Crocus

Crocus.
Crocus.

[366] Crocus.

Crocus, J.B. Dod.

Crocus sativus, C.B. Pit. Tournef.

Crocus verus sativus autumnalis, Park. Raji. Hist.

Crocum, Matth.

frantzösisch, Safran.

teutsch, Saffran.

Ist ein Gewächs, das einige lange, sehr schmale und gestreiffte Blätter treibet. Zwischen denenselbigen erhebet sich zu Ende des Augustus, oder zu Anfang des Septembris, ein niedriger Stengel, der vielmehr ein kleines Stielgen, auf welchem eine Blume stehet, die bey nahe wie das Colchicum aussiehet, oder als wie eine Lilie formiret ist: doch ist sie um ein grosses kleiner, in sechs Theil zertheilet, von Farbe blau mit roth und purper untermischt. In der Mitten wächst als wie ein Büschel oder Koppe, so in drey Fäden, wie ein Hanenkamm zertheilet ist, schön roth siehet, und angenehme riechet. Dieses Büschlein nennen wir Saffran: wann er in seiner Kraft stehet, so wird er vor der Sonnen Aufgang ausgezogen und gesammlet, damit er trocken werden möge. Etliche Tage darauf kommt eine andere auf eben derselben Pflantze, die wird gleichergestalt gesammlet und getrocknet. Diese Büschlein oder Schnuren geben sich von einander, und theilen sich in drey Fäden, wie an dem Saffran zu ersehen.

Die Frucht dieses Gewächses kommt aus dem Blumenkelche, ist länglicht und hat drey erhabene Ecken; innewendig ist sie in drey Fache abgetheilet, darinne die Samen enthalten, die schier gantz rund sind.

Die Wurtzel des Saffrans ist ein gedoppelter Ballen oder ein kleiner Knollen, insgemein so dicke, als wie eine Haselnuß, iedoch bisweilen auch wol grösser, fleischig und süsse von Geschmack: mit einigen weißlichten und aschfarbenen Häutlein überzogen, und unten mit einem Hauffen Zäserlein besetzet, welche sie in der Erde veste halten. Es ist aber ein Bollen immer grösser dann der andere.

[366] Dieses Gewächse wird in Franckreich an sehr vielen Orten gebauet: z.E. in Gatinois, in Languedoc, gegen Toulouse und Orange zu, zu Angulesme, und in Normandie. Der beste Saffran aber und der am allermeisten geachtet wird, ist der, den sie zu Boisne und Bois-commun in Gatinois erbauen, der geringste ist der aus Normandie.

Man soll denselbigen erwehlen, welcher frisch und wol getrocknet, und dannoch weichlich und gelinde, der feine lange Fäden hat, von schöner rothen Farbe, darunter wenig gelbes zu befinden: sie müssen auch gar starck riechen und einen lieblichen, balsamischen Geschmack haben. Der Saffran muß in wol verschlossenen Büchsen verwahret werden. Es gebrauchen ihn allerhand Handwercksleute und färben gelb damit. Er führet ein kräftiges Oel mit vielem Saltz vermischet.

In den meisten Dispensatoriis pharmaceuticis wird der Crocus orientalis, der orientalische Saffran verlanget: alleine, es bedarff nicht, daß man diese Waare so weit her hohle, dieweil wir sie in Franckreich eben so gut und schön haben, als wie an einigem Orte.

Der Saffran stärcket das Hertz, dienet der Brust, macht schlafen, stillet den Schmertz, ist gut wider die Mutterbeschwer, auch wider den Gift, und eröffnet. Er wird in den Speisen und Artzneyen zur Stärckung gebrauchet, zu zertheilen und zur Linderung. Unter die Augenartzeneyen gemischet dienet er die Augen dadurch wider die Pocken zu verwahren, er kommt auch unter allerhand Pflaster, doch vornemlich wird er innerlich gebrauchet.

Der Name Crocus soll aus einer alten Fabel entstanden seyn: dann es soll sich ein kleiner Knabe, Namens Crocus, in ein kleines Mägdlein dergestalt heftig verliebet haben, daß er für grosser Liebe in diese Blume verwandelt worden sey. Alleine er kommet allem Ansehen nach aus dem Griechischen, von κροκὶς oder κροκὴ, das heist ein Faden, ein Haar, der Einschlag beym Weber, dieweil der Saffran, wann er trocken ist, wie Faden siehet. Im Griechischen werden auch die stamina und Fädenlein mitten in den Blumen κροκίδες genennet. Dem Saffran aber ist der Titel Crocus vor allen andern darum gegeben worden, weil keine so gar schönen, noch so nützlichen stamina mehr zu finden sind, als wie der Saffran ist.

Der frantzösische Name Safran kommt von dem arabischen Zapheran, welches eben so viel bedeutet. Die Türcken nennen ihn auch Safran.

Quelle:
Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 366-367.
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