Scena 7.

[32] Thisbe. Pyramus.


THISBE.

Hilff godt, wie bleibt er doch so lang?

Mir ist in meinem hertzen bang,[32]

Er hab Kein gut bescheidt bekomn,

Weil ich ihn noch nicht hab vernomn.

Dass er doch mucht balt Kommen her

Vnd sagn wiess vmb die Sache wer.

Doch sich, er Kumpt gleich ebn herein,

Hilff godt, was mag die zeitung sein.

PYRAMUS.

Mein Thisbe ich bleib lange auss

Vnd lass euch hie allein zu hauss.

Ihr wollt mirs nicht fur vbel han,

Ich Kunte nicht eh Kommen an.

THISBE.

Ihr Kommet noch zu rechter zeit,

So ihr nuhr bringet gut bescheidt.

PYRAMUS.

Ach liebes Zuckermundlin mein,

Ich wolt, dass ess mucht besser sein.

THISBE.

Wie so? wie ist ess den ergangn?

Sagt mirs, ich hab danach verlangn.

PYRAMUS.

Gar nichts ich da erworben hab,

Sie han mirs gar geschlagen ab.

Dess musse Ja sich vbr vnss Armn

Godt in dem hohen himml erbarmn.

THISBE.

Die zeitung zwar gefellt mir nicht,

Dass ihr gar nichts habt aussgericht.

Weil aber dass Ja nicht sein Kan,

Wie wolln wirs doch den greiffen An.

Ich bin euch auss der massen hold,

Wen ich darumb auch sterben solt.

Dazu Kein mensch auff dieser Erdn

Hernachmals mir soll lieber werdn

Als ihr: drumb ichs auch wol mucht leidn,

Dass godt zusamen hulff vns beidn.

Dass Gluck abr muss vnss wieder stehn,

Dass ess ietzund nicht mag geschehn.[33]

PYRAMUS.

Ach aller liebste Thisbe mein,

Vnss hindert nicht dass gluck allein,

Sondr auch die wand vns ist zu wiedr.

Ich wolte dass sie lieg daniedr,

So wolten wir nach lust dess hertzn

Offt mit einander freundlich schertzn.

THISBE.

Odr so dass Ja zuviel wolt sein,

Mucht vns vergonnet sein allein,

Dass wir nur muchtn DEN lusten Büssn

Vnd mit eim Kuss einander grüssn.

PYRAMUS.

Dass Clagend gar will helffen nicht,

Drumb hört, wass ich geh fur bericht.

Wir mussens anders greiffen an,

Sol sonst die Sach ein fortgang han:

Ich weiss im wald ein lustign Ört,

Da man viel vöglin Singen hört.

Ein Brun ist in demselben wald,

Dabei viel Blumlin mannigfalt

Auch ander schone Bewme stehn.

(: Ein grosse lust ist das zu sehn :)

Zu diesen Ort wolln wir vns machn

Vnd reden da von vnser Sachn.

THISBE.

Dass ist mir nicht gelegen wol,

Dass ich mich dahin machen sol:

Den meine Muttr hat mich in Acht,

Ess sey Bei tage oder nacht.

Wen ich zu lange von ihr bin,

Spricht sie auss zornichlichem sin:

Woh mag mein Tochter Thisbe bleibn,

Harr ich wil sie bein Bocken treibn.

Wen ich den nicht wurd sein zu hauss,

Ward sie nach mir sehn vbel auss.

Wass solt ich den ihr wieder sagn,

Wen sie vielicht mich wurde fragn,

Wor ich so lange wer gewest.

Drumb duncket mich zwar sein das best,[34]

Dass wir es anders fangen an.

Diess Kan so Keinen fortgang han.

Doch solt solchs nicht geachtet sein,

Wen man da Sicher wer allein

Im walde an dem lustign Ört,

Davon wol offt ich hab gehört.

Dass Ja Kein mensche Kunte sagn

Wass sich da hette zugetragn.

PYRAMUS.

Wir haben nirgend besser fug,

Der Ort ist werlich sicher gnug.

Ess Kumpt Kein Mensch iezund dahin.

THISBE.

Drumb ichs auch wol zufrieden bin,

Dass wir der Sach ein End abgehn.

Vnd nur so balt es Kan geschehn,

So fern ichs heimlich machen Kan

Wil ich mich auch da finden lahn.

Ich wil daran Kein fleiss Ja Sparn,

Dass ess nicht iemandt sol erfarn.

Den wen ess wurde Kommen auss,

Hett ich Kein gute Stund inn hauss.

Drum muss ich eben sehen zu

Wass ich hierin beginnen thu.

PYRAMUS.

Wir wollen da wol sein verborgn,

Da lasset ihr nur mich fur sorgn.

Wen wir nur sein hinauss der Stat,

Alssden es gar Kein noth mehr hat.

THISBE.

Dass were wol der wille mein,

Drumb lasst es so beschlossen sein

Vnd sagt den ort mir endlich an,

Woh ich mich den sol finden lahn.

Einn vnwilln wil ich endtlich wagn?

PYRAMUS.

So wil ichs euch gar Kurtzlich sagn:

Ein Mawlbeerbawm im walde steht,

Da man zum gnanten Brunnen geht.[35]

Denselben wolln wir in dem walt

Ohn grosse muh wol finden balt.

Ich gleub auch dass ihr ihn schon wisst,

Den er bekant Ja gnugsam ist.

THISBE.

Ey Ja: den von demselben Ort

Hab ich Ja oftmals sagen hört.

PYRAMUS.

So ess den euch also gefelt,

(: Ich seh nichts meh, das vns auffhelt :)

So wolln wir heint nach Mitternacht

Beid vnser Sachen haben acht

Vnd fein ein iedr auss seinem hauss

Doch gar verborgen schleichen auss.

Vnd wolln ohn alles vngemach

So vnserm Rhatschlag setzen nach.

So dunckt mich solt es wol angehn,

Dass vnser lieb gnug mucht geschehn.

THISBE.

So wil ich auch zur selben zeit

Erwarten mein gelegenheit.

Vnd wen der Thurhütr ist entschlaffn,

So wil ich meinen willen schaffn.

Ich wil mich machen wol geschwindt,

Da ich den Schlussl zum hause find,

Vnd wil mich auss dem hause stehln.

Ich wil die Sach ihm wol verhehln.

PYRAMUS.

Wollan so sols beschlossen sein.

Doch ferner hört die meinung mein:

Wen es vielicht sich wurd begebn,

Dass wir zu gleich nicht Kemen ebn:

So muss Der, der der Erste ist,

Erwarten eine Kleine frist

Vnd sich dess nicht verdriessen lahn,

Biss dass der Ander auch Kumpt an.

THISBE.

Ey dass bedarff nicht So viel wort.

Wer ich nur an dem selben ort,[36]

Ich wolte gern da sein allein,

Biss dass ihr Kantet bei mir sein.

PYRAMUS.

Recht So: So wil ich nun hingehn

Vnd wol auff meine Sachen sehn,

Dass ich ein offn thur mug behaltn.

Dess Andern wil ich S'Gluck lahn waltn.

THISBE.

Ich wil mich auch wol sehen fur,

Dass ich Könn Kommen auss der thur.

Godt geb vnss Gluck zu dieser Sachn,

Wir wolln nun bald ein end draus machn.

Quelle:
Drei deutsche Pyramus-Thisbe-Spiele. Tübingen 1911, S. 32-37.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Grabbe, Christian Dietrich

Napoleon oder Die hundert Tage. Ein Drama in fünf Aufzügen

Napoleon oder Die hundert Tage. Ein Drama in fünf Aufzügen

In die Zeit zwischen dem ersten März 1815, als Napoleon aus Elba zurückkehrt, und der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni desselben Jahres konzentriert Grabbe das komplexe Wechselspiel zwischen Umbruch und Wiederherstellung, zwischen historischen Bedingungen und Konsequenzen. »Mit Napoleons Ende ward es mit der Welt, als wäre sie ein ausgelesenes Buch.« C.D.G.

138 Seiten, 7.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon