Sechstes Kapitel.
Mitteilungen meines Vaters. II.
[63] Goethes und Schillers gemeinsames Wirken (1799–1805): Neu-Aufführungen: »Mahomet«, »Macbeth«, »Maria Stuart«, »Tancred«, »Die Brüder«, »Nathan der Weise«, »Jon«, »Turandot«, »Iphigenie«, »Braut von Messina«, »Natürliche Tochter«, »Jungfrau von Orleans«, »Julius Cäsar«, »Wilhelm Tell«, »Götz von Berlichingen«, »Huldigung der Künste«, »Phädra«. – Schillers Tod und Goethe.

Zum 30. Januar 1800 wurde der »Mahomet« vorbereitet und Schiller leitete die Proben. Das Stück ging rund und glatt zusammen, wollte aber bei dem Publikum nur wenig Anklang finden, obgleich Vohs und die Jagemann als Mahomet und Palmire vortrefflich waren. Um so größeren Beifall erhielt »Macbeth«, der zum erstenmal am 14. Mai aufgeführt wurde.

Schillers Bescheidenheit, namentlich bei seinen eigenen Werken, war fast übertrieben. Ein Beispiel möge hier folgen.

Unserem Vohs, der, wie ich früher schon bemerkte, ein ausgezeichneter Künstler war, hatte Schiller die Rolle des Macbeth zugeteilt. Bei der ersten Theaterprobe war er seiner Aufgabe noch gar nicht so mächtig, wie man es von ihm erwarten durfte, und selbst die lauteste Hilfe des Souffleurs fruchtete nur wenig. Da aber Vohs wegen seines eminenten Talents bei Goethe und Schiller in hoher Achtung stand und man seine Reizbarkeit kannte, so machten Dichter und Direktor gute Miene zum bösen Spiel und keine Rüge erfolgte ob der Nachlässigkeit. Dieser störende Übelstand trat aber auch bei der Hauptprobe hervor; Goethe schwoll nun die Zornesader und er rief, da ich zu fungieren hatte, mit seiner mächtigen Stimme: »Herr G'nast« (Goethe liebte es, meinen Namen zu apostrophieren), »verfügen Sie sich zu mir herab!« Er, Schiller und Meyer saßen im Parterre[64] und der zweite Akt war eben zu Ende. »Was ist denn das mit diesem Herrn Vohs?« fuhr er mich an. »Der Mann kann ja kein Wort von seiner Rolle; wie will er denn den Macbeth spielen? Sollen wir uns vor den höchsten Herrschaften und dem Publikum blamieren? Man sistiere das Stück für morgen, und Sie brauchen das Warum weder vor Herrn Vohs noch dem Personal zu verschweigen.« Schiller suchte Goethes Zorn zu beschwichtigen und rühmte die künstlerische Ruhe von Vohs, seine Genialität, die ihn gewiß bei der Darstellung über diese Klippe hinwegführen würde, denn die Auffassung des Charakters sei doch vortrefflich. Auch ich stimmte der Ansicht Schillers bei, und Goethe, der schon aufgestanden war, um das Theater zu verlassen, fügte sich endlich, beauftragte mich aber, Vohs im Vertrauen einen Wink zu geben, was ich wohlweislich bleiben ließ, da ich die heftige Gemütsart von Vohs nur zu gut kannte.

Die Vorstellung fand den anderen Tag statt. Der Andrang des Publikums war enorm, besonders auf der Jenaischen Straße. Bruder Studio hatte sich in pleno aufgemacht zu Fuß, zu Roß und zu Wagen, um der ersten Vorstellung des »Macbeth« beizuwohnen. Der Beifall steigerte sich von Akt zu Akt, und namentlich war es Vohs, der das Publikum enthusiasmierte. Nach dem zweiten Akt kam Schiller auf die Bühne und fragte in seinem herzigen schwäbischen Dialekt: »Wo ischt der Vohs?« Dieser trat ihm mit etwas verlegener Miene und gesenktem Kopf entgegen; Schiller umarmte ihn und sagte: »Nein, Vohs! ich muß Ihne sage: meischterhaft! meischterhaft! Aber nun ziehe Sie sich zum dritte Akt um!« Vohs mußte anderes erwartet haben. Denn mit inniger Freude dankte er Schiller für seine unbegrenzte Nachsicht. Dann wandte sich Schiller mit den Worten zu mir: »Sehe Sie, Genascht, wir habe recht gehabt! Er hat zwar andere Vers gesproche, als ich sie geschriebe hab, aber er ischt trefflich!«[65] Schiller war eben ein Mann, dessen Milde und Liebenswürdigkeit ganz unwiderstehlich jeden anzog, der das Glück hatte, in seiner Nähe weilen zu dürfen. Ich war nur ein kleines Licht an der Weimarschen Bühne, aber er erkannte bald, wie ehrlich ich es mit der Kunst meinte und daß ich mich mit ganzer Hingebung der Sache widmete; darum würdigte er mich öfters seines Vertrauens und ich durfte als Regisseur ohne Rückhalt meine Ansicht gegen ihn aussprechen. Er war für mich der Stern einer milden Sommernacht, zu dem ich mit unbegrenzter Verehrung und Liebe aufblickte, während Goethe mich öfters die Mittagshitze einer Julisonne empfinden ließ, obgleich er mir ebenfalls gewogen war.

Schiller rezitierte und spielte zuweilen in den Proben den Schauspielern einzelne Stellen vor. Sein Vortrag wäre sehr schön gewesen, wenn nicht der Dialekt die Wirkung hier und da etwas abgeschwächt hätte; aber trotzdem, daß seine Haltung steif und gebückt, daß seine Bewegungen durchaus nicht plastisch waren, riß er uns alle durch sein Feuer und seine Phantasie zur Begeisterung hin. Er war in der Karlsschule erzogen, wo bei den damaligen dramatischen übungen der Schüler die Unnatur der französischen Tragödien als Norm galt, und diese trat zuweilen bei seiner Rhetorik, wenn auch nicht störend, hervor. Besonders liebte er den Schluß einer Rede mit gewaltigem Pathos ins Publikum zu schleudern, und das an und für sich schon Grelle wünschte er öfters noch greller hervorgehoben. Daß Alba im »Egmont« im fünften Akt als Henker mit großem rotem Mantel und tief ins Gesicht gedrücktem Hut erscheinen mußte, geschah auf seine Anordnung; unser Veteran Graff, der der erste Darsteller[66] des Alba war und ihn noch in den dreißiger Jahren spielte, ließ sich diesen Theatercoup weder von der Intendanz, noch von der Regie nehmen und erwiderte stets: »Schiller hat es so gewollt!« Goethe war damit einverstanden und beide wußten recht gut, was sie taten. Ferner wünschte Schiller nach der ersten Aufführung des »Macbeth«, daß die Teller, welche die Lady spielte, bei der Wiederholung des Stücks gleich nach der Ermordungsszene die Hände ein wenig rot anstreiche, damit das Ringen derselben im fünften Akt dem Publikum verständlicher würde. Goethe aber wußte ihn von dem Gedanken abzubringen, der übrigens nicht sein eigen war, sondern von England stammt, wo allerdings die Lady nach dieser Szene mit bluttriefenden Händen erscheint, die sie bei den Worten: »Meine Hände sind blutig wie die deinen!« förmlich auswindet. Der Himmel bewahre unsere deutsche Bühne vor solcher Wahrheit!

Schiller war, wie wir gesehen, bei den Proben voll Nachsicht und Freundlichkeit gegen die Schauspieler, man mußte ihn liebgewinnen; und doch gab es einige gelehrte Thebaner unter diesen, die sich klüger dünkten als er, weil ihnen die sogenannten Handgriffe des Bühnenlebens mehr zu Gebote standen; und sonach kamen Widersprüche bald von dieser, bald von jener Seite. Mich brachte die Anmaßung dieser Leute öfters in Harnisch und ich hätte gern mit Fäusten drein geschlagen, aber Schiller widerlegte stets mit der größten Freundlichkeit oft ganz widersinnige Ansichten.

Dem »Macbeth« folgte »Maria Stuart«, die am 14. Juni 1800 gegeben wurde. Schiller las, da der fünfte Akt noch nicht beendet war, uns zunächst vier Akte vor und nach wenigen Tagen auch den letzten.

Bei der Besetzung der beiden Königinnen war man zweifelhaft, ob man der Vohs die Maria und der Jagemann die Elisabeth geben sollte, oder umgekehrt. Endlich entschied[67] der Vohs schlanke, üppige Gestalt für die Maria und der Jagemann geistige Kraft für die Elisabeth.

Die letztere war anfänglich höchst ungehalten darüber und sandte die Rolle mit dem Bemerken zurück, daß weder ihre Persönlichkeit noch ihr Talent sich für die Elisabeth eigne; aber Schillers freundliche Bitte und seine treffliche Auseinandersetzung des Charakters gewannen sie vollkommen, und mit einer wahren Leidenschaft ging sie endlich an das Studium dieses Charakters. Schiller hatte auch in seiner Ansicht vollkommen Recht; die Vohs war eine sehr schöne Frau und ihr Talent allenfalls ausreichend für die Maria, zur Elisabeth aber fehlte ihr die geistige Fähigkeit.

Schiller leitete die Proben mit unermüdlichem Eifer und trefflicher Anordnung. Einen großen Anstoß gab die Abendmahlszene, und Herder besonders soll gegen diese Profanierung der Kirche protestiert haben; dennoch wurde sie dargestellt, aber nur einmal, denn das Publikum selbst erklärte sich dagegen.

Von allen Orten waren Zuschauer herbeigeströmt und alle Räume des Auditoriums bis auf den letzten Platz besetzt. Schillers Ruhm hatte sich nicht nur in den Städten Thüringens, sondern auch auf den Dörfern schon verbreitet, und selbst Bauern sah man im Theater, wenn ein Schillersches Stück gegeben wurde. Die Darstellung ging gut zusammen. Besonders war die Rezitation tadellos, denn die Schauspieler hatten sich bereits in die Schillerschen Jamben hineingelebt, so daß sie sich derselben öfters im gewöhnlichen Leben bedienten.

Nächst Vohs zeichnete sich darin Cordemann aus, der die gewöhnlichste Phrase in Verse, womöglich in gereimte, einzukleiden suchte, wie:


»'s ist Zeit nun, nach dem Mittagsmahl zu sehn;

Mit Gott ihr Lieben; mög's Euch wohlergehn.«[68]


Diese Übungen sollten ihm und Vohs bei einer Wiederholung der »Maria Stuart« in Lauchstädt trefflich zu statten kommen. Die Jagemann hatte an die Szene mit Leicester, am Schluß des zweiten Akts, nicht gedacht; rechtzeitig bemerkte ich, daß sie nicht an ihrem Platze stand; schnell eilte ich nach ihrer Garderobe und rief ihr durch die Tür zu, daß die Szene mit Mortimer gleich zu Ende sein würde. Von innen erscholl der Schreckensruf: »Mein Gott! ich habe an die Szene nicht gedacht und bin im Umkleiden begriffen, aber ich komme gleich!« Vorsorglich flüsterte ich aus der ersten Kulisse den beiden Spielenden die Verlegenheit zu und beide hatten Geistesgegenwart genug, sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen. Die frühere Mitwirkung in der extemporierten Komödie, in welcher der Schauspieler Selbständigkeit haben mußte, half ihnen dabei. Immer waren meine Augen auf die Kulisse gerichtet, woher die Jagemann kommen mußte; nur wenige Verse waren bis zum Schluß der Szene noch übrig. Endlich vor den Worten: »Maria hofft«, sah mich Vohs mit fragenden Blicken an, die ich pantomimisch verneinen mußte; darauf extemporierte er sechs bis sieben Verse; ein Gleiches tat Cordemann, der nochmals seine Zweifel über das Gelingen des Plans aussprach und die Worte: »Bringt ihr die Schwüre meiner ew'gen Liebe!« passend anreihte. In Todesangst hatte ich der Entwicklung dieses Dramas zugesehen, doch zum Glück erschien die Jagemann auf ihr Stichwort, allerdings ohne Krönungsmantel und Krone. Als ich Schiller bei unserer Heimkehr dieses Intermezzo mitteilte, amüsierte er sich köstlich darüber und sagte: »Ja, ja, der Vohs ischt ä ganzer Kerle, aber dem Cordemann hätt' ich's net zugetraut.«

Am 30. Januar 1801 wurde der »Tancred« zum erstenmal aufgeführt und dadurch dem Herzog eine Aufmerksamkeit erwiesen, der die französische Tragödie, wenigstens ihrer Form nach, der deutschen vorzog.[69]

Goethe hatte ganz eigene Marotten. Er liebte es z.B., mit jungen Talenten Versuche zu machen, wo sie öfters gar nicht am Platze waren. So hatte er die Rolle der Amenaide statt der Jagemann, deren Persönlichkeit und geistige Kapazität sich weit mehr für diese Rolle eigneten, dem Fräulein Caspers gegeben. Es waltete schon damals zwischen ihm und der Jagemann eine Mißstimmung, die sich in der Folge immer mehr steigern sollte, leider oft zum Nachteil des Ganzen. Was wir vorausgesehen hatten, geschah, die Caspers war durchaus nicht ausreichend und Goethe sah sich gezwungen, der Jagemann die Rolle zu übertragen.

In späterer Zeit, bei einer anderen Gelegenheit, wo »Die neue Frauenschule« von Kotzebue gegeben werden sollte, ein Stück von drei Akten, worin die Handlung nur unter drei Personen stattfindet, legte er die drei Rollen in die Hände von Anfängern. Als er mir dieselben zur Verteilung übergab, bemerkte ich ihm, daß das Stück verloren sei, wenn nicht das Wolffsche Ehepaar und die Lortzing die Träger des Ganzen wären. »Ei was,« sagte er mürrisch, »ich weiß, was ich tue! Man muß den jungen Leuten Vertrauen beweisen, denn nur so kann etwas aus ihnen werden.« »Aber hier nicht, Exzellenz,« erwiderte ich. »Das Gelingen hängt hier einzig und allein von einer trefflichen Darstellung ab, und diese ist nur zu erwarten, wenn Ew. Exzellenz die Rollen den Genannten übertragen. Das Stück, das ohnehin kein Meisterwerk ist, kann nur durch solch tüchtige Kräfte über seine Mittelmäßigkeit gehoben werden, und statt den jungen Leuten zu nützen, schaden Sie ihnen nur. Indessen haben Ew. Exzellenz zu befehlen; ich habe nur meiner Pflicht gemäß meine Ansicht ausgesprochen.« Nachdem Goethe mehrere Male mit heftigen Schritten im Zimmer auf- und abgegangen war, blieb er plötzlich vor mir stehen, mich mit seinen wunderbaren Glanzaugen anblickend, und sagte: »Den einmal hingeschriebenen[70] Namen auf einer Rolle wieder ausstreichen, wenn das Mitglied nicht abgegangen oder gestorben ist, das tue ich nicht, das wißt Ihr; so laßt denn die Titelblätter der Rollen nochmals schreiben, damit ich sie für die Wolffs und Madame Lortzing signieren kann.« So geschah es.

»Tancred« hatte ungefähr den gleichen Erfolg wie »Mahomet«; die öfteren Wiederholungen fanden mehr auf Wunsch der höchsten Herrschaften als auf den des Publikums statt.

Bei einer von ihnen hielt Schiller die Probe ab, und Goethe hatte ihn ersucht, ein wachsames Auge auf Haide zu haben, der den Tancred spielte, daß er nicht, wie bei der letzten Darstellung, die höchsten Töne seines Organs anschlagen und sich der ewigen Malerei mit den Händen und Armen enthalten solle. Der gute Haide hatte sich aber in diesen Fehler, den Goethe schon oft an ihm gerügt, förmlich verbissen; auch die Warnungen Schillers fruchteten nichts; er wollte diesem sogar seine Gründe auf das breiteste auseinandersetzen. Das brachte Schiller aus seiner würdevollen Ruhe heraus und er rief voller Zorn: »Ei was! mache Sie's, wie ich's Ihne sag' und wie's der Goethe habe will. Und er hat recht – es ischt ä Graus, des ewige Vagiere mit dene Händ und das Hinaufpfeife bei der Rezitation!« Haide stand wie vom Donner gerührt da, denn so war Schiller noch nie aufgetreten. Die Folge dieser Szene war, daß Schiller die Szenierung von »Nathan der Weise« ablehnte und die ausgeschriebenen Rollen davon an Goethe zur Verteilung schickte.

Bisher hatte man den Geburtstag der Herzogin-Mutter, Anna Amalia, im Theater nicht gefeiert, doch dies Jahr gab man ihr zu Ehren am 24. Oktober zum ersten Male »Die Brüder« von Terenz, nach einer Übersetzung und Bearbeitung von Einsiedel. Es war der erste Versuch mit Masken und für uns alle eine schwierige Aufgabe. Dieses Stück konnte als Probe dienen, auf welche Höhe der Geschmack[71] des Weimarer Publikums sich bereits geschwungen hatte, daß es diese ihm ganz fremdartige Komödie nicht allein ertrug, sondern sogar großes Interesse dafür an den Tag legte.

Nicht ganze Masken gebrauchte man; Stirn, Nase, Kinn und Bart wurden nach Bedarf des Charakters angewendet, Augen, Mund und Backen blieben frei. Die Maske des Damea war bräunlich, mit hochgezogenen Augenbrauen. Das Stück wurde bis zum Jahr 1804 achtmal wiederholt; ein Beweis, wie es dem Publikum zusagte, da das Haus immer besetzt war.

Am 28. November desselben Jahres erschien zum erstenmal auf unserer Bühne: »Nathan der Weise«. Dies Meisterwerk war von Schiller, man konnte nicht sagen unzweckmäßig, gekürzt worden. Goethe hatte bei den Lese- und Theaterproben seine große Not, einen fließenden Rhythmus bei den Darstellern hervorzubringen, denn das waren allerdings keine Schillerschen Jamben. Den öfteren Wiederholungen der Worte die nötige Abschattierung zu geben, war eine Schwierigkeit, welche die Schauspieler nicht überwinden zu können glaubten, denn diese Stilistik war ihnen ganz fremdartig; allein Goethes eiserne Geduld bei allen Proben, die er selbst leitete – Schiller hatte, wie oben schon bemerkt, die Szenierung des Stücks abgelehnt, – brachte sie doch nach und nach auf den richtigen Weg. Die erste Vorstellung war allerdings eine mangelhafte zu nennen, endlich aber ging es doch, und Graff wurde mit der Zeit ein trefflicher Nathan.

Ein zweites Stück, worin die älteren Männer in Masken erschienen und das Goethe mit großem Eifer und Fleiß in Szene setzte, war »Ion« nach Euripides, welches am 2. Januar 1802 zum erstenmal gegeben wurde. Schiller war ganz und gar gegen die Aufführung dieses Werkes, allein diesmal hörte Goethe nicht auf seinen Rat; und doch wäre es besser[72] gewesen, er hätte es getan; vielem Ärger wäre er dadurch entgangen, denn das Stück gefiel gar nicht. Aber sein Grimm gegen die erbärmliche Kotzebuesche Partei, die solche Unternehmungen Goethes nur lächerlich zu machen suchte, war zu einer ungeheuren Höhe herangewachsen, und mit einer förmlichen Heftigkeit bestand er diesmal auf seinem Sinn. In der ersten Vorstellung dieses Stücks war es, wo Goethe, als die benannte Partei bei einer Stelle lachte, in seiner Loge wütend aufsprang und mit seiner Donnerstimme rief: »Man lache nicht!« Obgleich der Bearbeiter sich auf dem Zettel nicht genannt hatte so wußte man doch allgemein, daß es Schlegel sei, der hier der griechischen Tragödie einen Platz auf der deutschen Bühne schaffen wollte. Das Theater war ganz nach altgriechischer Weise eingerichtet. Xuthus (Vohs) und Phorbas (Graff) trugen tragische Masken. Die Jagemann, als Ion, sah sehr schön aus und spielte ganz vortrefflich, wie denn überhaupt das Stück von allen Seiten gut gespielt wurde. Aber es war verlorene Mühe; nach der zweiten Darstellung ward es beiseite gelegt und kam auf dem Repertoire nicht wieder zum Vorschein. Als ich den andern Tag meinen Rapport an Goethe überbrachte, sagte er zu mir: »Nun, ich bin zufrieden mit der gestrigen Vorstellung, und was die anderen Leute dazu sagen, geht mich und Euch nichts an.« Er sprach das mit großer Gleichgültigkeit aus, aber ich fühlte recht gut heraus, daß ihn die Niederlage verstimmt hatte. Es war ihm gar nicht gleichgültig, was das Publikum zu seinen Experimenten sagte, – ich hatte Gelegenheit gehabt, das zu beobachten, – ja er hielt sogar sehr viel auf die Stimme des Publikums.

Bisher hatte Schiller außer dem »Macbeth« nur Originalstücke geliefert. Zum 30. Januar 1802 trat er mit der »Turandot« nach Gozzi hervor. Dem Publikum gefiel die Tragikomödie sehr und der Beifall steigerte sich bis zum[73] Schluß der Vorstellung. Die Vohs war, was das Äußere betraf, eine geborene Turandot, denn sie sah bildschön aus, und besonders das zurückgestrichene Haar paßte zu ihrem liebreizenden Gesicht. Bei den Worten: »Blick' her und bleibe deiner Sinne Meister!« brach ein Sturm von Beifall los. Auch die vier Masken Pantalon, Tartaglia, Brigella und Truffaldin verbreiteten große Heiterkeit. Becker als Pantalon war vortrefflich! Der fortwährend trippelnde Gang und der stets wackelnde lange Kinnbart waren von unendlich komischer Wirkung. Goethe sagte bei der ersten Leseprobe zu den Darstellern dieser Rollen: »Nun wollen wir einmal diese vier Masken ganz besonders ins Auge fassen. In Italien hatte ich großes Wohlgefallen an ihnen und sie haben mich stets ergötzt. Zunächst ist zu beachten, daß eine bedeutende Abstufung in der Charakteristik bei den vier Personen in Bewegung, Mimik und Rezitation sich herausstellt.« Nun las er uns die Szenen derselben vor und entwickelte dabei eine solche drastische Komik, daß sich unter dem ganzen Personal eine ausgelassene Heiterkeit verbreitete. Er selbst amüsierte sich höchlich dabei. »Nun,« sagte er, »versucht einmal auf diese Art und Weise den Intentionen unseres Schillers nachzukommen, aber ohne mich zu kopieren; jeder folge seinem eigenen Naturell.« Schiller konnte der ersten Leseprobe nicht beiwohnen, da er unwohl war; die zweite Leseprobe leitete er selbst, wie er überhaupt das Ganze szenierte und Goethe erst wieder an der Hauptprobe Teil nahm. Die erste Darstellung war nicht ganz befriedigend, der Ton wurde von einigen nicht so getroffen, wie ihn Schiller haben wollte. Namentlich war Graff als Altum viel zu tragisch. Bei der zweiten Vorstellung fiel dieser übelstand weg und das Ensemble wurde dadurch viel runder und glatter. Fast zu jeder Wiederholung schrieb Schiller neue Rätsel, die stets mit großem Beifall vom Publikum aufgenommen wurden.[74]

Am 15. Mai 1802 kam endlich nach langer Vorbereitung »Iphigenie auf Tauris« aufs Repertoire. Schiller war mit manchem nicht einverstanden, namentlich daß die Furien nicht wirklich erschienen, sondern der Phantasie des Publikums überlassen bleiben sollten, und daß Thoas nur im ersten und letzten Akt in die Handlung eingriffe. Allein Goethe ließ sich zu solchen Änderungen nicht bewegen, übertrug aber Schiller die uneingeschränkte Szenierung des Stücks. Mit großem Eifer machte dieser sich ans Werk und tat alles, um eine gelungene Darstellung zu ermöglichen; aber seine Mühe war vergeblich, denn die drei Darsteller der Hauptrollen waren ihren Aufgaben durchaus nicht gewachsen. Im Jahre 1807, als die Rollen der Iphigenie, des Orest und Pylades in den Händen der Wolff, Oels' und Wolffs waren, konnte man die Aufführung als eine Glanzvorstellung der Weimarschen Bühne bezeichnen. Dieses Trifolium von Künstlern war gewiß in Plastik und Rhetorik unübertrefflich.

Am 20. Juni ging die Gesellschaft nach Lauchstädt, wo das neuerbaute Theater am 26. Juni mit dem Vorspiel »Was wir bringen« und der Oper »Titus« eröffnet werden sollte. Den 23. folgte uns Goethe nach, um die Proben selbst zu leiten. Von Leipzig, Halle, aus der ganzen Umgegend strömte man herbei, um dieser Vorstellung beizuwohnen. Leider konnte das Haus die große Zahl der Zuschauer nicht fassen und die Türen nach den Korridoren, ja selbst die äußeren Türen mußten geöffnet werden, so stark war der Andrang; die armen Leute, welche da ihren Platz gewonnen, konnten freilich nichts sehen, aber alles hören, denn die Wände des Theaters waren so dünn, daß man jedes Wort, das auf der Bühne gesprochen wurde, auch außer dem Haus verstehen konnte. Damit kein Unberufener sich zu jenen Außenstehenden gesellen konnte, hatte man zwanzig Mann sächsische Dragoner[75] von dem nahegelegenen Schafstädt von der Behörde erbeten, die mit gezogenem Säbel das Theater umstellten.

Der ganze Zuschauerraum bestand eigentlich nur in einem großen Saal, der in drei Abschnitte geteilt war; den ersten, größeren, der an das Orchester stieß, nannte man Parkett, den zweiten Parterre und den dritten »letzten Platz«. Über diesem letzten Platz erhob sich ein halbrunder Balkon, auf welchem ungefähr 60 Personen sitzen konnten. Die Preise waren: 16, 12, 8 und 4 Groschen. Die höchste Einnahme, die dabei erzielt werden konnte, war gegen 300 Taler; an diesem Abend hatte sich dieselbe aber auf 350 Taler gesteigert.

Goethe hatte seinen Platz auf dem Ballon genommen. Nach dem Vorspiel brachte das Publikum Goethe ein dreimaliges Hoch, indem es sich erhob und seine Blicke nach ihm richtete. Er trat vor und sprach: »Möge das, was wir bringen, einem kunstliebenden Publikum stets genügen.« Nach diesen Worten zog er sich zurück und kam auf die Bühne, um dem Personal seine Zufriedenheit mitzuteilen.

Lauchstädt war vom letzten Dezennium des achtzehnten Jahrhunderts bis zum Jahre 1809 ein stark besuchtes Modebad. Der reiche sächsische Adel der Umgegend, sowie die ersten Familien des Leipziger Gelehrten- und Kaufmannsstandes bildeten die Spitzen der Gesellschaft. Goethe fühlte sich einige Zeit ganz behaglich in dem Treiben; seine Freunde von Leipzig und Halle besuchten ihn und er erwiderte ihre Aufmerksamkeit. In Lauchstädt schien ihn ein Individuum besonders zu interessieren, von dem er mir bei meinem Morgenrapport sagte: »Ich habe gestern abend einen originellen Menschen, ein lebendes Konversations-Lexikon kennen lernen, einen gewissen Ferdinand Baron von L., der in unserer europäischen Literatur sehr bewandert ist und sie nicht bloß oberflächlich kennt. Er schwärmt für unsere dramatische Kunst und[76] ist mit Iffland, Fleck, der Bethmann und mehreren wackeren Künstlern befreundet. Indessen scheint mir, daß er sich hauptsächlich der Spielbank und nicht des Badens wegen hier aufhält.«'

Wir blieben bis Ende August und gingen dann auf vier Wochen zum Vogelschießen nach Rudolstadt, wo eine große Masse von Fremden sich alljährlich zu diesem Hauptvergnügen des Thüringer Volkes versammelte. Der Herzog Karl August, der Herzog von Gotha, der Fürst von Sondershausen und die von Reuß, Schleiz, Greiz und Lobenstein waren zu diesem Fest gewöhnlich die Gäste des Fürsten von Rudolstadt und amüsierten sich, stets unter das Volk sich mischend, wochenlang. Auch Goethe kam zuweilen. Drollig war es anzusehen, wenn die fürstlichen Herren, Goethe mit unter ihnen, sich um eine Bratwurstbude stellten und dann, ein jeder mit einer Wurst bewaffnet, unter dem Publikum einherwandelten; oder wenn sie mit den hübschesten Landmädchen in einer Lottobude saßen und die Mädchen mit Wein oder Punsch regalierten; der Schluß war dann gewöhnlich, daß jeder seine hübsche Dirne an den Arm nahm, die Musik herbeigeholt und eine Polonaise eröffnet wurde, die den ganzen Anger und alle Säle durchwogte und an der das ganze Volk jubelnd Teil nahm. Diese Herablassung gewann ihnen aber auch die Herzen aller, nicht nur der begünstigten Schönen.

So kam nun das Jahr 1803 heran. Zu unserer allverehrten Herzogin Louise Geburtstag wurde, statt eines Werks von Goethe oder Schiller, die Oper »Soliman II.« von Süßmeyer gegeben, weil die Vorbereitung der »Braut von Messina« und der »Natürlichen Tochter« die Kräfte der Schauspieler ganz in Anspruch nahm. Eins dieser Werke hätte vielleicht zur Not an diesem Festtag zur Aufführung kommen können, aber ich glaube, es war die Absicht der beiden[77] Meister, an demselben nicht stets mit einem Werke ihrer Schöpfung hervorzutreten.

Am 19. März 1803 fand die erste Darstellung der »Braut von Messina« statt. Vier Wochen vorher hatte man mit den Leseproben, deren sechs gehalten wurden, begonnen und diesen folgten noch acht Theaterproben. Die Trochäen Daktylen, Spondäen usw. machten den Schauspielern viel zu schaffen. Erst war es die Absicht Schillers, selbst die größeren Reden des Chors unisono sprechen zu lassen; er überzeugte sich aber sehr bald, daß dadurch eine sehr große Undeutlichkeit fühlbar wurde und daß der strenge Rhythmus durchaus nicht eingehalten werden konnte. Man beschränkte sich demnach auf kleinere Perioden. Eine außerordentlich wirksame Steigerung hatte Goethe im dritten Akt, wo beide Chöre sich begegnen, angeordnet.


Cajetan: Du würdest wohl tun, diesen Platz zu leeren.

Bohemund: Ich will's, wenn bess're usw.

Cajetan, Berengar: Du könntest merken usw.

Bohemund, Roger: Deswegen bleib' ich usw.

Cajetan: Hier ist mein Platz usw.

Bohemund: Ich darf es tun usw.

Cajetan, Berengar: Mein Herrscher sendet usw.

Bohemund, Roger: Ich stehe hier auf usw.

Cajetan: Dem ältern Bruder usw.

Bohemund: Dem Erstbesitzenden usw.

Cajetan, Berengar, Manfred: Verhaßter, geh! usw.

Bohemund, Roger, Hippolyt: Nicht, bis sich unsre usw.

Cajetan, Berengar, Manfred: Find' ich dich überall usw.

Bohemund, Roger, Hippolyt: Wo mir's gefällt, da usw.

Cajetan: Was hast du hier zu usw.

Bohemund: Was hast du hier zu usw.

Cajetan, Berengar: Dir steh' ich nicht usw.

Bohemund, Roger: Und nicht des Wortes usw.

Cajetan: Ehrfurcht gebührt usw.

Bohemund: In Tapferkeit bin usw.

Cajetan, Berengar, Manfred: Nichts acht' ich dich usw.

Bohemund, Roger, Hippolyt: Ein Bessrer ist der usw.

Ganzer erster Chor: Du lügst, Don Manuel usw.

Ganzer zweiter Chor: Den Preis gewinnt usw.

Cajetan: Wäre nicht Friede, Recht usw.

Bohemund: Wär's nicht die Furcht usw.

Cajetan, Berengar, Manfred: Das Gesetz fürcht' ich usw.

Bohemund, Roger, Hippolyt: Wohl tust du dran usw.

Ganzer erster Chor: Fang' an, ich folge!

Ganzer zweiter Chor: Mein Schwert ist heraus![78]


\s*

Da der ältere Chor zumeist aus kräftigen tiefen Organen bestand, so machte die Stelle:

»Schwer und tief ist der Schlummer der Toten!« die mit mehr und mehr sinkender Stimme gesprochen wurde, eine ergreifende Wirkung.

Obgleich für das Fach der tragischen Mütter Madame Teller engagiert war, übertrug Goethe, mit Schillers Genehmigung, versuchsweise die Rolle der Isabella der Amalie Malcolmi, welche noch nicht 24 Jahre zählte. Schiller war darüber in großer Besorgnis, und ich, der ich das Stück szenarisch einzurichten hatte, war auch nicht ohne Bedenken. Indessen hatte Goethe recht gehabt, denn der Versuch glückte über alles Erwarten, wie denn überhaupt die ganze Vorstellung trefflich ging und von dem überfüllten Hause mit Beifall überschüttet wurde. Der Enthusiasmus steigerte sich am Ende so, daß trotz der Gegenwart der höchsten Herrschaften dem Dichter ein dreimaliges Hoch gebracht wurde; eine solche Akklamation hatte im Weimarschen Hoftheater[79] noch nicht stattgefunden. In kurzer Zeit wurde dieses Werk, stets bei vollem Hause, zweimal wiederholt. Die Malcolmi oder Miller, wie sie auf dem Zettel stand, leistete Ausgezeichnetes; Cordemann als Manuel war recht brav. Haide spielte den Cäsar und fiel leider wieder in den alten Fehler der Malerei, doch gab er manches Anerkennungswerte; die Jagemann als Beatrice und Graff als Cajetan waren aber unübertrefflich! Man wußte wahrlich nicht, wem von beiden man den Preis zuerkennen sollte. Nach der ersten Aufführung erhielt ich von Schiller folgenden Brief:


»Die gestrige Vorstellung ist im Einzelnen und im Ganzen so schön gegangen, daß ich der sämmtlichen Gesellschaft meinen achtungsvollsten Dank dafür bezeugen muß. Ich wende mich deswegen an Sie, werthester Herr Genast, der Sie sich die Führung des Ganzen mit so gutem Erfolg angelegen sein ließen, und bitte Sie, dies in meinem Namen der ganzen Gesellschaft zu versichern, bis ich Gelegenheit gefunden, jedem Einzelnen meinen Dank dafür abzutragen.

Haben Sie die Güte, mir das vorräthige Exemplar des Stückes zuzusenden.

Ihr ganz ergebener Schiller.«


\s*

Nachdem die »Braut von Messina« bei uns mit so großem Erfolg in Szene gegangen war, begann man nach einem Rasttag mit den Leseproben zur »Natürlichen Tochter«, die schon am 2. April zur Darstellung gebracht wurde. Obwohl großer Fleiß von Goethe und dem Personal darauf verwendet worden war, fand das Stück doch nur geringen Anklang beim Publikum.

Die Kräfte der Schauspieler wurden in diesem Jahr gewaltig in Anspruch genommen, denn am 23. April[80] kam »Die Jungfrau von Orleans« zur Aufführung. Bekanntlich hatte Schiller schon im Jahre 1801 das Werk beendet und es auf Verlangen dem Herzog Karl August zur Ansicht überreicht, auf den es auch eine große Wirkung ausübte, der aber zweifelte, daß die Aufführung des Stücks, schon wegen des großen Personals, ermöglicht werden könnte, und ob überhaupt ein Erfolg davon zu erwarten sei. Schiller, in seiner Bescheidenheit, widersprach dieser Ansicht nicht, und so legte er das Werk vorläufig beiseite, obgleich Goethe gar nicht damit einverstanden war.

Opitz, der Regisseur der Secondaschen Gesellschaft in Leipzig, hatte von diesem neuen Werke Schillers gehört; er kam nach Weimar und suchte Schiller zu bestimmen, das Stück der Leipziger Direktion zur Darstellung zu überlassen. Schiller ließ sich bewegen und wohnte selbst der ersten Aufführung in Leipzig bei, welche am 18. September 1801 stattfand. Mit außerordentlichem Beifall wurde das Werk vom Publikum aufgenommen und am Schluß Schiller ein Vivat gebracht. Dieser selbst war mit dem Spiel und der Rhetorik der dortigen Mitglieder nicht zufrieden. Bei seiner Zurückkunft sprach er sich in einer Konferenz darüber aus. Nur Ochsenheimer als Talbot wäre recht brav in der Charakteristik gewesen, aber selbst dieser hätte seine Jamben gräßlich malträtiert, und den auswärtigen Theatern gegenüber fühle er sich fast veranlaßt, seine Tragödien in Prosa umzuschreiben.

Obgleich die »Jungfrau von Orleans« in Leipzig solchen Beifall erlangt hatte, zögerte Schiller doch mit deren Aufführung in Weimar bis zum 23. April 1803. Vielleicht wäre er schon ein Jahr früher damit hervorgetreten, wenn nicht die Malcolmi, der die Rolle der Johanna zugeteilt war, wie schon erwähnt, Umstände halber hätte verreisen müssen.

Die Schauspieler gingen mit wahrer Begeisterung an[81] das Studium dieses Werkes; da aber das Personal klein war, so mußte manches von den Mitgliedern zwei bis drei Rollen übernehmen.

Eine schwierige Aufgabe für unsere geringen Mittel war der Krönungszug; um diesen nur einigermaßen anständig herzustellen, mußte die ökonomische Kommission, zu der ich gehörte, in einen sauren Apfel beißen und allerlei Anschaffungen machen. Wollene Sergen, die in hübschen Farben in Vorrat da waren, und schmale Gold- und Silbertressen spielten eine Hauptrolle dabei; pappene Helme und Rüstungen, die mit Gold- und Silberzindel überzogen wurden, schaffte man an. Der Krönungsmantel aber war hauptsächlich der Stein des Anstoßes; dieser enormen Ausgabe widerstrebte Kirms, und da er Chef über alle Vorräte der Hofhaltung war, suchte er zu diesem Zweck eine alte blauseidene Gardine hervor. Dagegen protestierten aber Schiller und Goethe auf das bestimmteste, so daß sich schließlich der gute Kirms fügen und, wenn auch mit verdrießlichem Gesicht, seine Zustimmung zur Anschaffung eines roten Krönungsmantels, versteht sich, von unechtem Sammet, geben mußte, der sich dann, wie in früheren Zeiten das Brautkleid einer Großmutter, von König zu König forterbte. Er wurde das einzige kostbare Stück, welches die Weimarsche Hoftheatergarderobe aufzuweisen hatte. Um Ersparnisse zu machen, half man sich eben, so gut man konnte, und das Publikum war damit zufrieden und staunte sogar die Pracht, die man im Krönungszug entwickelte, mit großen Augen an.

Um den ewigen, allerdings nicht ungerechten Anforderungen der Schauspieler hinsichtlich der Kostüme zu entgehen, war die Verfügung getroffen worden, jedem derselben, der ein erstes Fach spielte, ein jährliches Garderobengeld von 50 Talern zu geben, wofür er sich nicht allein die bürgerlichen, sondern auch die Ritteranzüge nebst allen Utensilien:[82] Schwert, Stiefeln, Sporen, Handschuhen, Kopfbedeckung, und den dazu gehörigen Schmuck anzuschaffen hatte. Mit den Damen war ein gleiches Abkommen getroffen worden. Die Direktion kam dabei sehr gut weg, denn es waren meistens junge Leute, die sich gern putzten und es sich lieber vom Mund absparten, um nur nicht weniger glänzend als ein anderer zu erscheinen.

Die »Jungfrau von Orleans« hatte einen außerordentlichen Erfolg; man durfte aber auch sagen, daß es eine durchaus gelungene Vorstellung war. Schiller war des Lobes voll für die Darsteller und sprach ihnen persönlich seine vollkommene Zufriedenheit aus.

Nachdem am 4. Mai noch Cervantes' »Porträt«, nach dem Spanischen von Einsiedel übertragen, am 18. Mai Schillers »Neffe als Onkel« und den 6. Juni die »Fremde aus Andros« nach Terenz von Einsiedel gegeben worden war, trat die Gesellschaft ihre gewöhnliche Sommerreise nach Lauchstädt und Rudolstadt an.

Dies Jahr folgte uns Schiller nach dem ersten Ort, und seine Ankunft daselbst erweckte großes Interesse bei den Badegästen, denn Alt und Jung schwärmte noch weit mehr für ihn als für Goethe. Aber wie anders bewegte sich Schiller in der Gesellschaft Goethe gegenüber! Die bunte Menge beängstigte ihn förmlich, und Ehrenbezeugungen, die Goethe als etwas Selbstverständliches aufnahm, wurden ihm unheimlich und machten ihn schüchtern; darum suchte er zunächst die einsamen Wege auf, um den ewigen Begrüßungen zu entgehen; aber wenn es hieß: »Schiller ist dahin ausgegangen,« wählte man gewiß den Weg, wo man ihm begegnen mußte. Er ging gewöhnlich gebeugten Hauptes durch die Massen. jedem, der ihn grüßte, freundlich dankend. Wie ganz anders war Goethe unter diesem Publikum, das alljährlich fast dasselbe war, einhergeschritten, stolz wie ein[83] König, mit hocherhobenem Haupte, das er bei einem Gruß nur gnädig neigte.

Schillers Stücke zogen stets ein großes Publikum herbei und füllten immer die Kasse. Gewöhnlich kam er während der Vorstellung auf die Bühne, und ich sah die innere Befriedigung auf seinem Gesicht, wenn er zu mir sagte: »Das ischt ja heute wieder eine recht gute Einnahm'! Ich hab' an Goethe geschrieben, daß wir recht gute Geschäfte machen.« Fast nach jedem seiner Stücke wurde ihm ein Vivat gebracht, aber um solchen Akklamationen zu entgehen, verließ er immer vor dem Ende der Vorstellung das Haus. Da er sich öfters unwohl fühlte, schlug er alle Einladungen zu großen Mittags- und Abendessen aus, nur einen Tag vor seiner Abreise nahm er ein Diner beim Obergerichtsrat Blümner an, welcher durch mich wußte, daß Schiller sich nur in kleinen Zirkeln behaglich fühlte; darum bestand die ganze Gesellschaft nur aus zehn Personen, Gelehrten und Schauspielern.

Am 1. Oktober 1803 wurde die Bühne in Weimar mit »Julius Cäsar« von Shakespeare, nach Schlegels Übersetzung, wieder eröffnet. Auf Schiller hatte dies Stück bei der Darstellung einen gewaltigen Eindruck gemacht, er war in Ekstase und fand die Volksszenen, wie überhaupt das Ganze von einer bewältigenden Wirkung, namentlich auf der Bühne; es sei für jeden dramatischen Dichter ein Vorbild, sagte er.

Das Publikum aber dachte nicht wie er; obgleich dasselbe in seiner Bildung vorgeschritten war, war es doch noch nicht reif genug, solch ein Werk in allen seinen Teilen zu erkennen und zu beurteilen. Darum erlebte das Stück zu Schillers großem Verdruß nur einige Darstellungen. Die Volksszenen gingen vortrefflich und auch die Hauptrollen waren in guten Händen; da aber bei Shakespeare die kleinste Episode von großer Wichtigkeit ist, blieb allerdings manches noch zu wünschen übrig.[84]

Am 12. Oktober kam der »Parasit« von Schiller aufs Repertoire, fand aber nur eine achtungsvolle Aufnahme.

Wie produktiv war Schiller! Vom 19. März bis zum 12. Oktober 1803 hatte er das Repertoire durch vier Werke bereichert: die »Braut von Messina«, die »Jungfrau von Orleans«, »Neffe als Onkel« und »Parasit«. Goethe hingegen hatte nur die »Natürliche Tochter« zur Darstellung gebracht, da man den »Paläophron« nicht in Anschlag bringen konnte, der früher auf Schloß Ettersburg gegeben worden war, wo Goethe selbst den Paläophron gespielt hatte.

Am 30. Januar 1804 erschien als erste bemerkenswerte Novität »Mithridat«, nach Racine, von Bode übersetzt und bearbeitet. Das Stück fand Anklang und erlebte drei Wiederholungen. In dieser Zeit war es, wo Wolff, dessen Mutter ihn an Goethe empfohlen hatte, als Eleve bei unserem Theater eintrat. Sein erster theatralischer Versuch war der Arcas im »Mithridat«. Von Goethe wurde ich ersucht, mich dieses jungen Mannes anzunehmen, was ich auch redlich tat, nachdem ich ihn als einen wissenschaftlich gebildeten, liebenswürdigen Menschen, der für unsere Kunst glühte, hatte kennen lernen. Leider sollte ich später durch ihn bittere Erfahrungen machen.

In der zweiten Hälfte des Februar singen die Leseproben von »Wilhelm Tell« an, der am 17. März gegeben wurde. Dieselben Schwierigkeiten hinsichtlich der Besetzung, wie bei der »Jungfrau von Orleans«, stellten sich auch hier heraus; mancher Schauspieler mußte zwei, ja drei Rollen übernehmen. Mir selbst hatte Schiller den Fronvogt und Rösselmann übertragen, dabei hatte ich noch die Regiegeschäfte zu besorgen, und es war keine Kleinigkeit, den Anordnungen Schillers und Goethes nachzukommen. Die erste Theaterprobe, bei der nur drei Akte probiert wurden, dauerte von nachmittags 4 Uhr bis abends 10 Uhr. Mehrere Proben folgten nun[85] noch, und die Hauptprobe endlich ging tadellos; wie es denn überhaupt Goethes Prinzip war, daß diese als erste Darstellung von dem Personal betrachtet wurde.

Die Zahl der Fremden, die herbeigeströmt kamen, war so enorm, daß schon nachmittags 3 Uhr der ganze Theaterplatz voll Menschen stand. Die Armen mußten diesen Genuß, Schillers neuestes Werk zu sehen, teuer erkaufen, denn da nichts gestrichen war, dauerte die Vorstellung von 1/26 Uhr abends bis in die Nacht um 11 Uhr.

Schon bei der Hauptprobe war Schiller über die Länge des Stücks unruhig geworden, indessen hoffte er, daß die Vorstellung viel schneller gehen würde, als die Probe; allein es trat der umgekehrte Fall ein. Er war darüber so außer sich, daß er gleich nach der Vorstellung das Manuskript an sich nahm, um zu streichen. Schiller war darin überhaupt schonungslos, besonders wenn es seine Stücke betraf; man mußte ihm förmlich in den Arm fallen, um ihn in seiner chirurgischen Arbeit zu hemmen.

Daß das Stück mit dem größten Beifall aufgenommen werden würde, hatten wir alle vorausgesehen; der Enthusiasmus war beispiellos. Den Preis des Abends trug Graff als Attinghausen davon, der in rethorischer Hinsicht ein Meisterbild voll Würde und Wärme lieferte. In diesem Stück trat Corona Becker, die Tochter unserer unvergeßlichen Neumann, zum erstenmal als Walther Tell auf. Mit Teilnahme betrachteten wir Schauspieler und wohl auch das ältere einheimische Publikum dies Engelsgesicht, das von seiner Mutter wohl die Schönheit, denn sie sah ihr sprechend ähnlich, aber weniger das Talent geerbt hatte. Goethe hob sie zu sich empor, küßte sie und sah sie mit trüben Blicken an. Nachdem sie Schillers Anweisungen gefolgt war, streichelte dieser ihr die goldblonden Locken und sagte: »So ischt's recht, mei' Mädle! So muscht du's mache.«[86]

Haide spielte den Tell. Bei der ersten Vorstellung gelang ihm der Monolog gar nicht, bei der zweiten sprach er ihn vortrefflich und hatte sich der größten Lobsprüche von Schiller zu erfreuen. Es ist überhaupt eine eigene Sache mit diesem Monolog. Dieser Rückblick auf sein Leben und dann die Reflexion über die Gegenwart, deren Endpunkt ein Mord ist, kann sich mit dem Charakter des Tell nur schwer vereinigen lassen und stimmt mit den Worten: »Wär' ich besonnen, hieß' ich nicht der Tell,« durchaus nicht. Dieser Monolog ist und bleibt eine Klippe für jeden Darsteller der Rolle.

Bis zum Schluß der Saison fanden noch mehrere Wiederholungen, stets bei gedrängt vollem Hause, von diesem Meisterwerk statt.

Unsere Sommersaison hatte sich dies Jahr nur auf Lauchstädt beschränkt. Als wir Anfang September von dort zurückkehrten, beschäftigte man sich zunächst mit »Götz von Berlichingen«. Der Proben waren sehr viele, und die einzelnen Akte nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Die erste Aufführung fand am 22. September 1804 statt. Der Theaterzettel war diesmal nicht in der herkömmlichen Weise abgefaßt. Oben stand allerdings, wie gewöhnlich, der Titel des Stücks, der Charakter und die Einteilung desselben, dann aber folgte die Bemerkung: »Personen nach der Ordnung, in der sie auftreten«, und nun wurden für jeden der fünf Aufzüge einzeln die darin vorkommenden Personen aufgeführt. Diese alte Form der Theaterzettel stammte aus dem 17. Jahrhundert, und Goethe hatte die Wunderlichkeit, sie bei seinem »Götz von Berlichingen« in Anwendung zu bringen.

Die erste Vorstellung dehnte sich auf beinahe sechs Stunden aus, weshalb bei der Wiederholung, am 29. September, nur die ersten drei Akte gegeben wurden. Am 13. Oktober wiederholte man den dritten Akt und gab den vierten[87] und fünften dazu. Diese Wiederholung des dritten Aktes fand deshalb statt, weil Goethe die fortschreitende Handlung gewahrt wissen wollte. Eine Kürzung konnte nur ermöglicht werden, wenn Goethe sich entschloß, den bischöflichen Hof herauszustreichen, was er im Jahr 1806 auch tat und wozu ihm Schiller gleich nach der ersten Darstellung geraten hatte. Diese Einrichtung aber gefiel ihm gar nicht; im Jahre 1809 unterwarf er das Stück einer abermaligen Umarbeitung und ließ es an zwei aufeinander folgenden Spielabenden aufführen. Den ersten Teil (der vier Akte umfaßte; nannte er »Adalbert von Weislingen«, den zweiten »Götz von Berlichingen«. Der erste Teil schloß mit den Worten des Götz: »Seiner Braut soll er ihn bringen und einen Gruß vom Götz dazu.« In dieser Bearbeitung war der bischöfliche Hof wieder hergestellt. Endlich erfolgte die Einrichtung, in welcher das Stück noch jetzt meistens gegeben wird.

Der 4. November sollte ein Jubeltag für Weimars Einwohner werden, denn Maria Paulowna, die nachmalige Erbprinzessin von Weimar, hielt ihren Einzug. Zu ihrem Empfang im Theater, welches sie besuchte, hatte Schiller »Die Huldigung der Künste« geschrieben. Als sie im Glanze ihrer Schönheit am Arm ihres erhabenen Gemahls an die Brüstung der herzoglichen Loge trat und mit der holdesten Anmut die Anwesenden grüßte, wollte der Jubel fast kein Ende finden, immer mußten Pauken und Trompeten aufs neue erschallen. Jede bezügliche Stelle des Festgedichts wurde enthusiastisch aufgenommen, besonders folgende:


Die in unser stilles Tal

Niederstieg, uns zu beglücken,

Aus dem hohen Kaisersaal.

– – – – – – – – – – –[88]

Hat sie Liebe dort verlassen,

Findet sie die Liebe hier.

– – – – – – – – – – –

Schnell knüpfen sich der Liebe zarte Bande,

Wo man beglückt, ist man im Vaterlande.


\s*

Dem Festspiel folgte »Mithridat«, der bereits in demselben Jahre zum Geburtstage der Herzogin Louise gegeben worden war. Alles war verwundert, daß man weder ein Schillersches noch Goethesches Stück gewählt. Schiller hatte aber Goethe ersucht, ihn an diesem Abend nicht nochmals vorzuführen, denn Goethe hatte die »Braut von Messina« in Vorschlag gebracht; aus ähnlichen Gründen wollte Goethe die »Iphigenie« nicht, empfahl darum das genannte Stück von Racine, und Karl August genehmigte es.

Die nächste bedeutende Novität war »Phädra«, die am 30. Juni 1805 zur Aufführung kam. Es war Schillers Schwanengesang, denn unvollendet lag »Demetrius« auf seinem Pult.

Acht Tage vor seinem Tode besuchte er noch das Theater. Ich stand am Eingang, als er kam. Er grüßte mich mit den Worten: »Guten Abend, Genast! Goethe hat mich bis an das Palais begleitet; er kommt heute nicht, aber ich will mir das Stück doch ansehen. Kotzebue ist zwar nicht mein Mann, aber er kennt das Theater.« Ich war erschrocken über sein blasses Gesicht und seine fast gläsernen Augen. Den anderen Tag ging ich in geschäftlicher Beziehung zu ihm. Der Bediente sagte mir, daß sein Herr eine sehr schlimme Nacht gehabt habe und zu Bette läge. Trotzdem empfing er mich mit seiner gewohnten Milde. »Ja, ja, mein lieber Genast, da liege ich wieder,« sagte er. »Mit Goethe geht es heute auch nicht gut; ich habe zu ihm geschickt. Seine kräftige Natur hilft ihm über alles hinaus; er wird genesen; wer aber weiß, was uns die nächste Stunde schwarzverschleiert bringt? Unsere Körper werden scheiden, aber unsere Seelen werden ewig zusammenleben.« Darauf gab er mir[89] einige Befehle und reichte mir zum Abschied die Hand, die fieberisch brannte. Mit tiefer Wehmut verließ ich sein einfaches Stübchen, um ihn nur auf der Bahre wiederzusehen. Am 9. Mai hauchte er seinen unsterblichen Geist aus.

Unser Jammer war groß, aber keiner wagte, sein Dahinscheiden Goethe mitzuteilen, und doch wußte man nicht, wie man es anfangen sollte, ohne seinen Befehl die nächste Vorstellung zu sistieren. Endlich legte sich die Jagemann ins Mittel und erklärte dem Herzog unumwunden, daß sie in ihrer Stimmung nicht Komödie spielen könne. Darauf wurde auf Befehl des Herzogs Sonnabend den 10. Mai die Bühne geschlossen. Statt des Theaterzettels erschien an diesem Tag folgende Bekanntmachung:


Weimar, den 10. Mai 1805.

Bei der traurigen Stimmung, welche durch das Ableben des allgemein geschätzten und um das deutsche Theater so sehr verdienten Herrn Hofrath von Schiller, allhier, besonders bei dem Personale des fürstlichen Hoftheaters hervorgerufen worden, wird auf Ansuchen desselben die morgende Darstellung mit gnädigster Zustimmung ausgesetzt.


\s*

Alle diese Vorkommnisse waren Goethe, der selbst bettlägerig war, bis nach der Beerdigung Schillers verheimlicht worden; erst Sonntag den 12. teilte sein Sohn August ihm die Trauerkunde mit. Darauf soll er den Befehl erteilt haben, niemand, wer es auch sei, zu ihm zu lassen.

Einige Zeit darauf führten mich dringende Geschäfte zu ihm; mit Zittern und Zagen trat ich den Weg an. Er empfing mich mit ernster Miene, äußerte aber kein Wort über Schillers Dahinscheiden. Als ich seine Befehle eingeholt hatte, wollte ich mich entfernen, da rief er: »Noch eins! Sagt dem, der die sonderbare Annonce über den Tod meines Freundes verfaßt hat, er hätte es sollen bleiben lassen! Wenn ein Schiller stirbt, bedarf es dem Publikum gegenüber wegen einer ausgefallenen Theatervorstellung keiner Entschuldigung.«[90] Ich wußte recht gut, wer sie verfaßt hatte, schwieg aber wohlweislich, um einen sonst hochverdienten Mann nicht bloßzustellen. Es war eben damaliger Kanzleistil. Goethes Entrüstung hielt ich aber doch nicht gegen den Verfasser zurück. Längere Zeit ging Goethe nicht in das Theater.

Quelle:
Genast, Eduard: Aus Weimars klassischer und nachklassischer Zeit. Erinnerungen eines alten Schauspielers. Stuttgart 1919, S. 63-91.
Lizenz:
Ausgewählte Ausgaben von
Aus Weimars klassischer und nachklassischer Zeit
Aus Weimars Klassischer Und Nachklassischer Zeit: Erinnerungen Eines Alten Schauspielers (German Edition)

Buchempfehlung

Hume, David

Dialoge über die natürliche Religion

Dialoge über die natürliche Religion

Demea, ein orthodox Gläubiger, der Skeptiker Philo und der Deist Cleanthes diskutieren den physiko-teleologischen Gottesbeweis, also die Frage, ob aus der Existenz von Ordnung und Zweck in der Welt auf einen intelligenten Schöpfer oder Baumeister zu schließen ist.

88 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

428 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon