Erstes Kapitel.
[15] Meine Kindheit. – Eine Mozart-Erinnerung. – Begegnung mit Schiller. – Das Elternhaus. – Schillers Tod und Begräbnis.

Ich bin zu Weimar im Jahre 1797 geboren und der einzige Sohn des Schauspielers Anton Genast, der zwanzig Jahre unter Goethes Leitung als Regisseur bei dem Weimarischen Hoftheater wirkte.

Er war 1765 zu Drachenberg in Schlesien geboren, wo sein Vater beim Fürsten von Hatzfeldt das Amt eines Haushofmeisters bekleidete und nicht Genast, sondern Kynast hieß. Er hatte eine Menge Geschwister und wurde als der befähigtste unter den Söhnen gegen seinen Willen in die Jesuitenschule nach Krakau geschickt und dem geistlichen Stande gewidmet. In seinem zwanzigsten Jahre kehrte er, reich an wissenschaftlichen und Sprachkenntnissen, in seine Heimat zurück. Dort sollte er, nach dem Willen seines Vaters, als Kaplan eintreten; all sein Widerstreben und seine Bitten halfen ihm nichts, und so faßte er sich ein Herz und ging, mit wenigen Talern in der Tasche, seinen Eltern durch. Er wollte Schauspieler werden, und sein nächstes Ziel war Breslau; dort wurde er aber abgewiesen, und so wandte er sich nach Bunzlau, wo eine reisende Komödiantentruppe ihr Wesen trieb und wo er nach einigen Proberollen mit wöchentlich einem Taler Gage[15] engagiert wurde. Auf dem geschriebenen Theaterzettel erschien sein Name dort zum ersten Male als Genast. Über ein Jahr trieb er sich nun bei solchen Gesellschaften herum, sang und spielte in allen möglichen Fächern, bis ihn im Jahre 1786 sein guter Stern nach Prag zu Wahr führte, der dort Direktor des deutschen Schauspiels war. Auch eine italienische Oper unter Guardasoni war dort; sie soll eine der besten der damaligen Zeit gewesen sein. Da mein Vater der italienischen Sprache mächtig war, so machte er auch bald Bekanntschaften unter den italienischen Sängern. Mit Bassi, für den der Don Juan geschrieben ist, wurde er sogar befreundet, und durch ihn lernte er den unsterblichen Mozart kennen. Es muß ein flottes künstlerisches Zusammenleben gewesen sein. Ich lasse hier ein Pröbchen davon meinen Vater selbst erzählen.

»Von Don Juan war bereits eine Theaterprobe gewesen, aber noch war keine Ouverture fertig, auch bei der Vorprobe fehlte sie noch, und Guardasoni machte dem Komponisten ernstliche Vorwürfe, daß nun wahrscheinlich die Oper ohne Ouverture gegeben werden müsse. Mozart aber, ganz unbekümmert darüber, nahm noch am Tage vor der Hauptprobe ein Souper bei einem geistlichen Herrn ein, zu welchem auch Bassi, Guardasoni, Wahr und ich geladen waren. Die Gesellschaft war sehr vergnügt; der geistliche Herr, ein Lebemann, regalierte uns mit trefflichen Speisen und mit noch trefflichern ungarischen Weinen, denen Mozart tüchtig zusprach. Die immer lebhaftere Unterhaltung ging teils in italienischer, teils in lateinischer Sprache vor sich. Bis auf den geistlichen Herrn waren uns allen die Zungen etwas schwer geworden, und erst nach ein Uhr trennte sich die Gesellschaft. Wahr und ich übernahmen es, Mozart nach Hause zu bringen, und auf dem Weg dahin sang er fortwährend Phrasen aus Don Juan, aber immer kam er wieder auf Finch' han dal vino calda la testa, das Champagnerlied, zurück.[16] Die scharfe Oktoberluft und das Singen hatten ihn, als wir in seiner Wohnung ankamen, völlig seiner Sinne beraubt. Im vollen Anzuge warf er sich aufs Bett und schlief sofort ein. Da uns die Beine auch schwer geworden waren und wir den weiten Weg nach Hause scheuten, setzten wir uns auf ein altes Federsofa, und Morpheus nahm uns ebenfalls in seine Arme. Aus unserem süßen Schlummer wurden wir plötzlich durch kräftige Töne geweckt und sahen bei unserem Erwachen voll Erstaunen Mozart bei einer düstern Lampe an seinem Pulte sitzen und arbeiten. Keiner von uns wagte ein Wort zu sagen, und mit wahrer Verehrung hörten wir die unsterblichen Gedanken sich entwickeln. Ohne ferner ein Auge zu schließen, hörten wir zu und verhielten uns ganz still. Nach 9 Uhr sprang er mit den Worten auf: »Na! da steht's ja!« Ein Gleiches taten auch wir, und mit Erstaunen rief er: »Ja, was Teufel! wie kommt denn ihr daher?« Mit Begeisterung küßten wir ihm seine schönen weißen Hände. Er trennte die Partitur und bat uns, sie sofort den vier Kopisten im Bureau zu übergeben. »Nun wollen wir a bissel schlafen,« sagte er. Abends lagen, teilweise noch naß, die ausgeschriebenen Stimmen auf den Pulten. Ich hatte keine der früheren Proben versäumt, und um so größer war die Wirkung, welche die Ouverture auf mich machte. Bassi war unübertrefflich als Don Juan! In Prag herrschte zu jener Zeit ein kompetentes Urteil in allem, was Musik betraf, darin war man allen deutschen Städten voraus, und so mußte denn dies Meisterwerk schon ein enormes Glück machen. Zwanzigmal wurde die Oper hintereinander bei gedrängt vollem Hause gegeben.«

Mein Vater besaß eine sehr hübsche Tenorstimme, darum beschäftigte ihn Wahr hauptsächlich im deutschen Singspiel als Tenorbuffo, wozu er das meiste Talent mitbrachte. Für dies Fach erhielt er auch im Jahre 1791 einen Antrag nach[17] Weimar, vorher aber kehrte er noch einmal in seine Heimat zurück, um eine Versöhnung mit Vater und Mutter herbeizuführen.

Kaum war mein Vater in Weimar angekommen, so wollte er auch schon wieder fort, denn großes Entsetzen flößte ihm die kleine Stadt ein, wo Rinder-, Schaf- und Schweineherden ungehindert durch die Straßen wandelten. Auch das vornehme Kopfnicken, womit Goethe ihn empfangen, behagte ihm nicht, aber er machte bald viele angenehme Bekanntschaften, die ihn fesselten, vor allen die eines einfachen, lieblichen und bildschönen Bürgermädchens, meiner Mutter. Ich sehe noch im Geist die großen, veilchenblauen Augen, die ich so oft mit kindlicher Liebe geküßt, das schwarze Haar und die schlanke Gestalt. Meines Vaters weitern Lebenslauf und seine Wirksamkeit als Regisseur beim Weimarischen Hoftheater werde ich dem Leser später mitteilen.


Ich hatte nur eine um drei Jahre ältere Schwester; sie war mein Spielkamerad und tat es mir in allen Künsten, wie Ringen, Laufen, Springen, Steinschleudern usw. weidlich zuvor; eigentlich hätte sie die Hosen und ich den Weiberrock tragen müssen, denn sie war ein kleiner Teufel.

Die wichtigste meiner Kindererinnerungen fällt in das Jahr 1803.

Die jetzige Schillerstraße hatte früher ein ganz anderes Ansehen. Auf der Südseite lag der Stadtgraben, an den sich unmittelbar zwei Reihen hochstämmiger Linden schlossen, die sich vom inneren Frauentor bis an das Palais, den Witwensitz der Herzogin Anna Amalia, erstreckten. Neben der Allee, die man Esplanade nannte, war die Fahrstraße, die sich an die Stadtmauer lehnte und hinter welcher sich kleine Gärten befanden, die zu den Häusern der Windischen Gasse gehörten. In der Front der Stadtmauer standen damals[18] nach der Südseite zwei bis drei Häuser, von denen Schiller eins ankaufte. Das erwähnte Palais, an welches sich ein sehr hübscher Park schloß, der durch einen Bach und eine Reihe Pappeln von der Straße getrennt war, lag in einer Vertiefung, die früher wohl auch zum Stadtgraben gehört haben mag.

Eines Tages ging ich mit meinem Vater nach dem Theater, welches dem Palaisgarten gegenüber lag. Er hatte dort einige Geschäfte zu besorgen und hieß mich warten, bis er zurückkäme. Während ich allein blieb, lehnte ich mich an das einfache hölzerne Geländer, welches zwischen den Pappeln angebracht war, und sah hinab in den großen, schönen Garten; da saßen zwei Damen auf einer Gartenbank und strickten. Die eine hatte so schöne große Augen wie meine Mutter, nur daß sie ganz himmelblau waren, die andere hatte ein spitzes Gesicht und schien mir etwas bucklig zu sein. Nicht lange dauerte es, so rief mich der Vater, ich sprang zu ihm und fragte: »Vater, wer sind denn die Damen, die da sitzen? Der Vater schielte seitwärts hin und erwiderte: »Das ist die Herzogin Amalia und ihre Hofdame, die Göchhausen.«

Wir gingen nun der Esplanade zu. Auf ihr begegnete uns ein großer Mann mit langen Armen und langem Rock, hagerem Gesicht, gebogener Nase, bloßem Kopf; mir fiel er sehr auf, besonders im Gegensatz zu meinem Vater, der klein und dick war, ein volles Gesicht und eine Stumpfnase hatte. Der Mann begrüßte ihn freundlich und fing mit ihm ein Gespräch über das Theater an; währenddem strich er mir durch meine Flachshaare, streichelte mir das Gesicht, nahm mich endlich sogar auf den Arm und tänzelte, mich immer dabei liebkosend, mit mir die Allee dahin. Als er uns verließ, fragte ich: »Vater, wer war denn der lange Mann?« »Das war Schiller, mein Sohn!« sagte der Vater eindringlich bedeutsam zu mir. Ja, was wußte ich dummer Junge damals[19] von Schiller; aber doch sah ich dem Mann lange nach, und obgleich ich ihm nie wieder begegnete, ist doch sein Bild treu in meinem Gedächtnis geblieben.

Wir hatten ein Häuschen, das am Abhang des Sperlingsberges lag und dessen Räume in jeder Beziehung niedlich waren. Die Beletage bestand aus einer Stube und Kammer; ebensoviel Piecen enthielt auch das Parterre nebst einer Küche, ein kleiner Hof das Federvieh, Holz- und andern Stall, worin sich die unvermeidliche Ziege befand, die jede Weimarische Bürgerin haben mußte, wollte sie für eine wirtschaftliche Hausfrau gelten. Für Futter brauchte nicht gesorgt zu werden, denn in diesem netten Stadtviertel wuchs Gras genug auf den Straßen. Die Krone von diesem kleinen Rittergut war ein Garten, der wenigstens zwanzig Schritte im Quadrat hatte und in dem sich außer einigen Gemüsebeeten ein Apfel-, ein Birn-, ein Kirsch- und zwei Pflaumenbäume befanden. Lange bevor das Obst reif wurde, bewies ich meine Fertigkeit im Klettern, dann erscholl wohl aus dem Hinterfenster einer Nachbarin: »Verfluchter Junge, willst de gleich vom Bome! se sinn ja noch nich reif!« Alles kam mir noch riesengroß vor, als ich in meinem achten Jahre dies Eldorado verlassen mußte, und wäre wahrscheinlich in meiner Phantasie auch so geblieben, da ich seit jener Zeit die Schwelle dieses Hauses nie wieder betreten hatte, hätte nicht meine Frau, nachdem ich im Jahr 1829 nach Weimar zurückgekehrt, kurz nach unserer Ankunft den Wunsch geäußert, die Stätte zu sehen, wo ich geboren worden war.

Der Zimmermann, der vor 25 Jahren das Haus von meinem Vater gekauft hatte, wohnte noch mit seiner Frau darin. Freundlich wurden wir von dem alten Ehepaar empfangen, als ich ihnen unsern Wunsch mitgeteilt. Mit ganz eigenen Gefühlen betrat ich gebückten Hauptes, damit mein Kopf nicht mit dem Rahmen der Tür in unangenehme Berührung[20] käme, die ehemalige Wohnstube. Ja, da stand er noch, der alte Kachelofen, hinter den ich und meine Schwester uns gekauert hatten, wenn uns die Magd oder eine alte Muhme grausige Spukgeschichten erzählten. Daneben war die kleine Kammer, wo ich das Licht der Welt erblickt hatte. Ich hatte oft gegen meine Frau mit einem gewissen Selbstgefühl von unserm wohnlich geräumigen Besitztum gesprochen, und jetzt war alles so klein und ärmlich, daß ich in namenlose Verlegenheit geriet; noch hoffte ich auf den Garten, aber auch der machte mich zum Aufschneider, als ich hineintrat. Voll Ärger sagte ich: »Ach! der ist ja viel größer gewesen!« Der Zimmermann versicherte aber, daß nicht ein Stückchen davon weggekommen sei, und auch die Nachbarsleute, von denen ein altes Gesicht nach dem andern aus den Hinterfenstern heraussah – denn es war ja ein förmliches Ereignis, daß das kleine wilde »Edewardchen« mit seiner großen schönen Frau den Nachbar besuchte – bestätigten die Aussage. »Ja, ja, mein liebes Madamchen!« rief eine alte Frau, »wir haben das kleene Edewardchen oft genug da herumspringe sehn; was konnte der klettern und was vor scheene Purzelböme konnte er schlage.« Das war vermutlich die Dame, die öfter geschrien hatte: »Verfluchter Junge, willste gleich vom Bome!« Ich war ganz ergrimmt gegen mich, als wir uns den Nachbarsleuten empfohlen und dem alten Ehepaar die Hand gedrückt hatten, und voll Schamgefühl über meine Großtuerei meiner Frau gegenüber; aber sie drückte meinen Arm an sich und sagte: »Du glaubst nicht, welche süßen Gefühle mich in diesem Augenblicke beleben, und wie mich deine kindliche Phantasie teils belustigt, teils gerührt hat. Es ist gar zu schön, die Stätte kennen zu lernen, wo uns das Liebste geboren worden ist.«

Im Jahre 1805 verkaufte mein Vater die eben beschriebene Besitzung und wir bezogen ein neues Haus am Graben.

Am 9. Mai dieses Jahres kam mein Vater sehr spät in[21] der Nacht nach Hause. Er trat weinend zum Bett meiner Mutter und sagte: »Schiller ist tot!« Nachdem er uns geküßt und mit der Mutter noch einiges gesprochen, legte auch er sich zu Bett, aber ich hörte ihn noch lange stöhnen und seufzen.

Hier ist es wohl am Orte, eines Umstandes zu gedenken, welcher irrtümlich zum Nachteil der Anordner von Schillers Begräbnis und der damaligen Bewohner Weimars schon so oft ausgebeutet worden ist. Zunächst verweise ich den Leser auf die kleine Broschüre: »Schillers Beerdigung«, von Dr. Julius Schwabe aus den Papieren seines Vaters Karl Leberecht Schwabe herausgegeben (Leipzig 1852). Sie enthält eine getreue Darlegung des Tatbestandes und stimmt ganz mit dem überein, was mir mein Vater darüber mitgeteilt, nur daß nicht bloß, wie dort ausgesprochen ist, Gelehrte und herzogliche Beamte den Sarg des großen Toten trugen und bestatteten, sondern auch die Mitglieder des Hoftheaters: die beiden Regisseure Genast und Becker, mit denen Schiller fast in täglichem Verkehr gestanden, die Schauspieler Malkolmi, Graff, Haide, Unzelmann, Oels und Wolff, die ihm mit inniger Liebe ergeben waren, weil er ihnen stets ein wohlwollender Lehrer und Leiter bei ihren Aufgaben gewesen, folgten seiner Bahre und nahmen teil an dem Trauerzug. Dem älteren Schwabe kommt das Verdienst zu, daß Schillers Begräbnis nicht so einfach wurde, wie es die Witwe selbst gewünscht und wie sie den damaligen Oberkonsistorialrat Günther damit beauftragt hatte; er ging mit Genehmigung der Frau von Schiller zu Günther und sagte ihm: »Ich bin von Frau von Schiller an Sie gewiesen und bitte Sie dringend, zu gestatten, daß nicht Handwerker, sondern Männer, welche Schillers Genius zu würdigen wissen[22] und es lebhaft empfinden, was die ganze gebildete Welt an ihm verloren hat, ihm die letzte irdische Ehre erweisen und ihn zu Grabe tragen dürfen.« Schwabe erhielt die trockene Antwort von Günther: »Ja, lieber Freund, das geht nun nicht mehr, es ist schon alles angeordnet; alles soll in der Stille geschehen, auch sind bereits die Träger bestellt.« Nach langem Bitten und erst als Schwabe das Versprechen gegeben, die Träger zu bezahlen, wenn sie auch nicht den Sarg trügen, wurden diese abbestellt und von dem geistlichen Herrn Schwabe die Erlaubnis zu seinem Vorhaben erteilt. Nachts um 12 Uhr fand die Beerdigung statt. Vor dem Sarge gingen die Schüler der ersten Klasse mit Laternen; diesen folgten die oben genannten Herren vom Theater, außer Graff und Haide, die den Sarg mit trugen. Die ferneren Träger waren Karl und Wilhelm Schwabe, Professor Voß, Gebrüder Träuter, St. Schütze, Klauer, Helbig, Irrgang, Brehme, Kannegießer, Oettelt, Lungershausen, Jagemann, Westermeyer, Weißer und Stark, alle teils Staatsbeamte, teils Maler, Bildhauer und Literaten. Hinter dem Sarge ging ein großer Mann in einen Mantel gehüllt, der fast das Gesicht bedeckte, der Sage nach Goethe; dem war aber nicht so, denn dieser war krank und wußte nichts von Schillers Tod, noch weniger von dessen Beerdigung. Schillers Schwager, Herr von Wolzogen, war von Naumburg zu diesem Akt der Trauer herübergekommen.

Ein Schrei der Entrüstung erscholl in der ganzen literarischen Welt über den Vandalismus, daß Schillers Leiche von Schneidern getragen worden wäre, und besonders schrie Herr von Archenholtz Zeter über Weimar. Es war dem guten Manne nicht bekannt, daß die Toten, die im Leben einen hohen Rang eingenommen, von den Innungen, welche man allerdings dafür bezahlte, zu ihrer letzten Ruhestätte gebracht wurden; dies war der damalige Brauch, und niemand[23] konnte sich ohne spezielle Erlaubnis der Behörde dem entziehen. Wenn aber auch der Sarg von Schneidern getragen worden wäre, so wäre Schillers Leiche dadurch doch nicht entehrt gewesen, selbst nicht was die Würdigung seiner Größe betrifft, denn mancher dieser Handwerker war vielleicht vertrauter mit Schillers Werken als viele der Schreier.

Rochlitz sagt in seinem Werke »Für Freunde der Tonkunst« über seinen Aufenthalt in Weimar: voller Erstaunen hätte er einfache, schlichte Handwerker ganze Stellen aus Wallenstein ohne Anstoß rezitieren hören; und noch jetzt findet man unter dieser Klasse mehr Verehrer Schillers als unter der sogenannten gebildeten Welt.

Auch Goethes Sarg wurde von vierundzwanzig Weimarschen Bürgern, die allen Gewerken angehörten, getragen und in der Fürstengruft beigesetzt.

Quelle:
Genast, Eduard: Aus Weimars klassischer und nachklassischer Zeit. Erinnerungen eines alten Schauspielers. Stuttgart 1919, S. 15-24.
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