Hermodactylus

Faba Sti Ignati. Hermodactÿli.
Faba Sti Ignati. Hermodactÿli.

[530] Hermodactylus.

Hermodactylus, frantzösisch, Hermodacte, teutsch, Hermodattel, ist eine knollige Wurtzel, oder ein Bollen, so dicke, als wie eine kleine Kastanie, in Gestalt eines Hertzens, von Farbe röthlicht auswendig, inwendig gar sehr weiß; leicht und schwammig, ohne Zasern, leicht zu zerbrechen, auch stracks zu Pulver, wie zu Mehl zu machen, von Geschmacke süßlicht und ein wenig schleimig. Sie wird dörre aus Egypten, und aus Syrien zu uns gebracht. Was für ein Gewächse sie mag tragen, das weiß man nicht recht gewiß: die gemeinste Sage ist, es sey dasselbe eine Gattung Colchicum, welche Caspar Bauhinus genennet hat Colchinum, radice siccata alba, Lobelius, Hermodactylus non venenatus officinarum.

Andere aber erachten, es sey eine Sorte der knolligten Iris (Iris tuberosa) bey Caspar Bauhino, Iris tuberosa, folio anguloso, und von Matthiolo, Hermodactylus verus genennet.

Pomet, ein neuer Scribent, hat dieserwegen seine gantz besonderen Gedancken. Er giebet an, die Hermodattel sey keine Wurtzel nicht, sondern eine Frucht, welche auf einem Baume in Egypten wachse: er will solches auf zweyerley Proben stellen. Zum ersten, habe diese Materie viel eher die Gestalt, wie eine Frucht, als wie eine Wurtzel. Zum andern, man habe ihm von Marseille geschrieben, wie daß die Hermodatteln aus Egypten kämen, und wären eine Frucht von einem grossen Baume.

Allein, das erste tauget nicht gar viel: dann ich befinde, daß die Hermodattel eben so gut die Gestalt einer knolligten Wurtzel oder eines Bollens habe, als wie einer Frucht: und wann man ihre Substantz oder Wesen betrachtet, so siehet sie der Wurtzel vom Aro gar sehr gleich, und vieler andern mehr.

Die andere Probe will eben also wenig überweisen. Dann, es kan gar sehr wol seyn, daß diejenigen, die von Marseille ihm geschrieben, die Hermodattel wäre eine Frucht, eben also schlecht davon unterrichtet gewesen. Derohalben wird man sein Urtheil zurücke halten müssen, und erwarten, bis daß wir durch die dahin reisenden deshalben näher unterrichtet können seyn.

[530] Diejenigen Hermodatteln soll man erwehlen, welche dick und frisch, fein völlig, und fein trocken seyn, gantz, und nicht zermülbet, welchem Unheil sie sehr unterworffen sind: auswendig müssen sie röthlicht, und weiß inwendig seyn. Sie führen viel Oel und Sal essentiale.

Sie führen die schleimigen Feuchtigkeiten gelinde aus dem Hirn und von den Gliedern ab: treiben auch den Schweiß.

Hermodactylus kommt von Ἑρμῆς, Mercurius, und δάκτυλος, digitus, ein Finger: dieweil sich zwischen diesen Hermodatteln und den letztern Ordnungen der Beine an den Fingern eine Gleichheit soll befinden.

Quelle:
Lemery, Nicholas: Vollständiges Materialien-Lexicon. Leipzig, 1721., Sp. 530-531.
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