Sie bereitet sich zu seiner Geburt

[52] 1

Streuet mit Palmen, ihr Schäfer und Hirten,

Bereitet und schmücket aufs schönste die Bahn.

Traget zusammen Oliven und Myrten,

Denn Jesus, der ewige Friedfürst, kommt an.


2

Lasset uns munter sein, warten und wachen,

Es schlafe ja keiner vor Trägheit nicht ein.

Lasset uns alles aufs herrlichste machen,

Gewißlich er kann nun nicht ferne mehr sein.


3

Schmücket die Lampen und macht sie recht lichte,

Eröffnet zu euerem Herzen die Tür.

Denket auf allerlei schöne Gedichte

Und tretet mit Freuden und Jubel herfür.


4

Jesu, du Hoffnung der heilig Verliebten,

Du Sonne der Ewigkeit, brich doch herfür.

Tröstlicher Bräutgam der geistlich Betrübten,

Komm, komm doch, wir sehnen uns herzlich nach dir.


5

Werde geboren, du Heiland der Erden,

Du Herrscher des Himmels, du Schöpfer der Welt.

Sonsten kann keiner den Banden entwerden,

Mit welchen der Feind uns bestrickt und gefällt.


6

Träufelt, ihr Himmel, und gebt uns im Regen

Den Herrn der Gerechtigkeit, unsere Zier.

Öffne dich, Erde, mit neuem Bewegen

Und bring uns den Heiland der Menschen herfür.
[53]

7

Eia mein König, Erlöser und Leben,

Mein Schutzherr, mein Bräutigam und alle mein Gut!

Komm nur, ich will mich dir ewig ergeben

Und opfern mein Herze mit Geist und mit Blut.


Quelle:
Angelus Silesius: Sämtliche poetische Werke in drei Bänden. Band 2, München 1952, S. 52-54.
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