Sie preist den Namen Jesu

[81] 1

Name voller Güte,

Komm in mein Gemüte.

Ausgegoßnes Öle,

Fließ in meine Seele.

Arznei aller Schmerzen,

Gib dich meinem Herzen,

Denn du bist alleine,

Jesu, den ich meine.


2

Himmel der Verliebten,

Leitstern der Betrübten,[81]

Ungeschaffne Sonne,

Unerhörte Wonne,

Gib, daß deine Strahlen

Mich erfreun und malen,

Denn du bist alleine,

Name, den ich meine.


3

Name, schöner Name,

Der vom Himmel kame,

Name, zuckersüße,

Lauter Nektarflüsse,

Dem kein Balsam weichet

Und kein Ambra gleichet,

Name, du alleine

Bleibest, den ich meine.


4

Name, schön wie Rosen,

Wert, stets lieb zu kosen,

Name, wie Narzissen,

Würdig, stets zu küssen.

Name, zart wie Lilgen,

Die das Weh vertilgen,

Jesu, du alleine

Bleibest, den ich meine.


5

Name, den ich höre

Vor der Engel Chöre,

Der mir Jauchzen bringet

Und am schönsten klinget,

Der mich kann ergötzen

Und in Freude setzen,

Name, du alleine

Bleibest, den ich meine.
[82]

6

Name, den man preiset,

Dem man Dienst erweiset,

Dem die Welt sich beuget

Und der Himmel neiget.

Den, was drunten lebet,

Fürchtet und erhebet,

Jesu, du alleine

Bleibest, den ich meine.


7

Name, güldner Name,

Reicher Himmelssame,

Ewig wird mein Herze,

Schönste Königskerze,

Dich in sich behalten

Und mit dir veralten:

Denn du bist alleine,

Jesu, den ich meine.


Quelle:
Angelus Silesius: Sämtliche poetische Werke in drei Bänden. Band 2, München 1952, S. 81-83.
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