Oele, ätherische

[150] Oele, ätherische (Olea aetherea) wesentliche Oele (Olea essentialia) nennt man vorzugsweise jene starkriechenden und oft stark schmeckenden in geruchvollen Pflanzensubstanzen enthaltenen Oele, die man in reiner und unveränderter Beschaffenheit aus ihnen zieht, gemeiniglich durch Destillation mit Zusatz von Wasser, seltner durch Auspressen, wie das ätherische Oel aus den frischen Schalen der Zitrone, Pomeranze oder Bergamotte. Sie sind im Weingeist, auch in einigem großerm oder geringerm Grade in Wasser auflöslich, ohne Erhitzung an der Flamme entzündbar, des Empyreumas und der Ranzigkeit unfähig, und hinterlassen bei nicht vollkommen vor der Luft geschützter Aufbewahrung ein fast geruchloses Harz.[150]

Die ätherischen Oele sind es, in denen der größere Theil der Arzneikräfte sehr vieler Pflanzen liegt, und sie verdienen daher ausgezeichnete Aufmerksamkeit.

Aus einigen thierischen Substanzen, z.B. dem Biebergeil, den Ameisen u.s.w. lassen sich ebenfalls wahre ätherische Oele durch Destillation mit Wasser abziehn.

Ob sich gleich blos aus geruchvollen Pflanzen ätherische Oele destilliren lassen, so ist doch die Stärke des Geruchs der Pflanzen gar nicht der Masstab ihrer Ergiebigkeit an ätherischem Oele. Die so sehr duftenden Rosen, die Kamillenblumen, die Kalmuswurzel und das Marum geben nur sehr wenig, die äußerst geruchvollen Tuberosen, Levkojen, Narzissen, Märzveilchen und Jasminblumen aber verlieren ihren Riechstoff schon beim Siedegrade des Wassers, und geben selbst in großer Menge destillirt keine Spur eines ätherischen Oels, während die Blätter des Sadewacholders fast ein Sechstel ihres Gewichtes liefern.

Bei vielen Pflanzen sind nur einige Theile oder nur ein Theil fähig, wesentliches Oel zu liefern, z.B. der Spiklavendel blos aus seiner Blume, der Rosmarin und der Anies am meisten nur aus dem Blumenkelche, die Benediktgaraffel blos aus der Wurzel, die Pomeranzen und Citronen blos aus der äußern Schale.

Das Trocknen der Kräuter vermindert die Menge ätherischen Oels. Aus frischen Gewächsen bekömmt man verhältnißmäßig nicht nur mehr Oel, sondern es ist auch heller an Farbe und lieblicher von Geschmacke. Ob mehr Schleim aus frischen Kräutern mit übergehe, welcher das Absondern des Oeles hindere, ist noch nicht entschieden. Aromatische Kräuter geben dann am meisten, wenn sie auf bergichten, sonnichten Gegenden und in trocknen Jahren gewachsen, und bei trocknem, warmem Wetter gesammelt worden sind; wenn der Wermuth nicht etwa eine Ausnahme macht, von dem man sich am meisten verspricht, wenn er auf fettem Boden gewachsen und bei feuchter Witterung gesammelt war.

Zwar müssen die Kräuter zu dieser Absicht vollkommnen Wuchs erreicht haben, doch ist auch hierin ein Unterschied. Der Spiklavendel und die Raute so wie die meisten andern Gewächse geben mehr Oel, wenn die Blumen abzufallen beginnen, der Thymian dann, wenn eben erst die Blüthen zu entstehen anfangen, und die Salbei dann, wenn sie noch gar nicht zur Blüthe gekommen, und noch ganz jung ist. Uebrigens werden dazu genommen die Wurzeln im Frühlinge, ehe sie ausschlagen, die Samen und Früchte, wenn sie vollkommen reif sind, und die Hölzer mit ihrer Rinde bedeckt, im Winter.

Frische Kräuter bedürfen des Einweichens vor der Destillation so wenig, daß viele Blumen und manche zarte Kräuter sogar Schaden dadurch leiden. Die trocknen härtern Substanzen müssen vorher wohl zerkleint, die Hölzer querüber geraspelt, die Wurzeln querdurch in kleine Scheibchen zerschnitten oder wenn sie trocken sind, wie die Rinden zu gröblichem[151] Pulver zerstoßen – so lange in weiches Wasser geweicht werden, bis das Wasser alle Theile durchdrungen hat und ein kleiner Anfang von Gährung entstanden ist. Gewöhnlich sind vier und zwanzig Stunden hinreichend, bei kaltem Wetter aber zwei bis drei Tage. Der Zusatz des Kochsalzes ist unnütz und schädlich; es verhärtet das Gewebe der Pflanzen, statt es aufzulockern. Zarte feine Kräuter bedürfen keines Einweichens, selbst nicht, wenn sie trocken sind.

Was die Menge des zuzufügenden Wassers betrifft, so werden, wenn man aus der einfachen Blase destillirt, mäßig getrocknete ganze Pflanzen oder Spähne von Hölzern in der Maße dazu genommen, daß bei leichtem Drücken mit der Hand, die Blase halbvoll davon werde; dann gießt man so viel Wasser zu, daß die Blase zu zwei Dritteln und fast nie zu drei Vierteln davon voll sei, also weniger Wasser, als daß es überkochen könne, und genug, das Anbrennen zu verhindern. Frische Kräuter bedürfen weniger Wasser. Ueberhaupt ist das allzu große Verhältniß Wasser gegen die Gewächssubstanz dem Gewinne des Oeles nachtheilig, da ersteres sich mit letzterm vorher sättigen muß, ehe überschüssiges Oel abgesondert übersteigen kann.

Man muß die Blase anfänglich mit starkem Feuer bald möglichst ins Kochen bringen, dann aber die Hitze so mäßigen, daß das Uebergehende immer nur in einem dünnen, fadenförmigen Strahle rinnt, sonst gehen bei der stärkern Hitze die flüchtigern Oele blos als Dunst durch die Fugen, oder bekommen doch einen sehr unangenehmen Feuergeschmack.

Ob man gleich sagt, daß die ätherischen Oele im Allgemeinen bei der Hitze des siedenden Wassers übergehen, so ist es doch nicht strenge Wahrheit. Je leichter die ätherischen Oele an spezifischem Gewichte sind (blos von ätherischem ist die Rede, da das durch Auspressen erhaltene Baumöl an 600 Fahrenheitische Grade zum Aufsteigen nöthig hat, und dennoch leichter als die meisten ätherischen Oele ist); einen desto geringern Hitzgrad bedürfen sie zum Uebergehen, die meisten zwar die Hitze des kochenden, einige des starkkochenden Wassers, viele andre aber eine weit gelindere Hitze.

Das Oel in der Zitronschale, in den Lavendel- und Rosmarinblüthen, so wie in vielen andern sehr duftenden Blumenbedarf noch lange nicht die Hitze des siedenden Wassers zum Uebergehen, so wie auch diese zärtern Gewächstheile gar nicht zerquetscht werden dürfen, wenn sie nicht ihren Wohlgeruch zum Theil oder auch völlig verlieren sollen. Diese werden daher in England nur im Dampfbade (w.s.) destillirt, das ist, blos locker und unversehrt in ein Körbchen gelegt, von der Größe, daß es so eben gedrängt in die Blase geschoben werden könne und in derselben fest bleibe, nicht hoch über dem Wasser, was man vorher in die Blase geschüttet hat. Wenn der Hut aufgesetzt, und das Wasser am Boden ins Kochen gebracht worden, so durchstreicht der Wasserdampf die Gewächstheile im Körbchen, und geht so mit ihrem wohlriechendsten ätherischen Oele[152] geschwängert über, von weit feinerm Geruche, als bei jeder andern Destillation möglich ist, wo die Kräuter in Wasser getaucht werden, und wo, wenn sie nicht gar zuweilen anbrennen, doch ihre ätherischen Oele einen Feuergeruch bekommen, den sie erst nach geraumer Zeit auf unten beschriebne Weise zum Theil verlieren.

Wenn man aber die leichtern ätherischen Oele aus einer gewöhnlichen Blase destilliren kann, so daß sie bequem im Schnabel des Hutes sich verdichten, so ist doch für die schwerern Oele aus den wohlriechenden Hölzern und ausländischen Rinden und Gewürzen eine niedrigere Blase mit einem weiten konischen Hute, und einer Traufrinne daran, wie die Vorrichtung im Artikel Destillation gezeichnet ist, weit vorzuziehen, weil diese Oele nicht wohl so hoch steigen können und eine niedrigere, nähere Verdichtungsfläche bedürfen, wenn man ihre Destillation mit Vortheil unternehmen will.

Doch erlaube man sich nicht unschicklichere Mittel, das Aufsteigen der Oele und ihre Menge aufs äußerste zu erhöhen. Ich meine die Sättigung des zur Destillation genommenen Wassers mit Kochsalze, wodurch zwar die Flüssigkeit einen höhern Hitzgrad anzunehmen fähig wird, und eine größere Menge Oel erzwingt, aber von gröberer, harziger Natur, welches das feinere verunreinigt. Man hat sich sehr zu hüten, etwas anderes als reines Wasser anzuwenden, da selbst bei diesem das zuletzt übergehende Oel weniger wohlriechend ist und mehr Harz enthält, wie man durch die Rektifikation wahrnimmt.

Eher verdient die Benetzung der harten, und theuern Gewürzsubstanzen, der Würznelken und des Zimmtes, mit Weingeist, zwei Tage vor der Destillation Empfehlung, um das Oel zur Entwickelung und reichlicherer Abscheidung vorzubereiten.

Nimmt man schon vorräthiges, aus derselben Pflanze destillirtes statt des gemeinen Wassers zur Destillation, so erhält man mehr Oel, nämlich alles was die frische Substanz nur auszugeben im Stande ist, weil das angewendete destillirte Wasser schon die möglichste Menge Oel in sich aufgenommen hat, und nun kein neues weiter einsaugen kann. Oder hat man mehrere Blasen voll von einem Gewächse zu destilliren, so nimmt man das übergegangene Wasser der erstern Arbeit, sondert das Oel ab, gießt es auf das frische Kraut, und so fort.

Gewöhnlich hält man mit der Destillation so lange an, als noch milchfarbiges Wasser übergeht.

Sobald eine Destillation geendigt ist, muß man ja nicht versäumen, Blase, Hut und Kühlröhre alsbald sorgfältig zu reinigen, ehe man etwas anders darin destillirt, weil sich sonst die wesentlichen Oele (vorzüglich das Wermuthöl, das Kamillenöl, das Schafgarbenöl und das Aniesöl) so fest darin anhängen, daß jedes nachher darin übergetriebene Oel einen fremden Geruch und Geschmack annimmt. Kochendes Wasser ist für die Blase und den Hut das beste Reinigungsmittel, die Röhren aber, besonders wenn[153] es eine Schlangenröhre ist, müssen vorher mit Weingeist ausgespühlt werden, und dann erst mit kochendem Wasser.

Hat man einige, durch lange Aufbewahrung verdickte wesentliche Oele, die man wieder zu gute machen will, so dient die Wiederübertreibung derselben mit einem mäßigen Zusatz von Wasser; der feine, dünne und geruchvolle Theil geht über, und der harzige bleibt zurück. Die zähe gewordenen ätherischen Oele aber bei einer neuen Destillation einer Menge frischer Substanz zuzusetzen, ist ein schädlicher Rath.

Um das ätherische Oel aus dem übergegangenen Wasser abzusondern, setzt man gleich nach der Destillation das milchichte Wasser bedeckt an einen kühlen Ort. Wenn es sich aufgehellet hat, und das Oel (wenn es ein schweres ist) zu Boden gesunken ist, so gießt man das Wasser zur fernern Verwahrung ab, und schüttelt das noch mit Wasser behangene Oel in ein mit Wasser genetztes und wieder ausgedrücktes Filtrirpapier. Das Wasser zieht sich vollends ein, oder tröpfelt hindurch. Ist nun bloßes Oel darin, so setzt man das spitzige Filtrum auf ein reines Pulverglas, durchsticht den Boden mit einer Nadel und läßt das Oel auslaufen. Leichtes, auf dem Wasser schwimmendes Oel aber nimmt man mit einem Löffel ab und schüttet es mit dem anhängenden Wasser entweder auf ein ebenfalls mit Wasser genetztes Filtrirpapier oder, bei größern Quantitäten, in den Scheidetrichter (unter welchem Artikel man die fernere Absonderung finden wird.) Ist aber die Menge des ätherischen Oeles sehr ansehnlich, so kann man sich der Flasche bedienen, die in dem Artikel Absonderungsgläser gezeichnet ist. Doch würde ich statt aller Absonderungsarten die in dem genetzten Fließpapier vorziehen, da sie allein das Oel von allem Wasser rein und ohne Verlust absondert.

Der dazu vorgeschlagene baumwollene Docht behält doch viel Oel in sich, wenn er auch ausgedrückt wird, und während der langwierigen Operation, das Oel dadurch über den Rand des Gefäßes herübersiepern zu lassen, geht viel flüchtiges Oel verloren, da die Anwendung des Dochtes nur bei den auf dem Wasser schwimmenden, das ist, bei den flüchtigsten Oelen angeht.

Bei der Spritze ist man nie sicher, nicht auch Wasser mit einzusaugen; es verschmiert sich viel darin, und sie hat keinen Vorzug vor jener zuerst erwähnten Absonderungsart.

Es ist nicht gut, zu destillirten Oelen große Standflaschen zu nehmen, weil die Oele durch das öftere Eröffnen der Flasche brauner und dicker werden und viel von ihrem feinen, kräftigen Geiste verlieren. Für die, welche es dennoch nöthig finden, schlägt man als Palliativmittel des Nachtheils vor, den Abgang des jedesmal verbrauchten Oeles mit destillirtem Wasser zu ersetzen, um die Luft (und ihren schädlichen Einfluß auf das Oel) aus der Flasche zu entfernen.

Für diejenigen, welche Quantitäten theurer Oele, die nicht alle Jahre wieder frisch erhalten werden[154] können, zu verwahren haben, würde ich das in Italien gebräuchliche Verfahren rathen, die Oele in Flaschen mit langen dünnen Hälsen zu füllen, und dann den Hals mit dem Löthrothe vor der Lampe zuzublasen. Sobald man etwas braucht, bricht man die Spitze ab, und schmelzt sie nachgehends wieder zu. Doch wird auch der glatte Ueberzug der ganzen Mündung der Flasche und des Pfropfes mit dem feinsten brennenden Siegellacke in den meisten Fällen schon zureichen. Die bloße Verstopfung der Gläser mit einem gläsernen Stöpsel ist eine sehr zweifelhafte Verwahrung; selten paßt ein gläserner Pfropf genau, und oft ist die Verwahrung mit ihnen weit unzulänglicher, als die mit feinem Kork.

Jeden Abgang und jede Verringerung der Güte eines häufig gebräuchlichen Oeles möglichst zu vermeiden, thut man wohl, den destillirten Vorrath auf lauter kleine Gläser bis obenan zu füllen, die Mündung, über welche der Korkpfropf dicht abgeschnitten worden, mit feinem brennendem Siegellacke glatt zu überziehen, und den Vorrath in einem hölzernen Gefäße umgestürzt, im Kalten aufzubewahren.

Ehe dieses aber geschiehet, muß das eben vom Wasser geschiedene ätherische Oel einige Tage nur locker mit Papier verstopft stehen bleiben, um ihm dem Feuergeschmack zu benehmen, und ihm Zeit zu lassen sich abzuklären.

Man hat verschiedne Methoden, sich von der Güte und Aechtheit der ätherischen Oele zu überzeugen. Die beste Methode ist für jeden angesehnen Apotheker, wenn er sich die nöthigen ätherischen Oele selbst bereitet, deren Muttersubstanzen er bekommen kann. Die Entdeckungsmittel der Unächtheit solcher Oele, die er einkaufen muß, sind oft kein Trost für ihn, da die meisten in Droguereien käuflichen Oele verfälscht sind, und ihm daher keine andre Auswahl übrig bleibt als diejenigen wo möglich aus der ersten Hand zu ziehen, die in unserm Lande nicht zu bereiten möglich sind, und die es sind, selbst zu gewinnen.

Ist beides nicht möglich, so unterrichte man sich zuerst von der Farbe, dem Geruche, und dem Geschmacke des zu kaufenden ätherischen Oeles (die Eigenschaften jeden Oeles sind in diesem Werke unter der Substanz nachzuschlagen, aus der es gewonnen wird), und wisse, daß drei Verfälschungen der ätherischen Oele die gewöhnlichsten sind.

Entweder sind sie mit Weingeist verfälscht. Dieß entdeckt man durch Schütteln mit etwas weniger als gleichviel Wasser; die Mischung wird, wenn es diese Verfälschung ist, milchicht und allmählich sondert sich das Oel ab, welchem man, wie oben gelehrt, das Wasser durch das genetzte Papierfiltrum entzieht, und sein Gewicht erforscht.

Oder dem wesentlichen Oele ist ein ausgepreßtes Oel beigemischt; dieß ist nicht selten der Fall beim Zimmt- Nelken- Muskatennuß- Macis- Sassafraß- und Rosenholzöl. Schüttelt man ein solches Oel mit einem sechsfachen Gewichte Weingeistalkohol, welcher blos das ätherische Oel auflöst, so sondert[155] sich das ausgepreßte ab. Schon das Schütteln mit Wasser trennt diese Oele, wenn das ätherische darin ein schweres Oel ist; dieses sinkt dann zu Boden und das ausgepreßte schwimmt auf dem Wasser. Auch verliert ein damit getränktes weißes Papier seine Fettigkeit nicht, wenn man es auf einen warmen Ofen legt, wie doch bei ächt ätherischen erfolgen müßte, und der Fleck nimmt die Dinte nicht an.

Oder die Verfälschung ist durch Zumischung eines wohlfeilern ätherischen Oels geschehen, des Terbenthinöls, des Oels aus Kopahubalsam, u.s.w. Diese ist am schwierigsten zu erkennen. Man lege ein damit benetztes Papier auf ein heißes Blech, und suche durch den Geruch des Verdampfenden das etwa zugemischte Oel wahrzunehmen; wenigstens bleibt der Terbenthingeruch zurück, wenn dieses Oel zugemischt war. Da diese Verfälschung bei den theuern schweren Oelen am meisten zu bedeuten hat, so darf man sie nur mit Wasser schütteln, worauf nach kurzer Zeit das ächte schwere Oel zu Boden gehen, das leichte Verfälschungsöl aber obenauf steigen wird.

Doch muß man wissen, daß selbst die Gewürze, von denen es bekannt ist, daß sie schwere Oele in der Destillation liefern, zugleich auch ein leichtes, auf Wasser schwimmendes, obwohl in geringerer Menge von sich geben. Dieß ist mir vom Zimmt bekannt, und andern Beobachtern vom Stinkasant, dem Kerbelkraute, dem Petersilgsamen, dem Fenchelsamen, der Alantwurzel, der Muskatennuß, der Winterrinde, der Zitwerwurzel, nach Malouin, auch von dem Sassafrasholze, und nach Quincy von den Würznelken. Aber dieser leichtere Theil besitzt den eigenthümlichen Geruch und Geschmack der Substanz im höchsten Grade, noch feiner und stärker als der schwerere Theil, welches sie von dem, obgleich ebenfalls leichten Verfälschungsöle hinreichend unterscheidet.

Außer den genannten Substanzen geben ein im Wasser niedersinkendes Oel, der Nelkenpfeffer, die bittern Mandeln, die Lorberkirschblätter, der Senfsamen, das gelbe Sandelholz, der Märrettig, der Safran, die Zimmtblüthen, der Weißkanehl, die Katzennepte. Das Oel aus dem Rosenholze wird allgemein für niedersinkend ausgegeben, während Baume' ein leichtes erhalten hat.

Bei Prüfung der Oele auf ihre Schwere muß man sich hüten, laues Wasser statt des ganz kalten zu wählen; in lauem schwimmen auch die ächten, schweren Oele oben auf, indem sich ihr Umfang weit mehr durch diese Wärme ausdehnt, als der des Wassers bei gleichem Wärmegrade.

Obgleich die ächten ätherischen Oele aus den Schirmpflanzen sich in der Kälte (das Anisöl ungefähr bei einer Kälte von 10° Reaum. das Fenchelöl aber bei 5 Grad unter dem Eispunkte) zu spießicht eisartigen Massen verdicken, so lange sie frisch sind (in welchem Zustande man sie wählen soll), so verlieren sie doch diese Eigenschaft, wenn sie etwas alt sind. Das Zimmtöl gerinnt bei einer Kälte von[156] 8 Grad Reaum. unter dem Eispunkte.

Die Form, wie man sie als Arznei reicht, ist fast nie so, wie sie sind. Einige sind so scharf und brennend, daß sie augenblicklich eine Brandkruste auf der Zunge erregen, wie das Zimmtöl; andre sind zu kräftig, als daß ein Tropfen nicht eine schon allzugroße Gabe wäre. Die gewöhnlichste Form ist das von dem Pflanzentheile destillirte Wasser, welches, obwohl eine noch nicht bestimmte Menge ätherisches Oel bei der Uebertreibung auflöst. Sonst giebt man auch die wesentlichen Oele als Oelzucker (Elaeosacchara, Oleosacchara) indem man etwa acht Tropfen Oel auf ein Loth Zucker tröpfelt, ihn im Mörsel zerreibt und dann in wässerigen Flüssigkeiten auflöst. Sonst ist auch, nächst dem Reiben, schon ein acht und zehnfaches Gewicht Zucker hinreichend, ein ätherisches Oel in soviel man will Wasser auflösbar zu machen. Beim Zitronzucker (Elaeosaccharum Citri) ist es zwar gewöhnlich, auch der Lieblichkeit wegen, die gelbe Schale der frischen Zitrone mit einem Stück hartem, feinem Zucker abzureiben, wobei die zerrissenen Oelbläschen ihr Oel in den Zucker einziehen lassen, aber dieß geschieht blos, einer Flüssigkeit Annehmlichkeit zu geben; als Arznei wäre dieß viel zu unbestimmt, da man nicht wissen kann, wie viel der Zucker Oel aufgenommen hat.

Auch die Schleime geben ein Verbindungsmittel der wesentlichen Oele mit dem Wasser ab.

Sonst werden die ätherischen Oele auch in Weingeist aufgelöst gegeben, oder in den über aromatische Substanzen übergetriebenen sogenannten Spiritussen.

Ihre Arzneikräfte sind so verschieden, als die Substanzen, aus denen sie gezogen sind.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 1. Teil, Leipzig 1798, S. 150-157.
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