302. Kriegslied eines Provinzialen.

[400] (Musenalmanach von Voß und Göcking. 1780. S. 102.)


Heran, Heran! die Fahne weht

Für Freyheit, Leben, Gut!

Und weil das noch zu retten steht,

So rett' es unser Muth!


Ziehst du das Schwerd für etwas mehr

Als deinen Lumpensold?

Und willst du siegen, Sklavenheer?

Sieg kauft hier nicht das Gold!


Doch du, du braves deutsches Blut,

Sag an, was suchst du hier?

Landeigenthum und Freyheit? gut!

Wir theilen gern mit dir.


Was gehn dich unsre Händel an?

Was that dir unser Land?

Wo schon so mancher deutsche Mann

Glück, das er sucht', auch fand.


Komm, eh dies Schwerd und Hunger dich

Von selbst zu kommen zwingt,

Und ehe noch als Leichnam dich,

Der Krokodill verschlingt.
[401]

Denn eurer werden über Bord

Für sie noch tausend gehn,

Bevor der Britten Wimpel dort

Im Delaware wehn.


Sie nennen uns Barbaren, sie,

Die vielen Wittwen schon

Das Haus verbrannt! – Wir brannten nie,

Und gaben gern Pardon.


Was thaten wir, als halb im Sand

Bourgoynens Heer sein Grab

Durch jene Hungerwüste fand,

Und halb sich uns ergab,


Und es nun hieß: Streckt das Gewehr? –

Wir standen ernst und stumm,

Und dachten: Macht der Schaam nicht mehr!

Und wandten uns herum.


Nun aber schmachten Tausend hier

In nackter Dürftigkeit;

Denn frägt wohl wer darnach, ob ihr

Todt oder lebend seyd?


Kommt Deutsche! worauf wartet ihr?

Seyd, glückt es, mit uns reich;

Und glückt es nicht, so theilen wir

Das lezte Hemd mit euch.

Quelle:
Laukhard, Friedrich: Zuchtspiegel für Eroberungskrieger, Advokaten und Aerzte. In: Zuchtspiegel für Fürsten und Hofleute, Paris [i.e. Leipzig] 1799, S. 400-402.
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