IV.
Uebersiedelung nach Dresden.

[192] Ich bin hiermit den Begebenheiten vorausgeeilt. Friedrich August lebte noch, als ich nach Dresden kam. Ich war bei seinem Jubelfeste. Das ganze Volk fühlte Rührung und Erhebung.

Der Ruf der schönen Gegend, die größere Wohlfeilheit der Lebensmittel, die Sehnsucht nach einigen sehr theuern Personen, die dort lebten, waren meine Beweggründe zu dieser Aufenthaltsveränderung. Die Lücke in meinen Einkünften, welche meine Reise nach Berlin gerissen hatte, wurde zwar durch die Huld des Königs und die Fürsorge des Fürsten Staatskanzlers zum Theil ausgebessert; allein es geht immer so mit solchen Lücken: die Entschädigungen werden dadurch mangelhaft, daß sie zu spät kommen. Niemand hat ärmlicher in Berlin gelebt als ich, und niemand ist entblößter von allen Mitteln als ich nach Dresden gekommen. Uebrigens werde ich noch einen andern Augenblick und Platz finden, um von einigen meiner liebsten Freundinnen zu sprechen, die ich in Berlin zurücklassen mußte, und die nun beinahe alle im bessern Jenseits sind.[193]

Da ich die Unterrichtsanstalten in Dresden gar nicht kannte, hielt ich es für angemessen meinen Kindern einen Lehrer mitzunehmen, der sehr befähigt war, und sich überhaupt als uneigennützig bewährt hat. In wenigen Tagen erreichten wir Dresden, und trafen am 7. October, Dienstag, dort ein. Ich ließ mich sogleich zu Fräulein Therese aus dem Winkel führen, welche ihr niedliches Häuschen am Elbufer bewohnte. Ich winkte Lottchen, die mich gleich mit Freudenbezeigungen wiedererkannte, mich nicht anzumelden, und trat an der Hand meiner Kinder in den Salon.

Hier bewillkommten mich erfreute Blicke. Baron Malsburg, Luise Brachmann, Therese aus dem Winkel, vor allen Graf Loeben bewillkommten mich mit wahrer Herzlichkeit. Ganz überraschend war meine Ankunft nicht; denn es hatte in einer berliner Zeitung gestanden, daß ich im Begriff sei nach Dresden zu reisen. Ich erwählte abends zum Vorlesen eine Ballade, die seltsamerweise eine Beziehung auf Malsburg's Herz und Geschick hatte, und ihn wehmüthig ergriff. Hier ist sie:


Mary und Sandy.


Der Mond erklomm des Hügels Höh',

An dessen Fuß der Dee entquillt;

Vom Hügel fern im Osten schwebt

Auf Thurm und Wald sein Silber mild.

Da neigte sich Mary zur Ruh',

Dacht' ihres Sandy auf dem Meer,

Und eine sanfte Stimme spricht:

»Du Holde, wein' um mich nicht mehr!«


Vom Kissen neigt sich sanft das Haupt,

Fragt bebend: »Wer ist's, der hier spricht?«

Da sah sie ihren Sandy steh'n

Schneeweiß, und trüb sein Augenlicht.[194]

»O süße Maid, kalt ist mein Staub!

O tief im Grund vom weiten Meer,

Fern, fern von dir schlummr' ich so fest,

O Liebe, wein' um mich nicht mehr!


Drei Tag' und Nächte trieb der Sturm

Auf wildem Ocean uns fort,

Wir kämpfen treulich mit der Flut,

Das Schiff zerschellte fern vom Port.

Noch schlug für dich mein liebend Herz,

Als Todesschau'r weht' um mich her;

Still ist der Sturm und still mein Herz,

Drum, Holde, wein' um mich nicht mehr!


O du mein Lieb', erheitre dich,

Bald finden wir uns dort am Strand,

Wo Lieb' ist frei von Schmerz und Harm,

Wo nichts zerreißt ihr himmlisch Band!

Laut kräht der Hahn! Der Schatten flieht.« –

Mary sah Sandy schon nicht mehr,

Doch eine sanfte Stimme spricht:

»Du Süße, wein' um mich nicht mehr!«


Ernst von Malsburg war tief bewegt, dies Bild traf die zartesten und geheimsten Saiten seines Herzens. Seine Charlotte war ihm vorausgegangen. Er sprach nicht von ihr, doch in seinen ausdrucksvollen Augen glänzte eine Thräne. Die sanfte Luise Brachmann trug eines ihrer schönsten Lieder, und Therese eine gefühlvolle Phantasie auf der Harfe vor. Unser Aller Stimmung war feierlich, vor allen die von Graf Loeben, der überhaupt ein Fremdling auf dieser Welt war und blieb.

Es geht mir mit meinen Erinnerungen, wie es den alten Persiern mit der Erfindung des Rosenöls ging. Viele Tausende von Rosen wurden in ein Marmorbecken[195] voll frischer Flut hineingeworfen, in welchem sich Odalisken badeten. Sie scherzten, stampften, tanzten in dem Bassin umher, und verließen es erst bei der Morgendämmerung. Als es die Gärtner ausschöpfen wollten, bemerkten sie goldhelle Tropfen auf der nun ruhenden Oberfläche der Flut. Ein unbeschreiblicher Duft stieg aus diesen Tropfen hervor. Die Gärtnerburschen faßten sie auf in ein krystallnes Gefäß, dies war das Rosenöl. Das Zerquetschen der Rosen hatte die feinste Substanz der Blume aus ihrem Kelch herausgearbeitet, ihr geheimstes Sein zur Erscheinung gebracht. Nicht anders arbeitete das Misgeschick den Duft meiner Seele aus meinem Wesen hervor.

Ich habe noch einiger Personen des Kreises im Italienischen Dörfchen nicht Erwähnung gethan. Es versammelten sich dort alle Dienstage einige Dichter zu einer Art Kränzchen, man trank Thee, oder las und trug vor. Zwei Fräulein von Goldacker bildeten unser Publikum.

Im Großen besaß Dresden einen andern Kreis, der »Liederkreis« genannt. Hier vereinigten sich aller vierzehn Tage die begabten Geister, die Dresden damals in sich schloß. Fräulein Therese aus dem Winkel gehörte beiden Vereinigungen an. Zum Liederkreis gehörten: der Minister von Nostitz mit seiner liebenswürdigen Familie, der Professor Karl Förster mit seiner holden Gattin, der Professor Hasse, der Dichter Theodor Hell, sein Freund Friedrich Kind, der Hofrath Kuhn, Eduard Gehe, der Hofrath Breuer, Karl Maria von Weber und seine Gattin, Hofrath Böttiger u.m.a., von welchen einige die merkwürdigsten Briefe mitbrachten. So oft eine poetische oder literarische Notabilität nach Dresden kam, wurde sie in den Liederkreis gezogen, der etwas Einziges[196] in seiner Art war. Der edle Nostitz hatte ihn gestiftet, und überlebte ihn noch; denn selbst in Dresden, wo fast alle Poeten Hofräthe waren, wurde die Poesie durchaus nicht nach Würden geschätzt, und aus dem Umstande, daß die Poeten Hofräthe hießen, ging noch nicht hervor, daß die Hofräthe poetisch waren.

Der Eindruck, den der Kreis selbst machte, war unbeschreiblich. Man denke sich eine Reihe ausgezeichneter Männer, ungezwungen im Saale verstreut und einen Kreis blühender Frauen und Mädchen in bescheidener Entfernung umgebend. Diese waren das liebliche, zum Theil auch das liebende Publikum der glücklichen Dichter: ihre Gattinnen, Schwestern, Bräute in einfachen weißen Kleidern, Blumen in den Locken und am Busen, durch Anmuth und Sittigkeit geschmückt. Sie schlugen die hellen Aeuglein nieder und arbeiteten fleißig, nur selten verrieth eine Regung, ein leises Ach, was in ihrem Innern vorging. Die greise Matrone Obristin aus dem Winckell mit ihren wallenden Silberlocken gab das Signal zum Lesen, wol auch zum Beifallrufen, mit mildem Ernst und feinem Takt. Hofrath Böttiger schlummerte zuweilen über dem Vorlesen eines Gedichts ein; er hatte die Stille nicht wahrgenommen, die nach vollendetem Vorlesen eintrat und ihn aufzuwecken pflegte. Er klatschte nun lauten Beifall, immer noch mit eingekniffenen Augen, wie es seine Art war. Ein Kichern machte ihn aufmerksam; er öffnete die Augenlider, und sah das niedliche Hausmädchen stehen, die ihm Kuchen präsentirte. Auch im Theater schlief er regelmäßig ein.

Eine neue Schauspielerin hatte eine Lieblingsrolle der ausgezeichneten Hofschauspielerin Hartwig übernommen, neben welcher Böttiger saß. Die Zuschauer klatschten Beifall, Hofrath Böttiger nicht minder; doch[197] als er wahrnahm, daß Frau Hartwig dies Beifallklatschen eines alten Freundes unwillig empfand, wollte er sie trösten, und rief ihr halblaut zu, indem er heftiger applaudirte: »Sie machen besser!«

Ein kräftiges funkelndes Mitglied des Liederkreises war Theodor Hell, dem wir so gemüthliche sinnreiche Lieder danken, soviel verständige Beurtheilungen neuer Erscheinungen in der Literatur schuldig sind. Schriftsteller haben zwei Sprachen, wie der Indier, ein Sanskrit und ein Prakrit. Das Sanskrit ist für die Gelehrten, das Prakrit für die Laien. Es ist wesentlich nothwendig, denn es wirkt unmittelbar auf die Masse ein. Zu dieser allgemein faßlichen Sprache gehört Scharfsinn, Gemüthlichkeit, gediegene Bildung, Klarheit und noch eine Menge von Dingen, die in der pomphaften Literatur für die großen Geister empfindlich fehlen. Wer für das Allgemeine schreibt, ist Meister und Bildner; wer für ein bestimmtes Publikum arbeitet, hat einen bedingten Wirkungskreis. Winkler hat durch die Abendzeitung viel Licht verbreitet, vielseitige Bildung ist aus ihr hervorgegangen. Seine dramatischen Arbeiten haben alle im hohen Grade den Werth der Genießbarkeit. Sein Fleiß war musterhaft.

Freiherr von Nostitz und Jänckendorf ragt aus den Linien der andern Mitglieder des Liederkreises hervor, nicht durch seine Verhältnisse als Edelmann und Minister, sondern weil er als beides das Gemüth und die Humanität hatte, ein Dichter und ein Beförderer des Schönen und Guten in einem so hohen Grade zu sein. Es ließe sich Vieles über seine höchst liebenswerthen Töchter sagen. Eine war die Rose des Geschlechts, eine andere die Nachtigal. Allen verleiht ihr innerer Werth noch Höheres als was der Welt bekannt geworden.[198] Ich werde noch Anlaß finden, von den andern Mitgliedern dieses schönen Kreises zu sprechen. Er hatte kein Vorbild, und wird vielleicht nie ersetzt, denn unsere Jetztzeit ist nicht was jene war. Von dem was unsere Vorältern entzückte, hat manches seinen Werth für uns verloren. Der Geschmack verlangt nicht blos etwas mehr, sondern noch vor allem etwas anderes.

Eines Morgens kam eine Freundin, Wilhelmine Lorenz, zu mir, um mir vorzuschlagen, auf den Abend die Gräfin Jaraczewska zu besuchen, welche nicht ausgehen könne, weil sie jetzt kränklicher als sonst sei, und mich doch gern bald möglichst kennen lernen möchte. Eine Scheu gegen neue Bekanntschaften hat nie entschieden bei mir vorgewaltet; ich kam mir dann immer vor wie Diogenes, der seine Laterne anzündet und auch bei hellem Tage selten findet was er sucht.

Die polnische Gräfin schickte ihre glänzende Equipage. Ich trat durch eine Menge Diener hindurch in den Speisesaal und Salon, wo ich eine hohe bleiche Dame in einem zierlichen Hauskleide an einem kleinen Stickrahmen fand. Sie lächelte mir mit feinem Blicke und klaren milden Augen entgegen. Ihre hohe herrliche Stirn umwoben goldblonde Locken; ihre Gesichtsfarbe konnte man eher weiß und zart, als bleich nennen. Man sah, daß das Misgeschick dem Alter zuvorgekommen war; so gibt es ja auch Rosen, die vor der Zeit erbleichen. Der Ton ihrer Stimme war angenehm und ausdrucksvoll. Ihr ganzes Wesen zeigte von unerhörter Lebhaftigkeit, durch Sitte gedämpft und in Einklang gebracht. Aus dem ersten Blick auf sie konnte man wahrnehmen, daß man eine ungewöhnliche Erscheinung vor sich hatte. Mein Mangel an Neugier hat mir eine Art Tugend beigebracht, sogar[199] Klugheit: ich frage niemand um etwas, was seine Verhältnisse betrifft.

Als ich nach einem langen Besuch von der lieben Gräfin mich beurlaubte, wußte ich von ihr nur, daß sie geistreich und liebenswürdig sei, und lebhaft wünsche, mich bald wieder zu sehen. Ihr Haus war sehr belebt durch Besuche von Polinnen. Alle machten Verstand, mehrere hatten welchen. Es fehlte nicht an Prinzessinnen. Alle Damen dieses Kreises waren angenehm, die Unterhaltung sehr lebendig, die Bewirthung glänzend. Herren traf man wenige dort; vielleicht aus Mangel an schönen jungen Damen.

Bei ihrem vielen Geiste hatte die Gräfin noch denjenigen Geist, der im Grunde sehr selten ist, nämlich seinen Geist zu verstecken. Dieser Kunstgriff ist ein Surrogat für den Geist, wo keiner ist; er bringt die Gesellschaft ins Gleiche. In diesen Kreisen war einem ungefähr zu Muthe wie in Pompeji und Herculanum. Pracht und Glanz war zwar noch frisch, aber die Städte waren Ruinen. Mitten in ihrer Herrlichkeit erstarrt nur noch die Lüge von dem was sie gewesen. Geistesheiterkeit, französisches Spiel mit dem Geiste, Prunkliebe, Gastlichkeit in hohem Grade herrschten hier.

Dresden war allen sehr theuer, wiewol die Gesellschaftsstunde nur der Mitternachtstunde glich, wo die Geister der Vergangenheit in Prunk und Putz sich versammeln, singen, tanzen, spielen, lächeln und sich geberden wie Lebendige. Aber die Stunde schlägt, wo alles zerstiebt. Doch diese Geister hatten Hoffnung; Napoleon sollte ihr Messias werden, wenn auch das Königreich Polen nur eine französische Provinz würde, wie zu jener Zeit jedes Königreich war. Und man schrieb schon 1818, und Napoleon schmachtete auf Helena![200] Die Polen sind kein gewesenes Volk, sondern ein erst werdendes; ihr Unglück selbst wiedergebiert sie. Es schlägt nur die Schlacken von ihnen herunter, damit der edle Kern einst desto prangender glänze. Die Polen sind gewesen, wie manches Volk nie eins gewesen ist; doch was sie waren, werden sie einst wieder sein, wenn auch für eine, vielleicht lange Zeit nur innerlich. In dem chemischen Proceß, der allen Völkern bevorsteht, werden ihre angeborenen Fehler sich läutern; was unhaltbar wird verdünsten, was edler Natur war, wird sich veredeln. Polen hat noch eine Zukunft.

Die wunderbare Frau, mit der ich beinahe ein halbes Jahrhundert hindurch im engsten Freundschaftsbunde lebte, ohne daß unsere Naturen im Einklang gewesen wären, liebte mich mit rührender Zärtlichkeit bis in den Tod. Vielleicht stimmte sie mit mir nicht immer überein, aber niemand hat mich jemals besser verstanden. Sie war poetisch, ohne eine wahrhaft poetische Natur zu sein. Von ihrer Psyche mit den schwirrenden Flügeln waren die Flügelspitzen eingeklemmt, doch die alte Schwungkraft war geblieben, aber gehemmt; ist dieser Zustand nicht ein Schmerz? O gewiß! Und nicht immer konnte sie diesen Schmerz verhehlen. Sie war zuletzt, ungefähr 20 Jahre vor ihrem Tode, einer innerlich gemeinen Natur in die Hände gefallen, welche manches eigenthümlich Schöne in ihr wenngleich nicht vertilgen konnte, dennoch zu entstellen wußte und sie hie und da sich selbst entfremdete. Mit unsaglicher Arglist wurde sie unterjocht, und jammerte darüber in selbstbewußten Stimmungen unhörbar, aber untröstlich. So saugt der Ichneumon dem Edelhirsch nach kühnem behenden Aufschwung langsam und schmeichlerisch das Hirn aus.[201]

Ein paar kecke Lügen in der Hölle geboren, schufen das ganze Geschick und das ganze Wesen dieser großen thatkräftigen liebevollen Natur auf das bejammerungswürdigste um, ohne daß es gelungen wäre, sie im geringsten zu entwürdigen; denn ihr Wille blieb schön, ihr Bewußtsein rein, ihr Herz weich und gut, nur ihr Muth war gesunken, ihr schöner Glaube an Menschenwerth umdüstert, ihre Begriffe in Unklarheit gerathen und der Standpunkt, von welchem aus sie die Welt anschaute, verschoben. Ich habe nur wenige Menschen gekannt, die bei religiöser Schwärmerei so mild waren und blieben wie sie, die bei dem Hange zur Wohlthätigkeit so für die Zukunft besorgt waren wie sie, und in der eigenen Brust den vollen quillenden Strom der Milde so mühsam dämmten.

Durch Familienverhältnisse stand ihr jemand nahe, dem nichts angelegener sein mußte, als ihrem Herzen wohlzuthun und sie vor jedem Ungemach zu beschützen. Dieser Jemand, den ich nicht näher bezeichne, wurde bei ihr durch fanatische Lügen verdächtigt, als wolle er sie auf irgendeine Weise um das Leben bringen. Die edle Frau glaubte dies. Und so wurden denn ihre letzten Jahrzehnde durch Argwohn und Furcht vergiftet, durch kleinliche Sorgen getrübt. Herrschsucht, und vielleicht etwas Niedrigeres war die Triebfeder dieser Handlungsart. Der Schmerz um die Schicksale ihres Vaterlandes trug zu ihrer Schwermuth bei. Niemand hatte jemals in glänzendern, ehrenvollern Verhältnissen gelebt als sie; doch diese Verhältnisse wurden aufgelöst, oder doch getrübt. Das ehemals so angenehme Haus wurde verödet, die gesellige Natur der herrlichen Frau in ihren edeln Regungen gestört. Ich will nicht mehr von diesem allen sagen, weil ich das Bild, welches ich mit solchem[202] Schmerz entwerfe, nicht zu deutlich bezeichnen will. Wenn jemand unternommen hätte, das Opfer zu enttäuschen, so würde ihr das Herz gebrochen sein. Gehen wir zu ihrem Geschick über.

Die Gräfin Jaraczewska war sehr jung Witwe geworden und lebte fort, weil sie leben mußte. Ihr Herz war nicht mehr auf Erden. Ihr ganzer Sinn war auf innere Veredelung gestellt, ihr einziger Trost der Gedanke an das Jenseits. Sie verschmähte nicht durch äußere Zeichen ihren Kummer kund zu thun. Nie erschien sie in bunten Farben; keine Vergnügung lockte sie. Wenn eine große Berühmtheit nach ihrem Aufenthaltsort reiste, so suchte sie den Kreis ihrer Bekannten des seltenen Genusses theilhaftig zu machen, doch sie blieb fern. Es schien ihren Kummer zu erleichtern, wenn sie Entsagung übte, irgendeinem Hange zur Zerstreuung und Genuß widerstrebte.

Ich habe ein junges liebenswürdiges Fräulein gekannt, welcher der Tod eine theuere Schwester entrissen hatte, diese wollte das geliebte Andenken durch Entsagungen feiern. Doch auch in dieser Hinsicht ist zuweilen das Leben arm. Friederike von D. fand kein anderes Mittel der Schwester ein Opfer zu bringen, als daß sie keine Erdbeeren aß, weil diese der Schwester Lieblingsspeise gewesen. Ich schrieb in das Stammbuch dieser Freundin:


Kannst du glauben was im Herzen

Innre Stimme dir verheißt?

Kannst du schau'n das Licht der Schmerzen,

Das den Weg zum Himmel weist?


Kannst du für die Wahrheit leiden,

Treu wie er, der dich erkor,

O so wird von dir nicht scheiden,

Was dich ewig hält empor.
[203]

Kannst du lieben die Bedrängten,

Welche kalt Engherz'ge fliehn,

O so wird dem dir verhängten

Lose ew'ge Freud' erblühn!


Glaube, hoffe mit Vertrauen,

Denn dein Engel schwebt um dich!

Glauben, Hoffen, Ahnen, Schauen,

Alles schließt die Lieb' in sich.


Eine Familie, welche die Gräfin Jaraczewska mit Wohlthaten überhäuft hatte, übte schweren Undank an der großmüthigen Frau. Warum ist Wohlthätigkeit die Erzeugerin des Undanks, dieses schnödesten aller Laster, dessen sich selbst die verworfensten Thiere selten schuldig machen? Wie wenige Menschen kommen dem Hunde an Dankbarkeit gleich! Jene Familie war auf nichts Geringeres aus, als die Gräfin um ihr Witthum zu bringen, und durch beispiellose Ränke war es diesen Ruchlosen gelungen, ihr dasselbe für die letzten zwanzig Lebensjahre zu verkümmern. Die Gräfin hatte die Mutter jener Verwandten im Sinne des Worts vom Hungertode gerettet, die Tochter fürstlich erziehen lassen und ausgestattet. Nicht zu gedenken der übrigen zahllosen Wohlthaten, die sie ihnen zugewendet.

Sie hatte gerichtlich versprochen, jenen Verwandten jährlich 3000 Thaler von diesem Witthum zu zahlen. Als die Gräfin Posen verließ, wohin sie eine Reise gemacht hatte, baten sie jene: sie möchte den nächsten Jahresbetrag dieser Pension für sie bei einem Bankier deponiren, damit sie ihn nach Ablauf des halben Jahres kostenfrei bezögen. Diese Bitte schien natürlich und angemessen, und die Gräfin nahm keinen Anstand sie zu erfüllen. Sie reiste sorglos fort.[204]

Als das Jahr um war, empfing sie keine Quittung von der Familie V. Zugleich wurde ihr von der Behörde angezeigt, daß die Familie V. den Sequester auf ihr Einkommen gelegt hätte, welches aus jährlichen 24,000 Thalern bestand, weil die Gräfin ihnen ihr Legat von jährlichen 3000 Thalern unbezahlt gelassen.

Dagegen wendete der Advocat der Gräfin vergebens ein, daß die 3000 Thaler beim Bankier derselben für die Familie V. deponirt lägen und daß dies auf Verlangen der Familie V. geschehen sei. Die Behörde versetzte, daß die Gräfin auf dem ordnungsmäßigen gesetzlichen Wege der Bezahlung hätte bleiben sollen,–und die Sache wurde so verwickelt, so entstellt, daß die edle Frau erst über zwanzig Jahre nach Anfang des Processes die letzten 24,000 Thaler, welche ihr zukamen, auf ihrem Sterbebette empfing. Sie schob sie mit der matten Hand von sich, und starb in Gott ergeben, verzeihend den Räubern, und betend: »Herr, vergib ihnen, sie wußten nicht was sie thaten.«

Die Gräfin Jaraczewska hatte unmittelbar nach Anfang des Processes ihr kostbares Silberservice und ihre Juwelen weggegeben, um sich ein Einkommen zu versichern, von welchem sie sparsam und bescheiden leben konnte, und zugleich ihr ganzes Hauswesen auf das strengste eingeschränkt. Standhaft ertrug sie den Verlust ihrer Kostbarkeiten; aber der Undank schnitt ihr in das Herz.

Von den Namen der polnischen Damen dieses Kreises der Jaraczewska erinnere ich mich nur einiger, die sich mir mit besonderer Freundlichkeit näherten: die Prinzessin Czetvertyska, die Gräfinnen Racziberowska, Jablonska, Olenska, alle ausgezeichnet durch Geist und Güte. Der edle Krieger Graf Kniazewitsch kam oft hin. Es war[205] einem unter den Damen zu Muthe, wie unter heiterm Himmel in einem duftenden Blumengarten. Dennoch war ich mit der Gräfin am liebsten allein, denn zu zweien brach ihr Schmerz meist wie Nachtigalklagen durch ihr Wesen hervor.

Ich blieb noch in Dresden zurück, als die Gräfin es verließ. Ein besonderes Gefühl bemächtigt sich meiner, wenn ich von einem lieben Freund Abschied nehmen komme, und noch einmal in die nun leeren Zimmer trete, um auch von den Räumen, wo ich beseligt war, Abschied zu nehmen. Auf dem Fenster stand eine verwelkte Passionsblumenstaude; ich nahm sie mit, sie erholte sich, trieb Knospen, spendete wieder Blumen, und sogar eine Frucht, welche aber nicht reif geworden ist.

Erst in Baden fand ich die geliebte Freundin wieder. Sie hatte mir oft von Arenenberg erzählt, wo die Königin Hortense sie so liebevoll empfing. Sie sprach gern vom Prinzen Napoleon, dem Sohne des Königs von Holland, von dessen rührender Herzensgüte sie manchen Zug im Gedächtniß bewahrte. In einem ihrer Albums befand sich eine Abbildung vom Wohnzimmer der Königin, welche ich mir oft zeigen ließ.

Auch die Familie des Baron Oelsen mußte aus dem lieben Dresden scheiden. Sein Haus war am Geburtstage des Königs Friedrich August unbeleuchtet geblieben, wahrscheinlich aus Versehen; denn der Gesandte war auf seinem Landgute Vietnitz. Gewiß hatte der edle König die dunkeln Fenster an dem Abende nicht beachtet, wo der Aermste sein Freudenöl in eine Lampe goß, damit es leuchte.

Seit vielen Jahren hatten die freiberger Bergleute von ihrem Solde zurückgelegt, um dem geliebten König[206] einen Fackelzug zu bringen; wenn ich mich recht erinnere, wurde dieser Festzug abgelehnt, und die Bergleute betrübten sich von Herzen darüber.

Am Jubelfest der Regierung Friedrich August's wagte es der Hofgärtner zu Pillnitz, einer der ältesten und treu ergebensten Diener des königlichen Hauses, die Königsfamilie zu einer Collation in seinem Gartenhause einzuladen. Jedermann staunte, daß der König die Einladung annahm. Niemals war Gleiches geschehen. Die ganze Umgegend hatte sich vor dem Hause versammelt. Ein Sängerchor führte ein patriotisches Lied auf; in den Chor fielen alle Zuschauer des Festes ein. Dieser Augenblick war herzerhebend. Die königliche Familie war zu Fuß vom Schloß in das Gärtnerhaus gegangen, und wurde unterwegs viel tausendfach begrüßt.

Auch bei der Ankunft der kaiserlichen Prinzessin von Oesterreich zeigte sich der Antheil des Volks liebevoll und bedeutsam. Gedrängt standen die Zuschauer vor den Fenstern des Speisesaals, und freuten sich ungemein darüber, daß Prinz Friedrich August und seine Brüder sich unter das Volksgewühl gemischt, um ganz im Stillen die junge Braut zu sehen, die der Kronprinz der Etikette gemäß erst andern Tags sehen durfte.

Im Herzog-Max-Garten lagen die Gärtchen der königlichen Kinder in Abtheilungen nebeneinander. Zum Andenken der Prinzessin Josephine, nachherigen Gemahlin Ferdinand's VII. Königs von Spanien, wurde ein Baum gepflanzt. Er ging ein. Die trübe Vorbedeutung wurde tief empfunden, und erfüllte sich. Die junge Braut ging übrigens ihrer Bestimmung gern entgegen. Man konnte nicht wahrnehmen, daß die Convenienz dies Band geschlossen hatte; denn Herz und Seele der jungen Prinzessin waren thätig dabei, und der unverhehlte Schmerz der ganzen[207] Familie schloß die Bande der Liebe fester, unauflöslicher um alle ihre Mitglieder her.

Josephine hatte sich stets etwas abgesondert. Die unendliche Liebefülle in ihrer Brust war ein verborgener Hort, den sie aus Zartheit nicht vor fremden Augen funkeln ließ. Doch beim Abschied, da sie die Innigkeit fühlte, womit der ganze Kreis der Ihrigen sie umfing, ging ihr Herz unverhohlen auf, und man sah, wie wohl es ihr that, auch ihrer Zärtlichkeit und ihrem Schmerz freien Lauf zu lassen. Die Familie des Herzog Max lebte an schönen Tagen fast ganz im Freien. Der Garten ihres Vaters war ihr Concertsaal. Alle diese liebenswürdigen Geschwister waren theils als Musiker, theils als Dichter hochbegabt. Sie zeichneten sehr schön. Prinzessin Amalie war bekanntlich die Dichterin der Dramen, welche in fünf Bänden abgetheilt sind, und ist wol die erste Prinzessin, die Honorar genommen. Ihre Stücke werden bekanntlich sowol in Dresden als in andern Städten mit Erfolg gespielt. Der Ertrag war für ein Waisenhaus bestimmt, welches die edle Tochter der Throne vom Ertrag ihrer Arbeiten erbauen ließ. Alle solche Zeitmomente sind neu, sind hocherfreulich.

Erst in Dresden wurde es mir vergönnt, die Gemahlin des Königs Max Joseph von Baiern, mit der ich im Briefwechsel stand, selbst zu sehen. Sie ließ mich rufen. Ich brachte schöne Stunden bei ihr zu. Man könnte von ihr sagen: Ihr Geist war herzig, und ihr Herz geistvoll! In einer Reihe von Liedern, die ich ihr gesungen, hat mir nicht eines genügt, sie ganz nach ihrem innern Werth zu schildern; denn sie überbot stets jede Erwartung, die man sich von ihrer Herzensgüte, von ihrer seelenvollen Huld machte. Sie verweilte lange in Dresden. Ihr Herz mußte hier heimisch[208] werden, wo die Natur so reich, die Kunst so großartig waltete.

Auf der Brühl'schen Terrasse veranstaltete Hofrath Böttiger eine Ausstellung neuer Kunstwerke im dortigen Saal, um der königlichen Familie von Baiern den Gesammteindruck des Zustandes der Kunst zu gewähren. Froh und bereitwillig sandten alle Künstler die Werke, welche sie zu Hause hatten, dorthin; nur Einer blieb zurück. Als die Aufforderung Böttiger's an ihn gelangte, äußerte er lakonisch: »wenn die Königin etwas von ihm sehen wollte, so möchte sie zu ihm kommen!« Die geistreiche Frau nahm diese Sache sehr gut auf, und kam. Es mag unter denen, welche ihre Gemälde nach der Brühl'schen Terrasse schickten, manchen leid gethan haben, daß sie es nicht auch so gemacht. Es waren sehr geistreiche Männer unter ihnen. Vogel von Vogelstein, dem die Fresken im Schloß Pillnitz aufgetragen waren, hat mich für seine Sammlung gezeichnet. Dies Bild ist wol das beste, das von mir existirt.

Wir besuchten Vogel sehr oft in Pillnitz, und stets mit neuer Freude an ihm, an seinem Schaffen und Walten. Eine seiner vielen Eigenschaften, die mich am unwiderstehlichsten anzogen, ist die innige Verschmelzung des Wahren mit dem, was man Ideal zu nennen pflegt. Seine Gestalten sind was Schiller's »Mädchen aus der Fremde«. Aus der anspruchslosen Wahrheit geht die Anmuth hervor, frisch wie eine neu aufgeblühte Rose, ungesucht und freimüthig wie die heitere lebensvolle Kraft. Vogel war zugleich sehr liebenswürdig als Meister. Seine Schüler arbeiteten beseligt unter seiner Leitung.

Als die Königin Karoline nach Dresden kam, trauerten wir schon um Kügelgen's Verlust. Es gibt Begebenheiten,[209] bei denen das Auge des Leidenden fragend wie ein stiller Vorwurf gen Himmel schaut. Eine solche war des herrlichen Kügelgen's Ermordung. In Kügelchen wog an innerm Werth und äußerer Vollendung der Künstler den Menschen, der Mensch den Künstler auf. Eine lyrische Natur war er nicht; treuer aber hat wol niemand nach Vollendung und innerer Schönheit gestrebt als er.

Professor Hartmann, der erste Lehrer meines Sohnes Max, verstand die zarte innige Natur seines jungen Schülers. Alles was Max unter seiner Leitung gezeichnet, war von großer Feinheit und Innigkeit. Diese Bilder sind mir leider alle geraubt worden, darunter auch ein entzückendes Jugendbild meines Sohnes, worin seine ganze Seele lebte.

Was soll ich von Friedrich, von Dahl, was von Retsch und dem ganzen glänzenden Kreise der Künstler sagen, die damals in Dresden blühten! Auch ein Herrmann empfing hier seine erste Bildung. Es war eine schöne Zeit! Sie wurde getrübt wie alles Schöne auf Erden. Doch nur im Kampf wachsen dem Muth die Adlerschwingen; der Kampf bringt Gott nahe, und empfängt seine Palme von ihm, sei es die des Sieges, oder die des Märtyrthums.

Karl Herrmann war Schwestersohn meiner geliebten Freundin Wilhelmine Willmar. Sein geistvoller Vater, ein geschickter Rechtsgelehrter, hinterließ den Seinigen kein Vermögen. Er war kein Charlatan, kein Intruigant. Eine der letzten Sachen, die er übernahm, war die Vertheidigung jenes Unglücklichen, der im Wahnsinn seiner Leidenschaft Meuchelmord begangen, um seine Bibliothek zu vermehren. Sein letztes Opfer war eine alte reiche Frau. Er wurde entdeckt, belangt und zum Tode verurtheilt. Ich kenne die nähern Umstände des[210] Processes nicht genau, aber wenn ich mich recht erinnere, so wollte der Advocat Herrmann das Verbrechen seines Clienten aus seiner unbezähmbaren Leidenschaft für Bücher herleiten, die ein Wahnsinn war, und ihn vermöge dieses Zustandes für unzurechnungsfähig erklären. Ach welch Verbrechen ist kein Wahnsinn? Wollte man überhaupt die Unthaten, die geschehen, von diesem Standpunkte aus untersuchen, so würden die Breter der Schaffotte blank bleiben; denn der Mensch beschönigt sich immer die Beweggründe zu seinen Vergehungen. Der Feind Gottes, der Böse, weiß seine Opfer durch Selbstverblendung zu bethören. Gleichwol gibt es mehr Teufelsleugner als Gottesleugner, und Satan hat eine gewisse Allgegenwart; er wohnt in jedem Herzen, das sich von der Wahrheit und der Liebe abgewendet.

Muthig, beharrlich, in Gott ergeben, rang sich Herrmann zur Selbständigkeit empor. Die Selbstrenge ist etwas sehr Schönes, besonders wenn sie mit der Milde gegen andere gepaart ist. Erbarmen ist die echte Schwester der Tugend! Der Schonungslose, Eigengerechte steht Gott ferner als der Gefallene selbst, denn dieser kann sich wieder aufrichten. Die Selbsterziehung des Menschen bringt die glücklichsten Erfolge hervor, weder Beispiel noch Lehre wirken so kräftig wie sie, und ohne sie vermögen beide wenig.

Ich weiß nicht, ob das heutige Dresden das alte geblieben ist; doch möchte ich es fast glauben. Im Allgemeinen wirkte das Beispiel von oben herab auf das ganze Volk, dies thut es gewiß noch immer.

Die französische Revolution hat ihrer Zeit kräftig gewirkt, einen tiefen heilsamen Schnitt in die Verderbtheit der großen Welt gethan und das Unkraut von der Regentschaft ausgejätet. Wenn große Herren auch noch Maitreffen[211] halten, so wird doch dieser Passion nicht mehr von rechtschaffenen Menschen gehuldigt.

Die katholischen Geistlichen gestehen gern ein, daß die Reformation wohlthätig auf die katholische Religion selbst gewirkt habe. Zur Zeit meines Aufenthalts in Dresden konnte man das deutlich sehen. Dem Sachsen ist es Ernst um die Religion; und wer aufrichtig religiös ist, liebt auch die Sitte, und ist Freund der Tugend.

In den meisten Beziehungen ließ es sich in Dresden angenehm leben, die Parteien standen einander nicht schroff gegenüber. Vorgänge wie ich in München erlebt, konnten nicht stattfinden. Kein Eberhard hätte auf offener Kanzel Worte wie diese donnern dürfen: »Wehe dir Weib eines Protestanten, welche die Frucht ihrer Ehe im Schos trägt und zur Welt bringt! Dir wäre es besser, du hättest eine Natter geboren.«

Die Bekehrungsversucher blieben in den Schranken der Mäßigung. Jene dritte Partei, die eine Scheidung bewirkt hat, die der Herrnhuter, oder wie man sie sonst nannte, welche die übrigen Glaubensgenossen in der Anzahl überbietet, hielt sich durchaus friedlich, störte nicht und wurde nicht gestört. Dies alles ist wahrscheinlich so geblieben, auf dem Wege zum Guten.

Der Weg zur Seligkeit ist kein breiter, aber die Friedfertigen können nebeneinander gehen.

Otto Heinrich Graf von Loeben wird als Dichter und Mensch unvergessen bleiben; er ist eines wehmuthvollen Andenkens werth. Der bedingende Drang des Lebens hat sein Leben freudlos gemacht, weil er ihm widerstand, ohne seine Fesseln kräftig abschütteln zu können. Er gehörte zu denen meiner Freunde, welche die treuesten und ergebensten waren, und mich am besten verstanden. Er war voll Hingebung, durchaus zart in[212] Gefühl und Bezeigen, durchaus rein in jedem Sinn. Seine Gattin, eine Geborne von Bressler, liebte ihn zärtlich, obwol beide ganz verschiedener Natur waren. Sie verletzte ihn oft, ohne es zu ahnen, immer ohne es zu wollen. Ihre Neigungen gehörten der großen Welt. Aber die Zustände widersprachen diesen Neigungen. Sie besaß ein anständiges aber beschränktes Vermögen, nebst der Aussicht auf ein glänzendes. Graf Loeben war nicht reich. Es gibt Dichter, die reich sein müßten, damit ihre Lage nicht hinter der Phantasie zurückbliebe, die unaufhörlich ersehnt, was das Leben versagt.

Jeannette sah klar ein, daß Graf Loeben sich in der Arbeit des Schreibens und Dichtens verzehrte, daß Zerstreuung, Erheiterung nöthig seien, um seiner Luftschiffahrt den nötigen Ballast zu geben. Sie veranlaßte Besuche, die ihn vom Schreibtisch wegriefen, dies marterte ihn. Er sagte: seine Augenblicke seien heilig! Er hätte gar zu gern nur mit Gleichgesinnten verkehrt; er fand wenige und konnte dieser wenigen nicht nach seinem Wunsch habhaft werden; dadurch wurde sein Leben in Kriegszustand gesetzt. Es dauerte manches Jahr, bis die zart und leidenschaftlich fühlende Gattin einsah, daß hier ein Opfer gebracht werden mußte. Sie mußte entweder ihren Hang zur Welt, oder er den seinigen zur Poesie aufgeben. Sie liebte ihn zu innig, um nur einen Augenblick anzustehen; doch es war zu spät. Der Kampf mit dem Leben und der Welt hatte ihn zu gewaltsam angegriffen. Er ging einem qualvollen Ende entgegen.

Einige Spottvögel gaben ein Werkchen heraus, benannt: »Unser Verkehr.« Darin heißt eine Person »Isidorus Morgenländer!« Es war witzlos, seelenlos. Eine stupide Menge liebt solche Machwerke. Die Gemeinheit labt sich daran! Isidorus Morgenländer's Person sollte Graf[213] Loeben lächerlich machen, es gelang aber nicht. Hirnloser Spott erfreut nur hirnlose Menschen! Graf Loeben dagegen fuhr der Spottpfeil ins Herz, und er erholte sich nicht mehr davon, so wenig als sich Baron Malsburg erholte, als Müllner einen Ausdruck in einem seiner Gedichte benutzte, um zu sagen, er dichte »alltäglich«. Hier heißt es leicht »mit Worten tödten«! Und ein Kampf mit ungleichen Waffen ist gefährlich, diese bieten dem edeln Gegner Vortheile, die er nur verschmähen kann. Heiße Wehmuth um die Geschicke seines Vaterlandes hatte sich der Seele meines Freundes bemeistert, seit dem schönen Lande das Korn, das Holz und das Salz genommen waren. Er hätte sich darüber nicht so kränken sollen, die moralischen Schätze waren dem Lande geblieben. Es hatte den Eid der Treue gehalten.

Graf Loeben's dichterisches Talent war unter dem Einfluß der sogenannten Romantischen Schule aufgeblüht, auf die Novalis am durchdringendsten gewirkt. Er fühlte und dachte in seinem Geist und Sinn, war fromm und keusch wie dieser. Die Schule war nicht eigentlich das was Goethe gewollt. Die deutsche Sprache hat ihr viel zu danken doch durch das Hereinziehen der fremden südlichen Formen und Elemente ist im innern Kern eine Verletzung entstanden, davon sie schwer wieder genesen wird.

Die Geschmeidigkeit und Eleganz August Wilhelm Schlegel's reichte nicht immer aus, den fremden Formen Weichheit und Natürlichkeit zu verleihen.

Dorothea von Schlegel sprach uns Frauen alles Urtheil ab; dies war doch auch ein Urtheil, und sie selbst war der Gegenbeweis dieses Satzes, denn sie urtheilte scharf und klar. Ihre Absprechung ist mir nur eben eingefallen, weil ich mein eigenes Urtheil zuweilen geändert habe.[214]

August Wilhelm Schlegel habe ich lange überschätzt, vielleicht weil ich ihn persönlich kannte. Er hatte schöne feine Formen des Umgangs, welche für ihn gewannen. Ich war sehr unglücklich, als ich ihn kennen lernte. Er zeigte Mitgefühl. Meiner Dankbarkeit erschien alles, was von ihm ausging, in einem höhern Lichte. Zuletzt aber habe ich eingesehen, daß er engherzig und selbstsüchtig war. Sein Bruder klagte bitter darüber, und beide erkalteten ganz und gar gegen einander.

Graf Loeben hatte aus der Schule viel Deutschheit gerettet, mithin beinahe gar keine eingebüßt. In seiner Natur war echt deutsche Gemütlichkeit, angeborene Anmuth. Die Gemälde der altdeutschen Schule brachten ihn zum Katholicisiren; dies war auch mir geschehen. Hat aber doch auch Herder Legenden gedichtet! Auch La Motte Fouqué, der aus dieser Schule hervorgegangen war und eine Manier gefunden hatte, die alle seine Schriften genießbar machte, aber dennoch Manier blieb, gehörte zu den Dichtern katholischer Art; ebenso auch Clemens Brentano. Am freiesten steht Achim von Arnim unter den Dichtern dieser Zeit, zu welchen wir auch Werner rechnen müssen. Graf Loeben hat viel in Prosa geleistet; manches davon verdient auf die Nachwelt zu kommen. Seine »Lotosblätter«, ureigenthümlich, athmen Novalis' Geist. Seine zwei Bände »Novellen«, nach Boccaccio, sind geläutert und im deutschen Geist übersetzt oder vielmehr nachgebildet. Widerwärtig berührt uns darin das stockaristokratische Element. Die deutschen Worte über das Werk der Frau von Staël, »Deutschland«, haben großen Erfolg gehabt, und sind, bis auf einige Irrthümer, voll Geist und Wahrheit. Frau von Staël war mit dem Werke des Grafen Loeben unzufrieden. Sie glaubte vielleicht, die vielen Geister, die[215] bei ihrem Werke thätig gewesen, müßten ein Meisterstück hervorgebracht haben; denn einer der Fehler der großen Schriftstellerin war ihr Mangel an Selbstvertrauen. Sie begnügte sich nicht, ihre Werke öfters umzuschmelzen, sondern es mußten bei der Umschmelzung Freunde thätig sein, von denen mehrere ihr nicht das Wasser reichten; sie begnügte sich nicht mit der Umschmelzung der Handschrift, sondern das Werk wurde zuweilen fünf mal umgedruckt. Es wäre merkwürdig, wenn der erste Abdruck wiedergefunden würde, er gäbe gewiß die rechte Leseart.

Man fühlte sich in Graf Loeben's Hause behaglich, besonders wenn der Gesellschaftskreis ein kleiner war. Wie soll man leicht Menschen finden, die zueinander passen, wenn man doch manchmal nicht zu sich selber paßt, und sich selbst entfliehen möchte!

Graf Loeben war zu unserm Freund Justinus Kerner gezogen; auch dort konnte er nicht mehr genesen. Er schrieb mir von dort zu meinem Gebutstag einen langen Brief, der schon Luft vom Jenseits athmete. Ich las ihn bei Dorothea von Schlegel. Unser Freund Baron Klinkowström war zugegen. Er sagte: »Sie werden keinen Brief mehr von Graf Loeben empfangen, denn so schreibt man nur seinen letzten Brief!« Er hatte Recht. Bald folgte die Todesnachricht.

Im Salzkammergut fand ich einige Jahre später die Gräfin von Loeben wieder. Sie war dort mit den liebenswürdigen kurländischen Prinzessinnen, ihren theuersten Freundinnen. Wir feierten ein schönes Wiedersehen, durchglüht vom Morgenstrahl der Ahnung des ewigen Wiederfindens. Das irdische Leben ist das Unterpfand der himmlischen Zukunft! Damals besaß ich noch kein anderes,[216] als das, was die Stimme des Glaubens verheißt. Nach dem Tode meines Sohnes Max wurde mir manches neue Unterpfand zu Theil. Vielleicht spreche ich noch davon, auf die Gefahr hin, verspöttelt zu werden. Denn es werden Zeiten kommen, wo man nach allen Ueberzeugungen von der Nähe und Theilnahme der Vorausgegangenen ringen wird; dann wird jeder einsehen, daß der Alliebende mir vor vielen andern soviel Huld gewährte, um mich zu trösten, die noch so manches Jahr leben mußte, nachdem ihr alles entrissen worden, was das Leben werth macht.

Indeß meine Söhne bei ihrem geliebten Lehrer, unserm verdienstvollen Freund Kaden, liebevollen Unterricht genossen, brachte ich die Morgenstunden meist auf der königl. Bibliothek zu, wo man mir ein breites Fenster mit einem Bureau angewiesen hatte. Hier standen die Chroniken, aus denen ich Auszüge zu meiner Dichtung: »Die drei weißen Rosen«, machte. Als ich diese einst bei Karoline Pichler las, äußerte Friedrich Schlegel das freundliche Wort: »Sie hat die Farbe und die Liebe der alten Zeit!« Geheime Legationsrath Beigel, der Oberbibliothekar, entsprach gern dem Wunsch seines hochverehrten Chefs, des Oberkammerherrn Freiherrn von Friesen, daß man allen meinen Wünschen auf das freundlichste entgegenkommen möchte. Große Körbe von seltenen Werken kamen mir gleichsam in das Haus gelaufen, denn die Morgenstunden auf der Bibliothek genügten meinem Eifer nicht, und ich arbeitete doch am liebsten auf der Bibliothek selbst. In Berlin wurde ich darin eingeschlossen, und einmal vergaß man, mich am Abend zu rufen, es war im Sommer, doch es dunkelte schon. Es gelang mir endlich einen abgebröckelten kleinen Stein zu finden, ich warf ihn durch das Fenster hinab auf einen Studenten, der mit dem[217] Schließer dann heraufkam mich zu befreien. Bei jeder geistigen Arbeit ist es die belohnendste Zeit, wenn man sie hervorbringt!


O sel'ge Zeit des Strebens und des Ringens!

O Himmelslust in eines Menschen Brust!

O Seligkeit des Schaffens, des Gelingens!


Diese Worte quollen aus meinem Herzen in mein Gedicht. Die darin behandelte Sage »von der Entstehung des Familienwappens von Malsburg« ist dürftig, und vielleicht erfunden, doch sie hat Anmuth; mehr verlangte ich nicht von ihr. »Graf Loeben's Familiensage« ist viel reichhaltiger und viel dankbarer für die Bearbeitung. Die von »Baron Oelsen's Wappen« ist rein erfunden. Was schadet das, wenn die Erfindung nur gefällig ist! Wahrheit und Wirklichkeit sind zweierlei; wo die Wahrheit blüht, bedarf es der Wirklichkeit nicht. Wo die Schönheit lebt, da ist Wahrheit; der Wirklichkeit kann man entbehren.

Es war 1821, als mir ein Bildchen zugesandt wurde, auf welchem die drei weißen Rosen auf blauem Grunde sehr zierlich abgebildet waren; auf einem Zettelchen, mit einem Rosenzweig, standen zwei Zeilen des Gedichts:


Mögst jeder Brust so reine Lust gewähren,

Wie mir entquoll aus deinem Blumenhort!


Es war mein Freund Karl Constantin Kraukling, der die sinnreiche Wahl dieser Zeilen aus den »Drei weißen Rosen« getroffen hatte. Seit 1823 sind wir getrennt, nachdem wir uns seit 1816 gekannt. Heiterer, liebevoller war nie ein freundschaftlicher Umgang als der[218] zwischen uns, der mich so manches Jahr beglückte, und auch in der Ferne einen Lichtpunkt der seligsten Erinnerung aus der Vergangenheit bildet.

Ich mußte Dresden verlassen, das schöne liebe Dresden, weil meinem ältesten Sohn Wilhelm ein Bad vom Dr. Kranichfeld, Leibarzt des Grafen Stroganow, verordnet war; und da er mir die Wahl ließ, das Meerbad oder das Schwefelbad in Baden bei Wien zu nehmen, so zog ich das Schwefelbad vor. Karl Maria von Weber stimmte zwar für Norderney, doch das war entlegener, und Dr. Kranichfeld hatte versichert, das Schwefelbad würde ebenso vortheilhaft wirken wie jenes; dazu kam, daß ich die »Euryanthe« gern in Wien hören wollte und dort sehr liebe Freunde hatte. Der Doctor hatte versichert, es würde mit einer Badecur nicht abgethan sein. Dies war ein Grund nach Wien zu gehen, wo es jedenfalls besser war zu überwintern, als in Norderney. Es war an einem schönen Junimorgen; Krauklings hatten die ganze Nacht bei mir zugebracht. Sie begleiteten mich noch bis zu Ende der Brühl'schen Terrasse. Unsere Wehmuth war heiß und tief. Mir ahnete nicht, daß ich die lieben Freunde hier auf Erden nicht wiedersehen sollte. Wir schieden ohne Thränen, ohne Worte. Beide konnten uns nicht genügen, der Schmerz war zu heiß, zu tief, und die Liebe zu groß. Nie hatte ich etwas Süßeres und Treueres gekannt als diese beiden. Mir genügen in diesem Augenblick nur die Worte von Ernst Moritz Arndt:


Was blühend im reichen Herzen

Die Jugend so lieblich umschloß,

Ist jeglichem Laute der Schmerzen,

Ist jeglichem Lobe zu groß.
[219]

Alles was ich von diesen Freunden zu sagen habe, ist so schön, so selten auf Erden zu finden, daß ich die Bescheidenheit meines Freundes, der noch lebt, verletzen würde, wenn ich es nur ganz einfach erwähnte. Ich fand in ihm die höchste Redlichkeit und Offenherzigkeit mit der wohlthuendsten Zartheit vereinigt, den unerschütterlichsten Glauben an das Bessere im Menschen, die besonnenste Behutsamkeit, gepaart mit der unbedingtesten Hingebung. Als ich ihn verließ, besaß er noch sein geliebtes Weib und sein Söhnchen Julius. Der Tod entriß sie ihm beide. Nur ein so von oben herab gestärktes Herz kann einen solchen großen Verlust so stark und freudig tragen.

Wenngleich meine Erinnerungen keine Lebensgeschichte sind, so ist es doch mein Vorsatz, nichts darin zu übergehen, was die Ueberzeugung von der Würde und dem Edelmuth des Menschengeschlechts im allgemeinen wecken und bethätigen kann. Vor vielen andern gehört in diese Reihe die edle musterhafte Familie Kaskel. Bei derselben bin ich durch die Rücksicht gebunden, daß ihre Bescheidenheit leicht zu verletzen ist, und man kann doch von ungewöhnlichen Tugenden und Eigenschaften nicht gleichgültig sprechen. Die Familie, die schon damals sehr ausgebreitet war, hat, seitdem ich Dresden verließ, noch viele Mitglieder gewonnen, welche alle derselbe Geist beseelt, dasselbe Herz durchwallt. Das Haupt der Familie, der verstorbene Bankier Kaskel, hielt mich und die Meinigen so werth wie ein eigener Vater. Er sprach nie von seiner Freundschaft, er bewies sie blos. In jeder Regung des Wohlwollens, und in jedem Ausdruck des Gefühls nahm man die herzigste Einfachheit wahr. Alles was diese liebenswerthen Menschen dachten, sagten und thaten, ging aus innerer Nothwendigkeit hervor, und[220] zeigte von Gewöhnung des Guten und Schönen. Man sah, daß der Blick ihrer Seele stets auf ihr Herz gerichtet war, und daß beide stets im Einklang blieben. Ihre Zeit war durch häusliche Pflichten sehr bemessen, daher auch ihr Kreis sich auf den nothwendigsten und liebsten Umgang beschränkte. Musik belebte die Winterabende, künstlerische und ästhetische Gespräche blieben stets von Anmaßungen frei; wirkten deshalb um so erquickender.

Ich kann nicht verhehlen, daß Frau Sarah Kaskel, der ich während der sechs Jahre meines Aufenthalts in Dresden soviel zu danken hatte, jetzt am Rande meines Grabes mich noch neu belebt hat. Sie und ein Verein von Freunden und Freundinnen, der mir nicht mit Namen bezeichnet worden ist, sowie eine Majorin S., eine Frau von Geist, Seelengüte und Liebenswürdigkeit, haben mich noch kräftig unterstützt; denn ausgeraubt von frechem Diebsgesindel wäre ich meinen Widerwärtigkeiten unterlegen, wenn diese großmüthigen Hülfsleistungen nicht unerbeten zu mir gelangt wären, als es noch Zeit war. Einige wohlmeinende Freunde hatten in meiner trostlosen Lage das Mitgefühl edler Menschen für mich kräftig aufgefordert, und wer irgend Gefühl hatte und jene seelenvollen Worte gelesen, legte gerührt und still sein Opfer auf den Altar der Milde hin. Ach, es gibt so viele, die in dieser Zeit ohne ihre Schuld im Unglück schmachten, so viele die gehindert sind, ihrem edeln Herzen Folge zu leisten! Mein Herz segnet Alle, und selbst die, die sich der Bitte verschlossen, welche durch unüberlegte Worte manche liebreiche Regung für mich bei Edeln bekämpften und zerstörten. Schaden wird unnennbar leicht, nicht aber das Helfen! »Wenn das Gute leicht würde«, sagt der edle Herzog Johann, »so hätten wir schon den Himmel auf Erden!«[221]

Eines Abends, als ich in heiterm und traulichem Gespräch mit Frau Kaskel saß, trat Hofrath Weigel ein, und überraschte uns schmerzlich mit der Schreckensnachricht von Kotzebue's Ermordung, die mich mit kalten Schauern durchdrang. Eine unbestimmte weissagende Ahnung breitete ihr Gewölk um mich her, mir war zu Muthe, als könne man auf der Welt nicht wieder froh werden, denn das Geschehene war schlimmer als ein Verbrechen. Nicht Rachgier, nicht Haß hatten den Dolch in das Herz des wehrlosen Greises gesenkt, er fiel als Opfer eines Verdachts, der vielleicht keinen Grund hatte. Die That war grausam und konnte nur traurige Folgen nach sich ziehen, denn nur aus dem Guten kann Gutes entstehen! Der junge Mörder hatte gut getroffen. Lautlos wand sich das Opfer auf dem Boden herum. Sein Blut bespritzte das Kleid seines sechsjährigen Töchterchens, das eingetreten war, die Schrecken, die ihrer harrten, nicht ahnend.

Man erfuhr erst später von der Verbindung, in welcher Sand gelebt, und das Todeslos gezogen hatte, das unabsehbare Folgen nach sich zog. Es war eine Begebenheit, jammervoll von jedem Gesichtspunkt aus; eine beispiellose Unthat, die das Herz der ganzen Menschheit verletzte, und der ganzen deutschen Jugend, ja der europäischen, Frieden und Freude nahm. Nach meiner Ansicht war diese That das Saatkorn alles künftigen Unheils, selbst dessen, womit wir noch heute ringen, und der Stahl, dem die Blutströme einer Revolution entquillen. Der Funke, dessen Flammen Länder einäschern, woraus entsteht er? Aus Worten. Schiller's »Räuber« waren das Saatkorn der That Karl Sand's. Ahnte das dem guten, dem großen Geiste nicht, der dies Werk geschaffen? Nein! Denn bewußtlos erfüllen die Menschen[222] die undurchdringlichen Beschlüsse der göttlichen Vorsehung.

Mir wurde das schätzbare Vergnügen zu Theil, meinen Freund Ludwig Tieck mit Kaskels bekannt zu machen. Anfangs ging die Sache sehr lau vor sich, Kaskels liebten nicht das, was man Bekanntschaften nennt. Sie wollten einen kleinen geistvollen Kreis, den sie um sich her vereinigten, nicht erweitern, ihr Leben war so schön und harmonisch ausgefüllt. Der Zeitpunkt lag überhaupt nicht mehr fern, wo man nicht mit Unrecht neue Bekanntschaften scheute; dazu kam, daß mich an diesem Tage ein Unwohlsein befiel, welches mich hinderte, am Gespräch Antheil zu nehmen, und mich zwang, nach Tisch, wo ich nichts genossen hatte, mich nach Hause zu begeben. Doch die Bekanntschaft war eingeleitet, einige Berührungspunkte wurden angeregt, und die Folge bewies, daß ich mit Recht versucht hatte, Menschen einander zu nähern, die es werth waren sich zu kennen.

Auguste von Buttlar, Schlegel's liebenswürdige Nichte, gehörte auch in den Kreis der erkorenen Naturen, die in Dresden wie in einem Brennpunkt versammelt waren. Die geistvolle Mutter dieser jungen Freundin hatte den Fehler begangen, zu ängstlich für die Zukunft ihres Kindes besorgt zu sein. Auguste, die begabte Künstlerin, war von der Mutter bestimmt worden, sich auf Reisen auszubilden, und bedurfte nach ihrer Ansicht eines väterlichen, einsichtsvollen und zärtlichen Begleiters.

Ein Baron Buttlar, der durch ein Mitglied des Hauses um all ihre Wünsche wußte, schien ihr in dem allen zu entsprechen, bewarb sich um Auguste und empfing ihre Hand. Es gibt Naturen, die unwillkürlich und unbewußt alles beherrschen, was in ihrer Nähe lebt; sie[223] wollen die Vorsehung ihrer Angehörigen sein; dies glückt nur selten, denn es ist eine Vermessenheit.

Zu den lobenswerthen Eigenschaften des Baron Buttlar gehörte die eine höchst schätzbare, daß er die schöne Natur seiner Gemahlin nicht in ihrer Entwickelung hemmte. Ich kann nicht darüber urtheilen, ob er Einfluß darauf übte, daß sie katholisch wurde. Ich glaube es nicht. Er selbst war es geworden, um doch etwas zu sein. Ich glaube, die Liebenswürdigkeit Dorothea Schlegel's hatte darauf eingewirkt. Wir alle, die wir Augusten zärtlich liebten, waren froh, daß sie in diesem Entschluß einen Anlaß gefunden, selbständig zu handeln, und sich darin glücklich fühlte. Frau von Buttlar war Mutter zweier liebenswürdigen Mädchen geworden, sie verlor das eine durch den Tod; darauf wurde sie Witwe, und lebte nun ganz ihrer Kunst, in der sie ausgezeichnet ist. Sie war Gerard's Schülerin. Ihre Bildnisse sind durchaus charakteristisch und anmuthsvoll, und ihr Name ist in jeder Beziehung geachtet. Ihr schönes rühmliches und beglückendes Dasein beweist, wie eine edle Natur, die sich selbst bewahrt hat, durch sich selbst glücklich werden kann.

Ich hatte auch die Freude, in Dresden die liebenswürdige Gräfin Julie von Eega, die ich schon in Paris gekannt, wieder anzutreffen; wir sahen uns oft. Sie hatte den Muth gehabt, unwürdige Fesseln zu zerbrechen. Der Gemahl, der in Portugal zwar nur in effigie an einem Strange hing, durfte nicht mehr an ihrem Halse hangen. Sie war geflüchtet und frei; sie blieb es, bis die Verhältnisse sich so günstig gestalteten, daß sie dem Herrn von Stroganow, einem der liebenswürdigsten und geistvollsten Männer, die ich je gekannt, ihre Hand geben konnte. Selten sieht man ein Paar so ganz füreinander geschaffen wie diese.[224]

Als wir den großen Meister Dahl besuchten, trafen wir dort einen Herrn, dessen Gestalt und Wesen nichts Gewöhnliches verkündete, dessen Gespräch uns fesselte. Ich errieth bald, wen ich vor mir hatte. Es war der edle Vater der Gemahlin Dahl's. Der Schmerz hatte seinen Zügen ein ausgeprägtes Siegel aufgedrückt. Doch wie Jean Paul sagt: »Tief im Menschen ruht etwas Unbezwingliches, das der Schmerz nur betäubt, nicht besiegt!« So hatte auch er im Kampf mit Geschick und Menschen sich selbst erhalten, und fand Trost und Liebe im Kreis der Seinen. Ich konnte mir nicht gestatten, Baron Bl. meinen Freunden vorzustellen; denn er verbot es streng, er durfte nur zuweilen und insgeheim bei seinem Eidam leben.

Auch Friedrich, den gedankenreichsten Landschaftsmaler unserer Tage, den ich gekannt, besuchten wir. Ferdinand von Olivier, den ich später auch in Wien antraf, strebte auf ähnlichem Wege zu den Höhen der Kunst hinauf. Diese zwei und der ernste Maler Krause, der herrliche Sachen aus Südamerika mitgebracht, erklommen, ohne sich zu kennen, steile Höhen zu gleichem Ziele. In Friedrich fand ich größere technische Vollkommenheit; was er schuf, stand da wie eine Wirklichkeit. Als wir in seinem Gemälde »Die Stubbenkammer« die Luft bewunderten, sagte seine holde Gattin leise wie in einer Andachtstätte: »Den Tag, wo er Luft malt, darf man nicht mit ihm reden!« Sie erschien mir sehr liebenswürdig, als sie das sagte. Die Demuth eines schönen Frauenherzens, die Liebesfülle der weiblichen Natur leuchteten in stiller Herrlichkeit daraus hervor. Stroganows waren über das, was wir gesehen, ganz entzückt. Leider war Friedrich nicht anwesend, ich hätte ihn herbeigewünscht.

Ich hatte in Dresden einen deutschen Miniaturmaler[225] aus Kurland kennen gelernt, der sich besonders hinsichtlich des Colorits zu einer bedeutenden Höhe aufgeschwungen hatte, sein Name war Oechs. Sein Bildniß Ludwig Tieck's war das beste unter den Bildnissen dieses Dichters, das ich gesehen habe. Es offenbarte den Menschen, den Dichter und den Genius. Vortreffliche Künstler hatten vergebens die Gediegenheit und technische Vollendung seiner Arbeit erstrebt, ihm war sie als freie Himmelsgabe geworden. Es konnte nichts anderes aus ihm hervorgehen als das Köstlichste und Vollendetste. Sein »Eulenboek« und seine »Mignon« strahlten in derselben Vollkommenheit. Freund Kraukling hatte seine Gattin von ihm malen lassen, doch bei dieser Darstellung kam ihm seine hohe Meisterschaft in die Quere. Sie gelang nicht, weil er zu strenge Anforderungen an sich selbst machte. Karoline Kraukling stand zu sehr aus allen Linien heraus, als daß sie hätte gemalt werden können. Die unnennbare kindliche Anmuth ihres Wesens gehörte der Erde nicht, sondern jenseits hin, wo sie hinging, nachdem sie kurze Zeit hienieden verweilt. Ich habe nie etwas gekannt, das ich durchaus mit ihr vergleichen könnte. Die herrlichen Frauen und Jungfrauen, deren Wesen mir in meinem langen Leben offenbar geworden, hatten zumeist etwas Angeeignetes, und erschienen mir vortrefflich in dem, was sie sich selbst dankten. Bei ihr stand jede schöne Eigenschaft im Einklang zum Ganzen ihres Wesens, und war freie Gabe des Himmels und der Natur. Kraukling's scharfer richtiger Blick hatte bei der ersten Begegnung das ganze Wesen und Sein dieses entzückenden Geschöpfs durchschaut; denn er sagte seinem Freunde Johann Georg von Körber: »Hast du das Mädchen betrachtet, welches an uns vorüberging?« »Gewiß, ja!« erwiderte Körber. »Wie findest du sie?« »Anmuthig!«[226]

war die Antwort. Kraukling sprach leise: »Wenn diese nicht meine Frau werden kann, so soll nie eine mein werden!« Körber kannte die Festigkeit seines Charakters, seine Strenge und Weichheit, die Innigkeit und den Reichthum seines Gemüths, er zweifelte keinen Augenblick, daß des Freundes ausgesprochener Entschluß für Zeit und Ewigkeit gefaßt sei. Es war die liebevolle Anhänglichkeit seiner Freunde, die Kraukling in Stand setzte, sie wieder zu finden, die ihm seit der ersten Begegnung ein Jahr hindurch verschwunden war, die er nicht wiederzufinden hoffte, dochwiederfand, und in der er das süßeste Glück des Daseins genoß, bis der Tod sie ihm für diese Welt entriß.

Ich habe mich auf diese wenigen Worte beschränken müssen, um von diesem geliebten Paare zu reden. Es gibt eine Verschämtheit der Tugend, wie eine der Liebe und des Glücks, die wollte ich nicht verletzen. Diese Freundschaft war für mich ein Himmelspfand für die Ewigkeit. Ich sah einmal wieder, was der Mensch durch sich selbst vermag; und daß es kein Schicksal gibt, sondern eine über Alles waltende Vorsehung. Man kann das nicht Schicksal nennen, was uns geschieht, sondern allein was wir sind; und der einzige Verlust auf Erden ist der, wenn wir uns selbst verlieren!

Ein kurländischer Freund, den mir Kraukling zuführte, Dr. Rosenberg, heilte Wilhelm's erkrankte Augen bald und sehr gründlich. Dieser grundgelehrte und liebenswürdige Arzt schien das vortreffliche Bild, das der Künstler Flor bei einer Reise von Italien nach Deutschland von meinen zwei Söhnen gemacht, und das wol zu seinen gefühlvollsten Werken gehört, zu seinem Eigenthum zu wünschen. Ich konnte es nicht abschlagen, und gestehe nun, daß ich mich im Herzen sehr schwer davon trennte. Jene vergangene Zeit, wo mein Wilhelm innerlich und äußerlich[227] so ganz verschieden von jetzt war, blühte in dem herrlichen Bilde, sodaß sie aus meinem Leben mit ihrem rührenden Frühlingsglanz, ihrer seelenvollen Zartheit und leuchtenden Begeisterung seit dessen Verlust nun auch verschwunden ist. Ich bin seit der Zeit nur selten so glücklich gewesen, Flor wiederzusehen. Er hat mich eines Abends gezeichnet, wo wir mit W. Hensel und andern Freunden bei Graf Kalckreuth beisammen waren. Graf Kalckreuth las uns gerade seine »Ebba, Gräfin von Brahe« vor, die das Schönste ist, das ich von ihm kenne. Sie geht zu Herzen und beseligt uns mit dem unendlichen Schmerz, der das Göttliche in der Menschenbrust weckt; wir nennen ihn Schmerz, da doch keine Wonne ihm gleichkommt.

Mein Bild von Flor ist das einzige, was mir nicht geraubt worden ist; es ist flüchtig gezeichnet, aber doch sehr geistvoll und lebendig aufgefaßt. Das von Hensel war in einem ganz andern Geist entworfen, die Freunde nannten es »Schwanemine« und das von Flor »Helmine«. Hensel hat seine Zeichnung verloren. Mir ist die vortreffliche, welche Vogel gemacht hat, hier in Genf Anfang Juni vorigen Jahres abhandengekommen.

Anfang Januar 1818 veranstaltete Hofrath Böttiger, daß mich die Ministerin Baronin von Oelsen, geb. Baronesse von Sydow, in Gesellschaft ihrer Schwägerin aus Kurland aufsuchen kam und zu sich einlud. Beide liebenswürdige Frauen wurden meine Freundinnen, und ich verlebte mit ihnen schöne Stunden. Friederike von Oelsen war durch ihre schwankende Gesundheit zu der Reise nach Dresden veranlaßt worden. Sie besaß viel Verstand, viel Natürlichkeit und Anmuth.

Charlotte hatte ihre geistigen Anlagen sorgfältiger gepflegt als ihre Schwägerin Friederike, doch bei keiner von beiden vermißte man etwas, weil die eine durch innern[228] Reichthum seltener Art ersetzte, was ihr an Bildung fehlte, und die andere wiederum durch diese bedeutend erschien. Wir waren beinahe täglich beisammen. Frau Friederike von Oelsen besaß ein liebliches reichbegabtes Töchterchen, Lodoiska, es lebte nur acht Jahre. Ihrem kleinen Sohn Feodor fehlte es nicht an natürlichen Anlagen, doch sie wurden nicht sorgfältig genug gepflegt.

Bei Oelsens wurde ein Familienfest veranstaltet. Ich dichtete ein Festspiel dazu; ein Halbkreis von hohen Bäumen in Kisten, und ganz von herrlichen Blumen umgeben, bildeten einfach und wirkungsvoll die Scene. Der junge Baron Oelsen, Sohn des preußischen Gesandten, erschien nach dem Vorspiel in Rittertracht, und sprach mit Ausdruck die Ballade, welche die Familiensage enthielt. Ein glänzender Kreis von Zuhörern war zugegen und schien mit der Dichtung zufrieden. Auch Clauren war dabei und sagte mir höchst verbindliche Sachen. Ich glaubte ihm einen Dienst zu erweisen, wenn ich ihn auf das aufmerksam machte, was mir in seinen Erzählungen anstößig war, das war eben das Anstößige. Er nahm meine Bemerkungen als ein Mann von Geist und Welt auf. Ich habe später Gelegenheit gehabt, Briefe an ihn zu lesen, die sicherlich auf den Knien geschrieben waren, denn sie lauteten wie die Bitte eines Delinquenten um Gnade. Die Herren Verleger legen wol den Maßstab an Producte der Autoren, den ihnen der muthmaßliche Betrag des Ertrags in die Hände gibt. Der wirkliche Werth der Schrift kommt dabei selten in Betracht, das ist natürlich und consequent.

Im März war Kind's Geburtstag, zu dem ich ein Lied verfaßte, welches in der »Abendzeitung« steht und ihm viele Freude bereitete. Er lud eine anmuthige Gesellschaft ein, in welcher sich Karl Maria von Weber und seine Karoline sehr[229] verdient machten. Sie führten Charaden auf, desgleichen sinnreiche Sprichwörter ohne Dialog. Nicht minder ergötzten sie durch ihren allerliebsten Gesang von Volksliedern. Höchst erfreulich sind solche Bestrebungen einen Kreis zu erheitern, wenn sie rein und unbefangen aus der Gesinnung für diesen Kreis hervorgehen.

Weber und seine Gemahlin besaßen im höchsten Grade die Gabe der improvisirten Darstellung. Ich glaube, dies war der letzte Geburtstag Kind's, zu dessen Erheiterung Webers beitrugen, denn der Freischütz war noch nicht aufgeführt worden. Der Erfolg dieser Oper, der ein beispielloser war, und die Herzen des Dichters und Componisten fester aneinander schließen gesollt hätte, riß sie schroff voneinander los. Weber hatte wirklich unrecht gegen Kind, auch Kind gegen Weber. Das Publikum ist durch diese Spaltung um einen herrlichen Genuß gekommen, denn Friedrich Kind schrieb nun nicht seinen »Cid«, den er schon entworfen hatte. In Betreff des Textes zu meiner »Euryanthe« wagte ich Einwürfe an Weber. Der Plan der Oper, den ich für ihn ausgesonnen hatte, wurde durch seine Umänderungen umgeschmolzen, und ich fand ihn unpopulär, fügte mich aber dem Wunsche des großen Meisters, und suchte ihn durch Entsprechen seiner Absichten von meiner Bewunderung und Liebe zu überzeugen. Ich wünschte die Oper volksthümlich und zugleich trubaduresk zu behandeln, den Leitfaden des alten Fabliau nicht aus den Händen zu lassen. Weber hatte Bedenken wegen des Veilchens auf Euryanthens Brust, Ludwig Tieck vermehrte diese durch seine Bemerkungen. Weber, der auch später im »Oberon« bewiesen, wie sehr das Geisterelement sein eigenes war, wollte eine Umwandelung, bei welcher es angewendet würde. O, wer daran gedacht hätte, daß Bellini's[230] Norma mit zwei Kindern auf der Bühne erscheinen würde, würde aus dem unschuldigen Veilchen der Euryanthe kein Bedenken gemacht haben und die Dichtung würde wirksamer geworden sein, wenn man ihr treu geblieben wäre. Es rächt sich jedesmal, wenn man eine Geistesschöpfung ihrer eigentlichen Natur entfremdet.

Ich und Malsburg sahen uns oft. Unsere gemeinsame Bewunderung Calderon's veranlaßte eine Beschäftigung, die für mich große Annehmlichkeiten hatte, nämlich eine gemeinsame Bearbeitung einiger sinnigen Stücke. Das geistfunkelnde Schauspiel: »Es ist besser als es war« hatte Baron Malsburg nebst einigen andern schon vollendet. Ich habe noch kein Gegenstück zu einem herrlichen Kunstwerk gelesen, gesehen oder gehört, welches die Wirkung des Urbildes auf mich gemacht hätte, es stand oft tief darunter. Die Gründe davon liegen auf flacher Hand, und brauchen hier nicht erst erörtert zu werden.

Calderon gefiel sich in den Pendants, gleichwol ist seine »Aurora« keine »Sibylle des Orients«. Calderon scheint darauf verzichtet zu haben, zu seinen bewunderungswürdigen Stücken, wie z.B. »Das Leben ein Traum« u.a., ein Gegenstück zu schreiben, indem ihm das zur »Sibylle des Orients« mislungen war. Calderon war der rechte Dichter für Naturen, wie die von Malsburg und ihresgleichen. Calderon war Spanier, Priester, Adelicher, Aristokrat, Royalist, dies alles in einem edeln Sinn. In »Luis Perey«, »Der Gallego«, »Die Belagerung von Alpujarra« u.a., und vor allem im »Schultheiß von Zalamea« macht er sich auf die feinste und einschneidendste Art über Thorheiten und Lächerlichkeiten eines stumpfsinnigen Adelichen lustig. Dies hat Malsburg nicht gehindert, den »Schultheiß von Zalamea«, und zwar meisterhaft zu übersetzen. Ehe er mich kennen lernte, übersetzte[231] er das knechtische Stück »Amigo Amante y leal«, das ungeachtet seines Servilismus bezaubernd ist. Calderon ist mir noch heut ein Räthsel, und wird es jedem Nachdenkenden sein und bleiben. Er war ein hoher klarer Geist, ein herzhafter Freund des Volks, ein kraftvoller Kämpfer für die Rechte der Menschheit. Er kann unmöglich aus Ueberzeugung das Banner der Knechtschaft emporgehalten haben, sondern gewiß hat ihn ein unüberwindlicher Zwang dazu gebracht. Welches nun war seine eigenste Farbe? Ich kann mir nicht denken, daß es die des Servilismus war. Ich dachte damals nicht über die Sachen nach. Ich nahm sie unbefangen, rein von der poetischen Seite, ließ mich auch davon entzücken; vielleicht war es Calderon nicht besser ergangen. Sein gediegenes Stück »Liebe, Ehre und Gewalt« zeugt von Wahrheit und Tiefe der Empfindung; er muß geschwankt haben, und jede seiner augenblicklichen Stimmungen muß jedesmal, wo sie ihn überkam, sich seiner so bemächtigt haben, daß er sie für die seinige in voller Wahrheit hielt. Dem Geist unserer Zeit mag es ebenso ergehen; dies ist ein schmerzliches Schwanken, denn es ist unmöglich, sich von der einen oder der andern dieser Richtungen ausschließlich beherrschen zu lassen, ohne der Menschheit und ihren heiligen Rechten zu nahe zu treten. Es muß ein Drittes in der Mitte liegen, und der Fortschritt wird uns darauf hinleiten.

Da ich bald dahin gelangen werde, wo kein Parteiengeist waltet, so ist es wol an der Zeit zu gestehen, daß sich mein wallendes Volksblut mit dem altadelichen meiner väterlichen Abkunft streitet, daß ich mich zuweilen freue aus dem Volk entsprossen zu sein, ein andermal wieder stolz darauf bin zum Adel zu gehören; dies sind aber nur vorübergehende Zustände. Die Grundlage ist[232] Dank gegen Gott, dessen Gabe es ist, was ich bin. Wenn eine hohe Abkunft das wäre, wozu die menschlichen Satzungen sie stempeln, so müßte Gott eine besondere Menschenart eigens dafür geschaffen, kenntlich bezeichnet und über den Erdkreis verbreitet haben. Der Dynast, dessen Nachkommenschaft zahlreich und ganz unbedeutend ist, steht weit über dieser, und der zweiunddreißigste seines Stammes ist weit entfernter von seiner ursprünglichen Geburt, als der Sohn des einfachen Landmannes, der eine große That gethan und dafür geadelt worden. Einen Kaufadel sollte es gar nicht geben, wenn irgend noch der Adel einige Gültigkeit behaupten soll, und der Erbadel ist in meinen Augen wahrer Unsinn. Der persische Dichter sagt:


O rühme dich der hohen Ahnen nicht,

Wenn nicht dein Werth der Abkunft Glanz entspricht!

Der Zweig der Palme hoch und stolz,

Wenn unfruchtbar,–ist taubes Holz!


Die Rangordnung ist keine Weltordnung!

In meinen Briefen an Prinzeß Wilhelm von Preußen, nannte ich Dresden nie anders als »das schöne Dresden«. Und sie that dasselbe. Einmal schrieb Malsburg an sie, und gab mir den Brief zur Besorgung. Die Prinzessin schrieb uns beiden, mir, wie es oft geschah, mit einer schon etwas stumpf geschriebenen Feder in höchster Eile, Malsburg mit einer neuen Feder und zierlich geschrieben; dies ergötzte mich höchlich. Die Prinzessin war äußerst genial, ihre Hand so ausgeschrieben wie die eines geübten fleißigen Schriftstellers; eigentlich bestand sie gar nicht aus Buchstaben, sondern aus Zeichen und Strichen. Sie hatte eine so ausgebreitete Correspondenz, daß sie zu diesem Mittel greifen mußte, um[233] niemand ohne Antwort zu lassen. Doch schrieb sie meist nur kurze Briefe, in denen dennoch viel stand; denn zwischen den Zeilen war unsichtbar vieles zu lesen. Sie war vielleicht die erste Prinzessin, welche den undeutschen Ausdruck »Ihre Wohlaffectionirte« bei der Unterschrift ihrer Briefe ausließ. In den meisten nannte sie sich Freundin. Ich habe viele Briefe von ihr gelesen, die nicht an mich waren, ich fand sie etwas freigebig mit dieser Benennung, auf welche sich die Empfänger etwas einzubilden pflegten. Mehrere hohe Damen hatten das Wort »Wohlaffectionirte« in »Wohlgeneigte« übersetzt. Dies war wol das Angemessenste. Die Menschen quälen sich ja noch immer mit dergleichen Dingen herum; die Form muß oft für den Gehalt gelten!

Wenn ich alle interessanten begabten Bewohnerinnen Dresdens, die ich dort gesehen, bezeichnen wollte, so müßte diese Schrift zu Bänden anschwellen. Ich muß hierauf verzichten und mich auf Einzelheiten beschränken. Noch in keiner Stadt, selbst nicht in Paris, Wien und Berlin, habe ich eine solche Fülle und Mannichfaltigkeit von in sich abgeschlossenen Kreisen gesehen als hier, die auf einem abgemessenen Raum nebeneinander standen und sich selten oder nie berührten, obgleich sie alle ihrer Natur nach zueinander paßten und ihren Verhältnissen nach zueinander gehören konnten.

Eine meiner liebsten Freundinnen war die edle Frau, die sich in ihren Schriften Wilhelmine Willmar nannte. Sie war die Gattin des Regierungsdirector Gensicken, Verfasserin der beliebten »Pfänder der Treue« und vieler Volkssagen und Novellen von Gehalt. Ihr gesellt standen Amalie Klarus (eigentlich Curtius) und einige andere Schriftstellerinnen, die ihre Werke zusammen herauszugeben pflegten, wie wol sie nicht alle in Dresden wohnten. Ferner nenne ich Frau[234] Wilhelmine von Gersdorf, eine Frau voll Gemüth und Empfindung; sie bildete mit Gleichbegabten einen eigenen Kreis mit ihren liebenswürdigen zwei Töchtern. Herr August von Schindel, Herausgeber des Werkes »Die deutschen Schriftstellerinnen des 19. Jahrhunderts«, empfing die Hand der ältesten dieser zwei holden Schwestern, die so anspruchslos und sinnig als schön und herzig waren. Sodann nenne ich noch Theophanie, eine der liebenswürdigsten und begabtesten Dichterinnen, die nur unter diesem Namen schrieb, dessen Geheimniß wir nicht enthüllen wollen; Emilie Hermann, eine Nichte von Wilhelmine Willmar, die ein früher Tod ihrem geliebten Familienkreise entriß; Ludwig Hermann, ihren Bruder und begabten Dichter, der seiner Schwester bald in das Grab folgte. Luise Brachmann, die öfters nach Dresden herüberkam, war in diesem Kreise heimisch; ebenso Frau von Ahlefeld, geborne von Seebach, welche die Schwester der Freundin Schiller's, Frau von Stein auf Kochberg, war. Sie wird unvergessen bleiben. Auch sie gehört zu den vielen begabten Dichterinnen, die sich mühsam und heldenmüthig von unharmonischen Verbindungen losgerungen, und mit schweren Opfern sich losgekauft von der Tyrannei ihrer Verhältnisse. Sie war oft in Dresden; ich ehrte und liebte sie, ihr schönes Talent und ihr Fleiß sicherten ihre Existenz. Von andern ausgezeichneten Frauen, die meine Freundinnen wurden und der Poesie hold waren, nenne ich ferner die Hofräthin Weigel, Gattin eines Mannes, der mit hoher Wissenschaftlichkeit den feinsten Weltton und umfassendsten Geist vereinigte. Er hatte seine Gemahlin, eine schöne junge Comtesse, aus Wien mitgebracht; sie war ganz Seele und Liebe, und glückliche Mutter einer liebenswürdigen Tochter. August's Friedrich Schlegel's Schwester hatte sie mir zugeführt.[235] Wilhelmine Spazier, Jean Paul's Schwägerin, Tochter des geistvollen Geheimen Tribunalraths Meyer, Witwe des Hofraths Karl Spazier, lebte damals auch in Dresden, stand aber aus allen Linien dieser Kreise heraus, ohne deshalb minder berechtigt zu sein, sich mit ihnen zu verweben. Ihr Gatte war Instrumentmacher, zugleich der Erste, der in Dresden die Gasbeleuchtung in Aufnahme brachte; er war schlicht und wacker, wußte nichts von Charlatanismus und glich in seiner Bescheidenheit und Anmaßungslosigkeit dem Fruchtbaume, dessen Zweige sich unter der Last süßer Früchte beugen. Wie alle Frauen, denen kein Opfer genügt, welches sie nicht ganz bringen, war auch Frau Uthe-Spazier, ganz und gar aus Wahl und Liebe, nur demjenigen gewidmet, was ihre Stellung erheischte. Gattin eines Künstlers, den man zu den Handwerkern rechnete, weil er Gesellen hielt, war sie die sorgsame Pflegemutter dieser jungen Leute, und lebte in ihrem stillen Hause ganz für die Bedürfnisse desselben und für die strengste Häuslichkeit. Sie wohnte mit ihrer jüngsten Tochter Minona in Dresden; die älteste war fern von ihr als Erzieherin, kam jedoch dann und wann zu ihrer Mutter. Uthe-Spazier war eine sinnige Schriftstellerin und geistbegabte Frau, gastfrei und gesellig wie die meisten Berlinerinnen. Oft und viel sah ich sie nicht, besonders da ihre Verhältnisse sie sehr in Anspruch nahmen.

Ich fand in ihrem Hause zuweilen Dr. Karl Christian Friedrich Krause, den geistvollen und sinnreichen Begründer einer neuen Lehre der Philosophie. Seine Erscheinung machte einen tiefen Eindruck auf mich. Dieser merkwürdige Mann wird sich immer mehr und mehr in Zukunft dem Gedächtniß seiner Zeitgenossen einprägen. Ich kann ihm weder die gehörigen Lobsprüche ertheilen,[236] noch über ihn einen vielleicht verdienten Tadel aussprechen; denn ich bin nicht genug eingeweiht in seine Lehre, nicht vorurtheilsfrei genug hinsichts seiner Denkart, um ihn anders als oberflächlich zu beurtheilen. Er war von mittler Größe, sichtlich abgemattet durch überstandene Leiden, welche Spuren in seinen Zügen zurückgelassen hatten. Aus Freundlichkeit hätte er gern gelächelt, aber sein Lächeln verlor sich in liebevoller Wehmuth; es schien trösten zu wollen, sah jedoch eher aus wie eine Bitte um Vergebung, wie eine geheimnißvolle Selbstanklage. Er fühlte schmerzlich, daß ihn die Mitwelt nicht verstand; doch in seinen Augen war die Mitwelt nicht schuld daran, sondern er allein. Sein Blick war rührend, es schien als forsche er liebevoll nach der Quelle des fremden Kummers, um ihn zu heilen, und als leite er mit seinen Blicken Ströme der Labung hinüber zu dem Leidenden. Er übte einen gewaltigen Einfluß auf junge Herzen. Der ihm ergeben war, blieb es für immer. Soviel ich beurtheilen kann, liegen noch viele Keime des Guten in seiner Lehre und des Organischen in seiner Sprachforschung; die Zukunft wird hierüber entscheiden. Krause hinterließ mehrere Töchter und Söhne. Ein Sohn von ihnen lebt in der Schweiz, einer in Dresden als hochgeschätzter Jurist, von den übrigen weiß ich nichts zu sagen.

Ueber die Herausgabe der »drei ältesten Kunsturkunden der Freimaurerei«, welche Krause ohne Vor wissen noch Bewilligung der Loge herausgab, kann ich gleichfalls nichts sagen, denn ich weiß nichts davon, als was Krause gegen mich geäußert. Er warf alle Schuld auf Böttiger's Zweizüngigkeit, wie er sie nannte. Hierüber habe ich kein Urtheil. Krause verließ Dresden und reiste nach Göttingen, wo man ihm gleichfalls keine Ruhe ließ. Herauf ging er mit seiner ganzen Familie nach München.[237] Sein Sohn Karl wurde von dort weggewiesen, zugleich mit ihm Krause. Da trat er mit seinem Sohn eines Morgens leichenblaß und zitternd in mein Zimmer, und stammelte die Worte: »Ich bin verbannt, helfen Sie uns!« Ich erschrak heftig, der Mann jammerte mich. Alternd, mittellos, mit einer Familie von dreizehn Kindern in wenig Tagen aus dem Lande zu sollen, das man bewohnt, ist unermeßlich hart. Krause schwur, daß er nichts begangen. Ich glaubte ihm. Sein Sohn Karl sagte nichts; doch dies alles ging erst in München vor. Eine Masse Begebenheiten liegen dazwischen, und ich werde darauf zurückkommen.

Die jungen Krause, vorzüglich Wilhelm und Julius, die wackersten unter ihnen, schlossen sich eng an meine Söhne an. Dies flößte mir Sorge ein; doch meine verehrte Freundin, Frau Sarah Kaskel, suchte mich zu beruhigen, sie rief lebhaft aus: »Das ist ja gut, liebe Frau von Chézy, die Krause'schen Kinder sind geistreich!« Ich schwieg, doch ich beschloß selbst zu Krause zu gehen, um diesen Umgang zu überwachen.

An einem schönen Sommerabend begleitete ich Wilhelm und Max dorthin. Krause bewohnte einen untern Stock und einen Pavillon am Eingang des Plauenschen Grundes. Die älteste Tochter Sophie ließ diesen Pavillon mit schönen Blumen und hohen Stauden ausschmücken. Lage und Aussicht waren reizend. Die damals einundzwanzigjährige Besitzerin lebte dort wie in einer Welt, die ihr eigen. Nachdem ich sie eine Weile in ihrem ganzen Wesen beobachtet hatte, hielt ich es für wohlgethan, mich zurückzuziehen; wollte Gott, ich hätte es dabei gelassen! Die Sphinx unsers Geschicks verhüllt sich zuweilen, vor fremden Augen rühren wir nicht an ihren Schleier.[238]

Frau Uthe-Spazier war eine Landsmännin, und wohnte ganz in meiner Nähe; sie hatte sich selbst aus den dresdener Kreisen zurückgezogen, und niemand machte ihr Vorwürfe darüber. Ich wollte nicht aufhören sie zu sehen, weil ich mich zeitlebens den Bedrückten zur Seite gestellt habe,–und bedrückt war sie. Die Gesellschaft rächt sich bitter für die Gleichgültigkeit, die man ihr bezeigt; es erbittert sie, wenn man ihren Satzungen nicht folgt, und sie läßt den überwundenen Feind nicht mit Wehr und Waffen und mit den militärischen Ehren abziehen. Sie excommunicirt die Ketzer, oder vielmehr diejenigen, welche sie für Ketzer gelten lassen will, viel leichter und geschwinder als jemals Päpste thaten. Das »Richtet nicht« unsers göttlichen Erlösers verhallt unbeachtet, jenes tiefe große Wort, dem die tiefe milde bange Warnung folgt: »so werdet ihr auch nicht gerichtet«, die zugleich wie eine Verheißung klingt.

Ich hatte bei Eduard Hitzig die beliebte Schriftstellerin Fräulein Fanny Tarnow kennen lernen. Franz Horn nennt sie in seinem vielverbreiteten Werke über die »deutsche Literatur«, und zwar zumeist wegen ihres Romans »Thorilde von Adlerstein« eine nothwendige Schriftstellerin. Fanny Tarnow hat bekanntlich im Fach der kleinen Romane Ausgezeichnetes geleistet; dessen hat Franz Horn nicht erwähnt, dagegen die »Thorilde von Adlerstein« sehr hoch gestellt. Fanny Tarnow ist eine der wenigen Personen, von denen ich mich wegwenden mußte, weil ich nichts in ihnen fand, was ihre störenden Eigenschaften versöhnend aufgewogen hätte. Ich will sie nicht schildern; ihr Bild kann diejenigen, welche sie nicht kennen, nicht in hohem Grade interessiren, und denjenigen, welche sie kennen, würden ihre Züge nichts Neues bezeichnen. Es sind nun bald vierzig Jahre, daß ich sie kennen lernte[239] und mich vom Zauber ihrer Beredsamkeit hinreißen ließ. Ich trug sie wie ein Kleinod im Herzen. Ich möchte ihre Briefe, die ich noch besitze, mit einem süßen Saft vergleichen, dessen Bestandtheile man nicht kennt und ohne Untersuchung hinunterschlürft.

Schon damals, als ich sie kennen lernte, sagte ich ihr von meinem Vorhaben nach Dresden zu gehen, und freute mich unbeschreiblich als sie äußerte: auch sie ginge dahin, und wir könnten, wenn wir nahe beieinander oder zusammen wohnten, gegenseitig manches Gute und Nützliche betreiben. Sie kam wirklich dorthin, zärtlich und sehnsuchtsvoll erwartet und durch bedeutende Opfer von meiner Seite befördert. Sie stieg in meiner Wohnung ab, und wurde auf das liebevollste behandelt. Auch war sie, ungeachtet, daß sie 400 Thlr. von mir empfangen, um ihre Reise anzutreten, geldlos, und ich mußte jede Auslage für sie bestreiten, was bei meiner vorhabenden Umsiedelung nach Schandau mir nicht leicht wurde.

Wir hatten eine sehr freundliche Wohnung, ganz von Waldung umgeben, am Eingang des Kirnitschgrundes; der helle schmale Fluß strömte an den Fenstern vorbei und spiegelte den Kirchthurm und die Tannenhügel an seinem Ufer anmuthig ab. Das niedliche Badehaus begrenzte linkerhand den Horizont. Zwischen der Kirnitsch und den Hügeln, die sie umgeben, breitete sich eine schöne Wiese aus. Unser Wohnhaus stand angelehnt am Waldhügel, sodaß wir gemächlich aus den Fenstern in den Wald gehen konnten. Ich schlief bei offenen Fenstern und fürchtete keine Diebe. Dies ist der Segen der Armuth, welche so manche verblendete Menschen für ein Unglück halten.

In allen Richtungen durchstreiften wir das schöne Meißener Hochland, mit Unrecht die Sächsische Schweiz[240] geheißen. Was ich von der Schweiz kenne, ist mit den deutschen Gegenden, die Hochgebirg und Seen haben, unmöglich in Vergleich zu bringen. Deutschland ist durchaus traulicher und schöner. Auch der fleißige Anbau, die sinnreiche Benutzung jedes Plätzchens zeugt für seine Bewohner. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt: »Die Schweiz liegt brach!« Zwar darf man vielleicht dem Schweizer nachrühmen, daß er es an Dung nicht fehlen läßt; aber im Sommer geht beinahe der ganze Dung des Viehes durch die Alpenwirthschaft verloren, und der, welcher auf der Fläche erzeugt wird, kommt nicht auf die Felder. Sollte früher oder später, was Gott verhüte, das schöne Land mit Krieg überzogen werden, so kann man es bald und leicht aushungern, weil es fast alle Lebensbedürfnisse aus der Fremde beziehen muß. Selbst Grütze, diese wohlthuende, billige und leichte Speise, die überall fortkommt, wird dort nur nachlässig angebaut. Einzelnen Ackersleuten empfahl ich sie unablässig, als ich noch ordentlich ausgehen konnte. Noch immer begnügt sich der Schweizer damit Getränk zu erzeugen, und nur die äußerste Noth könnte ihn zwingen, für Speise zu sorgen. Er betrinkt sich lieber als er sich sättigt. Das oftmalige Erkranken der Hunde im Schweizerland rührt von der Sorglosigkeit her, mit der sie gefüttert und besonders getränkt werden. In keinem Lande, ausgenommen in Paris, habe ich solches Vernachlässigen der Hunde bemerkt wie hier. Nach meiner Ansicht sollte diese Fahrlosigkeit so streng behandelt werden wie Menschenmord, da sie ganze Gegenden weithin in Gefahr setzt. Zu den Uebeln des Mangels an Aufsicht und Pflege der Thiere selbst gesellt sich noch die Verwahrlosung der Kinder beiderlei Geschlechts. Die Schulen sind vortrefflich, vorzüglich im Waadtlande; allein die Kinder bleiben[241] in den Freistunden unbeaufsichtigt und meist unbeschäftigt, es sind der Freistunden zu viel, und vor den Aeltern zeigen sie nicht die geringste Achtung, sondern treten energisch vor ihnen und andern auf, worüber die Aeltern sich mehr freuen als betrüben. Einer der liebsten Späße der Kinder hierselbst besteht darin, Hunde bis aufs Blut zu quälen. Wenn sich, bis aufs äußerste gereizt, ein armes Thier wehrt, wird es für toll gehalten und vertilgt. Ein schöner englischer Wasserhund, der aus Lausanne nach Vevay gelaufen kam, in einige Behausungen eindrang, und einigen Köchinnen in die Schürze biß, dabei an den See rannte und dort fleißig trank, wurde auf das jämmerlichste und martervollste todtgeschlagen. Bei Untersuchung desselben ergab es sich, daß das harmlose Thier von einigen bösen Buben in Lausanne mit Vitriolspiritus begossen worden war. Man findet öfters Beispiele von der Bösartigkeit der Jugend in den Zeitungen angeführt. Blasröhre zerschellen die Fensterscheiben, Würfe von Steinen oder Koth verletzen anständige Personen, die über die Straße gehen, oder verunreinigen ihre Kleidung. Vor mehreren Jahren las man in den Zeitungen, daß Buben, die eine alte Frau zum Ziel ihrer Bosheit ausersehen hatten, sie mit einem ziemlich großen Stein an die Schläfe trafen und todt warfen. Keine strengere Rüge war dieser Thatsache beigesetzt, als ein Bedauern, daß die Kinder in Genf so zornig wären. Ich meine, es dürfte nicht schwer sein sie zu zügeln. Prediger und Vorsteher der Schulen sollten sich dieser Angelegenheit kräftig annehmen, und die Polizei sollte in den Abendstunden die schöne Natur nicht ohne ein Spanisch Rohr in der Hand fleißiger besuchen, als die Schenken und Brauereien. Doch wir sind ja in dem gutmüthigen[242] und gesitteten Dresden, wollen wir nicht drinnen bleiben?

Hofrath Althof, unser Arzt, verordnete meinem Max Selterwasser und Landluft; das Kind kränkelte seit der Pockeneinimpfung; es litt besonders an Kopfweh, bis dahin war er stets zart, aber dennoch gesund gewesen, seit es die Masern und den Stickhusten überstanden hatte. Vielleicht auch hatte eine neugebaute Wohnung am Rand der Elbe Antheil an dem Kopfschmerz, der es unaufhörlich quälte. Althof behauptete, es würde hinsiechen, wenn ich es nicht auf das Land brächte und vom Arbeiten abhielte. Arbeiten, dies war ja sein Leben, sein Glück, es sollte ihm Ruhm und Brot bringen. Denn der Vater dieser Söhne wiederholte oft: »er könne ihnen nur Brot und Salz hinterlassen«. Ich hoffte, er würde mich überleben! Seine Einnahme in späterer Zeit war brillant genug, um voraussetzen zu lassen, daß er für die Seinigen ein anständiges Kapital zurücklegen würde. Schon das erste mal, als wir nach Schandau gingen, war es Max zuliebe geschehen.

Unter den geistvollen Freunden, die damals den dresdener Kreis belebten, habe ich, wie ich glaube, den unsterblichen Sänger der »Urania«, und seine edle Freundin Elise von der Recke zu nennen vergessen. Ich sah sie nicht oft. Bereits lagen mehrere Jahrzehnde zwischen ihrem Abwelken und meinem Aufblühen. Ich erkannte ihren Werth und hatte Freude an ihnen.

Als wir in Dresden eines Tags über den Jahrmarkt gingen, hielt mich Kraukling auf, und sagte mir halblaut: »Da kommt Jean Paul!« Ich hatte ihn seit 1800 nicht wiedergesehen, und hätte ihn nicht wiedererkannt.[243] Ich suchte vergebens seine Züge mit meinen Erinnerungen in Einklang zu bringen: alles aufgelaufen, ausgedehnt, der Mann und sein Gesicht! Da er mich stutzend stehen sah, wurde auch er auf mich aufmerksam. »Sie kennen mich nicht?« fragte ich mit Wehmuth über ihn und mich. »Doch wol«, antwortete er, und setzte hinzu: »Ich wollte zur Chézy!« Jetzt reichte ich ihm die Hand, stellte ihm meine Freunde vor, und wir feierten mit Rührung die Stunde des Wiedersehens; dann redeten wir die nächste Zusammenkunft ab. Sein Händedruck war warm, und sein Auge feucht. Es war nicht das Funkeln des Morgensterns, sondern des Abends, der eine Vergangenheit abschließt, und eine neue Zukunft verheißt. Man wird wieder jünger, wenn man einen alten Freund nach langer Trennung wiederfindet. Die ganze Strecke Lebens, die hinter uns liegt, seit wir geschieden, blüht wieder auf wie eine Blume im Wasser, gewinnt Duft und Farbe wieder. Unser feuchtes Auge spiegelt im Thau des Himmels den Sonnenglanz der ewigen Zukunft. O, man muß eine Trennung erlebt und ein Wiedersehen gefeiert haben, um das Wohl und Weh liebender Empfindungen ganz zu verstehen. Jean Paul war, wie bekannt, Schwager der Minna Uthe-Spazier, suchte sie als Freund und Bruder auf, bewies ihrer liebenswürdigen Tochter Minona väterliche Zuneigung. Ich hatte noch immer Jean Paul mit jungen Damen gern beisammen gesehen. Sein Wesen hatte etwas von der Wärme des Liebhabers, und von der Würde des Vaters. So war er in seiner Jugend, und so ist er geblieben. Ein junges Wesen machte auf ihn einen Eindruck wie ein Kind, oder auch wie eine Blume. Es mischte sich keine Persönlichkeit hinein; wer zart fühlte, konnte sich nicht darüber täuschen. Somit gaben sich Bräutigam,[244] Ehegatte, Vater und Bruder eines holden Wesens zufrieden. Der Kuß Jean Paul's erschien ihnen wie ein Ehrenschmuck auf Wange oder Lippe eines jungen süßen Geschöpfs, und so auch diesem selbst.

Durch eine stillschweigende Uebereinkunft fanden sich die Verehrer und Verehrerinnen nachmittags auf der Brühl'schen Terrasse ein; manche von ihnen brachten ihm Blumen oder ein Lied. Jean Paul's Wehmuth milderte sich in diesem Kreise. Der Tod seines Max hatte ihm eine tiefe Wunde geschlagen, die bei der leisesten Berührung blutete. Ich hatte oft die Fremde, ihn in Dresden zu sehen. Er wünschte Wolke näher kennen zu lernen. Ich bat einige Freunde, mit Jean Paul zum Essen zusammen. Malsburg und Loeben waren gerade nicht in Dresden anwesend, meine Freundin Sarah Kaskel hatte Abhaltung, und auch Graf Egloffstein aus Weimar konnte nicht kommen. Bekanntlich beschäftigte sich Wolke am liebsten mit Sprachforschung. Es war Gediegenes und Zweckmäßiges in seinen Vorschlägen. Er wollte die Rechtschreibung zur Einfachheit zurückführen. Ich meine, sie bedürfte dessen sehr; es werden aber noch lange Zeiten und bedeutende Umwälzungen überhaupt vor sich gehen müssen, ehe es gelingen wird, die modernisirten Sprachen auf die frühere Einfachheit zurückzuführen. Die Umgestalter schneiden immer in das gesunde Fleisch, so auch Wolke. Unter anderm wollte er die »Hoffnung« nicht mehr statuiren, sie sollte heißen »die Hoffe«. Seine Gründe habe ich vergessen. »Ach nein!« rief Jean Paul, »lieber Wolke, lassen Sie uns die Hoffnung, es darf kein Jota davon wegbleiben!« Dieser Scherz entmuthigte unsern Puristen, er wendete das Gespräch auf andere Stoffe.

Jean Paul hatte große Freude an Kraukling und dessen Gattin; dieser, einer der sinnigsten Denker, die ich gekannt,[245] kam im Gespräch immer auf das Rechte und Nothwendige, immer so, daß man wünschte, er möchte mehr sagen; und dennoch war er sich bewußt, nicht blos das Rechte, sondern auch genug gesagt zu haben. Auch Lindemann, ein liebenswürdiger Kurländer, trug zur Unterhaltung der Gesellschaft bei, er war gedankenreich und freimüthig. Ein angenehmes kleines Intermezzo dankten wir Krauklings blonden Kindern, die in ihren blauen und rothen Kleidchen mit ihren hellen Augen und rosigen Wängelchen plötzlich unter uns erschienen, ihre purpurnen Lippchen herreichten, und vom ganzen Kreise bewillkommt wurden, am herzigsten doch von Jean Paul. Er bemächtigte sich sogleich des kleinen Julius. »Wer bist du Kleiner«? »Ich bin der Julius!« »Was willst du hier?« »Mutterchen hat mir erlaubt, daß ich kommen darf.« »Was willst du denn mit dem Kuchen da machen?« »Essen!« »Willst du keinen dem Schwesterchen geben?« »Wenn ich muß? Ja!« »Du mußt nicht, wenn du es nicht gern thust!« »Ich thu's auch gern!« »Warum hast du's denn nicht gleich gethan?« »Ich dachte nicht daran!« »Warum dachtest du nicht daran? Aber warum denn nicht?« »Weil ich meinte, es wäre genug für mich!« »Sieh einmal die große Menge Kuchen.« »Ich hätte sie schon bezwungen!« »Nun, so nimm sie!« »Nein!« rief Julius, »Maria muß auch welchen haben.« Er theilte sogleich für Maria ab. Jean Paul fragte sehr ernsthaft: »Wie heißt du?« »Julius«, sagte der Kleine. »Julius, wenn ich dir nun deinen Kuchen wegnehmen wollte?« »Ach nein! da hättest du ihn mir nicht gegeben.« »Warum das, ich bin ja groß und habe die Kraft dazu.« »Die hast du freilich, aber nicht das Recht, denn was man behalten will, das gibt man nicht weg.« Es ging noch eine Weile so fort. Maria aß indessen wohlgemuth ihren Kuchen, und Julius auch.[246] Die Kinder verursachten gar keine Störung. Julius schien zu empfinden, daß er ein höheres Wesen vor sich hatte. Es war ein allerliebstes Gemisch in dem Wesen des Kindes gegen Jean Paul, ein Gemisch von Zärtlichkeit und Scheu, das ihm sehr wohl stand. Jean Paul hatte im allgemeinen Liebe zu Kindern und wußte mit ihnen umzugehen. Kraukling verlor seinen Julius früh. In dem Augenblick eines solchen Verlustes sieht man nicht ein, welch ein Glück es für ein solches Kind ist, in die Heimat zurückzukehren. Die Franzosen haben ein Gefühl davon, sie sagen gewöhnlich: »Das ist nun ein kleiner Engel in Gottes Reich!« Auch wenn ein Kind im Schlafe lächelt, sagen sie: »Es lächelt den Engeln zu!« Dies war wenigstens der Fall, als ich dort war. Es ist mir vorgekommen, als wären sie später von solchen anmuthigen Vorstellungen minder erfüllt gewesen. Vielleicht hatten die Greuel und Leiden der Schreckenszeit das Gemüth der Bessern unter ihnen weicher und empfänglicher gemacht, und die Wiederkehr der Ruhe wirkte abkühlend, abstumpfend auf ihr feineres Gefühl. Nach meinem Urtheil bedarf diese Nation, nachdem sie durch so viele schroff durcheinander geworfene Phasen gekommen, von nun an noch schwerern Unglücks, als sie bisher Schlag auf Schlag erlitten, um wieder zu Gott zurückzukommen und ihr eigenes Selbst zurückzugewinnen. Ihre Vertilgung durch Feuer und Schwert bahnt ihre Wiedergeburt vor, die Grundelemente ihres Wesens sind liebenswürdig und großartig, doch die bisherigen Misgeschicke und Wechsel haben ihnen nur gezeigt, was sie können, nicht was sie sollen.

In die Reihen der Personen, die ich sehr ungern verließ, gehörten noch vor vielen die Witwe Madame Fechner, Mutter des geistreichen Physikers und des rühmlich bekannten[247] Malers dieses Namens, und ihre sehr liebenswürdigen Töchter. Es athmete in diesem Kreise die frische belebende Luft schönen geistigen Seins, echten gemüthlichen Sinnes, hingebender Traulichkeit, warmen Gefühls für Kunst und Bildung.

Der hochverdiente Director der Blindenanstalt in Dresden und seine edle Gattin erholten sich gern in diesem Kreise von den strengen Uebungen ihrer drückenden Pflichten; drückend zwar nicht für sie, die ihnen ihr Dasein geweiht hatten.

Den Kreis der Familie erheiterte noch eine liebenswürdige alternde Dame, eine Gräfin Schmettau. Wenig von außen bedürfen Menschen, die in sich selbst beglückt sind, denen Arbeit eine Lust ist. Der Genügsame hat die rechte Lebenskunst inne. Die Fülle des Reichthums ist dem Genuß feindselig, sie steigert die Bedürfnisse, statt dem Besitze seinen Werth zu lassen. Der Sonnenstrahl, der die Wellen des stillen Baches vergoldet, welcher vor der Hüttenthür des armen Landmanns rieselt, durchdringt das Herz des Genügsamen, und weidet sein Auge mit süßerer Pracht, als die goldene Zier der Paläste.

Durch die reine Gebirgsluft und den Harzduft der Tannen belebt, gewann mein lieber Max ein neues Aufblühen. Die Badegäste hatten Schandau verlassen. Wir blieben noch solange, als die Verhältnisse es zuließen, denn der Herbst war entzückend. Zudem war eine Familie angelangt, deren Umgang uns wahrhaft beglückte. Es war Hofrath Clarus mit seiner liebenswürdigen Frau und hoffnungsvollen Kindern, der hier reine Luft und Einsamkeit suchte, um ein wichtiges wissenschaftliches Werk ruhig und freudig zu vollenden. Seine Frau und Kinder brachten die Abende bei mir zu. Es muß mir geahnet haben, daß ich nicht[248] wieder so glücklich werden würde wie damals, denn das Scheiden that mir unbeschreiblich weh.

Mein ältester Sohn kränkelte sehr, das Uebel fiel ihm auf die Augen. Dr. Rosenberg aus Kurland brachte bald und glücklich eine Heilung zu Stande. Wie schon erwähnt, hatten mehrere Aerzte geäußert, daß er entweder Meerbäder oder reine Schwefelbäder brauchen müßte; letztere gäbe es in Deutschland nur zwei: Baden bei Wien, oder Aachen. Das erste sei das kräftigste, unvermischteste.

Die Nothwendigkeit dieser Reise war ein harter Schlag für mich. Ich würde das Meerbad vorgezogen haben, aber der Weg dahin war zu weit, der Aufenthalt zu theuer; Wien lag näher. Ich hatte dort alte Freunde. Eine weitere mächtige Lockung dahin war meine Oper »Euryanthe«; es ließen sich dort literarische Verhältnisse anknüpfen, die ich nicht hoffen konnte, in einem Seebad zu finden.

Karl Maria von Weber misbilligte meinen Entschluß, und rief aus: »Ei, Sie werden doch nicht nach Wien gehen! Sie können sich keinen Begriff von der Censurstrenge machen. Gesetzt einmal, sie wollten drei Gänse kaufen, und ließen es in die Zeitung setzen, da meint die Censur: ›Himmel, was will die Frau in ihrer kleinen Haushaltung mit drei Gänsen!‹ Und sie streicht Ihnen zwei.« Ich lachte, und ging gleichwol hin.

Quelle:
Chézy, Helmina von: Unvergessenes. Leipzig 1858, Band 2, S. 192-249.
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