4. Thu' dich auf.

[24] Am Allerseelentag, er war trübe und neblig, waren die Kinder mitten unter den Versammelten auf dem Kirchhof. Der Krappenzacher hatte Dami an der Hand dahin geführt. Amrei aber war allein gekommen ohne die schwarze Marann' und Viele schimpften über die hartherzige Frau, und einige trafen einen Theil der Wahrheit, indem sie sagten: die Marann' wolle nichts von dem Besuchen der Gräber, weil sie nicht wisse wo das Grab ihres Mannes sei. Amrei war still und vergoß keine Thräne, während Dami bei den mitleidigen Reden der Menschen jämmerlich weinte, freilich auch, wenn ihn der Krappenzacher mehrmals heimlich geknufft und gezwickt hatte. Amrei starrte eine Zeitlang träumerisch vergessen hinein in die Lichter zu Häupten der Gräber und sah staunend, wie die Flamme das Wachs auffrißt, der Docht immer mehr verkohlt, bis endlich das Licht ganz herabgebrannt ist.

Unter den Versammelten bewegte sich auch ein Mann in vornehmer städtischer Kleidung, mit einem Band im Knopfloch; es war der Oberbaurath Severin, der auf einer Inspectionsreise begriffen, hier das Grab seiner Eltern, Brosi und Moni, besuchte. Seine Geschwister und deren Angehörigen umgaben ihn stets mit einer gewissen Ehrerbietung und die Andacht war fast ganz[25] abgelenkt und auf diesen Vornehmen alle Aufmerksamkeit gerichtet.

Auch Amrei betrachtete ihn und fragte den Krappenzacher: »Ist das ein Hochzeiter?«

»Warum?«

»Weil er ein Bändel im Knopfloch hat.«

Statt aller Antwort hatte der Krappenzacher nichts Eiligeres zu thun, als auf eine Gruppe loszugehen und zu sagen, welch' eine dumme Rede da das Kind gethan habe. Und mitten unter den Gräbern erscholl lautes Gelächter über solche Albernheit. Nur die Rodelbäuerin sagte: »Ich finde das gar nicht so hirnlos. Wenn's auch ein Ehrenzeichen ist, was der Severin hat, es bleibt doch wunderlich, da auf dem Kirchhof mit einer Auszeichnung herumzulaufen; da, wo sich zeigt, was aus uns Allen wird, habe man im Leben Kleider von Seide oder von Zwillich angehabt. Es hat mich schon verdrossen, daß er damit in der Kirche war; so Etwas muß man abthun, ehe man in die Kirche geht, um wie viel mehr auf dem Kirchhof.«

Die Kunde von der Frage der kleinen Amrei mußte doch auch bis zu Severin gedrungen sein, denn man sah ihn hastig seinen Oberrock zuknöpfen und dabei nickte er nach dem Kinde hin. Jetzt hörte man ihn fragen, wer das sei und kaum hatte er die Antwort vernommen, als er auf die beiden Kinder an den frischen Gräbern zueilte und zu Amrei sagte: »Komm her, Kind, mach' deine Hand auf, hier schenke ich dir einen Dukaten; davon schaffe dir an, was du brauchst.«

Das Kind starrte drein und antwortete nicht. Und[26] kaum hatte Severin den Rücken gewendet, als es ihm halblaut nachrief: »Ich nehm' nichts geschenkt,« und ihm dabei den Dukaten nachschleuderte. Viele, die das gesehen hatten, kamen auf Amrei zu und schimpften auf sie hinein und eben als sie daran waren, sie zu mißhandeln, wurde sie wiederum von der Rodelbäuerin, die sie schon einmal mit Worten beschützt hatte, vor den rohen Händen gerettet. Auch sie verlangte indeß, daß Amrei wenigstens Severin nacheile und ihm danke; doch Amrei gab auf keinerlei Rede eine Antwort; sie blieb starr, so daß auch ihre Beschützerin von ihr abließ. Nur mit großer Mühe fand man den Dukaten wieder und ein Gemeinderath, der zugegen war, nahm ihn sogleich in Verwahrung, um ihn dem Pfleger der Kinder zu übergeben.

Dieses Ereigniß brachte der kleinen Amrei einen seltsamen Ruf im Dorf. Man sagte, sie sei doch erst wenige Tage bei der schwarzen Marann' und habe schon ganz deren Art und Weise. Man fand es unerhört, daß ein Kind aus solcher Armuthei einen solchen Stolz haben könne; und indem man ihr diesen Stolz auf allen Wegen und Stegen vorwarf, ward sie dessen erst recht inne, und in der jungen Kinderseele regte sich ein Trotz, ihn nur desto mehr zu bewahren. Die schwarze Marann' that auch das Ihre, um solche Stimmung zu befestigen, denn sie sagte: »Es kann einem Armen kein größeres Glück geschehen, als wenn man es für stolz hält; dadurch ist man davor bewahrt, daß Jedes auf einem herumtrampelt und noch verlangt, daß man sich dafür bedanke.«[27]

Im Winter war Amrei sehr viel bei dem Krappenzacher und hörte ihn besonders gern geigen. Ja der Krappenzacher sagte ihr einmal das große Lob: »Du bist nicht dumm,« denn Amrei hatte nach einem langen Geigenspiel bemerkt: »Was doch so eine Geige den Athem so lang anhalten kann; das kann ich nicht.« Und wenn daheim in stillen Winternächten die schwarze Marann' funkelnde und schauererregende Zaubergeschichten erzählte, da horchte Amrei mit offenem Munde und mehrmals rief sie die Alte zurückhaltend: »O Marann' haltet ein, ich muß wieder schnaufen.«

Niemand achtete sehr auf Amrei, und diese konnte träumen, wie es ihr in den Sinn kam und nur der Lehrer sagte einmal in der Gemeinderathssitzung: solch' ein Kind sei ihm noch nicht vorgekommen; es sei trotzig und nachgiebig, träumerisch und wachsam. In der That bildete sich schon früh bei allem kindischen Selbstvergessen ein Gefühl der Selbstverantwortlichkeit, eine Wehrhaftigkeit im Gegensatze zur Welt, zu ihrer Güte und Bosheit in der kleinen Amrei aus, während Dami bei allen kleinen Anlässen weinend zur Schwester kam und ihr klagte. Er hatte immer Mitleid mit sich selber, und wenn er in Raufhändel von Spielgenossen niedergeworfen wurde, klagte er: »Ja, weil ich ein Waisenkind bin, schlagen sie mich. O wenn das mein Vater, meine Mutter wüßte!« Und dann weinte er doppelt über die erfahrene Unbill. Dami ließ sich von allen Menschen zu essen schenken und wurde dadurch gefräßig, während Amrei mit Wenigem vorlieb nahm und sich dadurch äußerst mäßig gewöhnte. Selbst die wildesten[28] Buben fürchteten Amrei, ohne daß man wußte, woran sie ihre Kraft bewiesen hatte, während Dami vor ganz kleinen Jungen davon lief. In der Schule war Dami stets spielerisch, er bewegte die Füße und bog mit der Hand die Ecken der Blätter um, während er las. Amrei dagegen war stets zierlich und gewandt, aber sie weinte oft in der Schule, nicht wegen der Strafen, die sie selbst bekam, sondern so oft Dami gestraft wurde.

Am meisten konnte Amrei den Dami vergnügen, wenn sie ihm Räthsel schenkte. Noch immer saßen die beiden Kinder viel am Hause ihres reichen Pflegers, bald bei den Wagen, bald beim Backofen hinter dem Haus, an dem sie sich von außen wärmten, besonders im Herbste. Und Amrei fragte: »Was ist das Beste am Backofen?«

»Du weißt ja, ich kann nichts errathen,« erwiderte Dami klagend.

»So will ich dir's sagen: Das Beste am Backofen ist, daß er das Brod nicht selber frißt.« Und auf den Wagen vor dem Hause deutend fragte Amrei: »Was ist lauter Loch und hält doch?«

Ohne lange auf Antwort zu warten, setzte sie gleich hinzu: »Das ist die Kette.«

»Jetzt diese Räthsel schenkst du mir,« sagte Dami und Amrei erwiderte: »Ja, du darfst sie aufgeben. Aber siehst du dort die Schafe kommen? Jetzt weiß ich noch ein Räthsel.«

»Nein,« rief Dami, »nein, ich kann nicht drei behalten, ich hab' genug an zweien.«

»Nein, das mußt noch hören, sonst nehm' ich die[29] andern wieder.« Und Dami sagte ängstlich in sich hinein, um es ja nicht zu vergessen: »Kette. Selberfressen,« während Amrei fragte: »Auf welcher Seite haben die Schafe die meiste Wolle? – Mäh! Mäh! auf der auswendigen!« setzte sie sogleich mit scherzendem Gesang hinzu, und Dami sprang davon, um seinen Kameraden die Räthsel aufzugeben. Er hielt beide Hände fest zu Fäusten zusammengepreßt als hätte er darin die Räthsel und wolle sie nicht verlieren. Als er aber bei den Kameraden ankam, wußte er doch nur noch das von der Kette, und des Rodelbauern Aeltester, den er gar nicht gefragt hatte und der viel zu groß dazu war, sagte schnell die Auflösung und Dami kam wieder weinend zur Schwester zurück.

Die Räthselkunst der kleinen Amrei blieb aber nicht lange verborgen im Dorf und selbst reiche, ernsthafte Bauern, die sonst mit Niemand, am wenigsten mit einem armen Kind viel Worte machen, ließen sich herbei, da und dort der kleinen Amrei ein Räthsel aufzugeben. Daß sie selber viele dergleichen wußte, das konnte sie von der schwarzen Marann' haben; aber daß sie neugesetzte so oft zu beantworten verstand, das erregte allgemeine Verwunderung. Amrei hätte nicht mehr unaufgehalten über die Straße oder auf's Feld gehen können, wenn sie nicht bald ein Mittel dagegen gefunden hätte. Sie stellte als Gesetz fest, daß sie Niemand ein Räthsel löse, dem sie nicht auch eins aufgeben dürfe. Sie aber wußte solche zu drechseln, daß man wie gebannt war. Noch nie war im Dorf einem armen Kinde so viel Beachtung zugewendet worden, als[30] der kleinen Amrei. Aber je mehr sie heran wuchs, um so weniger Aufmerksamkeit wurde ihr geschenkt; denn die Menschen betrachten nur die Blüthen und die Früchte mit theilnehmendem Auge, nicht aber jenen langen Uebergang, wo das Eine zum Andern wird. –

Amrei ging in ihr vierzehntes Jahr und war aus der Schule entlassen worden. Die Ermahnungen, die dabei an sie gerichtet wurden, machten nur wenig Eindruck. Das Verhalten der Selbstverantwortlichkeit, das sonst das Kinderherz so mächtig und räthselvoll bewegt, war ihr nicht neu; sie war von früh an darauf hingewiesen. Und jetzt eben in diesen Tagen gab ihr das Schicksal ein Räthsel auf, das schwer zu lösen war.

Die Kinder hatten einen Ohm, der sieben Stunden von Haldenbrunn, in Fluorn Holzhauer war; sie hatten ihn nur Einmal gesehen bei dem Begräbniß der Eltern, er ging hinter dem Schultheiß, der die Kinder an der Hand führte. Seitdem träumten die Kinder viel von dem Ohm in Fluorn. Man sagte ihnen oft, er sähe dem Vater ähnlich und nun waren sie noch begieriger, ihn zu sehen. Denn wenn sie auch noch manchmal glaubten, Vater und Mutter müßten plötzlich kommen, es könne ja gar nicht sein, daß sie nicht mehr da wären, so gewöhnten sie sich doch nach und nach daran, die Hoffnung aufzugeben und das um so mehr, je öfter der Allerseelentag wiedergekehrt war, zu dem sie das Grab der Eltern mit Vogelbeeren besteckten, und nachdem sie schon lange auf ein und demselben schwarzen Kreuze den Namen der Eltern lesen konnten. Aber auch den Ohm in Fluorn vergaßen sie endlich fast ganz,[31] denn sie hörten viele Jahre nichts von ihm. Da wurden die beiden Kinder eines Tages in das Haus ihres Pflegers gerufen. Dort saß ein Mann, groß und lang und mit braunem Gesicht.

»Kommet her, Kinder,« rief der Mann den Eintretenden zu. Er hatte eine rauhe, trockene Stimme. »Kennet ihr mich nicht mehr?«

Die Kinder sahen ihn mit aufgerissenen Augen an. Erwachte in ihnen eine Erinnerung an den Klang der väterlichen Stimme?

Der Mann fuhr fort: »Ich bin ja eures Vaters Bruder. Komm her, Lisbeth! Und auch du, Dami!«

»Ich heiße nicht Lisbeth! Ich heiße Amrei!« sagte das Mädchen und weinte. Es gab dem Ohm keine Hand. Ein Gefühl der Verfremdung machte es zittern, weil der Ohm es bei falschem Namen genannt.

»Wenn Ihr mein Ohm seid, warum wisset Ihr denn nicht mehr wie ich heiße?« fragte Amrei nochmals.

»Du bist ein dummes Kind, gleich gehst du hin und giebst ihm die Hand,« herrschte der Rodelbauer und setzte dann zu dem Fremden halblaut hinzu: »Es ist ein unebenes Kind. Die schwarze Marann' hat ihm allerlei Wunderliches in den Kopf gesetzt und du weißt ja, es ist nicht geheuer bei ihr.«

Amrei schaute sich verwundert um, und gab dem Ohm zitternd die Hand. Dami hatte das schon, früher gethan und fragte jetzt: »Ohm, hast du uns auch was mitgebracht?«

»Hab' nicht viel zum Mitbringen; ich bring' euch[32] selber mit, ihr geht mit mir. Weißt du, Amrei, daß das gar nicht brav ist, daß du deinen Ohm nicht gern hast? Du hast ja sonst Niemand auf der Welt. Wen hast du denn sonst noch? Komm besser her, da setz' dich neben mich – noch näher. Siehst du? dein Dami der ist viel gescheiter. Er sieht auch mehr in unsere Familie, aber du gehörst doch auch zu uns.«

Eine Magd kam und brachte viele Mannskleider und legte sie auf den Tisch.

»Das sind deines Bruders Kleider,« sagte der Rodelbauer zu dem Fremden und dieser fuhr zu Amrei fort: »Siehst du? das sind deines Vaters Kleider, die nehmen wir jetzt mit und ihr geht auch mit, zuerst nach Fluorn und dann über den Bach.«

Amrei berührte zitternd den Rock des Vaters und dessen blaugestreifte Weste. Der Ohm aber hob die Kleider auf, wies auf die zertragenen Ellenbogen hin und sagte zum Rodelbauer: »Diese sind nicht viel werth, die lasse ich mir nicht hoch anschlagen, und ich weiß nicht einmal, ob ich die drüben in Amerika tragen kann ohne ausgespottet zu werden.«

Amrei faßte krampfhaft einen Rockzipfel. Daß man die Kleider ihres Vaters, an die sie wie an ein kostbares und unbezahlbares Kleinod gedacht hatte, wenig werth nannte, das schien sie zu kränken, und daß diese Kleider in Amerika getragen und dort ausgespottet werden sollten, das Alles verwirrte sie fast; und überhaupt, was sollte denn das mit Amerika?

Sie wurde darüber bald aufgeklärt, denn die Rodelbäuerin kam und mit ihr die schwarze Marann', und[33] die Rodelbäuerin sagte: »Hör einmal, Mann, ich meine, das geht nicht so schnell, daß man die Kinder da mit dem Mann nach Amerika schickt.«

»Es ist ja ihr einziger leiblicher Verwandter, der Bruder des Josenhans.«

»Ja freilich, aber er hat bis jetzt nicht viel davon gezeigt, daß er ein Verwandter; und ich meine, man kann das nicht ohne den Gemeinderath, und der kann's nicht einmal allein. Die Kinder haben hier ein Heimathsrecht, und das kann man ihnen nicht im Schlaf nehmen, denn die Kinder können ja noch nicht selber sagen, was sie wollen. Das heißt Einen im Schlaf forttragen.«

»Meine Amrei ist aufgeweckt genug, die ist jetzt dreizehn Jahr alt, aber gescheiter als eine andere von dreißig, die weiß was sie will,« sagte die schwarze Marann'.

»Ihr Beide hättet sollen Gemeinderath werden,« sagte der Rodelbauer, »aber ich bin auch der Meinung, daß man die Kinder nicht wie Kälber am Strick nimmt und fortzieht. Gut, lasset den Mann selber mit ihnen reden, nachher läßt sich schon weiter sehen was zu machen ist; er ist einmal ihr natürlicher Annehmer und hat das Recht Vaterstelle an ihnen zu vertreten, wenn er will. Hör' einmal, geh' du jetzt mit deinen Bruderskindern ein wenig vor's Dorf hinaus und ihr Weiber bleibet da, es rede ihnen Keines zu und Keines ab.«

Der Holzhauer nahm die beiden Kinder an der Hand und verließ mit ihnen Stube und Haus.

»Wohin wollen wir gehen?« fragte er die Kinder auf der Straße.[34]

»Wenn du unser Vater sein willst, geh' mit uns heim; da drunten ist unser Haus,« sagte Dami.

»Ist es denn offen?« fragte der Ohm.

»Nein, aber der Kohlenmathes hat den Schlüssel, er hat uns aber noch nie hineingelassen. Ich springe voraus und hole den Schlüssel.« Und behend machte sich Dami los und sprang davon.

Amrei kam sich wie gefesselt vor an der Hand des Ohms und dieser redete doch jetzt mit zutraulicher Innigkeit in sie hinein; er erzählte fast wie zu seiner Entschuldigung, daß er selber eine schwere Familie habe, so daß er sich mit Frau und fünf Kindern nur mit Noth fortbringen könnte. Nun aber erhalte er von einem Mann, der große Waldungen in Amerika besitze, freie Ueberfahrt und nach fünf Jahren, wenn er den Wald umgerodet habe, ein großes Ackergut vom besten Boden als freies Eigenthum. Als Dank gegen Gott, der ihm das für sich und seine Kinder bescherte, habe er sich sogleich vorgesetzt, eine Wohlthat zu thun und die Kinder seines Bruders mitzunehmen: er wolle sie aber nicht zwingen, und nehme sie über haupt nur mit, wenn sie ihn von ganzem Herzen gern hätten und ihn als ihren zweiten Vater betrachteten. Amrei sah ihn nach diesen Worten groß an. Wenn sie es nur hätte machen können, daß sie diesen Mann liebte! Aber sie fürchtete sich fast vor ihm; sie wußte Nichts dagegen zu thun. Und daß er so plötzlich wie aus den Wolken fiel und verlangte: hab' mich lieb! das machte sie eher widersacherisch gegen ihn.

»Wo ist denn deine Frau?« fragte Amrei. Sie[35] mochte wohl fühlen, daß eine Frau sie milder und allmäliger angefaßt hätte.

»Ich will dir nur ehrlich sagen,« erwiderte der Ohm, »meine Frau mengt sich nicht in diese Sache, sie hat gesagt, sie rede mir nicht zu und nicht ab. Sie ist ein bischen herb, aber nur von Anfang, und wenn du gut gegen sie bist, und du bist ja gescheit, so kannst du sie um den Finger wickeln. Und wenn dir auch einmal etwas geschieht, was dir nicht recht ist, denk' du bist bei deines Vaters Bruder und sag' mir's ganz allein, und ich will dir helfen wo ich kann. Aber du wirst sehen, du fängst jetzt erst zu leben an.«

Amrei standen die Thränen in den Augen bei diesen Worten und doch konnte sie nichts sagen; sie fühlte sich fremd diesem Manne gegenüber. Seine Stimme bewegte sie, aber wenn sie ihn ansah, wäre sie gerne entflohen.

Da kam Dami mit dem Schlüssel. Amrei wollte ihm denselben abnehmen, aber er gab ihn nicht her. In der eigenthümlichen pedantischen Gewissenhaftigkeit der Kinder sagte er, daß er des Kohlenmathesen Frau heilig versprochen habe, den Schlüssel nur dem Ohm zu geben. Dieser empfing ihn und Amrei war's, als ob sich ein zaubervolles Geheimniß aufthue, da der Schlüssel zum Erstenmal im Schloß rasselte und jetzt sich drehte – die Klinke bog sich nieder und die Thüre ging auf. Eine eigenthümliche Gruftkälte hauchte aus dem schwarzen Hausflur, der zugleich als Küche gedient hatte. Auf dem Herde lag noch ein Häufchen Asche, an der Stubenthüre waren noch die Anfangsbuchstaben[36] vom Caspar, Melchior, Balthes und darunter die Jahrzahl vom Tode der Eltern mit Kreide angeschrieben. Amrei las sie laut; das hatte noch der Vater angeschrieben. »Schau,« rief Dami, »der Achter ist grade so gezogen, wie du ihn machst, und wie's der Lehrer nicht leiden will, so von rechts nach links.« Amrei winkte ihm still zu sein. Sie fand es fürchterlich und sündhaft, daß der Dami hier so leicht sprach, hier, wo es ihr war wie in der Kirche, ja wie mitten in der Ewigkeit, ganz außerhalb der Welt und doch mitten drin. Sie öffnete selber die Stubenthüre. Die Stube war finster wie ein Grab, denn die Laden waren geschlossen und nur durch eine Ritze drang ein zitternder Sonnenstrahl herein und just auf einen Engelkopf am Kachelofen, so daß der Engel zu lachen schien. Amrei fiel erschrocken nieder, und als sie sich aufrichtete, hatte der Ohm einen Fensterladen geöffnet und warme Luft drang von außen herein. Hier innen war es so kalt. In der Stube war nichts mehr von Hausrath als eine an die Wand genagelte Bank. – Dort hatte die Mutter gesponnen und dort hatte sie die Händchen Amrei's zusamengefügt und sie stricken gelehrt.

»So, Kinder, jetzt wollen wir wieder gehen,« sagte der Ohm, »da ist nicht gut sein. Kommet mit zum Bäcker, ich kauf' Jedem ein Weißbrod; oder wollet ihr lieber eine Brezel?«

»Nein, noch eine Weile dableiben,« sprach Amrei und streichelte immer den Platz, worauf die Mutter gesessen hatte. Auf einen weißen Fleck an der Wand deutend, fuhr sie dann halblaut fort: »Da hat unsere[37] Kukuksuhr gehangen und dort der Soldatenabschied von unserm Vater und da die Stränge Garn, die die Mutter gesponnen hat; sie hat noch feiner spinnen können als die schwarze Marann', ja die schwarze Marann' hat's selber gesagt: immer einen Schneller mehr aus dem Pfund als jedes Andere und Alles so gleichling – da ist kein Knötele drin gewesen, und siehst den Ring da oben an der Decke? Das ist schön gewesen, wenn sie da den Zwirn gemacht hat. Wenn ich damals schon bei Verstand gewesen wäre, hätte ich nicht zugegeben, daß man der Mutter ihre Kunkel verkauft, es wäre mein Erbstück; aber es hat sich eben Niemand unserer angenommen. O Mutter! o Vater! wenn ihr es wüßtet, wie wir herumgestoßen worden sind, es thäte euch noch jammern in der Seligkeit.«

Amrei fing laut an zu weinen und Dami weinte mit. Selbst der Ohm trocknete sich eine Thräne und drang nochmals darauf, daß man jetzt fortgehe, denn es ärgerte ihn zugleich, daß er sich und den Kindern dieses unnöthige Herzeleid gemacht; Amrei aber sagte heftig: »Wenn Ihr auch gehet, ich gehe nicht mit.«

»Wie meinst du das? Du willst gar nicht mitgehen?«

Amrei erschrack, sie ward erst inne, was sie gesagt hatte, aber sie erwiderte bald:

»Nein, vom Andern weiß ich noch nichts. Ich meine nur so: gutwillig gehe ich jetzt nicht aus dem Haus, bis ich Alles wiedergesehen habe. Komm, Dami, du bist ja mein Bruder, komm mit auf den Speicher, weißt? wo wir Versteckens gespielt haben, hinterm[38] Kamin; und dann wollen wir zum Fenster 'nausgucken, wo wir die Morcheln getrocknet haben. Weißt nicht mehr, das schöne Guldenstück, das der Vater dafür bekommen hat?«

Es raschelte Etwas und kollerte über der Decke. Alle Drei erschracken. Aber der Ohm sagte schnell: »Bleib' da, Dami, und du auch. Was wollet ihr da oben? Höret ihr nicht, wie die Mäus' rasseln?«

»Komm du nur mit, die werden uns nicht fressen,« drängte Amrei; aber Dami erklärte, daß er nicht mitgehe, und obgleich Amrei innerlich Furcht hatte, faßte sie sich doch ein Herz und ging allein nach dem Speicher hinauf. Sie kam aber bald wieder zurück, leichenblaß, und hatte nichts als einen Büschel altes Kümmelstroh in der Hand.

»Der Dami geht mit mir nach Amerika,« sagte der Ohm zu der Hinzutretenden, und diese erwiderte, das Stroh in der Hand zerbrechend: »Ich habe nichts dagegen. Ich weiß noch nicht was ich thue, aber er kann auch allein gehen.«

»Nein,« rief Dami, »das thu' ich nicht. Du bist damals mit der Landfriedbäuerin nicht gegangen, wie sie dich hat mitnehmen wollen, und so gehe ich auch nicht allein, aber mit dir.«

»Nun denn, so überleg' dir's, du bist gescheit genug,« schloß der Ohm, verriegelte wiederum den Laden, so daß man im Finstern stand, drängte dann die Kinder zur Stubenthür und zum Hausflur hinaus, verschloß die Hausthür und ging, dem Kohlenmathes den Schlüssel wieder zu bringen und dann mit Dami allein[39] in's Dorf hinein. Noch aus der Ferne rief er Amrei zu: »Du hast noch bis Morgen früh Zeit, dann geh' ich fort, ob ihr mitgehet oder nicht.«

Amrei war allein und sie schaute den Weggehenden nach, und es kam ihr seltsam vor, daß ein Mensch vom andern weggehen kann. »Dort geht er hin und er gehört doch zu dir und du zu ihm.«

Seltsam! Wie es im wirklichen Traume geschieht, daß das blos leise Angeregte sich in ihm erneuert und mit allerlei Wunderlichkeiten verflicht, so erging es jetzt Amrei im wachen Traum. Nur ganz flüchtig hatte Dami von der Begegnung mit der Landfriedbäuerin gesprochen; ihr Gedenken war halb erloschen in der Erinnerung, und jetzt wachte es wieder hell auf wie ein Bild aus vergangenem vorgeträumtem Leben. Amrei sagte sich fast laut: »Wer weiß, ob sie nicht auch manchmal so plötzlich, man kann nicht sagen woher, an dich denkt, und vielleicht jetzt eben in dieser Minute; und hier, dort unten hat sie dir's ja versprochen, daß sie dir eine Annehmerin sein will, wenn du kommst, dort bei den Kopfweiden. Warum bleiben nur die Bäume stehen, daß man sie allzeit sieht? Warum wird nicht auch ein Wort so Etwas wie ein Baum, das steht fest und man kann sich dran halten? Ja, es kommt nur darauf an, ob man will, da hat man's so gut wie einen Baum .... Und was so eine ehrenhafte Bäuerin sagt, das ist fest und getreu; und sie hat doch auch geweint, weil sie fort gemußt von der Heimath, und ist doch schon lang hinaus verheirathet aus dem Dorf und hat Kinder, ja, und der eine heißt[40] Johannes.« Amrei stand an dem Vogelbeerbaum und legte die Hand an den Stamm und sagte: »Du, warum gehst denn du nicht fort? warum heißen dich die Menschen nicht auch auswandern? Vielleicht wäre dir's auch besser anderswo. Aber freilich, du bist zu groß und du hast dich nicht selber hergesetzt, und wer weiß, ob du nicht an einem andern Orte verkämest. Man kann dich nur umhacken und nicht versetzen. Dummes Zeug! Ich hab' ja auch von da weggemußt. Ja, wenn's mein Vater wäre, da müßt' ich mit ihm gehen. Er hat mich nicht zu fragen, und wer viel fragt, geht viel irr'. Es kann mir Niemand rathen, auch die Marann' nicht. Und beim Ohm ist's doch so, er denkt: ich thu dir Gutes und du mußt mir's wieder bezahlen. Wenn er hart gegen mich ist und gegen den Dami, weil er ungeschickt ist, und wir gehen auf und davon .... wohin sollen wir dann in der wilden fremden Welt? Und hier kennt uns jeder Mensch und jede Hecke, jeder Baum hat ein bekanntes Gesicht. Gelt, du kennst mich?« sagte sie wieder aufschauend zu dem Baum. »O wenn du reden könntest! Du bist doch auch von Gott geschaffen, o warum kannst du nicht reden? Du hast doch auch meinen Vater und meine Mutter so gut gekannt, warum kannst du mir nicht sagen, was sie mir rathen würden? O lieber Vater, o liebe Mutter, mir ist so weh, daß ich fort soll. Ich habe doch hier Nichts und fast Niemand; aber mir ist's, als müßt' ich aus dem warmen Bett in den kalten Schnee. Ist das, was mir so weh thut, ein Zeichen, daß ich nicht fort soll? Ist das das rechte Gewissen, oder ist es nur eine dumme[41] Angst? Wenn jetzt nur eine Stimme vom Himmel käm' und thät mir's sagen.«

Das dreizehnjährige Kind zitterte von innerer Angst und der Zwiespalt des Lebens that sich zum Erstenmal schreiend in ihm auf. Und wieder sprach sie halb, halb dachte sie, aber jetzt entschlossen:

»Wenn ich allein wäre, da weiß ich fest, ich ginge nicht, ich bliebe da; es thut mir zu weh; und ich kann mir schon allein forthelfen. Gut, merk' dir das. Also Eins hast du fest, mit dir selber bist du im Reinen. Ja, aber was ist das für ein dummes Denken! Wie kann ich mir's denken, daß ich allein wäre ohne den Dami? Ich bin ja gar nicht allein da, der Dami gehört zu mir und ich zu ihm. Und für den Dami wär's doch besser, er wäre in einer Vatersgewalt; das thät' ihn aufrichten. Wozu brauchst du aber einen Andern? kannst du nicht selber für ihn sorgen, wenn's nöthig ist? Und wenn er so eingeheimst wird, ich seh' schon, da bleibt er sein Lebenlang nichts als ein Knecht, der Pudel für andere Leute; und wer weiß, wie die Kinder des Ohms gegen uns sind. Weil sie selber arme Leute sind, werden sie die Herren gegen uns spielen. Nein, nein, sie sind gewiß brav und das ist schön, wenn man so sagen kann: guten Tag, Vetter, guten Morgen, Bas'. Wenn nur der Ohm eins von den Kindern mitgebracht hätt', da könnt' ich viel besser reden, und könnte auch Alles besser erkundschaften. O wie ist das Alles auf Einmal so schwer ...«

Amrei setzte sich nieder am Baum und ein Buchfink kam dahergetrippelt, pickte sich ein Körnchen auf, schaute[42] sich um und flog davon. Ueber das Gesicht Amrei's kroch Etwas, sie wischte es ab. Es war ein Abgottskäfer. Sie ließ ihn auf ihrer Hand herumkriechen, zwischen Berg und Thal ihrer Finger, bis er auf die Spitze des Fingers kam und davon flog. »Was der wohl erzählen wird, wo er gewesen sei,« dachte Amrei, »und so ein Thierchen hat es gut: wo es hinfliegt, ist es daheim. Und horch! wie die Lerchen singen, die haben's gut, die brauchen sich nicht zu besinnen was sie zu sagen und was sie zu thun haben. Und dort treibt der Metzger mit seinem Hund ein Kalb aus dem Dorfe. Der Metzgerhund hat eine ganz andere Stimme als die Lerche ...«

»Wohin mit dem Füllen?« rief der Kohlenmathes aus dem Fenster einem jungen Burschen zu, der ein schönes junges Füllen am Halfter führte.

»Der Rodelbauer hat's verkauft,« lautet die Antwort, und bald wieherte das Füllen weiter unten im Thale. Amrei, die das hörte, mußte wiederum denken: »Ja, so ein Thier verkauft man von der Mutter weg und die Mutter weiß es kaum; und wer's bezahlt, der hat's eigen; aber einen Menschen kann man nicht kaufen und wer nicht will, für den giebt's kein Halfter. Und dort kommt jetzt der Rodelbauer mit seinen Pferden, und das große Füllen springt nebenher. Du wirst auch bald eingespannt. Und vielleicht wirst du auch verkauft. Ein Mensch wird nicht gekauft, er verdingt sich blos. So ein Thier kriegt für seine Arbeit keinen andern Lohn als Essen und Trinken und braucht auch sonst nichts, aber ein Mensch kriegt noch Geld dazu[43] als Lohn. Ja, ich kann jetzt Magd sein und von meinem Lohn thue ich den Dami in die Lehre, er will ja auch Maurer werden. Und wenn wir beim Ohm sind, ist der Dami nicht mehr so mein wie jetzt. Und horch, jetzt fliegt der Staar heim, da oben in's Haus, das ihm noch der Vater hergerichtet und er singt noch einmal lustig. Und der Vater hat das Haus aus alten Brettern gemacht. Ich weiß noch, wie er gesagt hat, daß ein Staar nicht in ein Haus von neuen Brettern zieht, und so ist mir's auch ... Du Baum, jetzt weiß ich's: wenn du rauschest, so lange ich heute noch da bin, so bleibe ich da.« ... Und Amrei horchte tief auf. Bald war's ihr, als rauschte der Baum, dann aber sah sie nach den Zweigen und diese waren unbewegt, sie wußte nicht mehr was sie hörte.

Mit lärmendem Geschnatter kam es jetzt herbei und eine Staubwolke ging voraus. Es war die Gänseheerde, die vom Holderwasen hereinkam. Amrei ahmte vor sich hin lange das Geschnatter nach.

Die Augen fielen ihr zu, sie war eingeschlummert.

Ein ganzer Frühling von Blüthen war aufgebrochen in dieser Seele und die Blüthenbäume im Thale, die den Nachtthau einsogen, schickten ihre Düfte hinüber zu dem Kinde, das eingeschlafen war auf der Heimatherde, von der es sich nicht trennen konnte.

Es war schon lange Nacht als sie erwachte und eine Stimme rief: »Amrei, wo bist du?« Sie richtete sich auf und antwortete nicht. Sie schaute verwundert nach den Sternen, und es war ihr, als ob diese Stimme vom Himmel käme; erst als sich der Ruf wiederholte,[44] erkannte sie den Ton der Marann' und antwortete: »Da bin ich!« Und jetzt kam die schwarze Marann' und sagte: »O das ist gut, daß ich dich gefunden habe. Im ganzen Dorf sind sie wie närrisch. Der Eine sagt: er habe dich im Wald gesehen; der Andere ist dir im Feld begegnet, wie du jammernd dahin gerannt bist und auf keinen Ruf dich umgekehrt hast. Und mir ist's gewesen als wenn du in den Teich gesprungen wärst. Brauchst dich nicht zu fürchten, du armes Kind, brauchst nicht davon zu laufen. Es kann dich Niemand zwingen, daß du mit deinem Ohm gehst.«

»Wer hat denn gesagt, daß ich nicht will?«

Plötzlich fuhr ein rascher Windhauch durch den Baum, daß er mächtig rauschte.

»Und freilich will ich nicht!« schloß Amrei und hielt die Hand an den Baum.

»Komm heim, es bricht ein arges Wetter los, der Wind wird's gleich da haben,« drängte die schwarze Marann'.

Wie taumelnd ging Amrei mit der schwarzen Marann' in's Dorf hinein. Was war denn das, daß die Menschen sie durch Feld und Wald irrend gesehen haben wollten oder sprach das nur die Marann'? Die Nacht war stockdunkel und nur plötzlich leuchteten rasche Blitze und ließen die Häuser im hellen Tageslicht erscheinen, so daß das Auge geblendet wurde und man stillstehen mußte, und war der Blitz verschwunden, so sah man gar nichts mehr. Im eigenen Heimatsdorf waren die Beiden wie in der Fremde verirrt und schritten nur unsicher vorwärts. Dazu wirbelte ein[45] Staub auf, so daß man vor Betäubung fast nicht vom Fleck kam; in Schweiß gebadet arbeiteten sie sich vorwärts und kamen endlich unter schwer fallenden Tropfen an ihrer Behausung an.

Ein Windstoß riß die Hausthür auf und Amrei sagte:

»Thu' dich auf.«

Sie mochte an ein Mährchen gedacht haben, wo sich auf ein Räthselwort das Zauberschloß aufthut.

Quelle:
Berthold Auerbach: Gesammelte Schriften, 1. neu durchgesehene Gesammtausgabe, Band 9, Stuttgart und Augsburg 1857, S. 24-46.
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Gedichte und Satiren

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»Es giebet viel Leute/ welche die deutsche poesie so hoch erheben/ als ob sie nach allen stücken vollkommen wäre; Hingegen hat es auch andere/ welche sie gantz erniedrigen/ und nichts geschmacktes daran finden/ als die reimen. Beyde sind von ihren vorurtheilen sehr eingenommen. Denn wie sich die ersten um nichts bekümmern/ als was auff ihrem eignen miste gewachsen: Also verachten die andern alles/ was nicht seinen ursprung aus Franckreich hat. Summa: es gehet ihnen/ wie den kleidernarren/ deren etliche alles alte/die andern alles neue für zierlich halten; ungeachtet sie selbst nicht wissen/ was in einem oder dem andern gutes stecket.« B.N.

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Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

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Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

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