Brassica

[182] Brassica.

Brassica sive Caulis, feantzösisch, Chou, teutsch, Kohl, ist ein gantz bekanntes Kraut, und in allen Küchen im Gebrauch. Es giebet dessen allerhand Arten, ich aber will allein die vornehmsten beschreiben.

Brassica capitata, Matth.

Brassica capitata alba, C.B.J.B. Pit. Tournefort.

Brassica capitata albida, Trag.

frantzösisch, Chou pommé blanc.

teutsch, weiß Kraut/Krauthäupt.

Diese Art treibet einen niedrigen, doch dicken Stengel, mit einer groben und dicken Schale bedecket, und ist voller Marck, welches scharff und etwas süßlicht schmeckt. Die ersten Blätter sind gar breit, schier gantz rund, röthlicht, zerkerbet und ausgeschweifft, sitzen auf langen dicken Stielen, und werden durch dicke Adern und weißlichte Ribben zertheilet. Wann die untersten Blätter hinweggefallen, so legen sich die obern, welche überblieben, und gleicher Gestalt sehr breit und rundlicht sind, von Farbe weißgrün, hart an und über die andern in grosser Menge, umfassen sich, schliessen sich, drücken sich so dichte in einander, und verwickeln sich zusammen, daß sie einen dicken runden Kopfformiren, der ist gantz dichte und weiß, wieget an einigen Orten z.E. in Flandern, bis in die viertzig Pfund. Auf daß aber diese Köpfe um soviel schöner und dichter werden mögen, so haben einige Gärtner diese Gewohnheit, daß sie alle Blätter zusammen binden, sobald sie nur beginnen sich zu schliessen und Köpfe zu kriegen, damit sie sich um soviel desto härter zusammen drücken müssen; und heist alsdann ein Krauthaupt. Die Blüten wachsen auf einem geraden Stengel, und bestehen eine iede aus vier gelben creutzweis gestellten Blätterlein: wann diese verfallen sind, so erhebt sich aus dem Kelche ein Stielgen oder Pistillus, daraus wird eine lange und schmale, cylinderformige, spitzige Schote, die ist voll fast gantz runder Samen, welche in zwey Fächleinliegen.

Brassica alba vel viridis, C.B. Pit. Tournefort.

Brassica vulgaris sativa, Dod.

Brassica alba vulgaris, J.B.

frantzösisch, Chou blond.

teutsch, Kohl, Weiskohl.

Diese Gattung treibet einen Stengel, der mit runden, grünrothen Blättern besetzet ist, die an langen, dicken Stielen sitzen, zarte sind, und hin und her am Rande ausgezackt. Das gantze Gewächs wird weisser, wann es zunimmt, und bekommt endlich eine blaulichte Farbe. Seine Blüte ist wie die an dem vorhergehenden, nämlich von vier creutzweis gestellten, doch weissen Blätterlein. Es bringet ebenfalls, als wie die andern, Schoten, mit Samen angefüllt.

Brassica alba crispa, C.B. Pit. Tournef.

Brassica Sabaudi, Dod.

Brassica Sabauda rugosa, J.B.

frantzösisch, Chou frisé blanc.

[182] teutsch, Savoyer Kohl/Krauskohl, Welschkohl.

Dessen Blätter sind rund, gantz voll ungleicher Falten, von Farbe gelb und grünlicht, mit quer hindurch lauffenden Ribben, und hangen an kurtzen Stielen. Sie gehen oben gleichfalls auch zusammen, und machen einen Kopf, der ist aber klein und weißlicht. Seine Blüte ist gelb und wie ein Creutz formirt, wie an den andern Sorten Kohl, die läst auch, wann sie fällt, Schoten nach sich, mit zwey Fächlein voller Samen.

Brassica capitata rubra, C.B.J.B. Pit. Tournef.

Brassica rubra capitata, Dod.

frantzösisch, Chou pommé, oder Chou caburouge.

teutsch, rother Cappus.

Die Blätter dieses Kohls sind groß und ausgeschweifft, bey nahe als wie an den andern, doch haben sie gar unterschiedene Farben: dann einige sind purpurbraun, andere schwartz- oder dunckelgrün, andere grünlicht, doch nicht so braun, einige sind gelblicht und grünlicht, durch alle aber lauffen rothe Ribben und Adern: sie schliessen sich gleichergestalt und geben einen Kopf oder ein Haupt. Ihre Blüten sind gelb in Creutzesform, die lassen, wann sie fallen, Schoten nach sich, voller Samen. Diese Art stehet den Winter aus.

Brassica rubra, C.B. Pit. Tournefort.

Brassica rubra vulgaris, J.B.

frantzösisch, Chou rouge.

teutsch, roth Kraut.

Dessen Stengel wird vier bis fünff Schuhe hoch, als wie eine Staude, ist dick, gantz dunckel, purpurfarbig, untenher runtzlicht, im übrigen ästig. Die Blätter sind breit und ausgeschweifft, runtzlicht, von Farbe grünlicht, und hin und her voll dunckelrother Flecken, mit blaulichten vermischt, quer hindurch lauffen sehr viel Adern. Die Blüten sitzen auf geraden Stengeln, sehen gelb, und darauf folgen vier bis fünff Finger lange Schoten, darinne liegen in zweyen Fächlein schier gantz runde, röthlichte Samen. Wann diese Staude wol in Acht genommen wird, so wird sie zuweilen so hoch als wie ein kleiner Baum. Sie wintert sich auch aus.

Brassica cauliflora, C.B. Pit. Tournefort.

Brassica multiflora, J.B.

Brassica florida botritis, Lob. Icon.

frantzösisch, Chou fleur.

teutsch, Blumenkohl, Carfiol, Käsekohl.

Dieser treibet gar breite Blätter, welche einen bis anderthalben Fuß lang werden, und viel grösser sind, als wie die am weissen Kraute, gantz und nicht so sonderlich zerkerbet, meistentheils grün, zum theil gelblicht und blaulicht, mit weissen Adern durchzogen, und am Rande ausgezackt. Diese Blätter ziehen sich zusammen und formiren einen Kopf, der ist aber viel weicher, als wie die andern Krauthäupter. Die Blüten sind klein, stehen in grosser Anzahl in Sträuslein gantz dichte bey einander, sind zart und von Farbe weißlicht oder blaß: wann sie verfallen, lassen sie Schoten nach sich, mit Samen angefüllt, als wie die andern Arten Kohl. Die Gäetner binden insgemein diejenigen Blätter, welche den Kopf des Blumenkohls umgeben, mit einigen Bändern rund umher zusammen, damit der Kopf auf solche Weise vor der Sonnenhitze verdecket[183] werde, dann sie ihn sonsten nicht allein zu sehr austrocknen dürffte, sondern würde auch verursachen, daß er zu schnelle in Schoß gienge. Die Italiener sollen, der Sage nach, wann sie anderst ihren Blumenkohl vor solchem Unwesen verwahren wollen, nicht so lange zu warten pflegen, bis daß der Kopf zu völliger Grösse gekommen, sondern sie binden ihn zuvor und setzen ihn in den Keller, scharren Wurtzel und Stengel bis an die Köpfe ein, und legen sie ein Stück neben das andere, ein wenig schieff und nach der Seite: so schliessen sie sich daselbst vollkommen, und können eine geraume Zeit erhalten werden.

Wann man die Blumenkohlköpfe hinweg schneidet, die Strüncke aber nicht ausziehet, so schlagen sie aufs neue wieder aus, und treiben junge Schosse, die nennen die Italiener Broccoli, und sind gut zu essen.

Alle Arten Kohl werden in den Gärten gebauet; führen viel Sal essentiale und Oehl.

Vermöge ihrer saltzigten Theile öffnen sie den Leib, und stopfen denselbigen durch die irdischen: und deswegen ist die erste Brühe vom Kohle einiger massen laxirend, die letztere aber anhaltend. Sie dienen auch gar gut zu Wunden und Schäden, dann sie reinigen und schliessen dieselben; der Samen ist gut wider die Würme.

Der Braunkohl ist gut zur Brust, zur Schwindsucht und Ersetzung der verlohrnen Kräfte.

Brassica, von βρώσκειν, vorare, fressen, dieweil der Kohl oben anstehet unter denenjenigen Kräutern, welche gegessen werden. Die Alten hielten sehr viel drauf, dann Plinus meldet, daß Chrysippus, Dieuches, Pythagoras, und Crato gantze Bücher von seiner Kraft und Tugenden geschrieben.

Quelle:
Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 182-184.
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