Quellenangaben

[470] 1. Aschenpüster mit der Wünschelgerte. »Jahrbücher des Vereins für Meklenburgische Geschichts- und Alterthumskunde. Herausgegeben von G.C.F. Lisch.« 5. Jahrgang 1840. Man könnte glauben, dieses Märchen deute nach der bekannten Aschenbrödel hin, es ist dies aber kaum mit einem Zuge der Fall, eher könnte der Eingang entfernt an das »Nußzweiglein« denken lassen.


2. Das Natterkrönlein. Aus bekannter überall lebender Volkssage vom Otterkönig hervor gegangen, hier mit Benutzung von Ignaz und Josef Zingerle: »Kinder- und Hausmärchen aus Süddeutschland.« Innsbruck und Regensburg 1852 und 1854. II. S. 106. »Die Krönlnatter«. Dort ohne rechten Schluß. Ich habe es erweitert und abzurunden gesucht.


3. Das klagende Lied. Nach Th. Haupts »Zeitschrift für deutsches Alterthum.« III. S. 35. Dieses schaurige Märchen hat Verwandtschaft mit dem: »Der singende Knochen«, bei Grimm: K.u.H.M. 28. und zum »Machandelbaum«, ist aber dennoch völlig selbstständig.


4. Schneider Hänschen und die wissenden Tiere. Nach J.W. Wolf: »Deutsche Märchen und Sagen«, Leipzig 1845, Nr. 4. Das verratene Geheimniß. Erinnert an K.u.H.M. 107, Die Krähen, ist aber durchdachter und abgerundeter wiedergegeben.


5. Sonnenkringel. Vielfach mündlich umgehend; bei Grimm, K.u.H.M. 115. »Die klare Sonne bringt's an den Tag.« Verwandt in seiner ethischen Beziehung mit »Das Rebhuhn« in meinem D.M.B.


6. Der starke Gottlieb. Nach mündlicher Überlieferung aus dem obern Saaltale – begegnet in mannigfaltiger Veränderung, es ist der Zug des Sieges der Roheit und der ungeschlachten Kraft gegen die Verfeinerung, aber auch des Natursinnes gegen Ränke, Falschheit und Arglist.


7. Gevatterin Kröte. Mündlich im Vogtlande; dort mit örtlichem Anklang, halb Sagen- halb Märchenstoff.


8. Seelenlos. Keineswegs, wie der Titel vermuten lassen könnte: »Der Mann ohne Herz«. Nach J.W. Wolf, a.a.O. No. 20 »Ohneseele«; verwandt im Eingange mit dessen 23. »Die dankbaren Tiere«. Ich dichtete es völlig um.


9. Der undankbare Sohn. Aus gleicher Quelle, 35. »Die Schlange am Halse«. Wolfs Schluß ist matt, ich gab ihm Rundung und Vollendung.[470]


10. Das Hellerlein. Volksmündlich; in Thüringen und Hessen. Bei Grimm: »Der gestohlene Heller«. Wie der ethische Zug der Reue, der durch dieses Märchen klingt, verbreitet ist, zeigt eine Sage aus Vachdorf im Werratale. Dort nahm ein Bauer heimlich aus dem Klingelbeutel einen Dreier, nahm sich aber diese Tat dann so zu Herzen, daß er schwermütig wurde, nur immer seufzte und nichts weiter sprach als: »Ach das Dreierlein! Ach das Dreierlein!« bis er sich aus Melancholie in einen Brunnen stürzte.


11. Der schwarze Graf. Aus den oben angeführten Meklenburg. Jahrbüchern a.a.O. Steht selbstständig und eigentümlich als echtes Schauermärchen da.


12. Vom Büblein, das sich nicht waschen wollte. Findet sich auch bei den Br. Zingerle, am oben a.O. 1. S. 41. 7. »Der höllische Thorwartl«. Dort völlig ohne Pointe. Ähnelt dem M. bei Grimm, K.M. 100. »Des Teufels rußiger Bruder«, welches aber mehr ausgesponnen ist.


13. Das winzige, winzige Männlein. Nach mündlicher Mitteilung aus dem Saaltale. Die gemeinsame Wanderschaft von Dreien begegnet häufig in den Märchen, ebenso ist ein wahres Element derselben das einsame Waldhäuschen, nicht minder der fast unvermeidliche Menschenfresser. Vergleiche Wolf, a.a.O. 13. Trotz dem Vorhandensein aller dieser Züge ist dieses Märchen dennoch selbstständig.


14. Die schlimme Nachtwache. Bei Br. Zingerle II. 350. »Die schlimme Wirtin«.


15. Der gastliche Kalbskopf. Nach d. Meklburg. Jahrb. a.a.O. wo es aber keinen rechten Schluß hat.


16. Die scharfe Schere. Volksmündlich in Franken, und zwar mit lokaler Färbung; es ist dieser Sagenstoff aber so echt märchenhaft, daß ich denselben gern in die vorliegende Form umdichtete.


17. Das tapfere Bettelmännlein. Bei d. Br. Zingerle, II. 2. Scheint Nachhall des »tapfern Schneiderlein«, ist aber völlig umgebildet und der Tiroler Bergnatur angepaßt. Ich habe in meiner Niederschrift ihm volle Selbstständigkeit zu geben versucht.


18. Zwergenmützchen. Bei Wolf a.a.O. 13. »Der Zwergenberg«. Die unsichtbar machende Tarnkappe der Zwerge begegnet häufig, sowohl in Märchen, als auch in Sagen. Bei Wolf ist der Stoff etwas dürftig, ohne Not töten die Zwerge zwei der Brüder, und der Schluß fehlt völlig; von der Tochter des Müllers, die doch am Eingange ihres Vaters Augapfel genannt wird, ist gar nicht wieder die Rede. Ich habe das Märchen erweitert und ihm einen passenden Schluß gegeben.


19. Der Wandergeselle. Mündlich aus dem Saaltale. Es hat Verwandtschaft mit »Die drei Hunde« in meinem D.M.B. und mit andern, doch ist der Zug mit der zu erlösenden Königstochter ganz verändert, die Namen der Hunde sind andere, und der Stoff ist offenbar[471] ursprünglich, ja man könnte dieses Märchen ein Doppelmärchen nennen. Auch ein Zug vom »Schmied von Jüterbogk« findet sich darin vor. Wenn jemand Lust hat, zu tadeln, daß ich den Schluß launig hielt und in etwas ihn modernisierte, mag er's tun. Kein Märchen ist an eine bestimmte Zeit gebunden, es kann in ältester, wie in neuester Zeit spielen, je nach des Dichters Belieben, nur muß, so weit dies möglich, der Ton der Erzählung ein der gewählten Zeit angepaßter sein.


20. Marien-Ritter. Nach v. der Hagen: Gesammtabenteuer. Stuttgart und Tübingen. 1850. III. 74. Mittelhochdeutsches Gedicht von legendenhafter Färbung, das ich in Prosa umwandelte.


21. Vom Knaben der das Hexen lernen wollte. Aus den Meklenb. Jahrb. a.a.O. Es hat viel Eigentümliches, doch erinnern die Züge der mannigfachen Verwandlung an mehr als ein verwandtes Märchen.


22. Die drei Wünsche. Verwandt mit einem mittelhochdeutschen Gedichte in den bei 20. angeführten Gesamtabenteuern; II. 37. geht aber auch volksmündlich in Thüringen und Hessen um. Bei Grimm K.u.H.M. ist es 87. »Der Arme und der Reiche«, dort sind der Armen zwei, Mann und Frau. Ich habe in meine Darstellung die Züge des mittelhochdeutschen Gedichtes eingewebt, und dem ganzen selbstständige Behandlung angedeihen lassen.


23. Die Kuhhirten. Nach den Meklenb. Vereins- Jahrb. a.a.O. Auch bei Grimm: K.M. 173. »Rohrdommel und Wiedehopf«. Dort sehr kurz.


24. Das Unentbehrlichste. Bei d. Br. Zingerle a.a.O. Th. I. 31. »Notwendigkeit des Salzes«. Man tut nicht wohl, das, was das Geheimnis eines Rätsels ist, seine Lösung, dem Leser gleich als Titelüberschrift vorzusetzen. Ich habe gesucht, dem Märchen mehr dramatisches Leben zu geben, als die Erzähler meiner Quelle getan.


25. Der Fischkönig. Jahrb. d. Meklenb. Vereins, a.a.O. bei Grimm: K.M. 172. »Die Scholle«. An beiden Orten fast allzukurz.


26. Die Schlange mit dem goldenen Schlüssel. Vielfach abgewandelt im Volksmunde, wie in Büchern.


27. Die goldene Schäferei. Volksmündlich im Orlagau, und zwar dort mit örtlichem Anklang. Es ist aber offenbar mehr romantisches Märchen, als Sage. W. Börner teilt es zuerst, aber sehr ausgeschmückt mit in seinen »Volkssagen aus dem Orlagau etc.« Altenburg, 1838, und da mir daran lag, zu erfahren, was er hinzugedichtet, so fragte ich brieflich deshalb bei ihm an, und er schrieb mir: »In der Sage von der goldenen Schäferei ist alles Volksüberlieferung bis auf die Ausschmückung des Heimchenreiches und die vorkommenden Zwiegespräche. Sie können die Sage noch allenthalben in der Umgegend erzählen hören.« Ich mußte bei meiner Umdichtung der Sage in ein Märchen die vielen örtlichen Beziehungen hinweglassen, und tat dies um so lieber, als mir manche äußerst zweifelhaft erschienen.[472]


28. Die verwünschte Stadt. Eigentlich Alpensage aus der Nähe des Matterhorns; aber angehaucht vom Zauber der Märchenpoesie. In meinem Deutschen Sagenbuche Nr. 18. Hier von mir erweitert und in düsterer Färbung gehalten.


29. Schab den Rüssel. Der Name eines Hauses in Wien, daher dort volksmündlich; Andeutung des märchenhaften Elementes in: Emil: »Romantisch historische Skizzen aus Österreichs Vorwelt«, Wien, 1837, aber dort äußerst dürftig, matt und ohne Spitze.


30. Der redende Esel. Ein Rübezalmärchen, dem alten Buche: »Der etc. Schlesische Rübezahl« etc., Breslau und Leipzig, 1728, entnommen. Ich habe es ein wenig erweitert, dramatischer gehalten, und die örtliche Beziehung zugleich mit dem Namen des Berggeistes hinweg gelassen.


31. Der fromme Ritter. Volksmündlich, begegnet auch als Lokalsage. Ich behandelte den Stoff schon früher als Romanze, in m. Gedichten, Frankfurt, Sauerländer 1836, unter gleicher Überschrift.


32. Der wandernde Stab. Diesen echten ernsten Märchenstoff fand ich in einer Nummer des Morgenblattes 1856, als Schleswig Holsteinische örtliche Sage nebst Bruchstücken eines Volksliedes, aber ohne die Beziehung auf Ahasver, die ich hinzu tat, um dem Stoffe mehr Gewicht und Haltung zu geben.


33. Die Wünschdinge. Nach Wolf a.a.O. 26. »Von vier Wunschdingen«. Der Wunsch und das Wünschelwesen sind geheimnisvolle Elemente in vielen Märchen, ich möchte sagen: mythische Elemente, da Wuotan selbst Wunsch heißt. Das Wünschtüchlein erinnert an das Märchen von »Rolands Knappen«, an das Märchen vom »Tischgen decke Dich«, und dergleichen. Ich habe versucht, einigen Humor einzuweben, zu welcher Behandlung der Stoff sich ungesucht bot, den Wolf etwas sehr trocken gibt.


34. Das blaue Flämmchen. Nach J.W. Wolf: »Hessische Sagen«. Göttingen, 1843. Nr. 145. »Erlöste Seele«. Hat keine Verwandtschaft mit dem Grimmschen K.M. 116. »Das blaue Licht«.


35. Undank ist der Welt Lohn. Mündlich, aus dem obern Saaltale. Dasselbe Märchenelement, was in dem K.M. 27. »Die Bremer Stadtmusikanten« enthalten ist, nur daß dort der Hauptträger des meinigen, der Bäckergeselle fehlt, und die Füchse Räuber sind.


36. Der fette Lollus und der magere Lollus. Diesen echten und ganz eigentümlichen Märchenstoff entnahm ich Wolfs Hessischen Sagen. 229. Lollus. Dieser Lollus dürfte kaum Bezug zu dem angeblichen Gotte der Franken gleichen Namens haben, wie der Verfasser, indem er in den Anmerkungen auf meinen »fränkischen Sagenschatz« hinweist, zu vermuten scheint.


37. Die Adler und die Raben.


38. Vom Hasen und dem Elefantenkönige.


39. Von einem Hasen und einem Vogel.[473]


40. Von einem Einsiedel und drei Gaunern.


41. Der listige Rabe.


42. Der Dieb und der Teufel.


43. Die verwandelte Maus.


44. Der Raben Arglist und Rache.

bilden zusammen eine Tiermärchenkette, wie ich deren in meinem oben erwähnten deutschen Märchenbuche auch einige gegeben habe. Die Quelle ist das alte treffliche Buch: »Der alten Weisen Exempel« etc. das hervorgegangen ist aus indischen Überlieferungen, und seit undenklichen Zeiten seine reiche Stoffülle der späteren Benutzung darbot. Der ursprüngliche Verfasser soll ein Bramine, des Namens Sindbad oder Sendabar gewesen sein.

Ich habe mit Beibehaltung der Eigentümlichkeit der alten deutschen Bearbeitung, die so schlicht und einfach und allverständlich ist, und mit Hinweglassung einiger für Kinder nicht passenden Erzählungen sehr wenig abgeändert, nur hier und da gekürzt und den Stil ein wenig geglättet.


45. Die beiden Brüder. Nach mündlicher Überlieferung im Saaltale. An die Stelle des Wunderbaren, welches in diesem Märchen eigentlich unvertreten ist, tritt die Großartigkeit der Dummheit, mit ihrer komischen Wirkung. Dummheit, in das phantastische Gebiet über getrieben, vermag völlig überraschend und wunderbar zu wirken.


46. Schlange Hausfreund. Mündlich umgehend, doch auch in Büchern begegnend; als örtliche Sage in Lauingen heimisch, s.m. Deutsches Sagenbuch, 961. »Die Schlange als Gast«. Ich entnahm der Sage den rein märchenhaften Zug, daß die Schlange mit der Katze Freundschaft schließt, wodurch sich die folgenden Märchen verbinden ließen.


47. Die Schlangen-Amme. Mündlich und auch in Büchern. Von mir unter gleichem Titel als Gedicht bearbeitet. (Gedichte. 1836. S. 180 u.f. In Schwaben begegnet derselbe Stoff als Lokalsage. D.S.B. 942). Er ist aber so völlig märchenhaft, daß ich ihn gern in den Kreis dieser Märchen gezogen habe.


48. Klare-Mond. Nach einigen Motiven in J.W. Wolfs D.S.u.M. darin Hexensagen mit Vorliebe behandelt sind; es wurden Züge von 151, »Die Katzenlinde« und von 154, »Klaren Mondschein trinken«, miteinander verbunden. Der Schluß erinnert an »Des Bischofs Katze«. D.S.B. 421.


49. Siebenhaut. Nach einem Tiroler Märchen, das die Brüder Zingerle mündlich in Absam hörten. (Kinder- und Hausmärchen aus Süddeutschland. 2. Sammlung. S. 173.) »Die Schlange«. Ich habe es in etwas gekürzt, und die Verwandlungsszenen lebendiger gehalten. Der letzte Zug erinnert unter andern an »Das blaue Flämmchen«, Nr. 34 dieser Sammlung. Die Märchen 46 bis 49 habe ich zu einer kleinen Kette verbunden.[474]


50. Das Dukaten-Angele. Mündlich im Saaltale, völlig originell, und echtes Kindermärchen; ich habe nur einige allzudrastische derbvolkstümliche Züge tilgen oder mildern müssen, dafür andere erweitert, und es völlig zu meinem Eigentum gemacht, auch die Namen gab ich dazu. Das Angele deutet nach den Wunschdingen, wie der Heckepfennig, das Galgenmännlein u. dgl. aber ohne grausigen dämonischen Beischmack, den das letztere hat.


Das moralische Element, welches unsern deutschen Volks- und Kindermärchen zum größeren Teil innewohnt, will ich hier nicht des breiteren auseinander legen. Verständige Eltern und Erzieher werden dessen auch in dieser Sammlung in Fülle finden. Schon die Weisheit der ältesten Völker hüllte tief eindringliche ethische Lehren in das Gewand des harmlosen Märchens. Ich schließe auch diese Sammlung mit dem Wunsche, daß sie nützend, wie erfreuend wirken möge.


Meiningen, im September 1856.


Ludwig Bechstein[475]

Quelle:
Ludwig Bechstein: Sämtliche Märchen. München 1971, S. 470-477.
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