achtbare, wohlhabende und wohltätige Frau, die zwar überall beliebt war, indessen die Lachlust reizte durch die Naivität, mit der sie ihren gänzlichen Mangel von Bildung wirken ließ. Durch die Verheiratung ihrer beiden, sehr hübschen Töchter mit Herren der Gesellschaft, gelangte auch sie in diese Zirkel, wenngleich nicht immer zu besonderem Entzücken der Schwiegersöhne.

Einst, auf einer Soiree, wurde ihr zu einer Partie Whist ein Pair von Frankreich als Partner vorgestellt; diesen ermunterte sie, da er beim Spiel einen Augenblick sich besinnend, zögerte, mit den freundlichen Worten: »Na Papachen, spielen Sie man aus!« Der Hausherr, ihr Schwiegersohn, starr vor Entsetzen, flüstert ihr zu: »Mutterchen, so dürfen Sie den Herren[96] nicht anreden.« Gutmütig beschwichtigend sagt sie: »I, mein Sohn, so ville Französisch versteh' ich doch och noch, um zu wissen, daß Pair und Papa eins is.«

Sie selbst sah auch große Gesellschaften bei sich, und, um die Damen nicht irre zu führen, wohin sie sich zum Ablegen von Mänteln zu wenden hatten, prangte an einer Tür der Anschlag: »Hier werden den Damen die Röcke aufgehoben!«

»Liebe Macbetten, Sie drippen,« rief Frau Dutiter vom ersten Rang des Schauspielhauses der berühmten Crelinger zu, als diese, in der Wahnsinnsszene mit etwas schief gehaltener Öllampe über die Bühne schritt.

In den fliegenden Blättern jener Tage wurde sie verewigt, wie sie, vor einem wild gewordenen Ochsen entfliehend, in einen Laden stürzt mit dem Ausruf: »Verzeihen Sie, hier kommt ein Ochse!«

»Sie glauben gar nicht, wie sein meine Tochter eingerichtet ist«, erzählte Madame Dutiter einer Freundin. »In der Küche sind sogar die kupfernen Kessel alle von Gold.«

Viele solcher Äußerungen von ihr gingen von Mund zu Mund, und jeder sagte, wenn auch lachend: »Sie ist doch gut!«

Die alte Dame, die in bezug auf gutes Herz und edle Gesinnung niemandem nachstand, liebte die Bildungsversuche, die ihre Schwiegersöhne mit ihr anstellen wollten, durchaus nicht. Aus Gutmütigkeit ließ sie sich die stete Begleitung einer, schon ziemlich bejahrten älteren Jungfrau gefallen und hörte deren immer wiederholte Korrekturen ihrer Sprechweise an, zwar, ohne denselben Folge zu geben, doch auch ohne sich zu Ungeduld oder unfreundlichen Äußerungen hinreißen zu lassen. Dies kam wenigstens sehr selten vor. Eines Tages erzählte[97] Frau Dutiter sehr eifrig, wie sie auf der Straße einer Bekannten gefolgt sei. »Ich sah ihr« (»sie« schaltete das Fräulein ein) »und loste« (»lief« erklang die Verbesserung) »loste«, sagte Frau Dutiter und wieder ertönte es »lief«. »So mußte ich losen und losen und losen, aber umsonst« »Laufen, laufen,« rief die Unermüdliche. »Na,« sagte Frau Dutiter, »ick will Ihnen mal wat sagen, mir losten sie, als ich jung war, alle nach, und Sie laufen nu schon, Jott weiß wie lange, un kriegen duhn Sie doch keenen.«

Einmal war sie in einer Gesellschaft, in der sich auch Friedrich Wilhelm IV., damals noch Kronprinz, befand. Dieser mochte die originelle Frau gern und suchte sie gewöhnlich bald auf. Einst aber merkte er, wie sie geflissentlich seine Nähe suchte, in der unverhohlenen Absicht, von ihm angeredet zu werden.

Es machte dem Prinzen Spaß, diese, wahrscheinlich nicht mit besonderer Grazie ausgeführten Versuche zu sehen, und so ließ er sie lange unbeachtet. Endlich aber trat er ihr näher und sagte: »Ah Madame Dutiter, da sehe ich Sie ja auch. Sie waren in Rom, wie ich höre.« »Jawoll, Königliche Hoheit, det war ick.« »Da haben Sie wohl auch den Papst gesehen?« »Na, jeweß, Königliche Hoheit, un der Mann war so höflich zu mir, er redete mir jleich an, tat jar nich erst, als sähe er mir nich, un dann rief er die Frau Päpstin, un die kam mit alle die kleinen Päpstekens! Det war janz anders, wie hier, wo die Leute oft so tun, als wenn se Enen nich kennen.«

Natürlich war das eine Quelle des Vergnügens für den scherzliebenden Fürsten.


Vorhin sprach ich von der großen Verehrung, die Friedrich Wilhelm III. genoß. Diese zeigte sich besonders, als in den[98] Pfingsttagen des Jahres 1840 der Tod den ernsten, stillen König abrief. Eine tiefe Trauer ging durch das ganze Land.

Friedrich Wilhelm IV. trat die Regierung an.

Der Vater war schweigsam, sprach in kurzen, abgebrochenen Sätzen nur das Notwendigste. Der Sohn war ein begabter Redner und nutzte diese Gabe im weitesten Sinne des Wortes aus.

Alles war begeistert, man träumte von einem goldenen Zeitalter.

Die Einfachheit verschwand aus dem königlichen Haushalt, und die glänzende Hofhaltung des jungen Paares brachte den Handwerkern Arbeit, die prächtige Kleidung der königlichen Dienerschaft zog die Augen der Menge auf sich. Der König fuhr stets im vierspännigen Wagen, die Königin oft mit sechs stattlichen Schimmeln. Es war ein anderes Leben, und nun, das lag ja auf der Hand, mußten alle Wünsche, berechtigte und unberechtigte, erfüllt werden. Die Änderungen im kleinen ließen auch solche im großen erhoffen.

Gegen Ende des Sommers, nachdem die Zeit der tiefen Trauer vorüber war, reiste das Königspaar zur Huldigung nach Königsberg.

Wir waren damals wieder in Birkholz. Die Berlin-Königsberger Chaussee, die durch das nahegelegene Friedeberg führte, war tagelang durch königliche Wagen belebt, die Hofbeamte hohen und niederen Ranges, sowie das zahlreiche Gepäck beförderten. Endlich kam das Königspaar. Nicht nur Menschen standen bereit, es beim Vorbeifahren zu begrüßen, nein, es waren, um der Gegend einen belebteren Anstrich zu geben auch Viehheerden in der Nähe der königlichen Fahrstraße zusammengetrieben, unter ihnen auch – auf speziellen Wunsch des Landrates,[99] die Birkholzer Heerden. Die ganze Familie Langenn, und ich mit ihr, hatten sich natürlich am bestimmten Tage an der Chaussee eingefunden. Der herrschaftliche Wagen rollte heran, alles stand erwartungsvoll und zu ehrerbietigem Gruße bereit – aber – die kleinen Gardinen an den Fenstern waren zugezogen, und das Königspaar fuhr schlafend an uns vorüber, beglückte weder Menschen noch Vieh durch seinen Anblick!

Das war wohl eine der ersten Enttäuschungen über das neue Regiment.

Von Königsberg brachten die Zeitungen bald Beschreibungen der Feier, sowie Berichte über die Reden des Königs, die überall Begeisterung weckten.

Es folgte dann bald die Huldigung in Berlin, die am 15. Oktober, dem Geburtstage des Königs, stattfand. Man mußte sich erst daran gewöhnen, nicht mehr im Sonnenglanz des Sommers Königs Geburtstag zu feiern, sondern unter herbstlichem Himmel.

Nicht jedem ist das leicht geworden. Ich kannte eine liebe alte Dame, die sich, Tränen in den Augen über die neue Zeit beschwerte, die ihr nicht mehr erlauben wolle, wie sie dies doch seit 43 Jahren in treuem Patriotismus getan, ihres Königs Geburtstag am 3. August zu feiern. Sie sagte: »es wird auch alles anders – nun soll mit einemmal Königs Geburtstag statt im Sommer, am 15. Oktober sein!«

Aber wahr blieb es doch, der König war am 15. Oktober geboren, und Berlin rüstete sich zur glänzenden Feier des Tages.

Von nah und fern eilten die Herren der Landstände herbei. Manche alte Uniform wurde hervorgeholt, auch wohl, wenn Motten und Alter daran genagt, eiligst eine neue bestellt. Herr[100] von Langenn wollte es sich trotz seines herannahenden Alters nicht nehmen lassen, persönlich dem jungen Herrscher zu huldigen, und so war auch zu Birkholz alles in reger Vorbereitung. Endlich wurde die alte Staatskutsche hervorgeholt, die Familie hineingepackt, und wir fuhren davon. Bis Landsberg ging's mit den eigenen Pferden. Dort wurden diese gegen Postpferde vertauscht, um die Fahrt zu beschleunigen.

In Berlin ankommend sahen wir noch die Ehrenpforten, durch die das Königspaar, bei der Rückkehr aus Königsberg, seinen Einzug gehalten hatte. Die Fahnen und Guirlanden waren zwar durch viel Regen etwas verwittert, aber uns stimmte auch der verblichene Glanz noch feierlich, und wir dachten begeistert dessen, das noch kommen sollte.

Der 15. Oktober brach an. Trübe, wie die vorhergehenden Tage, aber es regnete doch nicht. Vor dem Schloß, nach dem Lustgarten zu, waren Tribünen erbaut, auf denen die Landstände Platz genommen hatten. An das erste Stockwerk des Schlosses hatte man einen terrassenartigen Vorbau angefügt und leuchtend rot drapiert.

Hier erschien der König, im Krönungsornate mit seiner Gemahlin, gefolgt von all den übrigen Fürstlichkeiten.

Dicht gedrängt stand die Menge auf dem Platz. Auf der Treppe und in der Säulenhalle des Museums waren gleichfalls Tribünen erbaut und für die Damen der Landstände reserviert. Obgleich ich mich keines Fleckes Landes rühmen konnte, gehörte ich, durch Herrn von Langenns Güte zu den Bevorzugten dieses Standes, was ich um so dankbarer empfand, da ich einen Platz in der Säulenhalle hatte, also geschützt vor dem Regen war, der jetzt einsetzte.[101]

Nachdem der König eine lange, oft von donnerndem Hoch unterbrochene Rede gehalten hatte, von der wir Damen natürlich nichts hörten, trat er in das Schloß zurück, und bald darauf führte ein Zug glänzender Equipagen sämtliche Fürstlichkeiten in den Dom. Die Wagen nahmen dabei ihren Weg über eine, vom Schloßportal bis zur Dompforte reichende, brückenartige Erhöhung, deren Geländer ebenfalls mit rotem Tuch bekleidet waren.

Leider zog sich die kirchliche Feier sehr in die Länge, was das draußen harrende Publikum um so mehr empfand, als der Regen immer stärker und stärker herniederrieselte. Endlich verkündeten Kanonenschüsse das Ende der Feier, und die Erschütterung, die dadurch in der Luft entstand, verursachte sogar für eine kurze Zeit eine Teilung der Wolken, so daß der königliche Zug unter lichterem Himmel ins Schloß zurückkehrte.

Der König trat noch einmal heraus, und bei seinem Anblick sang alles »Nun danket alle Gott« unter Begleitung eines militärischen Musikkorps, das auf dem Dache des Schlosses seinen Platz gefunden hatte. Dann endete die Feier unter erneutem Hurrarufen der Menge.

Am Abend war die Stadt glänzend illuminiert. Nach heutigen Begriffen freilich dürftig genug, denn wo jetzt tausend Gasflämmchen glühen würden, hatte man kleine, buntfarbige gläserne Öllämpchen an Drähten befestigt, die die verschiedensten Fguren bildeten. An den Kuppeln der Kirchen auf dem Gensdarmenmarkt folgten diese Drähte der Architektur, was einen besonders hübschen Anblick bot. Ebenso an den Fenstern des Zeughauses. Privatwohnungen waren bescheiden mit Kerzen an den Fenstern erleuchtet.[102]

Das Ganze bot indessen der trotz des Regens in den Straßen hin und herwogenden Menge ein befriedigendes Bild. Besonders hübsch nahm sich die Halle des Museums aus, vor dessen Front eine große Borussia in vielfarbigem bengalischen Licht erstrahlte. Jeder Wechsel in dieser farbigen Beleuchtung, dem immer ein Moment der Dunkelheit vorausging, wurde mit Jubel begrüßt.

Begeisterung und Hurrarufen folgte dem Wagen des Königspaares, als dieser, aus dem Schlosse kommend, die Hauptstraßen durchfuhr, um die Herrschaften den Glanz der Hauptstadt bewundern zu lassen.

Am Huldigungstage waren die Landstände des Königs Gäste. Wenige Tage darauf gaben sie in den Räumen des Opernhauses ein Abendfest mit Tanz, und dann kehrte alles heim, voll Freude über das, was die festlichen Tage geboten und voll Hoffnung für die Zukunft.


An diese Zeit und ihren Jubel habe ich oft zurückdenken müssen in den traurigen Tagen des Jahres 1848. Noch nicht acht Jahre waren verflossen, da hörte man, statt der begeisterten Hurrarufe um das Schloß, das Knattern des Gewehrfeuers der Truppen und das Toben der Empörer auf dem Schloßplatz.[103]

Quelle:
Bismarck, Hedwig von: Erinnerungen aus dem Leben einer 95jährigen. Halle 151913, S. 71-105.
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