Zwölfte Szene

[52] Staberl. Mehrere Bürger. Hans. Vorige.


STABERL. Da bring ich den letzten Transport. Ich hab gleich alles z'samm'genommen, was ich auf der Gasse gefunden hab. – Meister Redlich, heut könnten wir das Transparent brauchen, was da hinter dem Vorhang steht – meine Idee – zur Feier der fröhlichen Stunde –

REDLICH. Ich überlaß Ihnen alles.

STABERL geht ab und zu.

REDLICH. Alles ist heute mein Gast, wer es gut mit den Wiener Bürgern meint. Hansel, hast du alles besorgt?

HANS. Alles ist in Bereitschaft.

REDLICH. Da gebt nun meinem Weib die Hand und grüßt[52] meine Tochter als Braut. In meiner Familie ist Eintracht und Frieden. Meine Kinder sind glücklich, ich bin ein zufriedener Hausvater. Vivat!

ALLE. Vivat! Man hört einen Tusch mit Trompeten und Pauken.

REDLICH. Ah, das ist der Staberl. Wo ist er denn? Her mit ihm! Er hat seine Sachen gut gemacht heute. Er soll leben!

STABERL. Da bin ich. Bedank mich gar schön. Mich freut's, wenn Sie zufrieden sind. Ja, es ist kein Spaß, was man aussteht. Der Posten ist gar kitzlig. Ich war schon heut Schildwache, Wachkommandant und Grandprofoß. Sieht sich um. Aber jetzt sollten wir halt einen Wein haben.

REDLICH. Hansel! G'schwind!

HANS bringt Wein und Gläser auf einem Tische mit Hilfe einiger Leute aus dem Seitenzimmer.

STABERL. O Viktoria! Nun geht gar nichts über den heutigen Tag. Du Dichter – nun, wir sind ja Brüderln von der Donau – du, Dichter, geh, mach jetzt einen Vers –

KARL. Darauf war ich nicht gefaßt.

STABERL. Da war ich schon mehr g'faßt; ich hab aus Zeitlang in der Wachtstube auf einem alten Rapport Verse gemacht. Ich sing s' vor – aber die anderen müssen nachsingen. So ein Chor, das ist schön, und die Leut glauben auf der Gassen, wenn wir recht schreien, wir sind da herin närrisch worden. Beim dritten G'setzel – du Tiroler – ziehst dort den Vorhang auf –. Achtgeben! Ich fang an!

Auf Brüder in fröhlicher Runde,

Singt jubelnd ein lustiges Lied

Und feiert die herrliche Stunde,

Wo Kummer und Sorge entflieht.

Wenn's draußen auch stürmet und blitzet,

Wir zagen und fürchten nie;

Uns schirmet und decket und schützet

Der Gönner ihr Gunstparapluie.

CHOR.

Wenn's draußen auch stürmet und blitzet,

Wir zagen und fürchten uns nie;

Uns schirmet und decket und schützet

Der Gönner ihr Gunstparapluie.

STABERL.

Reicht fest euch die Hände und schwinget

Das festliche Gläschen voll Wein,

Und was euch der Staberl nun singet,[53]

Dem stimmet vom Herzen mit ein! –

Die Gnade solch herrlicher Gönner

Macht nie einen Spieler labet;

Der Beifall solch gütiger Kenner –

Oh, wenn ich nur stets davon hätt!

CHOR.

Die Gnade solch herrlicher Gönner

Macht nie einen Spieler labet;

Der Beifall solch gütiger Kenner –

Oh, wenn ich nur stets davon hätt!

STABERL.

Sie wissen Verdienste zu lohnen,

Das zeiget ihr freundlicher Sinn;

Ja, Gnade und Liebe, sie wohnen

Im schönen, erhabenen Wien.

Drum töne das Loblied dem Feste;

Wir bringen's mit dankbarem Sinn:

Es leben die gnädigen Gäste!

Es leben die Bürger von Wien!


Man sieht rückwärts ein großes glänzendes Transparent mit den Schlußworten des Gesanges.


CHOR.

Drum töne das Loblied dem Feste;

Wir bringen's mit dankbarem Sinn:

Es leben die gnädigen Gäste!

Es leben die Bürger von Wien!


Der Vorhang fällt.
[54]

Quelle:
Das Wiener Volkstheater in seinen schönsten Stücken. Leipzig 1960, S. 52-55.
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