CCXVII.

[279] 1. Hort zu jr lieben christen leut,

was sich in kurtz verschiener zeit

nemlich zutragen hat,

Zu Viana in der reichen stadt,

darinn ein schlosser gesessen hat.


2. Der hat so gar ein stoltzes weib,

die schmücket teglich jhren leib,

der pracht war umb sie so gros,

Sie gieng all tag gar herrlich daher,

gleich als wenns eine vom adel wer.


3. Und kifft teglich an jhrem man,

das er sein handwerck solt fahren lan,

ein kauffman solt er werden,

Von feiln und kratzen las ab,

der gut man sein willen drein gab.


4. Verkaufft all seinen zeug behendt,

der teuffel kam zu jhm behendt,

redt jhn gar listig an,

Sprach: wenn du forthin mein wilt sein,

so wil ich dir behülfflich sein.


5. Und dich machen zum grossen herrn,

und alle deine güter mehrn

so gar in kurtzer frist,

Das du der weib und kind allzeit,

solst haben grosse freudigkeit.


6. Der man sprach mit worten blos,

zehen jahr wil ich haben das loß,[279]

das solstu mich gewehren,

Und dasselbig mir halten fein,

so wil ich ewig bey dir sein.


7. Und dirs verschreiben mit meinem blut,

und verleugnen das ewig gut.

der bund was also gemacht,

Der teuffel nam die handschrifft an,

dem man forthin kein geld mehr zerran.


8. Die kauffmanschafft trieb er weit und breit,

er war sehr reich in kurtzer zeit,

sein handel ward sehr gros,

Des sich all menschen wundert sehr,

wo jm das grosse gut kem her.


9. Er lebet tag und nacht im saus,

sein weib das hielt gar prechtig haus,

grosse panket hielt er,

Die musten jhm die zeit vertreiben,

kein kurtzweil thet dahinden bleiben.


10. All sein gesind das hett genug,

ein jedes ein volles kröpflein trug,

seine kinder prechtig kleid,

Gleich wie eines fürsten saal,

ward alle ding bereit zumal.


11. Darzu ein eignen capelan

allzeit mit jm zu tische han,

der thet jn straffen nicht,

All sein sünd lies er jm hingan,

dardurch füllet er sein seckel schon.


12. Als her thet gan das zehend jar,

der kauffman sehr betrübet war,

gantz trawriger geberd,

Er seufftzet dacht an die grosse pein,

wandt hin und her die hende sein.


13. Sein freundschafft sprach jm freundlich zu,

weder tag und nacht hett er kein ruh,[280]

sein gewissen krenckt jn hart,

Der kauffman legt sich kranck zu beth,

sein grosser pracht ein ende hett.


14. Sein freundschafft drung jhn an dem endt,

das er solt machen ein testament,

vor seinem tod geschwind,

Seinem weib und kinder klein,

darzu der gantzen freundschafft sein.


15. Ein schreiber wurd gestellet dar,

der kauffman sprach mit worten klar,

schreib in mein testament,

Des teuffels wil ich ewig sein,

mit jm leiden die ewige pein.


16. Sein weib und freund die wehrten jm,

der kauffman sprach mit worten grim,

ein gut handwerck ich hett,

Mein weib mich davon drungen hat

durch jre hoffart früh und spat.


17. Darumb schreibs eilends und behend

auch zu mir in mein testament,

damit sie gleicherweis

Mit mir ewig gepeinigt werd,

geld und gut bleiben in dieser erd.


18. Der caplan redet jn auch an,

er solt jhm was verschaffen thun,

damit er sein gedecht.

Der kauffman sprach mit worten behendt,

jhr gehört auch in mein testament.


19. Ir aßt und tranckt bey mir allzeit

in wollust und in uppigkeit,

solt jr mich haben gestrafft,

Darumb so schreib ich euch allein

zu mir ins testament hinein.


20. Bey dieser erschrecklichen geschicht

nemet jr menner den bericht,[281]

bleibet bey ewrem beruff,

Bey ewren handwerck früe und spat,

darzu euch Gott geordnet hat.


21. Darzu jhr weiber all gemein,

laßt euch dieses ein spiegel sein,

wolt euch höher brechen nicht,

Denn hoffart nie gut hat gethan,

schawt all reich, auch babylon.


22. Ihr seelsorger und prediger,

jhr habet auch ein urtheil schwer,

secht durch die finger nicht,

Wie uns der prophet meldet eben,

müst sonst ein schwere rechnung geben.

Quelle:
[Anonym]: Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582. Stuttgart 1845, S. 279-282.
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